Narva und die schönste Stadt der Welt

Vor einigen Wochen hatten wir, die Austauschschüler, mal wieder das Vergnügen, zusammen mit hochmotiviertem Personal einen Ausflug zu machen, nämlich in die Grenzstadt Narva. Ich hatte sie schon früher in einem Eintrag erwähnt, da meine Freundin Mari-Liis von meiner Schule in Kadrina zumindest an den Wochenenden dort wohnt. Wenn man Esten nach Narva fragt, bekommt man schnell das Gefühl, man spräche von Atlantis oder einem ähnlichen sagenumwobenen Ort, denn obwohl es die drittgrößte Stadt Estlands (und somit eine der drei Städte von erwähnbarer Größe) ist, waren die wenigsten Esten tatsächlich schon einmal da. Leider steht Narva in einem recht schlechten Ruf und Esten halten sich, so scheint es zumindest, von der Stadt fern, deren Einwohner zu 97% aus Russen bestehen. Man kann leider nicht leugnen, dass Narva ein wenig vernachlässigt wird, sowohl von der Bevölkerung als auch den Behörden, so scheint man sich dort nicht die größte Mühe zu geben, der Stadt ein schönes Gesicht zu geben. Dabei hat sie viel zu bieten: Wir waren zum Beispiel auf einer Burg direkt an der Grenze mit Sicht auf eine sehr ähnliche Burg auf der russischen Seite. Interessant war auch, dass die sehr nette Führerin in etwa auf einem Niveau in der estnischen Sprache mit den Besseren aus unserer Gruppe war.

Letzte Woche hatte ich Ferien. Da meine Gastfamilie in den Skiurlaub nach Österreich gefahren ist, verbrachte ich diese bei der YFU-Mitarbeiterin Heili und ihrer Familie in Tallinn. Für mich bekennenden Fan der Stadt war diese Variante zweifellos die Beste und ich hatte zehn Tage lang Zeit, die Stadt für mich zu erkunden. Außerdem traf ich mich mit vielen der Austauschschüler, die in Tallinn wohnen. Höhepunkte waren zweifellos das moderne Kunstmuseum „KuMu“ (kurz für „kunstimuuseum“, dessen Übersetzung sich erschließen lässt) und ein großer Flohmarkt in dem kulturell aufblühenden Viertel Kalamaja. Abgesehen davon traf ich mich mit Enn und Riina, Freunden von meiner deutschen Familie, was zu einem sehr netten Abend führte. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich trotz meiner Liebe zu Tallinn froh bin, dort nicht dauerhaft zu leben – aus rein finanziellen Gründen. Ich habe begonnen, mich zu fragen, wie ich es in Deutschland geschafft habe, das Stadtleben zu meistern.