45 Tage Ungarn

Hey Leute,

jetzt gibt es auch mal wieder Neuigkeiten aus Ungarn 🙂

Ich bin jetzt seit genau 45 Tagen in Ungarn und ich verstehe mehr und mehr. Klar, die Sprache ist schwer und ich antworte den Leuten hier meistens auf Englisch oder Deutsch, aber ich verstehe so gut wie alles, was die Leute mir sagen. Ich spreche jetzt nicht vom Schulunterricht, da verstehe immer noch so gut wie nichts, aber manchmal verstehe ich so einzelne Worte, durch die ich mir dann erschließen kann, worüber der Lehrer überhaupt spricht. Meine Freunde hier in der Schule scheint es immer wieder zu überraschen, dass ich manches verstehe, was wiederrum mich überrascht – schließlich bin ich jetzt sechs Wochen hier! Zum Beispiel hatten Mittwoch nachmittag néptánc, also Volkstanz, das ist hier anscheinend verpflichtend, zumindest für die Schüler in meiner Jahrgangsstufe. Wir haben dann so verschiedene Rhythmusübungen gemacht, unter anderem ein ‚Klatschspiel‘, das vielleicht einige von euch kennen: Erst mit beiden Händen auf die Oberschenkel, dann beide Hände zusammen klatschen, dann den rechten Daumen nach hinten und dann den linken Daumen nach hinten. Wenn man dann den rechten Daumen nach hinten macht sagt man seine eigene Zahl (die uns zugeteilt wurde) und beim linken Daumen die Zahl einer anderen Person. Wer sich dabei vertut, muss sich ans Ende der Reihe setzen, deshalb haben sich die Zahlen andauernd geändert. Jedes Mal, wenn sich die Zahlen wieder geändert haben, hat der Tanzlehrer neu abgezählt und bei mir jedes Mal die Anzahl der Finger die meiner Zahl entspricht, hochgehalten und die Zahl zuerst auf Ungarisch und dann auf Englisch gesagt. Das sind so diese Momente, in denen man sich denkt ‚Hey Leute, ich bin nur Austauschschülerin, ich bin nicht blöd!‘, obwohl ich ja weiß, dass die Leute es nur lieb meinen 🙂 Ungarischer Volkstanz macht jedenfalls extrem viel Spaß, auch wenn ich das nicht so wirklich kann – aber hey, ich hatte ja auch erst zwei Stunden! Und ich bin nicht die einzige, die das nicht so richtig kann.

Die Schule gefällt mir immer noch ziemlich gut, obwohl ich nicht wirklich viel verstehe. Die Leute sind super nett, mir wird mit allem geholfen und ich hab auch Freunde gefunden. Wenn ich das richtig verstanden habe, wird mein Stundenplan ein bisschen geändert, so dass ich in einen Englischkurs der 12. Klasse gehen kann, da das Niveau der Fremdsprachenstunden hier wirklich niedrig ist. Es gibt Leute in meiner Klasse, die für 6 Jahre Englisch gelernt haben und einem ein paar Gemüsesorten aufzählen können, das finde ich schon ziemlich beeindruckend. Ein paar lernen hier auch Deutsch, wir bringen uns dann gegenseitig ein bisschen Ungarisch/Deutsch bei und amüsieren uns über die Aussprachefehler der anderen 😀

Die Schule ist ähnlich wie in Deutschland, aber es gibt natürlich trotzdem ein paar Unterschiede. Zum Beispiel haben die Schüler hier viiiel mehr Respekt gegenüber den Lehrern. Hier würde niemand einfach so in den Unterricht reinrufen, außerdem werden Lehrer hier mit ‚Laudetur Jesus Christus‘ (nur im Unterricht, weil ich auf ein katholisches Gymnasium gehe) und ‚Csókolom‘ (auf dem Flur, vor der Schule usw.) begrüßt, vor allem letzteres ist eine eher förmliche Begrüßung. Außerdem lernen ungarische Schüler viel mehr und sie schreiben fast jeden Tag einen Test, manchmal wird auch jemand aufgerufen und abgefragt. Ich hab in Erdkunde schon 2 Einsen (was hier die schlechteste Note ist), weil einmal in meinem Buch kein Name drin stand und beim anderen Mal hatte ich mein Heft vergessen – die Lehrer sind hier auch strenger. Die Schüler haben hier ungefähr 20 Schulbücher und müssen alle selber kaufen, das geht ganz schön ins Geld, wenn man wie meine Gastfamilie zwei Kinder hat.

Szeged ist übrigens eine wunderschöne Stadt, es lohnt sich, sich die Stadt einfach mal anzuschauen. Wie manche von euch wissen, komm ich ja aus einer eher ländlichen Gegend, aber mal für ein Jahr in einer größeren Stadt zu leben, ist auch schön. Ich meine, hier gibt es Straßenbahnen – allein das ist schon ein Argument dafür! 😀 Außerdem ist die Stadt abends einfach wunderschön, weil sie hier noch gelbes Licht haben und keine LED-Lampen. Die Brücken über der Tisza sind auch beleuchtet, einfach schön. Mit meiner Gastfamilie komm ich auch klar, auch wenn ich sie nicht soo viel sehe, da ich die Nachmittage über einfach immer was zu tun hab – Schwimmtraining, Ungarischstunden, Flötenunterricht oder einfach ein Treffen mit meinen Freunden.

Das war’s wieder erstmal aus Ungarn, ich hoffe, es hat euch gefallen. Bis zum nächsten Mal: Sziasztok!

Linda