Schulball

Estland ist der amerikanische Traum. Na gut, nicht ganz, aber es ähnelt ein wenig einen High-School Film und genau so war auch der Schulball.

Der Schulball, war der Geburtstag von meiner Schule. Er ging von sechs Uhr bis um halb eins. Ich war mit einer Freundin, da und es war sehr lustig. Wir haben getanzt und ich glaube ich bin den Jungs auf die Füße getreten…

Naja, es war auf jeden fall lustig. Zum Anfang haben welche aus meiner Schule eine Art kurz Musical aufgeführt und es hätte genauso gut aus High-School Musical sein können. Sonst gab es live Musik, es waren estnische Sänger. Jetzt nicht die Berühmtesten, aber sie waren sehr gut.

Es gab ein Fotostand wo wir schöne sowie lustige Fotos gemacht haben.
Um Mitternacht gab es Kuchen und darauf folgte eine Show von Feuerbändigern, das war echt cool anzusehen.

Und was darf natürlich nicht fehlen, der Ballkönig und die Ballkönigen. Es gab aufblasbare Kronen und eine kurze Rede, wenn ich mich nicht Irre ;D. Ich war nicht wählen, hab leider verpasst, wo man wählen konnte…

Kurzgefasst, es war schon cool 😀

Meine Handykamera ging an dem Tag leider nicht… Sollte ich noch an Bilder kommen, werden sie folgen.

Schulball 8. Nov. 2018

Ein Tag für mich in Rumänien

Ceau,
nachdem mich jetzt schon einige Leute darum gebeten haben, möchte ich euch mit diesem Eintrag einen kleinen Einblick in einen normalen Tag für mich hier in Rumänien geben.
Also: morgens stehe ich unter der Woche immer gegen halb sieben zusammen mit meiner Gastschwester und meiner Gastmutter auf. Nachdem ich gefrühstückt, meine Sachen für die Schule gepackt und mich fertig gemacht habe, verlasse ich meistens gegen 7:40h das Haus und gehe zu Fuß zur Schule, meistens alleine, da meine Gastschwester den Bus nimmt. Da sie dafür aber früher das Haus verlassen muss bevorzuge ich meistens den Fußweg. Normalerweise komme ich gerade rechtzeitig um acht an der Schule an, wenn ich einige Minuten zu spät bin ist das aber auch nicht so schlimm, da die Hälfte meiner Klasse erst bis zu 20 Minuten nach dem Klingeln ankommt und auch der Lehrer nicht selten 10 Minuten zu spät kommt.
Mittags esse ich einen kleinen Snack, den ich mir von Zuhause mitgebracht habe (solange ich ihn nicht schon vorher gegessen habe) und nach der Schule, meistens gegen 14h, gehe ich direkt ins Fitnessstudio, oft mit meiner Gastschwester, manchmal aber auch alleine. Ich habe damit letzten Monat angefangen, als es draußen zum joggen zu kalt wurde, und es gefällt mir sehr gut.
Gegen Abend komme ich meistens nach Hause, Montags, Dienstags und Mittwochs gehe ich noch mit unserem Hund spazieren und dann gibt es Abendessen, Die Mahlzeiten essen wir unter der Woche meistens einfach jeder, wenn er gerade Hunger hat, da meine Gastmutter am Wochenende für eine ganze Woche kocht, aber am Wochenende versuchen wir, zumindest eine Mahlzeit am Tag gemeinsam zu essen,
Nach dem Essen lerne ich fast immer für die Schule oder rumänisch. Diese Stunden am Abend mag ich am Tag am liebsten, meine Gastmutter, meine Gastschwester und ich sitzen im Wohnzimmer, meistens haben wir alle etwas zu arbeiten, manchmal sitzen wir aber auch einfach nur da und unterhalten uns, entweder der Hund oder die Katze oder beide kommen und wollen eine Streicheleinheit…
Meinen Gastvater sehe ich unter der Woche nur, wenn ich lange aufbleibe, da er oft erst gegen 23:30h von der Arbeit kommt, aber am Wochenende ist er oft zuhause.
Am Wochenende unternehme ich meistens etwas mit meinen Freunden oder meiner Gastschwester, manchmal fahren wir auch meine Gastgroßeltern besuchen.
So, ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben,
Pe curand,
Alina
In dem Bild sind meine Gastschwester und ich, bei einem Wochenendausflug nach Timisoara

Ein Vierteljahr

Ich bin nun schon mehr als ein Vierteljahr hier in Ungarn und der letzte Monat ist für mich total schnell vorbeigezogen. Langsam verstehe ich, warum es heißt, dass für Austauschschüler die Zeitwahrnehmung ganz anders ist als normalerweise – es gibt einfach so viel zu tun, dass man manchmal gar keine Zeit mehr hat, das Erlebte zu reflektieren. Ich schreibe hier also alles auf, tatsächlich auch, um den vergangenen Monat für mich selbst festzuhalten. Erst hatte ich das Gefühl, im November ist überhaupt nichts passiert, das erwähnenswert genug für einen Blogeintrag ist, aber als ich nachgedacht hab, ist mir aufgefallen, dass eigentlich sehr viel passiert ist:

 

HERBSTFERIEN

Auch in Ungarn gibt es (zum Glück) eine Woche Herbstferien. Die erste Novemberwoche habe ich also damit verbracht, in meinem Bett zu entspannen und mich von den ganzen Geschehnissen um mich herum zu erholen. Naja, jedenfalls habe ich mir das vorgenommen (wobei ich es sogar für zwei oder drei Tage tatsächlich verwirklichen konnte), stattdessen habe ich die anderen Austauschschüler getroffen, von denen ich einige seit der Kroatienreise nicht mehr gesehen hatte, bin mit meiner Gastfamilie nach Gödöllö (eine Stadt in unserer Nähe) gefahren und habe einen Großteil meiner restlichen Zeit am Klavier verbracht, was im Endeffekt auch viel Spaß gemacht hat. Einen Tag war unsere ganze Schule auf einem klassischen Konzert und es hat mir wirklich gut gefallen, morgen werden wir auf noch eins gehen und ich freue mich schon darauf!

 

SCHULEREIGNISSE

Schließlich hat dann die Schule wieder angefangen, mit einigen Änderungen für mich. Zunächst konnte ich mich endlich an meine langen Wochentage gewöhnen (montags bis 7, dienstags bis 6, plus die Stunde nach Hause), es ist für mich weniger anstrengend und ich kann mich auch am Ende des Tages noch konzentrieren. Das wird jetzt immer wichtiger, denn die Lehrer haben angefangen, mich in den Musikfächern miteinzubeziehen und zu benoten. Jede Woche gibt es Hausaufgaben, wie zum Beispiel ein kurzes Volkslied auswendig zu lernen (Solfézs) oder eine Abfolge von Akkorden in einer anderen Tonart auswendig zu spielen (Musiktheorie).

Während ich Solfézs, wo es eher ums musikalische Gehör – sozusagen die praktische Umsetzung von Musiktheorie – geht, noch gerade so irgendwie verstehe, ist Musiktheorie oft immer noch ein Rätsel für mich. In Ungarn wird nämlich, um das Erlernen von Stücken zu erleichtern, die sog. „relative Solmisation“ angewendet – dabei entsprechen die Laute do, re, mi usw. je nach Tonart verschiedenen Tönen und werden dann gesungen. Diese Methode muss ich ganz neu lernen, deswegen war der Überraschungstest, den ich letzte Woche geschrieben habe, eine kleine Katastrophe. Klein deshalb, die Lehrerin mich natürlich noch anders als die anderen benotet, und weil ich mir hier glücklicherweise keine Gedanken um meinen Zeugnisdurchschnitt machen muss.

Zwischennoten haben wir übrigens schon bekommen, David (mein mexikanischer Klassenkamerad) und ich aber bis jetzt nur in den Klavier- und Kammermusikstunden, im Chor und in Sport – in Klavier habe ich sogar eine 5 (entspricht einer 1 in Deutschland). Im Großen und Ganzen mag ich meinen Lehrer gerne, er gilt als einer der besten in der Schule und gibt gute Tipps. Jedoch kommt er gerne mal 15 Minuten zu spät zum Unterricht, sodass wir nur ein Stück besprechen können statt mehrere – und was soll man sagen, als Deutsche kann ich, wie das Klischee es sagt, nichts Gutes davon halten. Auf charakterlicher Ebene ist er mir aber wiederum sehr sympathisch, er hat immer gute Laune und pflegt guten Kontakt zu seinen (ehemaligen) Schülern: Mitte des Monats waren wir alle, wie er es jedes Jahr organisiert, gemeinsam Pizza essen.

Auch im Chor habe ich eine 5, so wie fast jeder andere auch – das Fach wird nicht allzu ernst gesehen und auch so bewertet. Weil vor zwei Wochen aber ein Wettbewerb anstand, hat die Lehrerin doch etwas Druck gemacht hat und wir hatten manchmal zwei Stunden Übung statt einer. Am Ende hat sich die Mühe und Extrazeit gelohnt, denn für unseren Auftritt haben wir den Goldpreis bekommen 🙂 Mit anderen Leuten bin ich so auch mehr in Kontakt getreten, denn unser Chor ist groß und umfasst alle Mädchen, die nicht im Orchester spielen.

 

YFU TEEPARTY

Am Ende des Monats fand dann die YFU Teeparty, auf ungarisch YFU délután, statt. Dort kamen alle Austauschschüler zum ersten Mal seit dem Arrival Camp wieder zusammen und es wurde sich darüber ausgetauscht, wie das Jahr von jedem bisher verlaufen ist. Ich würde sagen, jeder hatte bis jetzt eine gute Zeit hier, auch wenn manche die Gastfamilie wechseln mussten (im Extremfall sogar mehrmals) und man sicherlich schon einige schlechte Erfahrungen gesammelt hat. So war mein schlimmstes Erlebnis, wie ich in der Metro ohne Verwarnung 8000 Forint (etwa 25 Euro) zahlen musste, weil ich meinen Schülerausweis mit meinem Ticket vorzeigen musste und ihn nicht bei mir hatte. Aber ein wenig Geldmangel ist sowieso etwas, das womöglich jeder Austauschschüler hat, vor allem wenn man in einer Hauptstadt lebt und jeden Tag an lauter verlockenden Geschäften vorbeikommt. Tipps gegen solche Dinge – und alle anderen auch – kriegen wir von unseren YFU Betreuern (hier auch „Angel“ genannt), die in Ungarn nur ein paar Jahre älter sind als wir selbst und auch ein Austauschjahr hinter sich haben. Mein Angel ist zum Beispiel erst 17, aber dadurch kann sie mich auch sehr gut verstehen und mir immer gut helfen, was praktisch ist.

Meine Gastfamilie ist wirklich super und es gibt eigentlich nichts, was ich an ihr auszusetzen hätte – ich fühle mich hier zuhause. Mit allen verstehe ich mich gut und mir werden wirklich viele Freiheiten gelassen, bis jetzt hatten wir also noch nie Probleme. Auch die Tatsache, dass ich mir ein Zimmer teile, macht mir entgegen meiner Erwartungen fast gar nichts aus, wobei ich die meiste Zeit sowieso unterwegs bin. Natürlich vermisst man immer einige Dinge und Angewohnheiten, wie bei mir die Kaffeemaschine (meine Gastfamilie trinkt keinen Kaffee) oder die Netflixmarathons mit Nachos vor meinem Zimmerfernseher – aber schließlich wäre es auch komisch, wenn nicht, oder? Dafür weiß man diese Dinge, wenn man zurückkehrt, dann viel besser zu schätzen – und am Ende vermisst man dann dort die Dinge, an die man sich das letzte Jahr über gewöhnt hat. Aber den Preis bin ich bereit zu zahlen, dafür dass man überhaupt die Möglichkeit hat, einen Einblick in einen anderen Alltag und eine andere Kultur zu erhalten.

Lucia

 

Bem vinda no Brasil, Elisabeth!

Diesen Satz habe ich in den ersten Wochen fast jeden Tag gehört.

Tjaaa, nach einer Ewigkeit melde ich mich jetzt auch noch mal wieder. Ich bin jetzt schon fast 4 Monate in Brasilien und in Criciúma. Die Zeit vergeht unglaublich schnell, merke ich gerade, und es ist schon so viel passiert, dass ich jetzt erst die Motivation/Zeit habe, den Blogbeitrag endlich fertig zu machen. Ich habe wirklich schon viel erlebt, von dem ich euch nach und nach gerne berichten möchte. Im heutigen Beitrag möchte ich euch ein bisschen über die Stadt erzählen, in der ich lebe und wie es war, als ich angekommen bin. Dieser Beitrag wird aber auf jeden Fall nicht so ausführlich und lang wie der erste. Aber los gehts…

Am 11. 8. im Orientation Camp hat morgens bzw. nachts der Wecker um 4:50 geklingelt, wir mussten all unsere Sachen aus dem Zimmer räumen und dann gab es Frühstück. Um 6 Uhr wurden wir mit dem Reisebus abgeholt und mussten uns von der Unterkunft verabschieden.

Einige Stunden Fahrt durch den Sonnenaufgang später war dann Abschied von den meisten neu gewonnenen Freunden angesagt, als wir zu verschiedenen Flughäfen und Terminals gebracht wurden. Zum Glück hatte ich zwei gute Freunde bei mir, die ihr Jahr im selben Bundesstaat wie ich verbringen werden und mit mir zusammen geflogen sind.

Um 8 Uhr sind wir am Flughafen Rio de Janeiro angekommen, und weil unser Flug nach Floríanopolis erst um ging, durften wir noch soundso viele Stunden warten. Aber wir haben uns viel unterhalten, sind über den Flughafen spaziert und so ist die Zeit ziemlich schnell rumgegangen. Später haben wir auch noch andere Austauschschüler von uns getroffen, mit denen wir geredet haben. Leider hatte ich ziemlich starke Bauchschmerzen und habe auch den ganzen Tag fast nichts gegessen.

Als wir dann endlich im Flieger saßen, hatten wir nach 2 Stunden eine wunderschöne Aussicht über Floríanopolis: 

Der Flughafen war relativ klein und als wir dann bei der Gepäckabgabe standen, vor uns das Tor, dass sich immer wieder geschlossen und geöffnet hat, hinter dem unsere Gastfamilien warten, war ich ziemlich aufgeregt. Das war ein Moment, den ich mir schon seit ich die Idee vom Auslandsjahr habe, ausgemalt und vorgestellt habe, auf den ich quasi 2 Jahre hingearbeitet und mich vorbereitet habe, und jetzt war es tatsächlich Wirklichkeit. Jetzt begann mein Leben in einem völlig neuen Umfeld.

Meine Familie habe ich sofort gesehen. Ich kannte sie nur von Bildern auf Whatsapp und Instagram, und sie auf einmal in echt zu sehen, war ganz schön komisch. Sie haben mich total lieb mit einem selbstgebastelten Plakat empfangen.

Auf dem Bild seht ihr meine Gasteltern Gabriela (Gabi) (24) und Felipe (29). Ich finde es aber ehrlich gesagt komisch, sie Gasteltern zu nennen, weil sie so jung sind. Neben mir steht noch die Schwester von Felipe, Lais (19), meine „Gastschwester“.

Nach dem Begrüßen und Fotos machen sind wir dann direkt losgefahren und ich konnte schon einige Eindrücke von Floríanopolis, die Hauptstadt des Bundesstaats Santa Catarina, bekommen, was ich übrigens sehr schön finde. Auf dem Weg wurde mir dann noch einiges erklärt und gezeigt und dann sind wir in eine Art Restaurant (Kilo-Restaurant, da nimmt man sich Essen und bezahlt nach Gewicht) gegangen mit einer Art Parkanlage mit Tieren, wo ich dann auch zufällig meine beiden Freunde, mit denen ich geflogen bin, die übrigens ca. eine Stunde entfernt von mir wohnen, getroffen habe. Leider hatte ich wie schon erwähnt Bauchschmerzen und deswegen sind wir auch nicht so lang geblieben. Nach weiterer, langer Autofahrt sind wir dann endlich in Criciúma angekommen. Auf einmal stand ich mit meinem Koffer vor meiner neuen Wohnung in einer Stadt, die ich nur von ein paar Bildern Google Street View kannte, mit dem Wissen, dass ich ein Jahr hier verbringen werde. Und wirklich ALLES war unbekannt. Das war mir schon vorher klar, aber es ist schon ein ungewohntes Gefühl, irgendwo anzukommen und absolut nichts zu kennen, nicht die Menschen, die bei einem sind, nicht die Sprache, nicht den Ort an sich… Bevor wir ins Haus gegangen sind, sind wir allerdings noch einmal kurz durch die Innenstadt gefahren und ich habe meine ersten Eindrücke bekommen. Wer die Azoren kennt (portugiesische Inselgruppe im Atlantik) – die Stadt hat mich sehr doll daran erinnert, als ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Viele Hochhäuser, Palmen, Parks, heruntergekommene und luxuriöse Häuser, Straßenhunde. Alles ist, zumindest in der Innenstadt/“centro“ natürlich viel lauter und voller als in meinem Dorf in Norddeutschland. Allerdings ist es auch nicht mit einer Stadt in Deutschland vergleichbar, irgendwie enger und kleiner als in z. B. Hamburg.

Hier einmal einige Infos über Criciuma:

Criciúma ist eine Stadt im Süden des Bundesstaats Santa Catarina, welcher der zweitsüdlichste Bundesstaat Brasiliens ist. Criciúma ist 180 km von der Haupstadt Floríanopolis entfernt (wir haben dafür 2 Stunden mit Auto gebraucht), 24 km von der Atlantikküste, also sehr nah am Meer, und 900 km von Sao Paolo. Die Stadt hat 193.988 Einwohner und ist mit einer Fläche von

235,628 km² ungefähr ein Drittel so groß wie Hamburg und 23 mal so groß wie mein Heimatdorf. Sie entspricht also ungefähr der Fläche von Magdeburg oder Halle. Das Stadtzentrum, in welchem ich lebe, ist voll von Hochhäusern und Appartements. Etwas weiter außerhalb, mit dem Auto zu erreichen, liegen auch vereinzelt Häuser , die an die Natur grenzen und auch Armengegenden. Ein Teil der Stadt liegt auf einem kleinen Berg, wo auch Häuser stehen. Es gibt vier Schulen und drei, relativ kleine, Shoppingcenter, zwei Parks (auch sehr klein im Vergleich zu Hamburg) und viele Läden/Fußgängerzonen. Das meiste ist in Fußnähe von meinem Appartement aus zu erreichen. Es gibt auch ein Stadium und eine Fußballmannschaft, Criciúma EC.

Tja, und dann habe ich zum ersten Mal meine Wohnung und mein Zimmer betreten. Ich wohne im 8. Stock und war sehr beeindruckt, da ich von meinem Zimmerfenster aus eine tolle Sicht über die Stadt habe.

Als wir angekommen sind wurde mir erst einmal alles gezeigt, dann habe ich meinen Koffer ausgepackt und auch meine Gastgeschenke überreicht (deutsche Süßigkeiten, Kalender, Kochbuch,…) , über die sich meine Gasteltern glücklicherweise auch sehr gefreut haben.

Dann sind wir in den Supermarkt gegangen, haben etwas gegessen und dann ging es für mich auch schon ins Bett, denn ich war extrem müde. Es war ein seltsames und überwältigendes Gefühl, auf einmal in so einer komplett neuen Umgebung zu sein, bei fremden Leuten im Haus zu schlafen und sich darauf einzustellen, dass dieses jetzt für ein Jahr das neue Zuhause sein wird.

Meine Gastfamilie und ihre ganze Verwandtschaft sind Mormonen, deswegen sind wir am nächsten Morgen gleich in die Kirche gegangen, und da die Kirchengemeinde wie ein großer Bekanntenkreis mit Freunden und Familie der Gastfamilie ist, habe ich direkt schon sehr viele neue Leute kennengelernt beziehungsweise wurde ihnen vorgestellt. Am restlichen und darauffolgenden Tag haben wir dann die ganze Verwandtschaft „abgeklappert“, also die Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten meiner Gasteltern, die auch alle in derselben Stadt wohnen. Wir wurden von ihnen zum Essen eingeladen, ich wurde überall vorgestellt und sehr herzlich empfangen und willkommen geheißen.

Am Montag habe ich meinen ersten Eindruck von meiner neuen Schule bekommen, denn wir sind dorthin gegangen um alles abzuklären und ich habe schon mal einen Blick in meine Klasse geworfen. Danach habe ich meine Schuluniform gekauft. Meine Gastschwester Maju (15), also eigentlich die Schwester meiner Gastmutter und ihre Freundin sind mit mir in eines der örtlichen Einkaufszentren gegangen, um mit Felipe meine Simkarte zu beantragen. Ich habe in den ersten Tagen auch sehr die Gastfreundlichkeit der Brasilianer gespürt, denn die beiden hatten ein kleines Körbchen mit brasilianischen Süßigkeiten für mich gemacht. Aber das war nicht das einzige Geschenk, was ich bekommen habe: Lais hat mir ein T-Shirt von einer meiner Lieblingsbands geschenkt und Felipe und Gabriela eine Ukulele! 😮

Eines der aufregensten Dinge, die in der ersten Woche passiert sind, war natürlich mein erster Schultag. Doch über den berichte ich im nächsten Beitrag.

Vielen Dank fürs Lesen und até breve! Elisabeth

Oradea- meine Stadt in Rumänien

Salut,
in diesem Beitrag möchte ich euch ein bisschen über die Stadt erzählen, in der ich wohne.

Oradea liegt ganz im Westen Rumäniens, das Stadtzentrum ist 13 km von der ungarischen Grenze entfernt. Daher gibt es in der Stadt eine große ungarische Minderheit, die ungefähr 25% der Bevölkerung ausmacht, viele Schilder sind auch in ungarisch geschrieben und viele Rumänen sprechen ungarisch, so auch meine Gastmutter.

Oradea wurde von den Römern gegründet und gehörte bis 1538 zu Ungarn, auch einige ungarische Könige sind hier begraben. Danach wurde es Teil des Habsburgerreiches (Österreich, Ungarn+ Teile von Deutschlands, Italiens, Sloweniens und Kroatiens), danach übernahmen es die Türken, dann wieder die Österreicher und erst nach dem zweiten Weltkrieg musste es, trotz damals mehrheitlich ungarischer Bevölkerung, aus strategischen Gründen an Rumänien abgetreten werden. 1940 fiel die Stadt allerdings wieder an Ungarn zurück, vier Jahre später wurde sie aber von der rumänisch-sowjetischen Armee besetz und gehört seitdem wieder zu Rumänien.
Diese verschiedenen kulturellen Einflüsse und auch die vor dem zweiten Weltkrieg auf ein sechstel geschätzte jüdische Bevölkerung haben sehr deutliche Spuren in der Architektur hinterlassen. Unten sieht man zum Beispiel das Zentrum in typischer ungarischer Architektur.

Ich mag an Oradea, dass es sehr grün ist. An jeder Ecke gibt es irgendeinen Park, unten sieht man den Park im Stadtzentrum, fast alle Straßen sind von Bäumen gesäumt und direkt neben unserem Block fließt der Fluss Crisul Repede, an dem wir immer mit unserem Hund spazieren gehen.

Die öffentlichen Verkehrsmittelverbindungen sind relativ gut, es kommt ungefähr alle 15 Minuten eine Straßenbahn, und auch wenn das System etwas verwirrender ist als in deutschen Städten (es gibt keinen wirklichen Fahrplan, nirgendwo steht geschrieben, welche Straßenbahn denn gerade vor einem steht und wo sie hält, auch in der Straßenbahn erzählt einem niemand, wo man sich gerade befindet, außerdem ist der Ticketstand Samstagnachmittag und Sonntag geschlossen, sodass ich schon einige Male gezwungen war, schwarz zu fahren etc) habe ich mich inzwischen daran gewöhnt, langsam und laut durch die Straßen zu tuckern.
Pe curand, Alina