¡Ecuador me gusta mucho!

Also, die ersten zwei Wochen sind vergangen und ich komme endlich dazu, einen neuen Blogeintrag zu schreiben. Mein Laptop und Probleme mit dem Internet waren die Gründe, weshalb mein erster Blogeintrag aus Ecuador auf sich warten lassen hat. Aber dies gehört eher zu den unintressanten Geschichten der letzten Tage.

Am 14. August ging es endlich los in Richtung großer Traum. Um 12 und damit wie immer viel zu früh verließen wir, also meine Mutter, mein Vater und ich mein altes Zuhause, um meinem neuem immer näher zu kommen. Komischerweise wurde auf dem Weg zum Flughafen die Aufregung immer weniger und weniger, bis ich dann völlig entspannt am Flughafen ankam. Nach etwas Umschauen  sah man dann auch die ersten bekannten Gesichter oder eher die türkisen YFU-T-Shirts, die wir für den Reisetag bekommen hatten. Der Verabschiendung von Familie und Freunden sah ich mit einem lachendem und einem weinenden Auge entgegen. Aber eher mit dem lachenden, da ich mich so sehr auf den Flug und das Jahr im Ausland freute. Nach dem Abschiedskommitee, für das ich mich nochmal ganz herzlich bedanken möchte, verließ ich nun meine Familie und Freunde, um durch die Sicherheitsschleuse und in Richtung Abenteuer zu gehen. Gegen 16 Uhr begann die 31 stündige Reise in Richtung Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Die Flüge waren lang und unbequem, aber doch aushaltbar. Ich glaube, dass ich mich noch nicht oft so sehr auf etwas zu essen gefreut habe wie auf diesen Flügen. Mit Warten auf das Umsteigen in Frankfurt, Madrid und Lima war es dann am  Folgetag um etwa 15 Uhr endlich geschafft. Ich stand auf ecuadorianischem Boden und ich war einfach nur platt. Dies lag wohl nicht nur an der Ankunft in meiner neuen Heimat, sondern auch daran, dass der Anflug auf den Flughafen von Quito mehr als abenteuerlich war.

Am Flughafen wurden wir in einen Bus geladen und in einen Vorort von Quito gefahren, in dem die ecuadorianische VBT stattfinden sollte. Diese war eine Auffrischung von dem, was wir schon aus Deutschland kannten. Trotzdem gibt es einen wichtigen Tipp, den sie uns gegeben haben: Seht in allem etwas Positives! Ich glaube dieser Tipp macht das Leben nicht nur im Auslandsjahr einfacher, sondern auch das Leben zu Hause. Hier trafen sich nun alle Austauschschüler, die ihr Jahr in Ecuador verbringen würden. Ich teilte mein Zimmer mit einem Niederländer, und sonst noch vertreten waren Skadinavier, Schweizer und Belgier auf der Tagung. Aber wir Deutschen waren klar in der Mehrzahl mit 23 ATS (Austauschschülern). Trotz der Tatsache, dass ich in Ecuador war, fühlte ich mich noch nicht richtig angekommen in meinem Austauschjahr. Es fühlte sich eher wie Urlaub an. Trotzdem möchte ich die ersten 4 Tage mit meinen alten Bekannten und neu Kennengelernten nicht missen, da sie der perfekte Einstieg waren.

Sehr schön war der Ausblick vom Dach der Herberge. [singlepic id=96 w=480 h=320 float=]

Am Samstagmorgen gegen 8.30 ging es dann endlich los in Richtung Gastfamilie und damit ins echte Austauschjahr. In meinem Bus saßen die ATS für Latacunga, Ambato, Riobamba und Cuenca. Wobei die Armen, die nach Cuenca fuhren, 10 Stunden bis zu ihren neuen Wohnort brauchten. Ein Berg löste den anderen ab, und das Highlight der Fahrt war der von Wolken umgebene Cotopaxi. Das Bild ist übrigens nicht der Cotopaxi, da dieser so von Wolken verhüllt war, so dass man nur den Fuß des Berges sah. [singlepic id=97 w=480 h=320 float=]

Nach ca. 4 Stunden mehr oder weniger wackeliger Fahrt durch die unglaublich schöne Landschaft der Anden kamen wir endlich in Ambato, meiner neuen Heimat für die nächsten 10 Monate, an. Zuerst nur in einem Vorort von Ambato, wo einer unsere Teamer aus der VBT wohnt und dessen Mutter die Area Rep ist für den Raum um Ambato. Area Rep bedeutet, dass sie meine Ansprechpartnerin für die Zeit in Ecuador ist. Kaum waren wir zwei, ich und eine Belgierin, aus dem Bus ausgestiegen, kam auch schon ein Geländerwagen angefahren, in dem ein Teil meiner Familie saß. Begrüßt wurde ich von meiner Mutter und meine beiden älteren Schwestern mit eine typischen Küsschen auf die Wange. Eines der ersten Wörter, die fielen, war „Bruder“ und dies ließ mich gleich zu einen Teil einer völlig fremden Familie werden. Nach nur weiteren 15 Minuten Autofahrt durch die Hügel Ambatos kam ich nun endlich in meinem neuen Zuhause an.

In den zwei Wochen, die ich hier bin, habe ich schon jede Klimazone von Ecuador erlebt. Dies zeigt mir noch einmal wieder, wie klein dieses Land doch eigentlich ist und dies gefällt mir auch so gut an Ecuador. Du kommst überall mehr oder weniger schnell  hin und kannst das Land in seiner Gänze kennen lernen, wie es in einem größeren Land kaum möglich wäre. Sei es nun der Wochenendtripp in ein Hotel an die Strände von Same oder mit den besten Freunden der Familie zum Fischen in das feuchttropische Klima des Dschungels zu fahren, mir scheint es, als ist hier alles möglich mit der Spontanität der Ecuadorianer. Und jeden Tag freue ich mich, etwas Neues zu lernen und kennen zu lernen und jeder Tag ist ein neues Abendteuer für sich.

Nach der kurzen Zeit hier kenne ich nur eine Bruchteil der ecuadorianischen Kultur, aber das, was ich bisher gelernt habe und beobachten konnte, würde ich gerne mit euch teilen. Also, das was mir jeden Tag wieder auffällt ist , dass die Ecuadorianer gefühlte jede Stunde etwas essen. Nicht das mich das stören würde, aber es ist gewöhnungsbedürftig, alle Stunde gefragt zu werden, ob man etwas essen möchte. Ganz wichtig ist auch zu erwähnen, dass die Ecuadorianer zu jeder Malzeit Reis essen. Aufgrund meiner mangelnden Spanischkenntnisse bin ich aber leider noch nicht dazu gekommen zu fragen, wieso das eigentlich so ist. Dies werde ich aber mit Sicherheit in einem meiner späteren Blogeinträge nochmal ansprechen. Ein anderes wichtiges Thema außer dem Essen sind mit Sicherheit die Menschen. Es ist unglaublich, wie viel offener die Menschen hier sind im Gegensatz zu Europa. Man geht keine 5 Minuten die Straße entlang, ohne dass sich Personen grüßen und anfangen zu reden. Die Familie und damit das nächste Umfeld ist hier sowieso wichtiger als alles andere. Ich habe jetzt schon 3 Geschwister, deren Familien und die meiner Gastmutter kennengelernt und das sind es noch lange nicht alle. Ich freue mich jetzt schon auf das jährliche Familietreffen, um dann alle mal gemeinsam an einem Ort zu erleben. Im Moment bin ich auch noch ziemlich froh, meine beiden Gastschwestern zu haben, da es noch einfacher ist, Englisch zu sprechen als Spanisch. Das stört mich aber auch, da es so nie etwas wird mit dem Spanisch sprechen. Beide werden sich dann aber Anfang und Mitte September auf den Weg nach Europa machen. Die eine zum Fortsetzen ihres Studiums und die andere, um selber mit YFU nach Österreich zu gehen. Dann werden wir sehen, wie ich hier in der Familie mit meine Gasteltern klar kommen werden, wenn wirklich nur noch Spanisch gesprochen wird. Aber alle andere Austauschschüler haben diese Situation schon und kriegen dies hin, also mache ich mir da eher weniger Sorgen. Wie ich schon am Anfang gesagt habe, man muss einfach in allem etwas Positives sehen und schon geht es einem besser und die meisten Schwierigkeiten lösen sich fast von allein.

Andere kleine aber feine Unterschiede, die vielleicht nicht so wichtig erscheinen, sind zum Beispiel, dass man das Klopapier nicht ins Klo wirft, da die Rohre hier viel kleiner sind als in Deutschland. Etwas anderes ist, dass man keine Bettdecken hat wie in Deutschland, sondern dass man zwischen zwei Laken schläft und darauf Steppdecken und ähnliches liegen hat, die dann warm halten. Das Klima ist hier übriges auch ganz anders als das deutsche. Es gibt keine Jahreszeiten und wenn doch, dann wechseln sie tagtäglich. Ich hatte hier schon Tage, an denen ich mich mit kurzer Hose und T-Shirt totgeschwitzt habe, und andere wie heute, wo wir es nicht gerade warm hatten mit 12 Grad Celsius. Das sind auch erstmal so die ersten Sachen, die mir so auf die Schnelle einfallen. Andere mehr oder weniger große Unterschiede werde ich bestimmt noch später nennen.

Nun noch zum Schluss: ich wohne in den Bergen und bin zum Ende der Sommerferien hier angekommen (an der Küste sind andere Ferienzeiten). Das ist auch der Grund, wieso ich erst Montag meinen ersten Schultag habe. Deswegen schreibe ich hier auch noch nichts von Schule. Aber ich kann jetzt schon verraten, dass mir die heute gekauften Schuluniform nur teilweise gefällt. Aber im Grund ist auch diese doch ganz schön, wenn man sich klar macht, dass in meiner Schule ja jeder so rumläuft. Also Bilder davon und Geschichten aus meiner ersten Schulwoche werden dann schon bald folgen. Hiermit dann wieder bis zu meinem nächsten Eintrag und

Tschüß!

Euer Sebastian