Endlich wieder Schule!

Es ist einige Zeit vergangen und mittlerweile verbringe ich schon über 2 Monate hier. Ecuador ist für mich immernoch ein traumhaftes Land mit wunderbaren Menschen, einer unglaublich vielfältigen Landschaft und ich bereue es nicht, mein Austauschjahr in diesem schönen Land zu verbringen. Auch wenn es mir nicht immer gut geht und ich auch sehr schlechte Phasen erlebe, freue ich mich jeden Tag, diese Erfahrung machen zu dürfen.

Wir hatten 2 Wochen Ferien. Die waren ehrlich gesagt sehr langweilig, weil meine Familie zu Hause geblieben ist und nicht verreist ist, wie es unter den meisten Familien üblich ist, da meine Gasteltern arbeiten mussten. Das fand ich sehr schade, aber irgendwie ist die Zeit dann auch vergangen. Ein paar kleine Erlebnisse gab es dennoch und wenigstens die möchte ich euch nicht vorenthalten. Ich gehe jetzt regelmäßig (wenn es klappt jeden Tag) ins Fitnessstudio. Es ist wirklich ziemlich groß und es gibt über 3 Stockwerke verteilt diverse Geräte. Bei manchen weiß ich nicht einmal, wozu sie gut sind. Unter anderem wird dort auch ein Tanzkurs angeboten, an welchem ich teilnehme. Ein sehr gut gebauter, strahlender Ecuadorianer tanzt vor dem Spiegel irgendwelche furchtbar schnellen und komplizierten Schrittfolgen vor und die ausschließlich weiblichen Teilnehmer versuchen, ihm zu folgen, was den sehr talentierten Latinas natürlich deutlich besser gelingt als mir. Dennoch habe ich das Gefühl, dass ich von Mal zu Mal besser werde und vor allem macht dieser Kurs einfach sehr viel Spaß.

Abends nehme ich an einer sogenannten „bailoterapia“ teil. Das kann man sich im Prinzip als eine Mischung aus Tanz und Aerobic vorstellen. Der Kurs ist gratis und findet auf einem Basketballplatz hier in der Nachbarschaft statt, es nehmen Frauen aus allen Altersklassen teil und die Leiterin ist eine unglaublich sympathische, sehr talentierte Frau, die sich immer sehr viel Mühe gibt! Das schöne ist, dass man viele neue Leute kennenlernt und durch das gemeinsame Tanzen eine große Gemeinschaft entsteht. So wurde ich zusammen mit einigen anderen Teilnehmerinnen bei einer Japanerin zum Mittagessen eingeladen. Sie lebt mit ihrem Mann seit kurzer Zeit in Ecuador und geht auch regelmäßig zur bailoterápia. Das gemeinsame Essen war sehr schön, es wurden Pizza und Spaghetti serviert, sowie japanischer Tee.

Außerdem hat meine Gasttante (die übrigens bei meiner Gastfamilie als Hausangestellte arbeitet) mich zu einem Schulevent ihrer Tochter mitgenommen. Jeder Kurs der Schule hat tänzerisch den Karneval in einem lateinamerikanischem Land dargestellt. Die Schüler hatten bunte Kostüme an und jeder Kurs präsentierte sich mit einer eigenen Choreografie. Leider sind meine Bilder sehr schlecht und verschwommen, da wir ziemlich weit hinten saßen, deshalb erspare ich euch das lieber.

Einmal sind wir (meine Gastgeschwister und die 2 Kinder der Tante) gemeinsam ins Kino gegangen. Es gibt in der Stadt nur ein Kino, welches in die riesige Mall integriert ist, in der man glaube ich wirklich alles kaufen kann. Mir wurde gesagt, 14 Uhr soll ich fertig sein, 15 Uhr waren dann auch die anderen fertig. (An die ecuadorianische Zeit bin ich noch nicht ganz so gut angepasst) Wir guckten einen Horrorfilm, den aber alle schlecht fanden. Am Wochenende fand dann in der Architektenschule meines Gastvaters ein Event mit Architekten aus dem ganzen Land statt, welches mit vielen Reden und der Wahl einer Schönheitskönigin eröffnet wurde.

Dann waren die Ferien auch schon wieder zu Ende und mittlerweile gehe ich wieder zur Schule, was mich sehr freut, denn dadurch habe ich deutlich weniger Langeweile. Ich durfte sogar bei einem Englisch-Buchstabierwettbewerb, der in unserer Schule ausgetragen wurde, Wettkampfleiterin sein. Demnächst werden die Sieger für den nächsthöheren Wettbewerb vorbereitet und auch dabei soll ich behilflich sein.

Ecuador hat sich für die WM 2014 qualifiziert, hier war echt die Hölle los. Autohupen die ganze Nacht, riesige Feiern, die im TV übertragen wurden, fast alle trugen am nächsten Tag das Ecuador-Trikot. Die Menschen haben sich wahnsinnig gefreut, da die Qualifikation für Ecuador nicht ganz so ’selbstverständlich‘ ist, wie für uns.

Mehr kann ich euch momentan nicht erzählen, ich bin also mehr oder weniger zurück im Alltag, habe eine gewissen Routine und lebe mich besser ein. Demnächst werde ich mit YFU in den Dschungel Ecuadors fahren, darauf freue ich mich schon riesig und ich zähle schon die Tage bis dahin.

Es drückt euch aus der Ferne,
Maria