Normalität

Eigentlich ist diesen Monat gar nichts Ungewöhnliches passiert – zumindest aus meiner jetzigen Perspektive: Wäre der Februar mein erster Monat im Austauschjahr, wäre natürlich noch alles neu und unbekannt, aber weil ich nun ein halbes Jahr hier bin, ist mir doch schon so Vieles vertraut. Ja, das meiste hat tatsächlich ein Gefühl von Normalität erreicht, dadurch, dass ich mich an meine Gastfamilie, meine Schule und an die ungarische Kultur angepasst habe. Aber natürlich habe ich trotzdem, wie eben auch gelegentlich im normalen Alltag, einige neue Erfahrungen gemacht:

 

SCHULE

Ich weiß nicht genau, was sich geändert hat, aber für dieses Halbjahr hat mein Klavierlehrer weit mehr mit mir geplant als im letzten und mir fünf neue Stücke gegeben. Mir gefällt das sehr gut, ich habe endlich den Druck, den ich anfänglich von dieser Schule erwartet hatte, und bin jetzt viel motivierter beim Üben. Ich bemerke auch immer mehr die Fortschritte, die ich im Vergleich zum Anfang des Austauschjahres gemacht habe.

Mit dem Chor hatten wir außerdem wieder einen Auftritt und der war in der Liszt Ferenc Akademie – die Universität für Musik in Budapest, von dem berühmten Komponisten persönlich gegründet. Der Konzertsaal war sehr sehr schön, mit vielen Statuen und goldenen Verzierungen ausgestattet, und es war ein ehrenhaftes Gefühl, dort vor so vielen Menschen auftreten zu dürfen. Ich hoffe natürlich, dass unsere Performance hinsichtlich dem Anlass gut genug war, jedenfalls schien aber die Dirigentin sehr zufrieden mit uns.

Meinen Vorsatz von Januar, sich mehr in die Schule zu integrieren, konnte ich übrigens auch in die Tat umsetzen: Ich habe mit ein paar Mädchen zum ersten Mal gesprochen und war zwischen den letzten Proben mit Lili und Katinka aus meiner Klasse zusammen essen, wodurch wir uns wieder etwas näher gekommen sind und ich auch viele lustige Geschichten über meine anderen Klassenkameraden gehört habe.

 

GASTFAMILIE

Ein anderer Vorsatz war es, mehr Zeit mit meiner Gastfamilie zu verbringen, was sich diesen Monat mehr oder weniger von selbst ergeben hat: Wir waren zusammen in einem Thermalbad (für die ist Budapest sehr bekannt) und bei einem Skikurs, weil im nächsten Monat die YFU-Skifahrt stattfindet. Und ein Wochenende bin ich komplett zuhause geblieben, was sehr entspannend war und mir Gelegenheit gegeben hat, viele Dinge zu erledigen, die ich schon lange machen wollte, aber nicht geschafft habe. Und ich habe angefangen, auch mit Fanni nicht mehr auf Englisch, sondern auf Ungarisch zu reden, was sich zwar noch sehr merkwürdig anfühlt, aber woran wir uns beide hoffentlich schnell gewöhnen werden.

 

AUSFLÜGE

Ansonsten war ich, was auch schön war, viel mit Freunden unterwegs: Abgesehen vom Gym, Kino und Essen gehen war ich zwei Mal in Ungarns zweitgrößter Stadt Szeged (auf dem einen Bild der Dom) – einmal, um Kenyas Geburtstag nachzufeiern, und einmal auf einem klassischem Konzert in wunderschönen Theater der Stadt (zweites Bild).

Dann hatte noch Esther Geburtstag, den wir Austauschschüler auch zusammen gefeiert haben, und vorher haben sich noch die Leute aus dem Musikprogramm getroffen und wir haben ein bisschen gemeinsam musiziert, bzw. jeder hat den anderen etwas vorgespielt. Ich fand es sehr interessant, die Fähigkeiten der anderen zu sehen – es hat mir bewusst gemacht, wie froh ich bin, dieses Programm gewählt zu haben und die Musik für dieses Jahr als zentralen Teil meines Lebens bezeichnen zu können. Und auch wenn sich das bei meiner Rückkehr ändern sollte, ein Teil von mir wird sie immer bleiben und durch mein Austauschjahr ist mir das erst recht deutlich geworden. Ich blicke also gespannt auf die verbleibenden Monate hinaus und versuche, noch so viel neues Wissen (und Können) zu gewinnen, wie ich kann!

Lucia