Von Ostern bis Pfingsten – die Zeit rast..!

Ich weiß, dass ich sehr lange nicht geschrieben habe, aber es war einfach keine Zeit dazu und manchmal hatte ich auch nicht wirklich Lust, zu schreiben. In den letzten zwei Monaten ging es wieder einmal ziemlich viel auf und ab, aber ich habe sie genossen und sehr viel Zeit mit Freunden verbracht. Zunächst muss ich euch von meinem einzigartigen Ostern erzählen. Mit einer Freundin bin ich über das Wochenende auf eine christliche Osterfreizeit gefahren und habe so gesehen, dass auch Tschechen gläubig sein können. Die Leute dort waren sehr nett und das Programm hat auch Spaß gemacht. Am Donnerstagabend hatten wir ein jüdisches letztes Abendmahl und am Freitag haben wir richtig streng gefastet und sind den Kreuzigungsweg mit selbstgestalteten Stationen abgelaufen. Samstag war dann schon viel bessere Stimmung und nach einem fast dreistündigen Gottesdienst in der Nacht auf Sonntag (- der nicht einmal langweilig war -) haben wir Jesu Auferstehung mit einem riesigen Bankett, Tanz und Musik gefeiert. Als ich dann Sonntagnachmittag zurückkam, war ich sehr müde und verbrachte den restlichen Ostersonntag alleine, da irgendwie niemand zu Hause war. In Tschechien wird nämlich Ostern erst am Montag gefeiert und das ganz ohne religiösen Hintergrund. Jungen und Männer gehen mit ihren Osterruten von Haus zu Haus, um die Frauen zu schlagen und dafür bekommen sie dann Süßigkeiten oder auch Alkohol. In anderen Teilen Tschechiens (Morava) und in der Slowakei schütten Männer auf Frauen auch Wasser oder Parfüm. Weitere Ostertraditionen sind das aus Teig in einer Form gebackene Osterlamm, das aus Hefeteig bestehende Osterbrot und sehr schön bemalte Ostereier.

Eine Woche nach Ostern sind wir von der Schule aus nach Frankreich in die Provence gefahren und hatten vier Tage lang volles Programm. Die Reise war wunderschön, wir waren in Chateau-Neuf-du-Pape, Avignon, Cannes, St. Tropez, Marseilles und Monaco und gerade fing der Frühling an, wir hatten jeden Tag um die zwanzig Grad und Sonnenschein. Natürlich habe ich für kurze Momente ein bisschen bedauert, dass ich nicht in Frankreich gelandet war, doch als ich dann daran dachte, was ich hier in Tschechien schon alles kennengelernt und gelernt habe und was für gute Freunde ich gefunden habe, schob ich den Gedanken schnell wieder weg. Natürlich ist Frankreich wunderschön, doch ich möchte nichts gegen meine hiesige Erfahrung austauschen. Mit meinem Französisch konnte ich hier und da weiterhelfen und auch im Supermarkt auf die besten Sachen hinweisen:).

Zu den oben erwähnten Erfahrungen zählte natürlich auch dieses Mal wieder Orientierungslauf. Ich hatte wieder Wettkämpfe und habe gemerkt, dass es schon besser ging. Beim einen war ich sogar als neunte von 40 im Ziel, sodass ich beim nächsten gleich für die schwerere Kategorie angemeldet wurde. Die war dann auch deutlich schwieriger und ich muss zugeben, dass ich mich in den vielen Felsen und Abhängen auch verlaufen habe:)… Trotzdem war ich am Ende nicht Letzte und insgesamt hat es wieder superviel Spaß gemacht. Nach dem Lauf haben wir mit Freunden noch eine naheliegende Burg besucht, wo es einen gesenkten Eintritt für die Orientierungsläufer gab.

Hier mal eine Kontrolle, damit ihr euch vorstellen könnt, wie so etwas aussieht:):

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Ein weiteres Erlebnis waren „čarodějnice´´, was am Abend vor dem ersten Mai gefeiert wird. Es wird ein Hexenfeuer angezündet und drumherum gibt es Musikprogramm. Hier haben ein paar lokale Bands gespielt und die Stimmung war echt gut. Wo sie auch gut war, war ein paar Wochen zuvor auf dem „majáles´´, einem Festival, das es einmal im Jahr in jeder größeren tschechischen Stadt gibt. Es haben bekannte tschechische und slowakische Bands gespielt, und obwohl ich weder die Bands noch die Texte gut kannte, habe ich den Abend mit meinen Freundinnen genossen. Was für mich auch ein Erlebnis war, war, dass ich die ganzen Musiker, die ich bis dahin nur aus dem Fernsehen kannte, auch mal in echt sehen und die Hits, die ich wohl immer mit meinem Auslandsjahr verbinden werde, live hören konnte.

Da ich gerne noch so viel Zeit wie möglich mit meinen Freunden verbringen, noch so viel wie möglich hier in der Umgebung sehen möchte und endlich Frühling ist, war ich noch auf ein paar kleineren Ausflügen. Einmal ging es auf dem neuen Radweg nach Vamberice in Polen zu einer Kathedrale (und wegen ,,Kuhbonbons´´ in den Supermarkt:) ) und ein andermal mit dem Bus nach Náchod zum Schloss und in einen wundervollen Teeladen (sog. čajovna) , in dem man auf dem Boden saß und den Tee in wundervollen Kännchen serviert bekam. Dann war ich noch freiwillig von der Schule aus auf den Spuren des tschechischen literarischen Undergrounds der Siebzigerjahre (als in Tschechien noch Kommunismus herrschte) unterwegs. Es ging um den schon verstorbenen Dichter und Schriftsteller Ivan Martin Jirous und wir sind mit einem richtig alten Bus zu dessen Grab gefahren und haben bei seinen Freunden in einer Art Jugendherberge übernachtet. Diese war allerdings sehr eigen eingerichtet, es waren überall verstümmelte Puppen aufgehängt, Schuhe an der Decke festgeklebt oder alte Bügeleisen im Garten ausgestellt. Die interessanten Personen, die uns willkommen hießen, hatten einen Wohnwagen hoch als Baumhaus zwischen vier Bäumen gestellt, und das nur, weil es in Tschechien noch kein Gesetz dagegen gibt. Abends hatten wir noch ein Konzert von ,,Jimmy Čert´´, der Lieder wie ,,Everybody´s smoking marihuana´´ gesungen hat und am nächsten Tag sind wir voller Eindrücke wieder abgereist. Letztes Wochenende war ich mit Freunden und deren Familien auf einer Hütte, um dort in der Nähe den ganzen Samstag zu raften und am Sonntag noch so einen Ausflug zu machen. Wir haben echt eine schöne Zeit gehabt, viel gesungen, gelacht und geredet und ich war sehr froh, dass ich gefragt wurde, ob ich denn nicht mitmöchte. Die Natur im Adlergebirge, wo wir waren, ist auch sehr schön und wir hatten nach fast einer Woche Regen sogar Glück mit dem Wetter.

Zwei Bilder vom Fahrradausflug nach Polen:

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Hier der Bus, mit dem wir auf der Literaturexursion waren, und ein Teil des Gebäudes, in dem wir übernachtet haben:

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Jetzt freue ich mich darauf, dass in ein paar Tagen meine Mama und meine Schwester kommen und wir unter anderem zum colorrun nach Prag fahren. Ansonsten stehen vor meiner beängstigend schnell näherrückenden Abreise noch Musicalaufführungen, die PostDepartureOrientation mit YfU, ein Tschechisch-Zertifikat, das ich schreiben möchte, eine Klassenfahrt, unser Schulfest und eine Art Abschiedsparty mit Freunden auf dem Plan. Ich bin voller Vorfreude auf meine letzte Etappe und habe mir vorgenommen, die Zeit zu genießen. Vielleicht habt ihr ein bisschen im vorherigen Teil lesen können, dass ich kaum bei meiner Gastfamilie bin und das stimmt auch so, doch ich habe in meinem Jahr hier einfach woanders gute Freunde gefunden. Nicht immer funktioniert es zwischenmenschlich perfekt und meine Gastfamilie sind ganz sicher keine schlechten Menschen, doch wir passen einfach nicht zusammen. Leider kann ich daran nichts ändern und ich bin an meinen Erfahrungen mit ihnen ziemlich gewachsen.

Zum Fast-Schluss noch ein Bild vom Blick auf Broumov, wenn ich in die Schule fahre (gut zu sehen ist in der Mitte das Benediktinerkoster, das erst neulich erneuert wurde und jetzt sehr schön restauriert ist):

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So, schon wieder so ein langer Blogartikel… aber es ist einfach wieder viel losgewesen. Zum Schluss wollte ich heute so als Belohnung für die, die das auch alles gelesen haben, ein Rezept für eine Art kleine tschechische Pfannkuchen aufschreiben, genannt Lívance (Google-Übersetzer sagt dazu auf Deutsch ,,Flapjacks´´, was ich allerdings nicht kenne). Hier folgt es also, leider ohne Bild, sie sehen aber von der Form her wie amerikanische Pancakes aus;).

Man braucht:

350g Mehl, 30g Hefe, einen Löffel Zucker, eine Prise Salz, 2 Eigelbe, 60ml Milch (lauwarm), 50g Haferflocken und Öl oder Fett zum Anbraten.

Zunächst wird die Hefe zerbröckelt zum Zucker, einem Löffel Mehl und ein bisschen lauwarmer Milch dazugegeben. In die übergebliebene Milch lässt man die Haferflocken einweichen und in den Sauerteig gibt man nun Salz und die Eigelbe und abwechselnd mit dem Mehl und ein wenig lauwarmer Milch stellt man einen dickflüssigen Teig her. Wenn dieser ein wenig aufgequollen ist, fügt man die Flocken mit der Milch hinzu, vermischt das Ganze und brät die Lívance in der Pfanne. Diese kann man dann wie Pfannkuchen mit allem Essen, was einem so einfällt, empfehlen kann ich Marmelade und Quark:).

Lasst es euch schmecken und liebe Grüße,

Eure Natalie