Deutsche Botschaft, Jugendparlament, Tanzauftritt und “Toy, Toy, Toy!”

Salam ihr Lieben!!!

 

Heute melde ich mich aus einem Land, das mitten im “Novrus – Bayramı – Fruehlings – Neujahrsfestfieber” steckt, denn morgen wird dessen Hauptfesttag begangen! Dieses Mal ist mir danach, meinen Bericht von hinten anzufangen, also mit dem Aktuellesten zu beginnen!!

 

17. 03. :  Toy!!! Toy?! Sünnət Toyu!! 😀

 

Gestern Morgen waere ich am liebsten vor Freude in die Luft gesprungen, als die Gastfamilie von Marie, der tschechischen Austauschschuelerin, mir spontan angeboten hat, mich abends auf eine “Toy” mitzunehmen. “Toy” bedeutet “Hochzeit” – dachte ich zumindest – und ich konnte es kaum erwarten, so ein zeremonielles Ereignis einmal hautnah mitzuerleben! Novrus ist das beliebteste Datum, um so eine Feier zu begehen. So hat mir Maries Gastmutter erzaehlt, dass sie im Moment fast jeden Tag eingeladen sind!

 

Dort angekommen, ist mir der Mund vor Erstaunen offen stehen geblieben: Einen so prachtvoll orientalisch geschmueckten, riesigen Saal hatte ich selten vorher betreten. Mir wurde erzaehlt, dass das “Yəganə – Restaurant” dem Onkel des Praesidenten gehoert, pro “Stuhl” (also Gast,der so gross ist, dass er alleine sitzen kann :D), zahlt der Gastgeber 100 Manat,  was mir angesichts der reichhaltigen Tafel verhaeltismaessig wenig vorgekommen ist. Von Kebab bis Kaviar war dort alles zu finden, was das Herz begehrt und wenn man vom Tanzen an seinen Platz wieder zurueckgekehrt ist, wuerde einem vom Kellner schon der Stuhl zugeschoben.  Das Programm hat keine Sekunde Langeweile aufkommen lassen. Zwischen zahlreichen traditionellen Tanzauffuehrungen und Konzerteinlagen wurden alle Gaeste zusammen immer wieder aufgefordert, das Tanzbein zu schwingen und mit Marie und ihrer Gastfamilie hat es natuerlich doppelt Spass gemacht.[singlepic id=326 w=320 h=240 float=][singlepic id=322 w=320 h=240 float=][singlepic id=320 w=320 h=240 float=]

 

Nur irgendwann habe ich mich ehrlich gewundert, wo den das Brautpaar bleibt, was ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht entdeckt hatte. Verwundert habe ich Maries Gastschwester gefragt, die nur laut aufgelacht und mir erklaert hat, dass man im Aserbaidschanischen das Wort “Toy” fuer zwei verschiedene Zeremonien benutzt: Hier handelte es sich nicht um eine Hochzeit, sondern um ein Beschneidungsfest – “sünnət toyu”! 😀 Deswegen waren so viele Kinder und Animateure anwesend – von Clowns bis Zauberern, die selbst die Erwachsenen und auftretenden Saenger geneckt haben – war alles dabei! Die eigentliche Beschneidungszeremonie fand allerdings nicht mit uns 300 Leuten, sondern erst am naechsten Morgen im Kreis der engsten Familie (50 Leute) statt. Gegen Ende der Feier hat dann ein hier bekannter DJ fuer Stimmung gesorgt, sodass Gaeste jeden Alters zu einem Mix aus aktuellen Hits und traditionellen Liedern die Leidenschaft des Tanzens geteilt haben, bevor gegen 1.00 Uhr alle geimeinsam wie nach Programm gegangen sind 😀 Auf der einen Seite haette ich noch stundenlang weitertanzen koennen, auf der anderen Seite droehnte mir ganz schoen der Kopf: Auch wenn ich die aserbaidschanische Musik liebe, reicht es nach sechs Stunden – dachte ich, denn selbst im Traum danach haben mich die Klaenge nicht losgelassen!!![singlepic id=323 w=320 h=240 float=]

 

Natuerlich sind die Kinder bei dieser Art von “Toy” die Hauptpersonen: Sie sitzen an ihrem eigenen Tisch am Ende des Saals auf einer Art Tribuene, die sonst fuer das Brautpaar genutzt wird. Auf dem ersten Foto sind Mari und ich u.a. mit dem gefeierten Jungen zu sehen, das zweite Foto gibt einen Einblick ins Animationsprogramm: selbst die Kleinsten beherrschen schon den traditionellen Tanz! Das “leuchtende Buendel” ist ein aegypitscher Taenzer, der sich atemberaubend schnell im Kreis drehend mit Regenschirmen eine tolle Show hingelegt hat![singlepic id=325 w=320 h=240 float=][singlepic id=324 w=320 h=240 float=]

 

 

 

14. 03.: Novrus – Fest und “Hochzeit” in der Schule

 

Da ich es  –  fasziniert von den aserbaidschanischen Hochzeitszeremonien  –  scherzhaft zu sagen pflege, dass ich unbedingt hier meine Hochzeit feiern moechte, hatten sich meine lieben Klassenkameraden fuer den vorletzten Schultag vor den Ferien etwas Besonderes ueberlegt und eine traditionelle“Toy” der besonderen Art fuer mich vorbereitet – diesmal natuerlich wirklich in der Bedeutung von “Hochzeit” 😀 So wurde ich beim Betreten des Klassenraums lautstark empfangen, sofort verschleiert und von meinen Freundinnen fuer die “Hochzeit” vorbereitet. Genauso lautstark ging es dann bei der “Uebergabe” durch den “Brautvater” an den “Brauetigam” weiter, denn daraus entwickelte sich sogar ein kleiner Kampf. Der Vater war allerdings schnell besiegt, sodass am Ende alle getanzt haben – die “Frauen” heulend – trauernd um die nun vergebene Braut 😀 Wir hatten sichtlich Spass beim Schauspielern und dass wir ein bisschen lauter waren, hat niemanden wirklich gestoert, denn die ganze Schule hat an diesem Tag bereits Novrus gefeiert! Aus den Schullautsprechern erklang traditionelle Musik und ueberall auf den Fluren wurde zusammen getanzt! Ein Besuch bei der Schulleiterin in unseren Kostuemen durfte fuer die 11. – Klaessler nicht fehlen (1. Foto)  und die Lehrerinnen, die sich nicht verkleidet hatten, haben sich schnell ein Stueck unserer Schleier geschnappt (s. 2. Foto: hier mit meiner Russischlehrerin)! [singlepic id=317 w=320 h=240 float=][singlepic id=319 w=320 h=240 float=][singlepic id=318 w=320 h=240 float=][singlepic id=307 w=320 h=240 float=]

 

 

E-mail Freundschaften zwischen Gast- und Heimatschule

 

Um auch andere deutsche Jugendliche am Entdecken der vielseitig spannenden Kultur Aserbaidschans teilhaben zu lassen und auf der anderen Seite den Jugendlichen hier die Moeglichkeit zu geben, die deutsche Kultur kennenzulernen sowie ihre Deutsch – oder Englischkenntnisse zu verbessern, habe ich das Projekt “E-mail-Freundschaften” in die Wege geleitet – eine neue Kooperation zwischen dem Baku European Lyceum (meiner Gastschule) und der Halepaghen – Schule (meiner Heimatschule)!

Es laueft so ab, dass jeder, der Teilnehmen moechte, einen Steckbrief ueber sich verfasst und ich dann die internationalen „Freundschafts – Paare“ alters  – und interessengerecht zusammenfuege. Hier treffen wir uns regelmaessig mit der Projektgruppe und diskutieren ueber Themen, ueber die man sich gut mit seinen E – mail -Freunden austauschen kann, z.B. ueber Familienleben, Feiertage usw.

Schon jetzt freue ich mich immer wieder, wenn mir die Teilnehmern von interessante Gespraechen mit ihren neuen Freunden berichten und bin den uns so lieb unterstutzenden Lehrerinnen auf beiden Seiten unendlich dankbar! Mein groesster Wunsch ist es natuerlich, dass daraus lebenslange Freundschaften entstehen … ;)[singlepic id=313 w=320 h=240 float=]

 

 

 

8. Maerz = Weltfrauentag = Feiertag = SCHULFREI!!!

 

Ja, ihr habt in der Ueberschrift richtig gelesen: der Weltfrauentag wird hier als offizieller Feiertag anerkannt und verspricht zumindest den Jungs und Maennern leere Taschen – denn an diesem Tag werden die Frauen reichlich beschenkt – rund um dieses Datum herum machen die Blumenlaeden Aserbaidschans wohl den besten Umsatz im Jahr. So wie der kleine Laden unten auf dem Foto: “Çiçək Səbəti” (Blumenkorb) – “Çiçəksiz olmaz” – meine “freie Uebersetzung”: OHNE BLUMEN GEHT NİCHT! Und wirklich: Als meine Freundin und ich uns am 08.03. auf die gleichzeitig an diesem Tag ueberall anfangenden Angebote gestuerzt haben, war auf der Strasse ein glueckliches Liebespaar nach dem naechsten zu sehen; die Maedchen vollbeladen mit ueppigen Blumenstraeussen oder Riesenkuscheltieren. Abends haben wir den Weltfrauentag dann im Kreise der Familie mit Oma, Tanten, Cousinen usw. gefeiert![singlepic id=316 w=320 h=240 float=]

 

Am siebten Maerz wurden bereits die Lehrerinnen  beschenkt und die Jungs hatten fuer alle Maedchen der Klasse Rosen und eine gigantische Torte organisiert, was ich nur aus Erzaehlungen mitbekommen konnte!

 

Denn dieser Tag war fuer mich einer der Hoehepunkete meines Austauschjahres: Ich wurde zu einem Schnuppertag in die Deutsche Botschaft eingeladen. Aus “protokollarischen Gruenden” ist im Nachfolgenden der Bericht zu lesen, den ich auch fuer die Homepage der Botschaft geschrieben habe 😉

 

 

 

07. 03. : Diplomatisch-deutsche Luft schnuppern am Schnuppertag in der Deutschen Botschaft

“Heute durfte ich als YFU – Austauschschülerin in der Deutschen Botschaft in Baku ein bisschen  diplomatisch-deutsche Luft schnuppern und somit einen ereignisreichen Schnuppertag verbringen.

Nachdem mich Kristina Siebke um 8.30 Uhr am Eingang der Botschaft abgeholt hatte, stellte sie mich zuerst ihren Kollegen vor, die mich alle sehr freundlich und aufgeschlossen begrüßt haben, sodass ich mich gleich äußerst wohl gefühlt habe. Kurz darauf hat sich der Botschafter Herr Quelle für ein Gespräch mit mir Zeit genommen, sodass ich die Gelegenheit hatte, ihm ein paar Fragen zu seiner Arbeit zu stellen. Besonders hat mich interessiert, wie er mit seinen aserbaidschanischen Kooperationspartnern bei kritischen, gesellschaftspolitischen Themen geschickt durch diplomatisches Feingefühl kommuniziert. Anschliessend habe ich einen Einblick in den Fachbereich Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Kultur erlangt, indem  mir  u.a. einige soziale Projekte, wie zum Bespiel Schulprojekte, vorgestellt wurden, die die Deutschen Botschaft begleitet. Danach durfte ich im Bereich der Pressearbeit bei einem Gesprächstermin mit einem unabhängigen Medienvertreter Aserbaidschans dabei sein, was für mich persönlich sehr informativ und aufschlussreich war. Nicht zuletzt habe ich durch die am Gespräch teilnehmende Dolmetscherin einen ersten Eindruck des komplexen sprachmittlerischen Aufgabenfelds erhalten und natürlich ein paar neue, pressespezifische aserbaidschanische Wörter gelernt. Anschliessend ging es zur Mittagspause, während der mich meine netten“Eintageskollegen” in ein türkisches Restaurant eingeladen haben. Die Unterhaltung mit ihnen war sehr spannend aufgrund der zahlreichen Dienst- und Lebenserfahrungen, die jeder von ihnen individuell in unterschiedlichsten Ländern bereits gemacht hat. Nach der Mittagspause ging es in der Rechts- und Konsularabteilung weiter. Dort konnte ich über die Regeln, die für nach Deutschland einreisende Aserbaidschaner gelten,  Interessantes erfahren sowie direkt mit an der Annahme der Visastelle sitzen, wo die Aserbaidschaner ihre Visumsantraege oder bei Problemen diesbezüglich Fragen stellen. Ich war beeindruckt von der Tatsache, dass dort in sekundentempo zwischen Deutsch, Englisch, Aserbaidschanisch und Russisch– je nach bedarf des Kundens –  gewächselt wird!

Gegen 17 Uhr neigte sich mein Tag in der deutschen Botschaft dem Ende zu, sodass ich noch eine Ablschlussbesprechung mit dem Botschafter und Kristina Siebke hatte, bevor ich mich wieder auf den Heimweg zu meiner aserbaidschanischen Gastfamilie begeben habe – ein bisschen wehmütig durch die Tatsache, die Auslandsvertretung meines Heimatlandes wieder verlassen zu müssen, aber gleichzeitig beglückt durch die vielen neuen Eindrücke, die ich heute erhalten habe! Ein riesengroßes Dankeschön an alle in der Deutschen Botschaft, die mir diesen Schnuppertag zu einem unvergesslichen Erlebnis meines Austauschjahres gemacht haben! Der heutige Tag hat mir meinen langjährigen Wunsch erneut bestätigt: später selbst im diplomatischen Dienst zu arbeiten …”

Das erste Foto zeigt den Botschafter Herrn Quelle und mich, auf dem zweiten bin ich vor dem ISR – Plaza (grosses Gebauede, in dem sich die Botschaft befindet) mit “Sturmfrisur” zu sehen …

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“Xocalı” – Ein Massaker des Bergkarabachkonflikts

 

Am 26.02. wird hier der Trauertag “Xocalı” (Chodschali) begangen, anlaesslich der Tragoedie, die sich 1992 in der Nacht vom 25.02. auf den 26.02. in der gleichnamigen Stadt in Bergkarabach abgespielt hat. Armenische Streitkraefte zerstoerten die Stadt und griffen in brutaler Weise auf die aserbaidschanische Bevoelkerung ueber, um eine “ethnische Saueberung” durchzufuehren.

 

In der Schule hat unsere Geschichtslehrerin uns eine Praesentation darueber gehalten und – auch wenn ich bei Aussagen bezueglich des Bergkarabachkonflikts persoenlich ausserst vorsichtig bin – muss ich sagen, dass die von den Armeniern mutmasslich gemachten Bilder einfach nur schockierend sind. Zum Beispiel wurden hochschwangeren aserbaidschanischen Frauen die ungeborenen Babys aus dem Bauch geschnitten, als Symbol der “Ausloeschung des aserbaidschanischen Volkes”.  Vor Alten und Kranken wurde ebenfalls nicht halt gemacht. Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich, durch die in Deutschland erhaltenen Informationen bezueglich des Holocausts, schon das Grausamste gesehen zu haben, aber ich hatte mich geirrt …

 

Bezeichnend finde ich, dass selbst sechs – bis siebenjaehrige Kinder hier auf dieses Massaker schon aufmerksam gemacht und ihnen die schrecklichsten Bilder gezeigt werden. Auf meine Frage, ob der Hass gegen die Armenier oder sogar ein Rachegefuehl auf diese Weise nicht nur noch verstaerkt wird, hat meine Lehrerin geantwortet, dass das Gegenteil erreicht werden soll: Die Bilder sollen zeigen, wozu der Mensch faehig ist, damit so etwas nie wieder passiert!

Auf dem Foto sind Zeichnungen zum Thema “Xocalı” von Kindern aus der Grundschulstufe zu sehen:[singlepic id=312 w=320 h=240 float=]

 

Jetzt fehlen noch zwei Ereignisse, die schon etwas weiter zurueckliegen und die ich schon im letzten Blog angekuendigt hatte: Zum einen meine erste Tanzauffuehrung am 16. 02., zum anderen die Sitzung des Europaeischen Jugendparlamentes am 16.02. und 17.02.!

 

Meine erste Tanzauffuehrung – das Annehmen einer anderen Kultur mit Leib und Seele

Die Auffuehrung auf der Party der “LİNGVA – School” (Sprachschule, in der ich zum Aserbaidschanischunterricht gehe), ist super gelaufen, auch wenn mir selbst tausend Bewegungen einfallen, die ich haette besser machen koennen! Es war mir ein Genuss, aus den Augenwinkeln  die Erfreutheit in den Gesichtern der klatschenden Zuschauer zu sehen, die es zuerst bei der Ansage durchs Mikro nicht glauben konnten, dass ein deutsches Maedchen nicht nur ihre Sprache lernt, sondern ebenfalls ihren Nationaltanz vorfuehrt und somit ihre Kultur mit Leib und Seele annimmt! Das Kostuem aus ihrer Sammlung hat mir meine liebe Tanzlehrerin uebrigens geschenkt ;)[singlepic id=309 w=320 h=240 float=][singlepic id=311 w=320 h=240 float=][singlepic id=310 w=320 h=240 float=][singlepic id=308 w=320 h=240 float=]

 

Die erste Schulsitzung des European Youth Parliaments – DROIT, DROIT, DROIT

Die Teilnahme an diesem Projekt war auf jeden Fall atemberaubend politisch, interessant, manchmal auch nervenaufreibend und crazy – ein einmaliges Erlebnis. Die immer auf Englisch abgehaltenden Sitzungen des Europaeischen Jugendparlamentes sind denen des richtigen Parlamentes in Strassburg nachempfunden und finden jaehrlich ca. 200 Mal in unterschiedlichen Laendern ganz Europas statt. Unsere Themen waren auf die Suedkaukasusregion und die “Oestliche Partnerschaft” (Zusammenschluss einiger Mitgliedsstaaten der ehemaligen Sowjetunion) spezialisiert.  Im Voraus konnten wir zwischen den Ausschuessen “Frauenrechte und Gleichberechtigung der Geschlechter”, “Auswaertige Angelegenheiten”, “Kultur und Bildung” und “Menschenrechte” waehlen. Ich hatte mich fuer Letzteres entschieden.

Den Samstag haben wir mit intensivem Arbeiten in unseren Ausschuessen verbracht und dem Vorbereiten der Sitzung, also dem Aufstellen von Resolutionen. Unser Ausschuss trug die Abkuerzung “DROIT” (franz. “Recht”) und es schien recht kompliziert, konstruktiv zu diskutieren und am Ende sechs Resolutionspunkte aufzustellen: A. den Mangel an demokratischen Wahlen in den Mitgliedsstaaten der Oestlichen Partnerschaft, B. den Mangel an Meinungsfreiheit, C. den anhaltenden Einfluss Russlands auf diese Staaten, D. Die Disparitaeten in der Gesellschaft, E. das Desinteresse an politischen Angelegenheiten in der Gesellschaft, F. die Abhaengigkeit der Medien von den Regierungen[singlepic id=330 w=320 h=240 float=][singlepic id=331 w=320 h=240 float=]

Zwischen all dem kritisch analytischen Denken, tat es gut, zwischendurch durch ein paar lustige Spielchen eine Auszeit zu bekommen, um danach fit und munter weitermachen zu koennen …[singlepic id=328 w=320 h=240 float=][singlepic id=329 w=320 h=240 float=]

Am Sonntag wurde dann die Sitzung protokollarisch und ernstvoll abgehalten:[singlepic id=332 w=320 h=240 float=] Nach der Eroeffnungsrede hat jeder Ausschuss nacheinander seine Resolution nach fester Zeitvorgabe vorgestellt. Nach jeder Vorstellung  durften Fragen gestellt werden.[singlepic id=333 w=320 h=240 float=] Ich habe gemerkt, wie schwer es ist, spontan in der Rolle des Abgeordneten mit vollster Ueberzeugung auf diese antworten zu muessen, denn es galt, am Ende moeglichst viele Stimmen fuer seinen Ausschuss zu gewinnen, damit die Resolution vom Parlament angenommen wird.  Zusammen mit einem  anderen “Abgeordneten” war ich dafuer verantwortlich, die Abschlussrede  unseres DROIT – Ausschusses zu halten. “Dramatisch” haben wir erneut alle wichtigen Punkte unserer Resolution zusammengefasst, bevor wir in sieben Sprachen lautstark an die anderen Ausschuesse appelliert haben, fuer unsere Resolution zu waehlen: “Vote for us!”(engl.), “Votez pour nous!”(franz.), “Голосуйте за нас!” (russ.),“Bizə səs verin!” (aserb.), “Oyunuzu bize verin!” (türk.),  “Votan por nosotros!” (span.),” Waehlt fuer uns!” : “Droit, Droit, Droit!”[singlepic id=334 w=320 h=240 float=][singlepic id=335 w=320 h=240 float=][singlepic id=336 w=320 h=240 float=]

 

 

Gluecksmomente im Alltag und fortschreitende Anpassung

Meiner Meinung nach sind es die kleinen Dinge des Alltags, die einem waehrend des Austauschjahres die groessten Gluecksmomente bescheren. Auf der “Toy” wurde Maries Gastmutter von einer bei uns am Tisch sitzenden aelteren  Dame gefragt, ob ich ihre richtige Tochter sei. Ein bisschen erschrocken war ich schon darueber, dass ich mich anscheinend mittlerweile nicht nur tanzend und sprachlich immer mehr in die aserbaidschanische Gesellschaft einfuege, sondern auch automatisch meine Auftretens – und Verhaltensweise anpasse. Das, was mir noch vor ein paar Monaten gesagt wurde – “Deine Gesten, offene Blickweise, Laecheln, Gangart – dir ist sofort anzumerken, dass du aus Westeuropa kommst!” – scheint endlich vorueber zu sein!!!

 

Familienleben und Regeln

Nichtsdestotrotz gibt es immer wieder Momente bezueglich der Anpassung, in denen ich mir ganz schoen auf die Zunge beissen muss. Meine absolut liebe, fuersorgliche Gastmutter nimmt ihre Verantwortungsaufgabe sehr ernst und sieht es nicht gerne, wenn ich mich mit Leuten treffe, die sie nicht persoenlich kennt. Da man aber im Austauschjahr viele neue Bekanntschaften macht, faellt es mir unglaublich schwer, diese Regel zu akzeptieren, denn hier ist es auch nicht ueblich, seinen Eltern neue Freundinnen sofort vorzustellen oder sie gar mit nach Hause zu bringen. Und mit Jungs muss man als Maedchen natuerlich gar nicht erst ankommen 😀

Mit ihnen bekannten Freunden, erlauben meine Gasteltern uns (meinen Gastschwestern und mir) SPAETESTENS bis 20 Uhr draussen zu bleiben und selbst dann fragen sie uns schon, ob jemand von den Freunden einen Chauffeur hat, der uns nach Hause bringen koennte.

Anfangs hatte ich hin und wieder versucht, fuer bestimmte Anlaesse eine kleine Sonderregel zu erhaschen, aber meine Gastmutter meinte nur, dass sie mich wie ihre richtigen Toechter behandelt und es keine Ausnahmen gibt! In solchen Momenten haette ich in Deutschland angefangen, nach Argumenten zu suchen und  zu diskutieren, aber hier ist dies zwischen Kindern und Eltern nicht angesagt, sodass ich dann meistens  in unser Zimmer gehe, bis 100 zaehle und die Angelegenheit danach schon halb so wild ist! Ich muss sagen, dass diese Art des Gehorsams auf lange Sicht gesehen absolut kraeftesparend ist und bin meinen Gasteltern sehr dankbar dafuer, dass ich mich dank ihnen in solchen Situation nicht mehr so schnell aufrege!

 

Zweisprachig leben

Sprachlich geht es immer weiter bergauf, wobei ich gelegenlich meinen Kopf am liebsten gegen die Wand schlagen wuerde, wenn ich einfachste Woerter in einer der beiden Sprachen nicht sofort abrufen kann 😀  Dies geschieht in Situation, in denen ich etwas z.B. mit Leuten von YFU auf Aserbaidschanisch erlebe, meiner Gastmutter davon dann aber auf Russisch hinterher berichte oder umgekehrt 😀  Trotz der komplexen Grammatik bleibt Russisch nach wie vor die fuer mich angenehmere Sprache, aber es gibt noch so viel zu lernen, sodass mir eine Lehrerin aus dem Maryam – Center jetzt netterweise intensiven Grammatikunterricht gibt!

 

Ferien – Tanztraining fuer die letzte Klingel!!!

Jetzt haben wir gerade 1,5 Wochen Novrus – Ferien  – schulfreie Zeit, sollte man meinen! Fuer uns geht es jedoch jeden morgen fuer zwei Stunden in die Schule, wo die Tanzlehrerin mit der ganzen Klasse eine Choreographie fuer unsere “letzte Klingel” ( Abschlussfeier) in der Schule vorbereitet. Sogar morgen, am offiziellen, arbeitsfreien Novrus – Feiertag werden wir trainieren! Falls ihr mir unterstellt, dass mein Leben hier im Moment sehr einseitig auf Tanzen bezogen ist, gebe ich euch gerne recht 😛 😀 !!![singlepic id=306 w=320 h=240 float=]

 

Bevor dieser Beitrag wieder “Romanlaenge” annimmt, verabschiede ich mich jetzt fuer heute von euch, wuensche euch “Bayramınız mübarək olsun!” (Alles Gute zum Feiertag!”) und verspreche, euch im naechsten Blog ueber die Novrus – Feierlichkeiten genauer zu berichten!!!

 

Stuermische Gruesse vom Ufer des kaspischen Meers, wo heute der Wind einem bei acht Grad das Gesicht zufrieren laesst, man aber an anderen Tagen bei 24 Grad schon ins Schwitzen kommt …

 

Eure Philine