Weihnachten, Geburtstag und Silvester

Liebe Menschen,
(ohje, das klingt seltsam, oder?)

2014 ist da. Ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr und hoffe, ihr hattet glückliche Weihnachtsfeiertage gemeinsam mit den Menschen, die euch wichtig sind. Auf dass 2014 ein gutes Jahr für euch wird!

Einige von euch haben Interesse bekundet, wie mein Weihnachten hier verlaufen ist. Darüber möchte ich natürlich niemanden in Unwissenheit lassen. Besonders viel kann ich dazu jedoch ehrlich gesagt nicht sagen. Wie schon im letzten Blogeintrag erwähnt, war die Vorweihnachtszeit nicht gerade mit weihnachtlichen Traditionen o. ä. gefüllt und auch Heiligabend bzw. das Weihnachtsfest selbst verlief eher…einfach? (Ist das das richtige Wort?)

Der 24. 12. war genau wie jeder Tag sonst, meine Gasteltern gingen morgens zur Arbeit, meine Gastgeschwister und ich beschäftigten uns zu Hause. Erst gegen Abend wurde eine Pute, Reis und Salat vorbereitet. Gegen 22 Uhr traf sich die gesamte Familie bei uns zum Fest. Wir saßen erst eine Weile zusammen, haben Weihnachtslieder von einer CD gelauscht und dabei gelegentlich mitgeklatscht, später wurde das Essen verteilt. Anschließend wurde eine Jesusfigur auf einem Kissen herumgegeben und jeder durfte still seine Wünsche und Gebete für das neue Jahr an ihn richten. Danach wurden auch schon die Geschenke verteilt. Jedoch war es so, dass meine Gastmutter für jeden der Gäste genau 1 Geschenk hatte, aber niemand anderes irgendwas verschenkte, da die anderen Familienmitglieder nicht so viel Geld haben. Tja und gegen 24 Uhr gingen auch alle Gäste schon wieder und Weihnachten war vorbei. Am 25. hatten meine Gasteltern frei, aber gefeiert wurde nicht mehr. Das war Weihnachten für mich dieses Jahr. Eine schöne Familienzusammenkunft, aber mehr ehrlich gesagt auch nicht. Dafür kann ich jetzt die Magie der Weihnacht zu Hause umso mehr wertschätzen. Mit allen kleinen schönen Dingen, der Adventszeit, Plätzchen und Stollen backen, gemütlichen Abenden mit der Familie und irgendwie dem weihnachtlichen Gefühl. Dieses Jahr war Weihnachten ganz anders, aber dennoch schön. Doch ab jetzt kann ich mich auf das nächste Weihnachtsfest freuen, das wieder so werden wird wie immer.

Dann kam irgendwann der 31. 12. 2013. Der letzte Tag des Jahres und gleichzeitig mein Geburtstag. Dieser begann ebenfalls nicht gerade feierlich. Erst gegen Mittag gratulierte mir meine Gastfamilie und kaufte eine Torte für mich. Außerdem luden sie einige Gastcousinen und -cousins ein, um gemeinsam zu Mittag zu essen. Danach sangen sie ein Geburtstagslied für mich und ich durfte eine Kerze auf der Torte auspusten. Anschließend sagte man mir, es sei hier Tradition, ein Stückchen der Torte mit dem Mund zu berühren. Als ich eben dieses tat, drückte mein Gastbruder mein gesamtes Gesicht in die Torte, denn das ist die eigentliche Tradition hier. Das sorgte natürlich für eine Menge Spaß und es war eine fröhliche, kleine Feier. Meine Gastfamilie hat sich wirklich viel Mühe gegeben, mir einen schönen Tag zu bereiten, wofür ich ihnen sehr dankbar bin.

Erst gegen 23 Uhr verließen wir das Haus, um zu einer Tante zu fahren, welche eine Silvesterfeier veranstaltete. Auf dem Weg dahin sah man überall riesige Papp-Puppen, teilweise bis zu 2 m groß. Diese Puppen werden hier zu Mitternacht verbrannt. Ecuador ist eines der wenigen Länder weltweit, in dem es diese Tradition gibt und in keinem anderen Land wird wirklich so viel Wert darauf gelegt. Die allererste Frage, die mir die Ecuadorianer nach Silvester stellten, war stets: “Hast du auch den año viejo verbrannt? Und hat es dir gefallen? Das ist toll, oder?”. Daran sieht man finde ich, wie stolz sie auf diese Tradition sind und wie viel Spaß sie daran haben. Die Puppen werden Tage vorher in jeder Straße verkauft und stellen meistens Comicfiguren, Filmcharaktäre, oder berühmte Personen dar. Auch meine Gastfamilie kaufte eine Puppe, einen Fußballspieler der Nationalmannschaft. Einen Countdown gab es nicht. So genau nimmt man es hier mit der Pünktlichkeit ja sowieso nicht, also macht es auch nichts, das neue Jahr ein paar Minuten zu früh oder zu spät zu begrüßen. Wir verbrannten unseren “año viejo” und wünschten uns ein frohes neues Jahr. Danach gab es noch einige Stunden Musik und Tanz und schließlich gingen wir müde nach Hause.
Das war also das Jahr 2013. Ein unglaublich aufregendes, spannendes, nicht immer ganz einfaches, aber sicher lehrreiches Jahr. In wenigen Tagen ist auch schon die Hälfte meines Austauschjahres vorbei und wenn ich daran denke, dass ich doch gerade erst unter Tränen meine Familie und Freunde verlassen habe, dann merke ich erst, wie schnell diese Zeit vergangen ist. Ich hoffe, dass ich in diesem Jahr noch viele wunderbare Erfahrungen hier machen darf, ein unheimlich vielfältiges Land noch weiter entdecken kann und natürlich auch weiterhin meine Sprachkenntnisse verbessern kann. Mir bleiben noch 5 Monate und ich nehme mir fest vor, diese noch so gut wie möglich zu nutzen.

Jetzt bleibt mir noch, euch einen schönen Start ins Jahr 2014 zu wünschen.
Liebe Grüße nach Hause,

Maria