Der Anfang einer Grossen Reise…

Ein letztes Mal das Gesicht der Familie. Die letzte Umarmung. Der letzte Blick. Dann verschwindet man auch schon in der Handgepaeckkontrolle. Naechstes Jahr sehen wir uns wieder. Naechstes Jahr, wie komisch das klingt. Einen Zeitraum, den sich ein Mensch mit seinem kleinen Denkvermoegen kaum vorstellen kann. So geht es zumindest mir. Ein komisches Gefuehl, glueklich und doch etwas traurig steigt man in ein Flugzeug, dass einen in eine ungewisse Zukunft fliegt. Zwar kennt man seine neue Familie schon von Bildern und E-Mails, doch ist alles andere voellig unbekannt. Man beginnt sein Abenteuer. Es ist Aufregend, fantastisch und total verrueckt, eigentlich wie ein Traum. Ein Traum der endlich wahr wird…

 

Hola a todos,

jetzt lebe ich schon seid gut 2 Monaten hier und habe es immer noch nicht geschafft euch zu schreiben. Entschuldigt vielmals! In den letzten Wochen ist einfach so viel passiert, dass ich bisher noch nicht die Zeit gefunden habe, die ganzen Geschehennisse im PC festzuhalten. Also wo fange ich denn an…Am besten mit dem Montag! Also der Montag beginnt so, wie man es aus den Schulen latainamerikas kennt: Es wird die Nationalhymne gesungen und die Nationalflagge gehisst. Am 26.09 ist hier uebrigens „dia de bandera“, „Tag der Flagge“, ein Nationalfeiertag. In der Schule wird marschiert und der Flagge werden Geschenke ueberreicht. Am Anfang als die Proben fuer das Marschieren losgingen, war das ziemlich komisch fuer uns drei Austauschschueler, aber irgendwann hat es angefangen, soetwas wie Spass zu machen, auchen wenn 1 ½ Stunden etwas anstrengend sind, aber eine Abwechslung zum Unterricht :D. Ja, genau, wir sind 3 Austauschschueler in meinem Colegio. Beide sind von der Organisation „Rotary“ und total symphatisch. Ein Junge aus Belgien und ein Maedchen (sie geht in meine Klasse und ist zufaellig auch meine Austauschcousine :D) aus den USA. Wir „Gringos“ fuehlen uns alle, glaube ich, ganz wohl in unserem Colege. Auch wenn meine Sprachkenntisse immernoch zu wuenschen uebrig lassen. Man merkt eben, dass ich ohne Vorkenntisse gekommen bin, aber ich muss sagen, ich verstehe schon deutlich mehr als am Anfang und ich liebe es Spanisch zu sprechen, auch wenn ich nicht viel sagen kann und viele Fehler mache, aber gut, aller Anfgang ist schwer, das wird schon. Ja, deshalb verstehe ich im Unterricht auch so ziemlich gar nichts. Nur in Englisch, Kunst und Sport kann ich punkten.

In der zweiten Woche war ich hier schon auf dem Imbabura. Das ist ein stiller Vulkan, nachdem die Provinz hier benannt wurde. Ich muss gestehen, ich habe es nicht bis ganz nach oben geschafft, denn der Bergsteigen in einer Hoehe von 3.000 bis 4.000 Meter ist doch deutlich anstrengender als, wie in Deutschland auf 1.700 oder so. Dieser Tag war fantastisch. Keine Wanderwege, keine Touristen, keine Menschenseele, nur meine Freunde und ich. Oh, und die Natur, wirklich einmalig! Dann haben wir auch noch den grossen Markt in Otavalo besucht. Wenn jemand von euch plant nach Ecuador zu kommen, sollte er diesen Markt auf jeden Fall gesehen haben. Viele Farben, tolle Sachen und alles so billig, wenn man es mit deutschen Verhaeltnissen vergleicht. Das bringt mich zum naechsten Punkt. Es gibt hier Obst in Huelle und Fuelle und es ist ziemlich preisguenstig. Man bekommt 20 Manderinen fuer einen Dollar. Erdbeeren das ganze Jahr und im Dezember ist Mangosaison, da gibt es einen Haufen davon fuer wenig Geld. Lecker! Das Essen schmeckt mir so gut, dass ich schon 2 kg zugenommen habe :D. Empanadas, Morocho, Fritadas,… que rico! Ach ja, letzte Woche waren wir am Meerschweinchensee. Cuicocha. Sehr schoen. Wir haben eine Bootsfahrt durch den See gemacht, war ziemlich kalt, aber traumhaft. Die Landschaft hier ist sowieso wie aus dem Bilderbuch. Ich bin jeden Tag begeistert davon. Ach ja, falls man das noch nicht aus meinem Beitrag raushoeren konnte: Ich wohne in der Sierra, also in den Anden. Und es ist einfach toll, mir gefaellt es super in meiner Stadt. Auch wenn sie viel groesser ist als meine in Deutschland, so kann ich doch schon behaupten, dass ich mich nun schon ein bisschen auskenne. Klar ich kenn nicht alles und man kann sich schnell verlaufen, aber ein paar Strassen und Parks kennt man doch schon auswendig.

Was laesst sich noch erzaehlen? Ah, das Deutsche Wetter vermisse ich so gar nicht, nachdem mir meine Mutter erzaehlt hat, dass fuer diese Woche schon Schnee angesagt ist (in den Alpen). Da kann ich nur lachen und sagen: Wir hatten heute mindestens 18 Grad, wenn nicht mehr und so ist es eigentlich das ganze Jahr. An manchen Tagen ist es ein bisschen kaelter, gerade in der Regenzeit, die gerade andauert. Aber ansonsten sind die Temperaturen relativ bestaendig, in meiner Stadt in der Sierra zumindest.

Oh, heute habe ich mein erstes Erdbeben erlebt. Und ich kann euch sagen, es ist ein wirklich komisches Gefuehl. Wie, wenn einem schwindelig ist, nur dass sich nicht nur der eigene Boden unter den Fuessen bewegt, sondern auch die Heangelampen im Flur.

Ach und ich habe angefangen Tagebuch in Spanisch zu schreiben. Das dauert immer ziemlich lange, weil ich viele Woerter nachschlagen muss, deshalb mache ich es auch nicht jeden Tag. Das Woerterbuch ist uebrigens zu meinem besten und wichtigsten Freund geworden, ich habe es fast immer dabei, obwohl es ziemlich schwer und klobig ist.

Ja, ich schaetze, dass wars jetzt mal fuers Erste. Ich wuerde gerne sagen, ich melde mich naechsten Monat wieder, aber ich moechte lieber nichts versprechen.

Entonces hasta luego

Vanessa