laufendes Experiment „Estland“

Es ist immer wieder erstaunlich wie unser Kopf arbeitet, komplexe Arbeitsschritte – oftmals unergründlich, immer wieder faszinierend… aber mit dem passenden Fallbeispiel doch recht gut zu beschreiben.

laufendes Experiment, Beispiel Estland, Auslandsjahr: Ist aber auch kompliziert, dass muss man sich mal vorstellen- da richtest du deinen Kopf jahrelang auf eine Situation aus, nichts verändert alles gleich. Gleiche Stadt, gleiche Familie, Freunde, Schule, routinierter Weg zum Kühlschrank, gleiche Sprache, gleiches Land… und dann, einfach so- alles anders!

Von Heute auf Morgen werde Ich inklusive Kopf also via Luftverkehr in eine völlig neue Situation verfrachtet. Erste Reaktion, der Kopf rebelliert, das Gefühl all das Hier gar nicht richtig realisieren zu können lässt mich noch Heute manchmal nicht ganz los – ein unglaublicher Druck auf den Ohren, durch den Flug, auch Stunden später geben mir und dem Kopf den Rest.

Heute mehr oder weniger einen Monat ( „mehr“) nach dem ich hier angekommen bin habe ich mich bereits ganz gut eingelebt. Der Kopf wählt bei der Kommunikation zwischen Englisch und einer recht stabilen Auswahl estnischem Vokabulars ( für einen Monat ;’D ), die Umgebung ist längst nicht mehr die fremdeste und alles fühlt sich ziemlich gut an.

In der Familie, fühle ich mich einfach wohl. Bruder, Schwester, Mutter, Vater, die größten teils fähig sind mit mir zu kommunizieren sind allesamt herzlich bemüht, es mir so gut wie möglich gehen zu lassen, mich zu integrieren, mir das Land zu zeigen und Kenntnisse der Sprache zu vermitteln. Wenn ich also gerade auf meiner Couch/ Bett liege, verwöhnt von meiner Tafel deutscher Schokolade ( denn die ist die Beste 😀 ), fühle ich mich bereits unglaublich Heimisch.

In der Schule, bin ich größtenteils am schlafen! ( da bedarf es keiner großen Worte ;D ). Deutsch Unterricht hin oder her, aber bei regulären 75 Minuten, Matemaatikas, Eesti keel oder Bioloogia ist das unvermeidbar – schuldige Sprache. In der Klasse sind wir 3 Jungen und über 20 Mädchen – so übezeugt mich estnisches Schulsystem :-D. Daneben komme ich mit meinen Klassenkameraden/ Übersetzern sehr gut zurecht.

Mit dem Essen, muss man sich erst einmal arrangieren. Aber wer tägliche Kartoffeln gar nicht mal schlecht findet und wie ich eine Mutter mit gänzlich unglaublichen Fähigkeiten in der Küche am hantieren hat, kommt damit ganz gut zurecht.

Die Natur, ist fantastisch, super schön- kann sein das der Junge aus dem Industriellen Großstadtloch nicht besonders wählerisch ist ( Essen – ich dich auch ) aber solche Adjektive treffen es nur Ansatzweise.

Sprache tötet mich – nicht. Sprachbarriere noch nicht so wirklich gebändigt aber inzwischen entwickel ich erstes Gefühl für Estnische Sprache. Darüberhinaus findet auch immer öfters Estnisches in meinen Dialogen Platz und ich bin recht zuversichtlich das sich das zukünftig noch steigern lässt.

Allem neuen blicke ich ausgesprochen wohlwollend entgegen, eine Vielzahl an bereichernden Erfahrungen sammeln und auch sonst alles mitzunehmen was ein Austauschschüler so wegstecken kann, Grüße, Nicolas & Kopf