17 años.

In den letzten Wochen ist so viel geschehen, bin ich viel gereist, habe so viel erlebt, gesehen, kennengelernt, gedacht, gelacht, geredet und … gegessen!

Vor einigen Wochen, oder war es vor mehr als einem Monat? Hat meine Mama etwas gesagt, woran ich mich jetzt erinnern muss, als ich mich hinsetze, mir Ruhe nehme, um in mich hineinzuhorchen und um Euch endlich wieder ein paar Zeilen aufs Papier zu bringen! Was sie sagt war, ganz einfach; Liebe Leo, es ist so schoen zu merken, dass Du jetzt einfach voll angekommen bist, da drueben. Und damit hat sie wohl Recht gehabt. Doch… kann man immer mehr ankommen? Oder ist man einmal angekommen und damit dann voll da?

Wenn dem so ist, dann weiss ich nicht, wann dieser Wandel passiert ist, ob es ueberhaupt schon so weit ist oder noch in ungewisser Zukunft liegt.

Was ich weiss ist, dass ich hier ein zweites Zuhause gefunden habe.  Dass ich vom Wochenendtrip heimkomme und diese Endlich-Zuhause-Erleichterung empfinde, so schoen das Wochenende auch gewesen war. Froh bin, wieder in meinem Bett zu schlafen, das mir bekannte Essen zu essen, den mir bekannten Rythmus zu leben. Was ich weiss ist, dass mir meine Lunge mittlerweile keine Probleme mehr macht, dieses Organ der Kommunikation, das sich zu Beginn durch meine Unsicherheit mit der Sprache so straeubte.  In meiner Gedankenwelt kann ich spanisch und deutsch mittlerweile nicht mehr so recht trennen und so kommt es schonmal vor, dass ich meine spanischen Gedanken fuer einen Tagebucheintrag uebersetzen muss. Das ist auch der Grund, weshalb ich im naechsten Jahr voll in den Schulstoff einsteigen will; mein Vokabular erweitern und ueber die blosse Alltagssprache hinauszuwachsen. Um irgendwann dann mal mir auf spanisch von der Seele schreiben zu koennen. Es macht so Spass der Sprache Herr zu werden und wenn ich dabei bin meinem Bruder deutsch von null her beizubringen, ueberkommt mich schon wieder Lust, eine neue Sprache zu lernen!

Ich bin nun 17 Jahre alt. Es fuehlt sich gut an, das zu sagen, auch wenn es noch ungwohnt ist; wie jedes Jahr. Vor drei Wochen hatte ich Geburtstag, mein Tag, den ich hier in vollen Zuegen genossen habe. Gemuetlich habe ich ausgeschlafen, in Ruhe mit Miriam geskypt; meine ganze Familie war am samstaeglichen Morgen geschaeftig ausgeflogen!
Dann kam auch schon mein Papá heim, mit dessen Begleitung ich mich hingesetzt habe, und die Pakete aus Deutschland geoeffnet habe. Ganz euphorisch war ich, damit meine wahre Familie so viel mehr hier zu haben; habe genuesslich sicher zwei Stunden mit Geschenke oeffnen verbracht! Denn dann kam meine Mutter heim und gemeinsam haben wir das mitgeschickte Fotoalbum angeschaut.

Zu Mittag assen wir die von mir gewuenschten Maistaschen, dessen Geschmack mir dann aber doch von Guatemala her noch bekannt schien. Es war eines der ersten Male in diesem Sommer, dass wir draussen auf der Terrasse zu Mittag assen!

Am Nachmittag bin ich einkaufen gefahren mit meiner Mamá, um alles Noetige fuer den Abend zu besorgen. Ein Freund von mir hat ganz genau am selben Tag Geburtstag und schon Wochen vorher hatten wir ueberlegt, diesen Tag zusammen zu feiern! Zum Abendessen kam eine Freundin von mir, und wir haben die Geburtstagstorte probiert, eine recht besondere, traditionell-chilenische, die meine Mamá schon seit Tagen am Vorbereiten war.

Dann sind wir auch schon los und ich musste an das vergangene Jahr denken, meinen 16. Geburtstag, den ich so schoen verbracht habe, mit fast all meinen Freunden in Kassel.

Im Haus des Klassenkameradens haben wir noch die letzten Vorbereitungen getroffen, als dann schon die ersten eindrudelten. Und dann vergingen die Stunden wie im Fluge! Ich hatte ploetzlich alle die Menschen vereint, die mir hier wichtig sind, meinen Bruder, meine Freunde aus der Schule und den anderen, daenischen YFUler Svend.
Ich genoss die Stunden in vollsten Zuegen, und hoffte, sie wuerden nie zu Ende gehen. Einen Tag wie diesen wuerde ich nur einmal erlebt haben.
Da es keine Geburtstagsfeier ohne Torte geben kann, hatten wir fuer den Abend eine Schwarzwaelder ausgewaehlt. Die sollte auch hier nicht fehlen! Man merkt dann aber doch immer wieder, dass ich keine Chilenin bin; so war ich nach dem netten Geburtstagsstaendchen ganz und garnicht vorbereitet auf den „Tortazo“, der folgen sollte und fand mich danach mit der Torte im Gesicht wieder!
Verrueckt, diese Chilenen. Gelacht habe ich aber, wie lange nicht mehr.

Es blieb dann noch eine Woche bis, die von allen langersehnte, Klassenfahrt nach Brasilien anstand! Es sprachen alle nur noch davon. Zu meinem Glueck blieb ausser mir auch mein wohl bester Freund hier, Matias, in Concepción, und so beganen wir Plaene zu schmieden, wie wir die Woche anders und trotzdem gut verbringen koennten. Die Einladung von Regine, die Patentante meiner Schwester, die etwas suedlich von hier lebt, stand schon lange aus und nach unkomplizierter Absprache, packten wir also unsere Rucksaecke, um das Wochenende auf dem Land zu verbringen!

Nach einigen Stunden Busfahrt also, fanden wir uns am Samstag in dem Dorf Carahue wieder, einer so ganz anderen Seite von Chile! Regine hiess uns willkommen und sofort ueberkamen mich Heimangefuehle, dank ihrem weichen, schwaebischen  Akzent, der sich auch in ihrem Spanisch wieder findet. Sogar Mati hat als Chilene den Unterschied zwischen unseren deutschen Akzenten bemerkt.

Mit Regine fuhren wir zu ihrem Stueck Land, sodass ich endlich den Ort kennenlerne, von dem mir schon so viel erzaehlt worden war.

Wir lernten ihre Soehne kennen und verbrachten den Nachmittag die Umgebung kennenlernend, mit den Tieren und Tischtennisspielend.

Regine zeigte uns ihr Zuhause, das fuer uns viele Erklaerungen und Beschreibungen erforderte, da es so eng mit der fuer uns fremde Mapuche-Kultur verknuepft ist. So lernten wir vieles; ich, die bisher nur das moderne chilenische Leben naeher kennengelernt hatte, als auch Mati, der damit neue Seiten seines Landes kennenlernte.

Nachdem wir am naechsten Morgen von den zwei Haehnen aus den Betten gerissen worden, fuhren wir mit den Jungs an einen besonders idyllischen Strand! Mit einer kleinen Faehre erreicht man die Halbinsel, die mit ihrer Einsamkeit und ihrer Weite aus Duenen verwunschen wirkt.

Der sonnige Nachmittag verging schnell, Regine und ich nutzten ihn, um uns so von der Seele zu reden, wie man es dann doch nur in deutsch kann.

Zurueck auf dem Hof nutzten wir die Zeit, die uns blieb, um die nahe Umgebung besser kennen zulernen, diese Ruhe des „ganz draussen“- seins in uns aufsaugend.

Wir knuepften Pulseras, waren Regine mit dem Entkernen von Erbsen behilflich, bis es am naechsten Nachmittag schon wieder hiess, die Heimreise anzutreten. Uns beiden fiel es dann schwer, in Temuco, wo wir auf einem Markt Halt machten, wieder in die Realitaet mit all den vielen Menschen zurueckzufinden.

Durch die besondere Auszeit, die wir uns in diesen paar Tagen auf dem Land gegoennt hatten, kam ich ganz weltfremd wieder in Conce an, das mich mit einem Strandtag und Weihnachtsvorbereitungen erwartete. Wenige Naechte schlief ich in meinem Bett, denn schon fuer den Donnerstag hatte mich meine Schwester nach Santiago eingeladen gehabt!

Am Morgen bin ich mit meinem Bruder in den Bus gestiegen und habe den ganzen Weg ueber aufgeregt und gespannt die Landshaft beobachtet, die ich auf meiner Hinfahrt nach Conce nur in der Nacht erlebt hatte. Verrueckt, wie sie sich wandelt und zum Norden hin immer trockener, fast wuestisch wird.
Nach 6 Stunden kamen wir in Santiago an und mich hat schier der Schlag getroffen, als ich aus dem Bus gestiegen bin. Diese Hiiiiitze! Die jedoch im Dezember noch schoen fruehlingshaft ist…
Auf dem Weg zur Wohnung meiner Schwester haben wir schon eine kleine Stadttour gemacht, die mir mehr Neugierde noch beschert hat, Santiago kennenzulernen!
Von ihrer huebschen Wohnung aus sind wir gestartet um das Bellavista-Viertel kennen zu lernen; Ein sehr nettes Studenten- und Touristenviertel. Von dort aus ging es auf den Huegel San Cristobal, auf dessen Spitze stolz eine Maria-Statue drohnt. Von dort aus konnte man Santiago ueberblicken, auch wenn der Smog die fernere Umgebung vernebelt hat.
Am naechsten Tag lernten wir das Zentrum kennen; sind von einem schoenen alten Viertel zum naechsten spaziert, haben die Moneda (Regierungs-Gebaeude) von aussen besichtigt und eine Ausstellung ueber den chilenischen Kuenstler Mata besucht. Haben viel gegessen; so mussten doch all die Hamburger ausprobiert werden, die es nur in Santiago gibt!
An einem anderen Tag haben wir mit dem Auto die Stadtviertel besucht, die naeher an den Anden liegen und von der kleinen Prozentzahl steinreicher Chilenen bewohnt werden.

So verstrichen die Tage dieses sommerlichen Geschwister-Wochenendes! Wir haben die Zeit genossen, zu dritt; haben sie genutzt! Meine Geschwister haben mir soviel von Santiago gezeigt, wie man in der wenigen Zeit nur kennenlernen kann und ich bin ihnen sehr dankbar dafuer! Muede und mit vielen neugesammelten Eindruecken sind wir am Sonntag wieder heimgefahren. Es ist verrueckt, wie Santiago eine eigene kleine Welt ist. Diese komplett andere Mentalitaet, die dort herrscht, von der alle sagen, sie sei fast europaeisch und damit recht haben. Ein gaenzlich anderes Chile, als das, was ich von ausserhalb von Santiago kennengelernt habe.

Es brach dann die letzte Schulwoche an, in der wir von Tag zu Tag weniger Schueler im Klassenraum waren. In der wir die Tage Filme guckend, Karten spielend, Zeit vertroedelnd verbrachten, weil die Noten eigentlich schon laengst beschlossen waren und es nichts mehr zu tun gab. Ganz unwirklich ist das Halbjahr zu ende gegangen und als der letzte Gong ertoente wurde ich mir erst wirklich darueber klar; das war jetzt die erste Haelfte. Die Haelfte meiner chilenischen Schulzeit ist rum, und wenn die Zweite ebenso schnell vergehen wird … sollte ich schonmal meine Sachen packen!

Jetzt ist eine Ferienwoche um, dessen Tage ich genossen und ausgefuellt habe mit sozialem Leben. Strandtag mit meiner Familie, Tischtennis mit Freunden, Laguna.

Mit meinen Maedels bin ich zum Geschenke suchen losgezogen und um gelbe Unterhosen zu kaufen… Denn wer diese zu Silvester traegt, wird im neuen Jahr Glueck haben in der Liebe! 😀

Und so fehlt heute nur noch ein Tag bis zum grossen Fest. Meine Schwester ist gestern aus Santiago angekommen und ich bin nun mit den letzten Geschenkevorbereitungen beschaeftigt.

Etwas wie Weihnachtsstimmung herrscht hier jedoch nicht… Alle sind guter Dinge, es ist total schoen, dass Francisca da ist. Meine Mutter ist etwas gestresst, wegen all dem komplizierten Essen, das vorbereitet werden muss.
Die Weihnachtslichter leuchten, doch nur spaet in der Nacht. Die Weihnachtsmaenner tun mir Leid in ihrer warmen Verkleidung und auch die Plaetzchen haben nichts Erfrischendes!

Es ist doch spuerbar, dass Weihnachten so, eine Erfindung fuer die Nordhalbkugel war.

Und deshalb fuer Euch: Froehliche, schnee-kalt, ofen-warme, kuschelig-glitzernde Weihnachtsfeiertage!