Chilenisch

Es ist Sonntag und ein Tag voll von Nichtstun. Es heisst Ausruhen von der letzten Woche und fuer die naechste, die von wenig Schlaf gepraegt sein wird. Fuer die nachsten beiden Wochen habe ich mich ein einem Cueca-Kurs eingeschrieben (chilenischer Nationaltanz), um mich fuer den Nationalfeiertag vorzubeireiten. Zwei Wochen ist es noch hin bis zum 18. September und schon jetzt sieht man in allen Richtungen nur noch Blau, Weiss und Rot. Ich bin schon gespannt und etwas aufgeregt wie es sein wird, dieses Fest. Auf jeden Fall etwas ganz Fremdes.

Meine letzte Woche ist mit einer Entspanntheit vergangen, wie ich sie bisher noch nicht kannte. Ich schaffe es langsam, mich ab und an zurueckzulehnen, mich nicht staendig bemueht darauf zu konzentrieren, mich bestmoeglich zu integrieren. Ich weiss mittlerweile, dass ich von meinen Kameraden geschaetzt, gemocht werde, dass ich in absehbarer Zeit ein Teil von allen sein werde.

Langsam pendelt sich hier mein neuer Alltag ein, in dem ich am Wochenende bis nach Mittag schlafe, nie aufs Rad steige und mein Haar immer offen trage. Dinge, die ich mir Deutschland so nicht vorstellen koennte (nun gut, ersteres schon.. ). Hier aber bin Ich das. Im Allgemeinen spuere ich, sobald ich Kontakt zu Deutschland pflege, wie ich in ein eine andere Leoni schluepfe. Anderen Umgang habe mit meinen Maedels dort als mit meinen anderen Maedels hier. Ebenso merke ich auch an mir selbst, wie hier die Unterschiede zwischen weiblicher und maennlicher Rolle viel ausgepraegter sind, als wie ich sie von Deutschland kenne. In Deutschland war ich viel weniger darauf bedacht „fraulich“ zu sein und ehe ich mich versah, benehme ich mich hier, wie alle Maedchen, sehr viel femininer.

Ich fuehl mich sehr wohl, als diese andere Leoni. Die Leoni ohne Zopf, die endlich den Bruder hat, den sie sich ein Stueck weit immer schon gewuenscht hatte.

In diesen Tagen (mittlerweile hat die Woche schon begonnen) fuehle ich mich sehr zufrieden. Angekommen und gluecklich. Ich bin viel geschaeftigt und freue mich gerade, einfach mal die deutsche Schreibhand fliessen zu lassen. Und gleichzeitig ist das, was mir gut tut: Beschaeftigt sein.

Ich habe hier wieder angefangen Volleyball zu spielen und hatte am Wochenende zwei Spiele. Gestern habe ich gelernt, den traditionellen Tanz Chiles zu Tanzen und hatte dabei sehr viel Spass. Gleich werde ich mich aufmachen, um meine erste Flamenco-Stunde mit maennlichem Lehrer zu absolvieren und bin schon recht gespannt.

Ich moechte meinen naechsten Artikel mit mehr Ausfuehrlichkeit schreiben und mir mehr Ruhe dafuer nehmen.

Fuers Erste sollt Ihr aber alle ganz lieb gegruesst sein von mir! Ich hoffe es geht Euch gut in Deutschland, das ich schon zu vermissen begonnen habe.

Alles alles Liebe von mir,

Leoni