Weihnachten in der Strassenbahn

Hier ist nun der versprochene Bericht ueber Weihnachten und Silvester in Japan. Ich bin so gluecklich, dass ich Beides hier in Japan erleben durfte, es unterscheidet sich so wahnsinnig von Deutschland!

Am 23. Dezember bin ich mit meiner Gastfamilie nach Kobe gefahren, ein bisschen Shoppen und einen deutschen Weihnachtsmarkt bestaunen(„Nein danke, ich will keine Bratwurst mit Semmel fuer 6 Euro essen!!“). Doch das Beste kam ganz zum Schluss: Spaetabends die Aussicht auf die Lichter von Kobe. Auf dem Berg waren es bei starken Boen Minusgrade, aber der Ausblick entschaedigte fuer abgefrorene Gliedmassen^^

Am 24. Dezember….hatte ich Kendo! Bis  19 Uhr, barfuss bei 6 Grad. Danach eine Stunde per menschenleerer Strassenbahn nach Hause(was den Titel erklaert), um mit meiner Gastfamilie Sushi zu essen:) Wundert euch nicht, das ist NICHT das traditionelle Weihnachtsessen in Japan, ICH durfte entscheiden, was ich zu Weihnachten essen wollte und meine Wahl fiehl halt auf rohen Fisch. Sowohl am 25. als auch am 26. Dezember hatte ich Kendotraining, danach hatte mein Klub fuer genau 4 Tage Weihnachtsferien(die ich schoen ausgenutzt habe, mit Freunden Ausfluege zu machen und meiner Gastmama beim traditionellen Grosshausputz- genannt Osoji- zu helfen. Glaubt es oder nicht, es hat total viel Spass gemacht!). Am 31. Dezember- wie sollte es anders sein?!- hatte ich bis 21 Uhr Kendo, danach habe ich mit meiner Gastfamilie das traditionelle Silvestersoba( Nudeln) gegessen, den Countdown runtergezaehlt und bin erschoepft ins Bett gefallen.

Silvester und Neujahr haben in Japan eine ganz grosse Bedeutung. Als ich meine Freunde gefragt habe, was sie denn zu Weihnachten gemacht oder geschenkt bekommen haben, meinten sie nur: „Wir haben normal Abendbrot gegessen und……Geschenke….?“ Bodenloses Entsetzen meinerseits. Wenn ich jedoch gefragt wurde, was wir in Deutschland zu Silvester und Neujahr machen( mehr als „Countdown“, „Gute Vorsaetze“ und „Feuerwerk“ kann man da nicht sagen, oder?), wurde ich angestarrt wie ein Alien. Ich habe meiner Gastfamilie ein bisschen deutsche Weihnacht naehergebracht mit Raeuchermaennchen, Pyramide und Lebkuchen, dafuer haben sie mir das typische japanische Neujahr gezeigt. Dazu gehoeren der schon genannte Grossputz und das Soba am Jahresende. Innerhalb der ersten paar Tage des neuen Jahres geht man zur Hatsumode und betet fuer ein gutes Jahr, man geht zum Drachensteigen, man relaxt, schaut Neujahrsfernsehen, geht Shoppen und versucht sein Glueck beim Kaufen von Wundertueten und man isst Unmengen an Mandarinen( meine Freundinnen haben daraus einen Wettbewerb gemacht- 30 am 1. Januar!). Und da sind wir schon beim wichtigsten Punkt des japanischen Neujahres- ESSEN! Man beginnt am 1. Januar schon zum Fruehstueck mit Osechi und Osoni. Osoni ist eine weisse Misosuppe und Osechi kann ich kaum erklaeren, schaut euch bitte das Foto an:

 

Ich kann ja mal versuchen den Inhalt aufzuzaehlen: Shrimps, Fisch, Suesses Ei, Esskastanien, Okakuni genanntes Fleisch, geduenstetes Gemuese, Kaviar, Schwarze Bohnen, eingelegte Zwiebeln und noch viele, viele andere Nahrungsmittel, deren Namen ich nur auf Japanisch kenne, tut mir leid;) Aber ich kann euch sagen, dass ich meine letzten zwei Wochen hier in Japan ausschliesslich mit Essen und Sporttreiben verbringe. Entweder man findet mich kauend oder in Kendoausruestung. Seit dem 3. Januar hatte ich wieder taeglich Kendo und am 8. wars dann so weit. Meine Abschlussrede zur Semestereroeffnungszeremonie.

Die gleiche Szene wie vor 10 Monaten- ich, auf der Buehne vor 1300 Senior High School Schuelern. Doch irgendwie war alles anders. Im Maerz hielt ich meine Rede nervoes in einer fremden Sprache vor Fremden, und dieses Mal stand ich vor Freunden und redete ohne Stocken in Japanisch. Ohne Stocken- bis ich am Ende meiner Rede in Traenen ausgebrochen bin(ich war mir soooo sicher, dass ich einen kuehlen Kopf behalten werde und dann das!). Kaum war ich von der Buehne runter, wurde ich von meinen Freundinnen umringt, alle mit geroeteten Augen. Seit dem 8. Januar kann ich nicht mehr durch das Schulhaus laufen, ohne dass mir zu meiner Rede gratuliert wird, ich Geschenke in die Hand gedrueckt bekomme, verabschiedet werde oder mir von gaenzlich fremden Maedchen vorgeworfen wird, dass sie bei meiner Rede weinen mussten. Morgen ist mein letzter Schultag und ich muss mich verabschieden, von meiner Klasse und meinem Klub. Obwohl ich eigentlich meinen Koffer packen muesste, werde ich auch morgen bis 19 Uhr trainieren, das letzte Mal, und mich dann wie ein wandelnder Wasserfall( machen wir uns nichts vor-.-) bei allen fuer das beste Jahr meines Lebens bedanken. Ich will noch nicht nach Hause! Ich will weiterhin mit meinen Freunden Bio lernen, mit meinem heissgeliebten Klub zu den unmoeglichsten Zeiten den besten Sport der Welt trainieren, mit meinen Freundinnen zum Karaoke gehen, meinen Kendomaedels Fressgelage veranstalten( da merkt man richtig, dass wir taeglich 3 Stunden Sport machen, hihi) und mit meiner Gastfamilie jeden Tag gemeinsam ein normales, japanisches Familienleben fuehren.

Doch es ist an der Zeit, am Samstag fliege ich nach Tokio, am Sonntag zurueck nach Deutschland. Ich freue mich auf meine Familie, auf meine Freunde, auf meine Katzen, auf mein Bett, mein Zimmer, meine Lieblingsbuecher, Nachmittagsfernsehen, Schule, BROOOOOOT. Ich hatte ein wunderbares Jahr in Japan, mit Hoehen und Tiefen, ich konnte so viele Menschen treffen, so viele Erfahrungen machen und Neues ausprobieren, so viel lernen….Ich bin so dankbar, dass ich mir meinen groessten Wunsch erfuellen und nach Japan gehen durfte! Ein ganz fettes Dankeschoen an alle, ohne deren Unterstuetzung das nicht geklappt haette: Meine Familie und Freunde, Bekannte, und natuerlich YFU. Meinen Omas moechte ich besonders danken!

Vielen Dank fuers Lesen meines Blogs, sayounara, eure Sophie