Weihnachten in Amerika

Viele wichtige und interessante Dinge sind passiert, seitdem ich das letzte Mal gebloggt habe. Wir feierten Thanksgiving, hatten Vorweihnachtszeit, Finalweek, und natürlich Weihnachten. Außerdem musste ich traurig feststellen, dass schon fast 5 Monate meines Austausches vergangen sind. Aber beginnen wir der Reihe nach:
Thanksgiving
Thanksgiving wird hier in Amerika am vierten Donnerstag im Monat November gefeiert. Man bedankt sich für alles Gute in seinem Leben (etwa wie unser Erntedank) und lädt seine ganze Familie zum gemeinsamen Truthahnessen ein. Da meine Gastfamilie sehr gerne reist, haben wir beschlossen einen kurz Trip nach South Carolina zu machen. Wir hatten drei Tage schulfrei, meine ersten Ferien seit dem 20.August. Am Mittwoch vor Thanksgiving sind wir Richtung Ostküste aufgebrochen. Auf dem Hinweg sind wir durch die Staaten Illinois, Tennessee, Kentucky, North Carolina und South Carolina gefahren und natürlich habe ich es sehr genossen so viel von Amerika zu sehen. Meiner Meinung nach sollte man einmal quer durch Amerika fahren wenn man das Land kennenlernen will. Die meisten Amerikaner leben ja in den ländlichen Regionen und nicht in den großen, bekannten Städten und Staaten und außerdem konnte ich auf meiner Reise so viele verschiedene Landschaften von Amerika sehen. But anyway, nachdem wir eine Nacht in North Carolina verbracht hatten sind wir am nächsten Tag, also an Thanksgiving nach Myrtle Beach, South Carolina, weitergefahren. Der Strand war wunderschön und da es ein nationaler Feiertag war und es auch schon zu kalt zum Baden war, waren kaum Menschen am Strand. Am nächsten Tag haben wir neben Spaziergänge am Strand, gutem Essen und baden im Pool, vor allem mit Shoppen verbracht. Warum? Es war Black Friday. Am Black Friday ist in den Geschäften so gut wie alles stark reduziert und teilweise stehen die Menschen schon Tage vor Black Friday vor den Geschäften, um die besten Schnäppchen machen zu können. Vor allem in den Elektronikläden sind die Schlangen sehr lang, aber auch alle anderen Geschäfte haben viel zu bieten. Wer kann denn schon zu 40 Prozent Rabatt in einem Hollister und Abercrombieladen Nein sagen? Oder 60 Prozent bei Aeropostale? Ich habe irgendwo gelesen, dass jeder Amerikaner im Durchschnitt 423 $ ausgegeben hat. Am Samstagabend ging es dann schon wieder heim durch Alabama, Georgia, Mississippi und Arkansas. Als wir in Memphis, Tennessee waren haben wir noch einen kurzen Stopp eingelegt und dabei einen typischen Bluesclub besucht. Der Club hatte zwei Stockwerke, im ersten Stock war die Bar mit Livemusik und Tanz und im zweiten Stock konnte man essen. Es war eine phantastische Stimmung, die man nur schwer beschreiben kann und ich hoffe, dass jeder der nach Amerika kommt, einmal die Chance hat in einen Bluesclub zu gehen und dies zu erleben. Insgesamt war es ein wunderbarer Urlaub und ich bin so dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte so viele verschiedene Seiten von Amerika kennen zu lernen.

Finalweek
In der letzten Woche vor Weihnachten hatten wir in meiner High School Finals. Final Exams sind Klassenarbeiten in der Schule mit dem Stoff des letzten Halbjahres. Schon seit Wochen wurde darüber geredet, vorbereitet und Zusammenfassungen von den Lehrern verteilt. Am Mittwoch vor Weihnachten hatten wir unsere ersten Finals. Am  1.Tag (Mittwoch) hatten wir Final Exams in den Klassen 1, 2 und 3. Was für mich bedeutete: Religion, Chemie und Algebra. Wir hatten für jedes Exam 1 Stunde und 10 Minuten Zeit, danach 5 Minuten Pause und dann das nächste Final. Am nächsten Tag standen dann Study Hall, Spanisch und English auf dem Programm. Am Donnerstag mittag hat es zum ersten Mal ein klein wenig geschneit. Nicht viel und es ist auch nicht liegen geblieben aber wenigstens hat es mir ein wenig Weihnachtsgefühl gegeben. Da hier niemand mit Winterreifen fährt, hatte ich gehofft, dass es am Freitag ein wenig eisig ist und somit unsere Weihnachtsferien früher beginnen. Leider wurde ich enttäuscht und ich musste am Freitag meine letzten Finals in Film und American History schreiben. Nicht wie befürchtet war die Woche sehr anstrengend was den Inhalt der Finals betrifft – ich persönlich fand es wahnsinnig anstrengend über 3 Stunden konzentriert zu sein und nur 5 Minuten zwischen den Exams Pause zu haben.

Weihnachten/Vorweihnachtszeit
Als ich in Deutschland war, haben viele Leute mir erzählt, dass in Amerika Weihnachten total kitschig und übertrieben ist. Ehrlich gesagt, dem „kitschig“ kann ich zustimmen, dem „übertrieben“ nicht ganz. Schon ein paar Tage nach Thanksgiving haben wir unseren Plastik-Weihnachtsbaum aufgestellt und unser Haus dekoriert. Anfang November war unsere ganze Straße und Mitte Dezember dann so gut wie alles, eingeschlossen unserer Schule dekoriert. Da der Schnee, der Adventskalender und unser richtiger Weihnachtsbaum gefehlt haben, kam anstatt Vorweihnachtsfreude jedoch mehr Heimweh auf. Ich hatte in der ganzen Zeit in der ich nun hier bin, noch nie richtig Heimweh und hatte keine Ahnung wie es sich anfühlt. Jetzt kann ich sagen, es ist horrible und man kann es sich wirklich nicht vorstellen wenn man in Deutschland ist, wie sehr es wehtun kann. Aber glücklicherweise habe ich etwas dagegen gefunden. Es heißt, man soll rausgehen und sich ablenken und ich kann zu 100 Prozent sagen: Das stimmt. Obwohl man, wenn man Heimweh hat, am liebsten allein in seinem Zimmer sitzen will, ist rausgehen und versuchen nicht daran zu denken das Beste. Zum Glück habe ich eine wunderbare Familie die mich unterstützt hat und mir eine wunderbare Vorweihnachtszeit mit typisch amerikanischen Cookies, amerikanischem Stil (für uns Deutsche manchmal etwas kitschig), amerikanischem Nikolausfest und mit viel Liebe ermöglicht hat. Trotz der teilweise übertriebenen Vorweihnachtsfreudehabe ich viele Spendenaktion gesehen, die so kreativ waren und mir einfach gezeigt haben wie Amerika zusammenhält. Außerdem habe ich viele wunderbare Adventgottesdienste, große Familienfeste, unglaublich viele Schilder mit „Keep Christ in Christmas“ und viele Gebete gehört und erlebt. Da man die Weihnachtsgeschenke hier am Morgen des 25. Dezember bekommt sind wir am 24. Dezember, dem Christmas Eve nur in die Kirche gegangen und haben unsere Geschenke vorbereitet. Am 25. Dezember sind wir ziemlich früh aufgestanden und alle unsere Geschenke waren in unseren Socken und unter dem Weihnachtsbaum. Nachdem wir unsere Geschenke ausgepackt hatten, gab es ein ausgiebiges Frühstück und haben uns anschließend mit unseren Geschenken beschäftigt. Da wir uns schon am Wochenende vor Weihnachten mit unserer ganzen Familie getroffen haben (und das waren wirklich nicht wenige) sind wir nachmittags nur ins Kino gegangen und haben den neuen Tom Cruise Film angeschaut. Ich war erstaunt wie viele Menschen dort waren. Der 2. Weihnachtsfeiertag war weniger festlich, denn die Geschäfte haben wieder geöffnet und die After Christmas Sales haben begonnen. Wie bei uns haben viele ihre Geschenkgutscheine eingelöst, viel wurde umgetauscht und vieles wurde auch wieder zurückgegeben. Damit war Weihnachten eigentlich schon am 2. Weihnachtstag vorbei. Trotz meiner kleinen Heimwehattacke hatte ich eine wunderbare Weihnachtszeit und wunderbare amerikanische Weihnachten, die ich vor allem meiner wunderbaren Gastfamilie zu verdanken habe. Ich habe es genossen Weihnachten in einem anderen Land und mit anderen Sitten zu erleben und ein wenig traurig bin ich schon bei dem Gedanken Weihnachten nächstes Jahr nicht hier in Amerika zu feiern.