Herrlicher Mai

Heute ist ein guter Tag. Ich sitze auf der Terasse und genieße den Sonnenschein. Die Bäume sind grün und alles blüht und und das alleine macht einen schon glücklich.

Seit dem 1. Mai, eine Mischung aus Stundentenfest, Tag der Arbeit und Frühlingsfeier, den tausende von Menschen traditionellerweise auf den Straßen und in den Parks von Helsinki mit Anstoßen am Vorabend und Picknicken am Tag selber bei strahlendem Wetter feiern und die Studenten einer Statue am Hafen eine Studentenmütze aufsetzen, lebe ich in einem anderen Land. Helsinki blüht auf,  Menschen strömen auf die Straßen und in die Straßencafés,  picknicken im Gras, genießen den Sommer und die Sonne. Abends is es nach halb zwölf Uhr noch leicht dämmerig und morgens geht die Sonne um viertel nach vier auf, eine Tageslänge von 18 Stunden, die es schwierig macht zu schlafen, aber herrlich ist! Das Leben fühlt sich anders an, als vor vier Monaten, und das erfahren zu können ist toll.

Finnen lächeln jetzt sogar eventuell auf der Straße.

Und ich habe das Gefühl, mittendrin zu sein, ich habe noch nie so viel gemacht wie in den letzten zwei Monaten, versuche den rest meiner Zeit wirklich zu genießen. Ich habe es vermutlich schon ziemlich oft geschrieben, aber ich könnte nicht dankbarer dafür sein, dass ich ein ganzes Jahr hier bin.

Ich habe das Gefühl, ich bin im zweiten Halbjahr noch viel mehr hier„angekommen“. Ich bedanke mich ohne Nachzudenken beim Busfahrer und nach jedem Essen, ich werde in der Schule gefragt, wann die nächste Stunde anfängt oder wo bestimmte Klassenräume sind und kann es sogar beantworten. Es kommt mir nicht mehr seltsam vor, Lehrer zu duzen. Ich habe mich an die Schule und ihre entspannte Atmosphäre gewöhnt, auch wenn ich gestern trotzdem mal wieder ungläubig geschaut habe, als ein Schüler ohne Probleme mitten während des Examens zur Toilette gehen durfte.

Ein Leben ohne Sauna? Unmöglich. 🙂 Ich liebe den Wald und die Ruhe, die herrscht, obwohl ich in der zweitgrößten Stadt Finnlands lebe und ich bin süchtig nach Karjalanpiirakkas (mit Reis gefüllte Roggentteigtaschen), Lakritze und finnischer Schokolade. Finnland ist ein irgendwie zweites Zuhause geworden.

Gerade ist die letzte der fünf Examenswochen des Schuljahres, gestern hatte ich Englischtest, heute habe ich keinen Test und kann das wundervolle Wetter genießen, morgen Französisch, und in der nächsten Woche noch Religion, Geschiche und Gesundheit. Danach ist Sporttag und die Zeugnisse werden vergeben, und dann beginnen schon die 12 Wochen langen, von allen heiß ersehnten Sommerferien…

Für mich sind es vier Wochen, und das ist unglaublich. Wie kann ein Jahr so lang und kurz gleichzeitig sein?

Ich bin mir sicher, dass der Abschied von meiner Gastfamilie schwer fallen wird.Ein Jahr in in anfangs fremden Familie zu leben, eine Beziehung aufzubauen,  die nach und nach immer vertrauter wird, ist eine der besten von den vielen verschiedenen Erfahrungen meines Austauschjahres.

Eine andere ist, zu erfahren, dass es tatsächlich möglich ist eine leicht verrückte Sprache zu lernen, und wie sehr es dabei auf die eigene Motivation ankommt. Und es macht Spaß, auf einmal in einer auf einmal nicht mehr fremden Sprache loszureden, und überraschte Gesichter zu sehen.  Und doch gibt es manchmal Tage, an denen ich das Gefühl habe, kaum richtige Sätze herausbringen zu können, oder gerade abends, wenn ich müde bin scheinen meine Gedanken sich manchmal zu verknoten!

Gerade jetzt überkommt mich aber auch an manchen Tagen eine so große Freude auf Zuhause-Zuhause. Auf kleine Dinge, wie deutsche Preise, Brezen oder Essen meiner deutschen Mama, aber natürlich vor allem auf das Wiedersehen mit meiner Familie und meinen Freunden. So wenig ist von meinem Jahr übrig, obwohl es anfangs so lang erschien.

Ich genieße meine letzte Zeit hier im blühenden Norden und versuche, soviele Erinnerungen wie noch möglich zu sammeln und soviel zu erleben wie möglich..

Sonnige Maigrüße nach Deutschland! Ich freue mich auf euch und bis fast ganz bald (:

Luisa