Herbst

Kaum war er da, war er auch schon wieder vorbei – der estnische Herbst. Nach ca. vier Wochen stetig sinkenden Temperaturen und fallenden Blättern wurde die Übergangsjahreszeit letzte Woche schnell und drastisch durch einen Schneesturm beendet. Seit Freitag haben wir also ungefähr 15cm Schnee – im Oktober! Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bin ich schon manchmal am Frösteln, doch alle Esten versichern mir mit einem etwas mitleidigen Grinsen, dass das noch nicht einmal der Anfang sei. Trotzdem genieße ich das Wetter (noch?): Schneeballschlachten mit meinen kleinen Gastcousinen, danach heißer Kakao und gemütliches Lesen vor dem Kamin – so gefällt mir der estnische Winter. Ich kann mich im Moment sowieso nicht beklagen, ich muss sagen, dass es für mich geradezu perfekt läuft. Ich bin extrem glücklich mit meiner Gastfamilie und Klasse, mein Heimweh hält sich in sehr engen Grenzen, und ich bin immer noch begeistert von Estland! Inzwischen ist mein Leben in Rapla schon sehr „normal“ für mich, was aber nicht heißt, dass ich nicht jeden Moment davon genieße! Aufgestanden wird bei uns um sieben, nach einem gemeinsamen Frühstück verlassen meine Gasteltern und ich dann das Haus, um zur Schule oder zur Arbeit zu gehen. Meine Gasteltern arbeiten beide von Montags bis Donnerstags im 50km entfernten Tallinn, Freitags bleiben sie meistens zuhause. Nach der Schule gehe ich nach Hause und esse etwas, mache Hausaufgaben und kann mich entspannen. Dienstags habe ich Gitarrenunterricht, ich versuche außerdem einmal die Woche schwimmen zu gehen und ich werde nächste Woche den Jugendzirkus „Folie“ in Tallinn besuchen, und dort warscheinlich demnächst einmal die Woche zu jonglieren. Um sieben Uhr kommen dann meine Gasteltern nach hause, wir essen gemeinsam, reden über den Tag und gucken Fernsehen. Am Wochenende treffe ich mich oft mit Freunden, manchmal besuchen wir meine weitere Gastverwandtschaft oder bekommen Besuch von meinen kleinen Gastcousinen Kaissa und Carolina. Letzte Woche hatten wir dann die von meinen Klassenkameraden langersehnten Herbstferien, die ich zum großen Teil damit verbracht habe, andere Austauschschüler in Pärnu (Estlands Sommerhauptstadt, die aber auch im Herbst sehr schön ist) und Tallinn zu besuchen. Ebenfalls in Tallinn habe ich meinen viidin, meine YFU-Betreuerin in besucht, was ebenfalls sehr nett war. Außerdem waren wir am Samstag auf der Geburtstagsfeier meines Gastgroßonkels, wo sich herausgestellt hat, daß ich noch mehr prominente Gastverwandschaft habe: Neben der Umweltministerin habe ich ebenfalls einen Rennfahrer und einen bekannten estnischen Musiker, der sogar meine Gitarrenkünste gelobt hat, kennengelernt.

Das war es erstmal an Neuigkeiten aus dem Osten, eine head aega wünscht euch.

Yella