100 Mückenstiche, 8 Saunagänge, 5 Sternschnuppen -> 2 Wochen später

Ich bin jetzt schon seit 2 Wochen hier in Estland, und vieles fühlt sich irgendwie gewohnt an! Meine Familie ist super nett und gibt mir wirklich das Gefühl, ein fester Teil zu sein. Wenn ich hier morgens aufwache, fühlt es sich nicht komisch, sondern „normal“ und richtig an. Genauso geht es mir, wenn meine Familienmitglieder mich mit „Tere hommikust!“ begrüßen, ich beim Essenmachen helfe oder wir gemeinsam irgendwohin fahren.

Doch erstmal möchte ich erzählen, was ich bis jetzt hier gemacht und erlebt habe:

Von Dienstag (16.08.) bis Samstag (20.08.) hatte ich beim Arrival Camp, welches YFU Eesti für alle nach Estland kommende AustauschschülerInnen veranstaltet hat, u.a. die Möglichkeit ‚die anderen‘ kennen zu lernen. Insgesamt sind wir 29 Leute, davon sind 15 aus Deutschland. Die anderen kommen aus Österreich, der Schweiz, Belgien, Moldawien, Thailand, Mexiko, Chile und Australien. Außerdem standen Sprachunterricht, Workshops über das Land und die Leute und verschiedene Spiele auf dem Plan. Abends bin ich mit vielen anderen immer in die Sauna gegangen und wir konnten uns ‚The Singing Revolution‘ angucken, ein Film über die estnische Unabhängigkeitsbewegung.

Während des Camps hatte ich das Gefühl, noch ein Stück besser vorbereitet zu werden, die Vorfreude wurde mit jedem Tag noch größer und ich konnte es kaum erwarten, meine Familie dann endlich persönlich kennen zu lernen. Zur Begrüßung wurde ich von allen lange und herzlich gedrückt und ich konnte merken, dass auch sie ein bisschen aufgeregt waren. Wir hatten zwar schon Bilder ausgetauscht und Mails geschrieben, aber dann wirklich vor der Familie zu stehen, mit der ich das nächste Jahr leben werde, ist noch ein ganz anderes und spannendes Gefühl!

Auf dem Weg von Tallinn (also von dem Ort, wo das Camp war, der etwas außerhalb von Tallinn liegt) nach ‚hause‘, zeigte mir meine Familie noch einige Sehenswürdigkeiten. So z.B. …, das sind bis zu 15m hohe Steine, die durch die Eisschmelze hierhin getragen wurden und nun im flachen Wald ‚liegen‘.

Heli und Helje tanzen beiden in Jõgeva (die nächste Stadt von unserem Haus aus) in einer Tanzgruppe. Letzte Woche fand eine Tanzcamp der Gruppen statt, an dem ich auch teilnehme durfte. Auf dem Programm standen Modern Dance und jede von uns hat einen kleinen Film gedreht. Abends sind wir in die Sauna gegangen. Ich hatte beim Camp sehr viel Spaß und konnte schon einige nette Leute von meiner Schule, dem Jõgeva Gümnaasium, kennen lernen. Und ich habe so schon ein erstes Hobby hier gefunden 🙂

Letztes Wochenende war ich mit Heli und ihren KlassenkameradInnen am Peipsi-See. Das ist der große See zwischen Estland und Russland und zählt zu den 5. größten Seen in Europa. Viele Esten besitzen ein Ferien außerhalb der Stadt, und so wurden wir dahin eingeladen und konnten ca. 20 Meter vom Wasser zelten. Besonderes die Augustnächte hier sind sehr sternenreich und ich habe bestimmt noch nie so viele Sterne gesehen! Sogar die Milchstraße konnten ich erkennen und einige Sternschnuppen beobachten 🙂

Am Montag war ich in Tartu mit meinen Schwestern und issi (meinem Vater). Auch wenn ich noch nicht sehr viel von der Stadt gesehen habe, fande ich sie sehr schön!

Außerdem war ich schon mit meiner Familie und meiner vanaema (Großmutter) Sanddorn pflücken. Meine Familie macht das jedes Jahr, stellt Marmelade daraus her, friert viel ein und hat somit den ganzen Winter was davon.

Im Garten haben wir ebenfalls ganz viel Gemüse angebaut: Gurken, Tomaten, Paprika, Äpfel, Möhren, Zucchini, und ganz viele verschiedene Beeren, diverse Kräuter etc. Wir essen sehr viel von dem Selbst-gepflanzten und ich kann einfach in den Garten gehen, mir eine Gurke, eine Tomate oder einen Apfel nehmen. Es wird außerdem viel eingekocht oder eben eingefroren. Letztes Wochenende haben wir das z.B. mit den Pflaumen gemacht.

Gemeinsame Mahlzeiten sind für meine Familie nicht so wichtig. Jetzt in den Ferien mussten meine Eltern arbeiten und Heli, Helje und ich sind meistens zu unterschiedlichen Zeiten aufgestanden, da haben wir eh nicht zusammen gefrühstückt. Mittags hat dann jemand Essen gemacht, und mal haben wir zusammen gegessen, mal alleine. Beim Abendessen helfen normalerweise alle irgendwie mit. Meistens essen wir zeitgleich in der Küche oder im Wohnzimmer und gucken Fernseh. Wenn dann aber jemand lieber in der Küche anstatt im Wohnzimmer zu essen, ist das völlig okay.

Eine Familientradition ist es aber, jeden Sonntag in die eigene Sauna zu gehen. Das freut mich natürlich 🙂

Estnisch kann ich natürlich noch nicht fließend sprechen. Meistens muss ich noch aufs Englische zurückgreifen. Alle nehmen darauf Rücksicht und ich versuche, soviel Estnisch wie möglich zu sprechen. Meine Familie und die Leute, mit denen ich jetzt schon unterwegs war, sind auch ganz motiviert, mir neue Sachen beizubringen. Ich lerne jeden Tag etwas neues dazu. Bei den ‚besonderen‘ Laute brauche ich noch ein bisschen Zeit, bis die komplett sitzen, aber auch hier macht die Übung die Meisterin. Die ‚besonderen‘ Laute sind u.a. das „õ“ (wie das ausgesprochen wird, kann ich leider nicht wirklich aufschreiben, es ist aber ein bisschen so wie ein ö, bei dem man grinst), das „ä“ (das wird nämlich nicht so wie im Deutschen ausgesprochen, sondern noch etwas mehr wie ein „e“, was aber auch irgendwie tiefer klingt als normal. Dafür werden im Estnisch viel mehr Fremdwörter so geschrieben, wie sie ausgesprochen werden: kräm, süstem, oder auch gümnaasium. Und es gibt einige ähnlich Wörter, die mir das Erlernen erleichtern: trepp und Treppe; klaas und Glas; saun und Sauna; kurk und Gurk, um ein paar zu nennen.

So, das war’s erstmal. Gleich gibt es Abendessen und morgen beginnt endlich die Schule. Ich bin schon sehr gespannt, wie das so wird. Ich habe schon viel gehört über meine Schule und das Schulleben, ich kenne zwar einige Leute und bei Facebook wurde ich zur Gruppe von meiner Klasse hinzugefügt, doch grade dieses halbe Wissen über das alles, lässt mich noch gespannter warten. 🙂

Liebe Grüße,

Maarie

PS: an die vielen Mücken habe ich mich schon fast gewöhnt 😉