Frühling

Eigentlich ist es erstaunlich, wie groß der Einfluss des Wetters auf unsere Stimmung ist. Der Wechsel vom Winter in den Frühling ermöglichte Spaziergänge in T-Shirt und Jeansjacke, Eisdielen-Besuche mit meiner Gastfamilie, Kaffee und Kuchen im Freien, und Joggingrunden und Picknicks im Park. Die Sonne, die morgens durch mein Fenster scheint, die Blumenbeete und grün werdenden Bäume, die milde Abendluft in den Straßen von Budapest – all das weckte mich aus meinem mürrischen Winterschlaf und brachte mich dazu, mich aufs Neue in die wunderschöne Hauptstadt Ungarns zu verlieben.

 

AUSFLÜGE

Und so kam es, dass ich in diesem Monat alles erkundet habe, was ich in Budapest noch so sehen wollte, wie zum Bespiel eines der berühmten Thermalbäder (unten im Bild), die große Markthalle, das Terrormuseum oder den Zoo.

Ich war auch im Parlament, was als Ausflug von YFU angeboten wurde, im Sissi-Schloss in der Stadt Gödöllö (unteres Foto), und mit meiner Gastschwester Fanni noch einmal im historischen Buda-Viertel. Ich habe mich bei allem zum Teil wirklich ein bisschen wie ein Tourist gefühlt, aber auf der anderen Seite war auch alles ganz vertraut – eben wie zuhause.

 

KONZERTE

Auch in der Schule gab es Änderungen zum Winterende. Da klassische Konzerte bevorzugt in der kalten Jahreszeit stattfinden, hatten wir Anfang März unseren letzten Chorwettbewerb. Und obwohl die Proben wirklich schlecht waren, haben wir den überraschenderweise gewonnen, was nicht nur Preisgeld, sondern auch eine sehr glückliche Lehrerin einbrachte. Auch mit der ganzen Schule waren wir im letzten gemeinsamen Konzert der Saison. Es war ein sehr eindrucksvolles Finale mit einem großen Orchester, einem noch größeren Chor und sehr professionellen Solosängern. Aber natürlich ist die Zeit der Vorführungen nicht vorbei – bald stehen stattdessen wieder eigene Auftritte an.

Außerdem war ich noch mit meiner YFU-Betreuerin, Esther aus Italien und David aus Mexiko auf einem Indie/Rock Konzert der ungarischen Band “Esti Kornel”, was mir sehr gut gefallen hat. Ich muss tatsächlich sagen, dass mir die ungarische Musik sogar besser gefällt als die deutsche. Ich würde mich also definitiv freuen, wenn ich ein solches Erlebnis wiederholen könnte 🙂

Zuletzt war ich auch im Theater, was mein Geburtstagsgeschenk an Esther war, und wir haben das Musical Én, József Attila (auf deutsch “Ich, József Attila”) geschaut. Der Protagonist, nach dem auch das Musical benannt ist, ist ein berühmter ungarischer Dichter, dessen Biographie in dem Stück nachgespielt wurde. Es war sehr gut gemacht, aber ich musste mich schon ziemlich konzentrieren, um die Handlung zu verstehen. Es war einer von diesen Momenten, in denen ich mir gewünscht habe, Ungarisch wäre meine Muttersprache – aber das ist dann auf der anderen Seite ja auch eine gewisse Motivation zum Weiterlernen.

 

SKIFAHRT

Eine Unterbrechung hatte die Frühlingsstimmung dann doch – und das war die viertägige Skifahrt in der Slowakei, die von YFU organisiert wurde. Aber ich war gerne bereit, in der Hinsicht eine Ausnahme zu machen, denn es war eine wirklich schöne Reise. Ich war eine von denen, die vorher noch nie vorher Ski gefahren sind, aber der Leiter und die anderen Austauschschüler haben uns natürlich geholfen. Es war eine gute Erfahrung, und die gemeinsamen Tage haben uns als Gruppe noch einmal näher zusammengebracht.

 

GESPALTEN

Aber um so besser man sich mit den Austauschschülern, der Gastfamilie, den Klassenkameraden versteht, umso besser man Ungarisch spricht und sich in Budapest auskennt, desto mehr nähert sich der Zeitpunkt der Rückkehr, der auf einmal nicht mehr unendlich weit weg, sondern erschreckend nah erscheint. Natürlich ist das Gefühl dabei nicht nur negativ: Man freut sich auf Familie und Freunde, auf das eigene Haus mit eigenen Regeln, auf die Muttersprache um einen herum, auf das Leibgericht von Mama, und tatsächlich auch auf einen anständigen Döner vom Türken um die Ecke. Aber auf der anderen Seite denkt man an all das, was einem hier fehlen wird. Und das ist eigentlich auch ein bisschen positiv, denn dadurch wird man dankbar für das, was man erleben darf, und nutzt seine Zeit so gut wie möglich aus, um die noch kommenden drei Monate unvergesslich zu machen.

Lucia