jõuluaega – Weihnachtszeit

Passend zur Adventszeit hat nun der „echte“ estnische Winter begonnen – eine Kältewelle hat uns diese Woche Temperaturen bis zu -24 Grad beschert, und an Heligabend erwarten uns laut Wetterbericht -27 Grad!

Wie der Titel schon andeutet, werde ich mich in diesem Post der Weihnachtszeit hier in Estland widmen. Die estnischen Weihnachtsbräuche sind den deutschen sehr ähnlich, ein weiterer Hinweis auf die eng verknüpfte deutsch-estnische Geschichte. Genau wie in Deutschland öffnen Kinder – und Erwachsene – vom ersten bis zum vierundzwanzigsten Dezember ein Türchen ihres Adventskalenders. Der Nikolaustag wird hier nicht gefeiert, dafür darf man sich alle paar Tage über kleine Geschenke in den Schuhe freuen, die angeblich die „Päkapikud“, Wichtel, gebracht haben. An meiner Schule wurde auch ein Päkapikupäev, also Wichteltag, begangen, eine sehr nette Angelegenheit, bei dem – wie so oft in Estland – ein kleines Konzert gegeben wurde, außerdem gab es eine kleine Spielstunde mit den Erstklässlern und einen Kuchenverkauf in den Pausen. Neben dieser Veranstaltung gab es für jede Stufe – allklassid, põhikool und gümnaasium – eine eigene Weihnachtsfeier, und in der Adventszeit gab es jede Woche mindestens ein Konzert in unserer Aula. Ein volles Programm also, was für mich eine sehr angenehme Veränderung ist, da ich das aus meiner deutschen Schule so nicht gewöhnt bin. Auch die eigentlichen Festtage sind vergleichbar mit den deutschen: Die Feierlichkeiten beginnen am jõuluõhtul – Heiligabend – mit der Bescherung und enden am 26. Dezember. Am 24. ist die Bescherung unterm Weihnachtsbaum, den wir letztes Wochenende schon auf typische estnische Weise besorgt haben: Mithilfe einer „Tannenbaumapp“ auf dem Smartphone meines Gastvaters haben wir das Tannenbaumwuchsgebiet gefunden, und nach dem Schlagen (und aus dem Tiefschnee ausgraben) haben wir unseren Weihnachtsbaum auch per Handy bezahlt. Wieder einmal trifft hier Tradition auf Moderne – und genau das fasziniert mich an diesem Land.

Da Estland eines der „ungläubigsten“ Länder der Welt ist – nur etwa 30% der Bevölkerung bezeichnet sich als religiös – hat Weihnachten hier für die meisten Menschen keinen christlichen Hintergrund. Ab dem 24. Dezember wird es wieder heller, insofern feiern die Menschen hier auch die Wiederkehr des Lichts. Auch hier ist Weihnachten ein Fest, das man mit der Familie verbringt, insofern waren viele Esten überrascht, dass ich über die Feiertage nicht nach Deutschland fahre, um sie mit meiner leiblichen Familie zu verbringen. Doch ich bin sehr froh und dankbar, ein echtes estnisches Weihnachten mit meiner Gastfamilie verbringen zu dürfen.

Häid jõule!