Angekommen in Zamosc! (1. September 2017)

So viel ist passiert in den letzten vier Tagen!
Wirklich unglaublich wie viel in vier Tage passt und wie schnell die Zeit trotzdem manchmal rennt. Ich bin jetzt bei meiner Gastfamilie angekommen, bei der ich für das restliche Jahr bleiben werde, hier in Zamosc.
Ich sitze grad in meinem Zimmer, an meinem Schreibtisch, in dem Haus, das ich für ein Jahr mein Zuhause nennen werde. Eine verrückte und trotzdem wunderschöne Vorstellung. Ich weis nicht wen oder was ich hier (kennen) lernen werde. Ich weis nicht was hier alles passieren wird und wie sich klitzekleinste Details auf die Zukunft aus wirken werde. Ich weis nicht wie ich mich verändern werde und auch nicht was ich vielleicht verändern kann/werde.
Wen werde ich treffen? Was werde ich tun? Alles ist ungewiss.
Ich kann mir nicht vorstellen wie es wird, weil die Realität so detailgetreu ist, dass die Zukunft von meinem kleinen Gehirn nicht erfasst werden kann. Ich lasse mich überraschen, von den Menschen, denen ich begegne, den Situationen, in die ich komme und dem neuen Leben (und dem neuen Ich), das für ein Jahr mein Leben sein wird.

Also nun zu den letzten Tagen in Posen:
Ich habe nicht mehr viel gemacht. Ich war einmal schwimmen, mit meiner Gastschwester in der Stadt, bei einem yfu-Abschlussmeeting und zuhause. Dann war ich noch mit meiner Gastfamilie Proviant einkaufen und natürlich habe ich auch gepackt. -wie sollte es anders sein-
An alle die es nicht wissen, ich hatte einen riesen Koffer, eine Sporttasche und einen Reiserucksack als Gepäck. Achja und die drei Sachen wogen zusammen mehr als ich. Glück gehabt, es hat nochmal alles reingepasst und als der Koffer zu war und mein Zimmer dafür leer, realisierte ich dass es weiter ging. Die Reise ging los und ich war total aufgeregt, ein Mix aus Vorfreude, Angst, Neugier und Melancholie, aber auch ein bisschen Traurigkeit, dass ich meine Familie verlassen muss.
Gesagt getan. Ich bin am 30.August 2017 um 9:44 in den Zug gestiegen. Alex (der andere Deutsche, der in Polen sein Auslandsjahr macht) hab auf mich im Zug gewartet und unser 6er- Abteil war randvoll.
Alex ist nach Hajnòwka gefahren und musste deswegen in Waschau aussteigen. Das heißt ich bin 4 Stunden mit Alex gefahren und 3 Stunden alleine. Wie gesagt ist Alex in Warschau ausgestiegen und dafür sind zwei Typen zu uns ins Abteil gekommen. Als der Schaffner dann kam und gemerkt hat, dass ich kein Englisch spreche, hat er mich gefragt woher ich denn kommen würde und ich meinte “Germany-Berlin”. Tja und nach ungefähr einer Stunde hat mich der eine Typ, der in Warschau mit seinem Kumpel eingestiegen ist, ganz neugierig gefragt was ich denn im Zug von Posen nach Lublin mache, wenn ich doch kein Polnisch spreche. Dann hat Madame Rosa ihre allseits bekannte, ich-bin-eine-Austauschschülerin-aus-Berlin-und-fahre-nach-Polen-(Warum, Wieso, Weshalb das ganze…. )- Story ausgepackt und die dachten natürlich ich wäre eine eine Studentin, weil man auf Englisch da keinen Unterschied macht.
Also musste ich erstmal klarstellen, dass ich hier zur Schule gehen werde und erst fünfzehn bin. War echt ganz lustig denen zu erklären, dass man auch ein Auslandsjahr machen kann ohne schon auf der Uni zu sein.
Die beiden Dudes kamen aus England und der eine war Halbinder und der andere ein Pole, der aber in England lebt. Da war natürlich das Thema Brexit nicht weit. Weiter ging es dann mit den, in der (deutschen) Gesellschaft sichtbaren, Folgen des zweiten Weltkriegs, dem non plus ultra Thema Flüchtlingspolitik und den Vorurteilen gegenüber Deutschen, Polen, Engländern und Indern. Achja die beiden waren übrigens irgendwas um die 20 rum und grad auf einer Tour quer durch Polen. Das pracktischste an der ganzen Sache war aber, dass sie mir natürlich mit meinem Gepäck geholfen haben. jaja das war echt nötig.
Und dann war ich da (um 16.54 mit 10 min Verspätung). Mein Gastvater hatte mich schon gefunden bevor ich überhaupt den Zug verlassen hatte und nahm gleich meinen 50-Kg Koffer entgegen. (Ich sag euch man nimmt viel mehr mit, wenn man nicht fliegen muss) 🙂
Mein Gastvater war mit meiner Gastschwester gekommen um mich aus Lublin abzuholen. Wir sind dann ca noch eine Stunde nach Hause gefahren und ich und meine Gastschwester haben ein bissl gesmalltalkt.
Meine Gastschwester ist ein sehr mädchenhafte sMädchen würde ich sagen. Sie interessiert sich für Mode, Shoppen und spanische Musik. Achja und für Mathe. Ihr Name ist Madzia (kommt von Magdalena) und sie ist echt sehr süß und ehrgeizig, was die Sache anbelangt, dass ich Polnisch lernen muss. Sie hat echt viel Köpfchen. Ich war natürlich erstmal von Vorurteilen geprägt,als ich sie mit hochhackigen Schuhen, den langen Fingernägeln und der Prada-Sonnenbrille sah. -Und bitte lest das nicht abwertend!- Sie ist echt sehr nett und man sollte niemals vom Äußeren einer Person auf ihr Inneres schließen.
Was ich fast vergessen hätte: Sie ist 16 und zwei Köpfe kleiner als ich bzw bin ich zwei Köpfe größer als sie.
Zurück zu meiner Anreise. ich kam dann zum ersten Mal in mein neues Zuhause.
Meine Gastfamilie wohnt in einem relativ normalen Haus, wenn es um die gehobene Gesellschaft von Polen geht. (elektrisches Gartentor, Hund im Zwinger vorm Haus (sie heißt Mamba und darf nachts im Garten rumlaufen), Pool, ein kleines Beet, Terasse, großes Wohnzimmer und großer Fernseher)
Mein Zimmer befindet sich auf dem oberen Stockwerk mit meinem eigenen Badezimmer. Ich glaube mein Zimmer ist nach dem Wohnzimmer und dem Billiardzimmer das größte im Haus. Allerdings ist es unterm Dach und deswegen muss man die Schrägen eigentlich davon abziehen. Mein Zimmer ist echt schön und auch das Badezimmer ist der Hammer, ich sag nur Whirlpoolbadewanne mit Aussicht auf den Himmel. Aber denkt jetzt nicht so eine Badewanne hätte nur gute Seiten. nene. Duschen muss ich nämlich im Badezimmer meiner Gastschwester, weil man das in einer Whirlpoolbadewanne nur im Sitzen kann. jaja so ist das, liebe Freunde. Was lernen wir daraus? Es gibt nicht nur schwarz und weiß!

Wie ihr euch vorstellen könnt, ist das Leben hier echt ein Unterschied zu dem Leben, das ich gewohnt bin. Ob es eine Verbesserung oder eine Verschlechterung ist, kann man echt nicht sagen. Es ist halt einfach anders.
Appropo anders. ich gehe auf eine Privatschule, ja Privatschule. Meine Klasse wird aus 16 Schülern bestehen (11 Jungs, 5 Mädchen) und ich bin der Mathe/Physikklasse. Wenn ihr euch jetzt fragt wer mir die Schule denn bezahlt: Niemand. Ich bin eine Stipendiatin und ich glaube, dass die vielleicht auch ein bisschen mit mir angeben wollen, aber sollen sie nur.
Mein Schulleiter ist auf jeden Fall total nett und er spricht sogar Deutsch. (Er sieht ein bisschen aus wie der Typ aus Ich einfach unverbesserlich) Die Schule beginnt zwar erst Montag, aber ich hatte gestern eine Privataudienz bei meinem Direktor. jaja total der VIP-Guest bin ich.

Eines der Sachen, die nicht so toll ist, ist dass meine Gastfamilie glaube ich ein bisschen das Gefühl hat mit meiner ersten Gastfamilie in Konkurrenz treten zu müssen. Ich versuche das zu minimieren, in dem ich ihnen ständig sage wie froh ich bin jetzt bei ihnen zu sein. Allerdings muss ich mich selbst auch immer wieder daran erinnern die beiden Gastfamilien zu vergleichen, weil das einfach nur unfair wäre. Aber immer positiv denken, schließlich bin ich ja hier ein Jahr, da hab ich schon noch ganz schön viel Zeit um ihnen zu zeigen, wie lieb ich sie hab.

Das wars erstmal!
Liebste Grüße aus Zamosc,
Rosa

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