ZEIT…

…etwas, was viel zu schnell vorbei geht. Zumindest dann, wenn man als Austauschschueler in einem anderen Land lebt. Halbzeit, kaum zu glauben! Seid Ende August bin ich jetzt schon hier und wie viel habe ich bis jetzt schon erlebt! Wenn die Zeit auf einmal anfaengt rueckwaerts zu laufen, dann faengt man automatisch an, ein Fazit unter seiner bisherigen Zeit zu ziehen. Meine war bis jetzt toll und ich hoffe, dass die zweite Haelfte genau so gut, vielleicht sogar besser wird!

So viel zum Einleitungsgedanken, eigentlich nur das, was sich jeder ATS in dieser Zeit denken wird.

Aber jetzt lasst mich euch mal von meiner Silvesterfeier hier erzaehlen, denn da konnte ich doch einige Unterschiede zu Deutschland feststellen. Also zur Tradition: Das alte Jahr ist ein Mann, der so genannte „año viejo“, er stirbt, weil er schon sehr alt ist. Allerdings ist er mit einer sehr jungen Frau verheiratet, die nun zur „viuda“, zur Witwe wird. Die Witwen tanzen zusammen auf den Strassen,  sammeln Geld und werfen den vorbeikommenden Maenner anzuegliche Sprueche zu. Warum das Ganze so lustig ist? Weil die „viudas“ als Frauen verkleidete Maenner sind. Sie tragen viel zu kurze Kleider, hohe Schuhe, Perueken und sind gut geschminkt. Einfach gesagt:Sie machen total Stimmung! Am Silvestertag, fuhren wir nach Atuntaqui, eine kleine Stadt in der Naehe, um dort den Umzug der „viudas“ zu betrachten. Viele Leute waren gekommen um die Maenner in ihren lustigen Kostuemen zu bestaunen. Mir gefiehl die Gruppe an Maenner am Besten, die sich als Babys verkleidet hatten, mit uebergrossen Windeln und Schnullern. Spaeter fuhren wir wieder zurueck nach Ibarra um die „año viejos“ anzusehen, die in der ganzen Stadt aufgestellt waren und alle puenktlich um 12 nachts verbrannt werden sollten. So einen grossen Mopp an Leuten, unglaublich! Die Strassen waren versperrt und man kam nur im Schneckentempo vorran. Grund dafuer: Eine Gruppe von ca. 6 „viudas“, die die Strasse versperrten. Sie tanzten zu lauter Musik, hielten jedes Auto an, hieften die maennlichen Fahrer aus ihren Waegen und animierten sie zum tanzen. Haha, das war so cool gewesen! Als wir wieder zuhause waren, gab es Essen und auch wir verbrannten puenktlich um 12 Uhr unseren „año viejo“. Der stellt uebrigens auch immer, oder meistens, eine Person da. Familie und Freunde duerfen etwas ueber diese Person auf grosse Zettel schreiben, die dann zusammen mit ihr verbrannt werden. Diese Tradition soll der betreffenden Person fuer das naechste Jahr viel Glueck bringen. Deshalb entschied sich meine Familie dieses Jahr dafuer, mich anzubrennen. Um 12 Uhr stand ich also, symbolisch gesehen, in Flammen. Ein Feuerwerk gab es nicht, dass brauchte es auch gar nicht, denn diese Tradition finde ich viel schoener. Dann sprang Jeder ueber das Feuer ins „año nuevo“, ins Neue Jahr. Und eins ist klar, wenn es um Silvesterpartys geht, dann steht Ecuador mit seinem Feiergeist bei mir ganz oben. Ueberall auf den Strassen gibt es Partys, die erst dann anfangen, wenn die ersten Deutschen normalerweise schon laengst in den Federn liegen. Wenn eine Feier an diesem Tag bis 8 Uhr morgens geht, dann ist es nicht aussergewoehnlich, es ist einfach ganz normal. Getanzt wird immer viel und dass mag ich hier so. Waehrend sich in Deutschland viele erst im betrunkenen Zustand trauen ein wenig die Hueften zu schwingen, gehoert es hier einfach zur Standartausruestung eines jeden, guten Ecuadorianers. Ich besuche jetzt seid 1 Woche einen Salsakurs und es ist echt krass, wie toll alle hier tanzen koennen! Es macht so viel Spassen, denn Tanz und Musik druecken einfach nur Lebensfreude aus!  Egal wie schlecht ein Tag auch sein mag, dreh einfach die Musik an, sing und tanz, und du wirst sehen, deine Probleme haben sich zwar nicht geloest, aber du fuehlst dich trotzdem befreiter, es wird dir danach besser gehen. Nicht wichtig wie gut oder schlecht du bist, es ist nur wichtig das du dich traust, es zu tun. Ohne Scheu.

Nach Weihnachten war ich dann auch noch fuer 4 Tage auf Reise gewesen. Zuerst ging es in den Dschungel. Wie kann man den am Besten beschreiben? Es ist wie ein Traum. Ich konnte einfach nicht fassen, dass ich dort war. An jeden der den Film „Dschungelkind“ kennt, die Landschaft sieht einfach wirklich so aus! Atemberaubend, total beeindruckend schoen! Nur gruen, so viel Pflanzen und Blumen, ueber 30 kleiner Aeffchen, die einfach wie selbstverstaendlich durch den Park eines kleinen Dorfes spazieren. Man kann es schlecht beschreiben, man muss es letztendlich einfach selbst gesehen haben! Wir machten eine ca. 4 stuendige Wanderung durch die „selva“ und der Regenwald machte seinem Namen alle Ehre. Es regnete ca. die Haelfte der Zeit. Die Wanderung war sehr interessant und wir erfuhren viel, uber die Natur, die Pflanzen und das Leben dort. Halt wurde an einem Fluss gemacht, an dem wir baden gingen. Da ich leider mein Mueckenschutzmittel vergessen hatte, kehrte ich ziemlich verstochen von diesem Ausflug wieder zurueck. Egal! Auf dem Felsen im Wasser sassen Spinne, blaue, schoene, die so gross wie eine Hand waren. Wasserspinnen, nicht gefaehrlich, aber dennoch etwas beaengstigend.

Nach zwei Tagen „oriente“ ging es wider zurueck in die „sierra“. Auf dem Rueckweg  fuhren wir durch die Touristenhochburg Baños, eine Stadt zwischen Anden und Regenwald, und machten dort Mittagspause. Eine Stadt, voll mit „gringos“ und Hippies. Abe wirklich sehr schoen. Seinen Namen „baños“, uebersetzt „Badezimmer“ verdankt die Stadt, seinen vielen Termalbaedern. Durch seine schoene Lage zwischen den gruenen Bergen des Dschungels und den vielen bunten Haeusern ist sie wirklich ein MUSS fuer jeden Ecuadorbesucher! Kein Wunder, dass sich dort also die „gringos“ nur so tummeln.

Nach dem Halt in Baños erreichten wir schliesslich unser eigentliches Ziel: Quilotoa. Ihr muesst unbedingt nach Bildern googlen, denn dies war wirklich das Beindruckenste, was ich bis jetzt je in meinem Leben gesehen habe. Quilotoa ist ein riessiger Kratersee auf ca. 3.000 Metern Hoehe. Dort ist es sehr kalt und es leben kaum Menschen dort. Die Jenigen, die jedoch dort leben, sprechen Kichwa besser als Spanisch und sind relativ arm. Der Anblick des Sees warf mich einfach nur total von den Socken. Total krass, wie die Natur so etwas Schoenes schaffen kann! Wir liefen den steilen Weg zur Lagune hinunter, was nur 30 Minuten dauerte um spaeter wieder mit Pferden nach oben zu reiten. Was fuer ein Glueck, dass es die gab, sonst haetten wir wahrscheinlich dort unten uebernachten muessen, weil es echt schwer war, wieder nach oben zu gelangen. Dann gings auch schon zurueck nach Hause nach Ibarra. Wir durchquerten Latacunga, Ambato und Quito und als wir schliesslich am Abend, alle total erschoepft die Tuer zu unserem Haus aufschlossen, hatte ich wirklich das Gefuehl des Nach-Hause-Kommens. Ich dachte, ja, jetzt bin ich wirklich angekommen! Ja, dann kam auch schon Silvester und alles was ich euch bis jetzt schon erzaehlt habe.

Diesen Monat haben wir 2 Wochen Ferien, das Ende des Cimestres, also so zu sagen Halbzeit, in der Schule und auch in meinem Austauschjahr. In dieser Zeit werde ich fuer ca. 5 Tage an den Strand fahren, den Pazifik sehen, die Sonne geniessen und den zweimeterhohen Schnee in meiner Heimatstadt in den schoenen Alpen so gar nicht vermissen :D.

So dass wars jetzt erst einmal ihr Lieben. Ich werde mich bald mal wieder melden, vielleicht jetzt in der zweiten Halbzeit etwas haeufiger, da meine Freundin Amina, die viel zuverlaessiger in dieser Angelegenheit war als ich, es ja leider nicht mehr machen kann….

Viele liebe Gruesse an alle die meinen Blog lesen, ueber Kommentare freue ich mich uebrigens auch ;).

 

Vanessa