Sveiki!

Vielleicht ist es nicht besonders einfach, die kleine Raffinesse in der Überschrift herauszufinden: Es ist kein Estnisch! Tatsächlich ist es das lettische Wort für „Hallo“. Es ist immer wieder verblüffend, zu sehen, was es alles für Sprachen gibt, die auch wirklich noch als Amtssprachen verwendet werden. Vor allem ist es aber bemerkenswert, wie sehr sich die estnische Sprache von der lettischen unterscheidet, obwohl es Nachbarstaaten sind, von denen Estland ja nicht besonders viele hat (nur noch Russland und eine Seegrenze zu Finnland). Tatsächlich gehören sie nicht einmal zur selben Sprachfamilie, denn Lettisch gehört zu den baltischen und Estnisch zu den finno-ugrischen Sprachen.

Doch warum diese kleine Sprachkunde? Es war zu ahnen: YFU veranstaltete mal wieder einen Ausflug der Austauschschüler, und zwar in die lettische Hauptstadt Riga. Zwar ist dieses baltische Land größer als Estland, doch das sollte kein Maßstab für die Bezeichnung „groß“ sein, denn es hat magere zwei Millionen Einwohner. Allerdings ist in Anbetracht dessen seine Hauptstadt mit knapp 700.000 Einwohnern tatsächlich sehr groß. Und dass trockene Zahlen absolut nichts über die Schönheit oder Vielfalt eines Landes aussagen, habe ich ja bereits erfahren dürfen.

Doch erst einmal der Reihe nach. Unsere Exkursion fand vom dritten bis zum fünften Mai statt, zwei Nächte also, von denen wir die erste im südestnischen Setomaa verbrachten. Mir war nicht bewusst, welch vielfältige Natur Estland besitzt: Wir besichtigten eine riesige Höhle und beeindruckende Sandsteinfelsen.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Riga. Da Lettland zwar EU-Mitglied ist, aber die Währung „Lats“ besitzt (ein Lats, zwei Lati; von einigen deutschen Austauschschülern der Einfachheit halber einfach „Letten“ genannt), fuhren wir von der estnischen Grenzstadt Valga ins lettische Valka, hoben Geld ab, fuhren zurück nach Valga und von dort aus nach Riga. EU-Grenzen sind schon was Feines.

Geografische Nähe und Erreichbarkeit hin oder her, es faszinierte mich, wie kulturell unterschiedlich die beiden baltischen Staaten beziehungsweise ihre Hauptstädte sind. Von der Architektur her hat mich Riga an deutsche Städte erinnert, was in Tallinn absolut nicht der Fall ist, und die Sprache ist für mich in absolut keine Kategorie einzuordnen, was jedoch meiner Meinung nach ihren Reiz ausmacht.

Wir sahen uns die Stadt gemeinsam an, aber es wurde  uns auch genug Freizeit gegeben, sodass der Ausflug YFU-typisch eine ausgewogene Mischung aus informativ und entspannend war. Auf jeden Fall bin ich froh, dieses mir bis dahin vollkommen unbekannte Land einmal, wenn auch nur kurz, gesehen zu haben, denn es ist definitiv einen Besuch wert.