Wenn eine eine Reise macht…

… dann bricht sie sich den Arm. Okay, das entspricht jetzt nicht ganz dem Sprichwort, aber es stimmt, und was erzählen kann ich auch. Aber zuerst mal: Hallo, Leute!

Bevor ich über das Arrival Camp berichte, gibt’s erstmal eine kurze Info über meinen gebrochenen Arm und wie es dazu kam. Wie manche von euch vielleicht wissen, gehör ich zu der Sorte Menschen, denen nicht oft etwas passiert, aber wenn, dann wenn es ungünstiger nicht hätte sein können. So auch diesmal. Am 21. war ich genau eine Woche im ATJ, war mit meiner Gastfamilie auf Krk in Kroatien und hab mir den Arm gebrochen, als ich ins Meer gehen wollte und mich dabei abgelegt hab. Okay, ist blöd, aber der Gips ist in 10 Tagen wieder ab – zum Glück! Meine Gasteltern sind nach dem Unfall dann erstmal 4 Stunden mit mir auf dem Festland rumgefahren, bis wir endlich das richtige Krankenhaus gefunden hatten. Es hat mich schon ziemlich beeindruckt, dass sie sich so viel Mühe gemacht haben, aber sie meinten nur, ich sei jetzt für ein Jahr ihre Tochter und deshalb sei das okay. 🙂

Am Anfang des ATJ war das Arrival Camp in Dunaharaszti, wo wir über Ungarn (das Land), Ungarn (die Leute), ungarische Feste, Bräuche, die Sprache usw gesprochen haben. Es war auf jeden Fall super und etwas, das mir sehr weitergeholfen hat. Dieses Jahr sind Mexikaner, Thailänder, Japaner, ein Este, eine Finnin und die Deutschen als YFU-ATS in Ungarn. Ich fand es sehr gut, die ganzen anderen Leute kennen zu lernen (und meine VBT-Leute wiederzusehen) und freu mich schon auf den 26.10., da ist nämlich die Tea-Party zum Kennen lernen für Gastfamilien und Austauschschüler 🙂

Als wir dann wieder in Szeged waren, mussten wir uns erstmal um verschiedene organisatorische Dinge kümmern. Also gings zur Schule, zum Einwohnermeldeamt (oder jedenfalls dem ungarischen Gegenstück dazu), zu Telenor, damit ich eine ungarische SIM-Karte für mein Handy bekomme und und und…

In der Schule haben wir dann die Schulbücher meiner Gastschwester Helga abgeholt. Sie ist in der 7. Klasse und hat, wenn ich mich nicht verzählt habe, über 20 Bücher in allen Fächern zusammen! Kein Vergleich zu Deutschland. Und meine Gastmutter meinte nur ‚und du hast noch mehr‘. Da kommt Freude auf! Die Schule gefällt mir, ein kleines katholisches Gymnasium im Außenbezirk von Szeged, auch die Leute scheinen nett zu sein. Sonntag ist eine Eröffnungsfeier, wo alle Mädchen mit schwarzem Rock und weißem Oberteil und alle Jungs im Anzug hingehen müssen, Montag ist dann der erste Schultag. Darüber berichte ich dann, sobald ich den Gips ab hab, es ist nämlich extrem nervtötend, so 1,5-händig zu tippen.

Gestern gingen wir dann zum Einwohnermeldeamt (oder so), wo ich meine Aufenthaltserlaubnis bekommen hab. Der dortige Beamte war sehr freundlich, er meinte, mein Geburtstag vor 15 Jahren sei der Tag gewesen, an dem er in sein ATJ in Dänemark gestartet sei (aber nicht mit YFU). Sehr cool!

YFU-Ungarn hat eine super Wahl getroffen, was meine Gastfamilie angeht. Ich komm mit allen gut klar, auch wenn ich mit Helga meistens durch ‚Ich spreche kaum Ungarisch und du kaum Deutsch, also müssen wir improvisieren, was aber peinlich ist, also lassen wir das und lächeln einfach nur‘-Blicke  und ein Ungarisch-Deutsch-Englisch-Sprachgemisch kommuniziere. Heute war ich mit ihr im Sportzentrum in Szeged, damit ich mir ein Bild vom Schwimmtraining machen kann. Das Bad ist super, im Sommer ist es ein Freibad und im Winter kommt ein Dach drüber, auch das Training hat mir gut gefallen. Wenn meine Hand wieder in Ordnung ist, mach ich bestimmt mit. Meine Gastmutter entspricht auf jeden Fall dem Klischee, dass Ungarn sehr ‚touchy‘ sind, seit dem Unfall werde ich andauernd gedrückt und umarmt.

Mein Ungarisch macht auch kleine Fortschritte, ich verstehe manches und kann auch nach bestimmten Dingen fragen (Wo ist das Klo/Ági/alles mögliche, kann ich dieses oder jenes haben, wohin gehen wir), auch wenn ich die Antwort nicht immer verstehe. Na ja, ich hab ja noch 10 Monate Zeit 😀 Heute kam meine Gastmutter von der Arbeit wieder und hat einen Hefezopf mitgebracht. Ich bin in die Küche gegangen und hab Helga gefragt, was das ist, weil der Hefezopf noch eingepackt war, und sie hat mit ‚kalács‘ geantwortet und dann total angefangen zu lachen, weil ich nicht begriffen hab, dass das das ungarische Wort für Hefezopf ist. Okay, das steht mir wahrscheinlich noch öfter bevor.

Das war’s jetzt erstmal, morgen gehts ins Árkád, das ist ein Einkaufszentrum hier in Szeged und nächste Woche fängt die Schule an.

Bis dahin erstmal sziasztok,

Linda