Was? Schon vorbei?

Halli-hallo~~ 🙂

Immer wenn ich in Deutschland Kommentare wie „Das Jahr vergeht wie im Flug! Das wirst du schon noch sehen…“ hörte, dachte ich mir jedes Mal nur, dass sie ja recht haben – aber 11 Monate sind immerhin 11 Monate! Doch jetzt? Was ich jetzt sage ist folgendes: Sie hatten alle MEHR als recht! Wie kann Zeit nur so unfassbar schnell vergehen…? Im Winter erreichten wir vier Abenteurer Korea – und jetzt haben wir Anfang Dezember und es ist schon wieder kalt geworden!
Ich erlebte bisher zwei vollständige Jahreszeiten, mehrere Hochs aber auch vereinzelte Tiefs und sammelte unfassbar viele prägende Erfahrungen, welche mich mein Leben lang begleiten werden.

Einer meiner großen Vorsätze oder…sagen wir besser „Wünsche“ war es immer wenn ich über meinen bevorstehenden Austausch nachdachte: „Ich möchte ein Teil von Korea werden!“ Nicht nur der Tourist oder der überaus interessierte Ausländer sein – nein, ich wollte wirklich DAZUgehören. Ein Part, dieser fremden Kultur und dieses für mich so faszinierenden und schon tief in meinem Herzen verankerten Landes werden!

Jetzt, neun Monate (es sind tatsächlich schon neun Monate!!!) später frage ich mich: „Habe ich es geschafft?“

Hebe ich erst nochmal meine Anfangssituation hervor: Ich, 16 Jahre, in einem Land über 8500 Kilometer von meiner bisherigen Heimat und Leben entfernt, wo ich NIEMANDEN kannte und mit meinen Sprachkenntnissen vielleicht einen Kaffee bestellen oder dem Kellner ein freundliches „Es war lecker!“ hinterherrufen konnte. Also ein BISSCHEN mehr und ein paar Basics konnte ich nach 2 Jahren Sprachkurs schon…aber erstaunlicherweise wurden nicht nur die Ereignisse des vergangenen Wochenendes ausgetauscht oder gefragt wie man denn zur U-Bahn kommt… Nun ja ;D Aber sind das nicht die tollsten Voraussetzungen, um sich ein neues Leben aufzubauen?

Ja, warum denn nicht?

Von Anfang an war ich im Gegensatz zu einigen meiner Familienmitglieder, Bekannten oder Freunden diejenige gewesen, welche alles am positivsten sah und blind auf die allseits bekannte Devise „Wo auch ein Wille ist – ist auch ein Weg!“ vertraute.
Einiges war viel unkomplizierter und ging schneller als gedacht – aber auch vieles genau anders herum und bis ich meinem neuen Leben mit Gewissheit den Titel „Alltag“ verleihen konnte, verging doch eine ganze Weile.

Aber auch diese Hürde war bald überwältigt! Ich hatte einige Freunde und Ansprechpersonen gefunden, ging meine alltäglichen Wege mit immer größer werdender Sicherheit und begann immer mehr die Umgebung zu erkunden und mich zurechtzufinden. Viele neue und am Anfang noch recht ungewohnte Bräuche oder Regeln (wie z.B. das Tragen der Schuluniform und der große Respekt Lehrern und generell Erwachsenen gegenüber) waren mir nicht mehr fremd und ich sah sie als selbstverständlich an und führte sie auch ebenso aus.

Auch hatte ich Hobbys gefunden, welche meinen „Alltag“, neben meinem täglichen Schulbesuch, auch wirklich zu solch einem machten und mein neues Leben von da an bestimmten. Da wäre einmal die Kirchgemeinde in die ich durch meine erste Gastschwester in Goyang* gleich wenige Tage nach meiner Ankunft sofort herzlich aufgenommen wurde und mein Taekwondo, welches ich, im Gegensatz zu den vorherigen 2,5 Jahren in Deutschland, seit Mitte März täglich ausübe. Es ist zwar oft sehr anstrengend aber macht unglaublichen Spaß!!!

Was könnte ich noch so berichten? Es gibt soooooooooo vieles!! Aber, wie wäre es z.B. mit einem kleinen Einblick in mein tägliches Schulleben? 😉
Schon seit einem dreiviertel Jahr ziehe ich nun morgens selbstverständlich meine Uniform an und begebe mich mit allen anderen Schülern Goyangs in die vollen U-Bahnen und Busse auf den Weg zur Schule. Ich kann meine Freude gar nicht ausdrücken als ich erfuhr, dass der Unterricht im Gegensatz zu meiner deutschen Schule erst gegen 9:00 Uhr beginnt! Dies war im Kopf für mich eine ziemliche Umstellung – an welche ich mich allerdings liebend gern und sehr schnell gewöhnte ;P

Am Morgen meines ersten Schultages war ich so unfassbar aufgeregt gewesen! Der Moment in eine neue Klasse zu kommen und keinen zu kennen ist schon kompliziert genug…aber zusätzlich noch in einem fremden Land und einer unbekannten Kultur? Wow! Die Schule ist ein großer Bestandteil des alltäglichen Lebens und spätestens in diesem Moment wusste ich – das ist kein einfacher Urlaub, dass ist mein neues Leben! Mein Austauschjahr hatte begonnen!
Nachdem ich meine Klassenlehrerin kennengelernt hatte und unter vielen neugierigen Blicken in die Klasse geschoben wurde kam auch schon die nächste Hürde auf mich zu…vorstellen!! Noch ganz verschüchtert von der Gesamtsituation sagte ich meinen (fleißig auswendiggelernten!) Vorstellungstext auf und setzte mich auf den mir zugewiesenen Platz.
Schon im Laufe des ersten Tages merkte ich, dass meine Sorgen unbegründet waren und es versprach eine tolle Zeit zu werden. In den Pausen kamen jedes Mal neugierige Schüler zu mir, welche mich schüchtern begrüßten und gerne kennenlernen wollten. In Korea sind Ausländer nicht so häufig wie bei uns in Deutschland, weshalb ich für viele die erste war welche sie zu Gesicht bekamen und jedes Mal wo ich einen Flur betrat oder um eine Ecke bog, war ich sofort von einer ziemlich aufgeregten Menge umgeben. Oft fühlte ich mich wirklich etwas wie ein Idol! 😀 Nach ungefähr 2~3 Wochen hatten sich so gut wie alle aus meiner Klasse an mich gewöhnt… ;P
Ich fand auch gleich am ersten Tag 1~2 sehr gute Freunde, welche mich in der ersten Zeit überall mit hinnahmen damit ich die Wege kennenlernte und mit denen ich seit dem jedes Mittagsessen zusammen verbringe. 🙂

 

„Ja!“ lautet meine Antwort, „Ja, ich habe es geschafft.“.

 

Das waren ein paar meiner prägendsten Erlebnisse und der Einstieg in mein Austauschjahr! Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich schon so bald wieder zurück muss…der Anfang war nicht immer leicht, aber ich habe meinen koreanischen Alltag und alle dazugehörigen Menschen sehr lieb gewonnen und weiß jetzt schon, dass mir der Abschied sehr schwerfallen wird! ABER – ich werde auf jeden Fall wiederkommen! 🙂
Dieses Jahr wird für immer in meiner Erinnerung bleiben und ich bin allen Menschen so dankbar, welche es mir ermöglichten meinen größten Traum wahr werden zu lassen~~
Danke! 🙂

 

Ein lieber lieber Gruß,
Philine~

 

*Goyang heißt die Stadt, in der ich lebe!