Schon Februar?

Korea, den 13. Februar 2016

9 Quartmeter großes Zimmer. Kommt man rein ein Bett zur rechte, ein Schreibtisch zur linken und ein gut improvisierter Kleiderschrank.

Kann man sich vorstellen, wie mein Zimmer hier in Südkorea aussieht? Im Vergleich zu Deutschland relativ klein, aber es ist sehr gemütlich und was eine 17-jährige braucht, ist vorhanden. Zusammen mit meinen Gasteltern, meiner 14-jährigen Gastschwester und einem kleinen Malteser lebe ich in einem drei- Zimmer Apartment, direkt in der Mitte von Daejeon.

Ich habe jetzt schon die Hälfte meines Austauschjahres hinter mir und die Zeit vergeht einfach viel zu schnell, aber manchmal auch viel zu langsam.

Am 15. August in Korea angekommen, ging es für die erste Woche zu einer Ankunftsfamilie in Icheon. In Incheon befindet sich der International Flughafen und es ist etwa eineinhalb Stunden von Seoul entfernt. Jeden Morgen ging es dann mit einem überfüllten Bus nach Seoul, denn dort hat YFU Korea seinen Hauptsitz. Insgesamt waren wir 5 Austauschschüler. Zwei aus Finnland, eine aus der Niederlande, eine aus Amerika und ich aus Deutschland. Aber nur drei von uns bleiben für ein Jahr. Die anderen beiden, sind im Januar schon wieder nachhause geflogen.

Während dieser Orientation Week haben wir viel über Korea gelernt.  Aber ein großer Wert wurde vor allem darauf gelegt, wie man sich als Austauschschüler richtigverhält. Denn Europa und Asien sind zwei sehr, sehr unterschiedliche Kulturen und dies darf man wirklich nicht unterschätzen! Was für mich vollkommen normal ist und wo ich auch nicht weiter drüber nachdenke, kann hier sehr schnell missverstanden und als unhöflich angesehen werden…

Zum Beispiel war ich mit einer Gastschwester zusammen einkaufen und als ich an der Kasse bezahlen wollte, habe ich das Geld einfach auf den Tresen gelegt. Tja, was ist jetzt falsch? Ich wusste es auch nicht, doch der Kassier und meine Gastschwester haben mich beide leicht verdutzt angeguckt, also musste irgendetwas nicht richtig sein. Nur was? Nach einer gefühlten Minute peinlicher Stille, hat meine Gastschwester mir dann gezeigt, wie es richtig geht. Man übergibt den Geld mit beiden Händen dem Kassier. Das ist ein Zeichen von Respekt und guten Manieren. Wieder etwas gelernt.

Ich bin ehrlich. Als Ausländer hast du hier den so genannten 의국인 Bonus (übersetzt: Ausländer Bonus), wie meine Gastfamilie es liebevoll nennt. Oft bekommt man gewisse Vorteil oder wird ganz anders behandelt, da man ein Ausländer ist. Es muss gesagt sein, das in Südkorea nicht so viele Ausländer leben. Zwar werden es immer mehr, aber wenn man sich nicht gerade in der Mitte von Seoul befindet, sind Ausländer eher eine Seltenheit und besonders bei der älteren Generation sorgt man, als Ausländer für viel Aufregung. Man gewöhnt sich mit der Zeit dran, dass man in der Öffentlichkeit oft angestarrt, angesprochen oder angelacht wird.

So lief es auch in der Anfangszeit in der Schule ab. Jeder wollte etwas mit einem machen. Tausende Telefonnummern und Facebook Namen waren für mich wirklich eine komplette Überforderung. Im Nachhinein bereue ich es sehr, dass ich nicht mehr Koreanisch in Deutschland gelernt habe, denn es hätte den Anfang so viel einfacher gemacht. Das Interesse klingt nämlich auch schnell wieder ab und ohne es zu wollen, wird man schnell einsam und die Stunden in der Schule werden zu einer Qual. Man versteht nichts, man kann mit keinem reden und sitzt einfach nur die Zeit auf seinem Stuhl ab. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass die Schule reinste Zeitverschwendung ist und ich auch nicht wirklich etwas lerne.

Schule ist etwas komplett anderes, als das was ich in Deutschland gewohnt war. Dinge wie eine Schuluniform, kein Make up, kein Schmuck und Haare auf Kinn länge tragen, habe mich in der Anfangszeit sehr verwirrt. Zwar musste ich mir nicht die Haar schneiden, trotzdem hatte ich das Gefühl unterdrückt zu werden und keine Freiheit zu haben mich selbst auszudrücken. Auch ist die Beteiligung während des Unterrichts so gut wie nicht vorhanden. Der Lehrer hält seinen Vortrag vor der Klasse und ob man zuhört oder nicht, ist einem selbst überlassen. Schlafen wird dann schnell eine oft genutzte Alternative zum Unterricht, was aber auch daran liegt, dass die Schüler bis 11 Uhr nachts in der Schule sind und lernen. Zuhause angekommen hört das lernen auch nicht auf… Meist endet der Tag eines Koreanischen Schülers um 2 oder 3 Uhr morgens. Nur um dann morgens um 8 Uhr wieder in der Schule zu beginnen. Zeit für einen Austauschschüler hat eigentlich keiner so richtig, weshalb es wirklich nicht einfach ist, in der Anfangszeit Freunde zu finden.  Natürlich war ich mir vor meinem Auslandsjahr bewusst, auf was ich mich dort einlasse, doch wenn man jeden Tag damit konfrontiert wird, wird einem erst so wirklich bewusst auf was man sich dort eingelassen hat.

An alle die vorhaben ein Auslandsjahr nach Südkorea zu machen! Diese Zeit vergeht! Bei mir persönlich hat es nach drei Monaten irgendwie KLICK gemacht und Koreanisch war auf einmal doch nicht mehr so verwirrend und so unmöglich, wie am Anfang. Und ab dann fing Schule an besser zu werden. Zwar verstehe ich im Unterricht immer noch nicht alles, aber kann mich mit Freunden unterhalten und über Witze lachen. Mit der Zeit kommen Freunde und der Spaß am Alltag.  Auch die Uniform und die ganzen anderen Regeln stören mich nicht mehr… Es einfach eine Frage der Gewöhnung. Für mich ist dies nun Alltag und die Vorstellung dies alles in weiteren 5 Monaten wieder hinter mir lassen zu müssen, macht ich traurig.

Im Moment bin ich hier in Korea wirklich glücklich und Kleinigkeit wie zum Beispiel ein leichte Verbeugung zur Begrüßung oder das Läden jeden Tag in der Woche aufhaben, sind schon so normal für mich, dass ich mir es anders gar nicht mehr vorstellen möchte.

Diesmal aus Korea 😉

Maxi

P.S: Ich werde jetzt auf jeden fall versuchen häufiger zu schreiben!