Tallinntrip, plötzlicher Wintereinbruch und Sprachwirrwarr

Es ist wieder viel passiert seit meinem letzten Blogeintrag und ich konnte mich schon gar nicht mehr unter aktuellen Blogeinträgen wiederfinden. Tatsächlich bemerke ich meistens gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht und wenn ich daran denke, das lange nichts mehr auf dem Blog von mir veröffentlicht wurde, habe ich oft einfach keine Lust dazu. Ich genieße hier jede Sekunde und schätze die Zeit, die ich auf finnischen Boden verbringen kann, denn im Endeffekt sind die übrigen 7,5 Monate schnell wieder vergangen. Jetzt werde ich aber erstmal erzählen, was bisher so spannendes passiert ist.

In der Schule ist das erste Jakso vorbei und das Ende des zweiten naht ebenfalls. Jetzt im zweiten Jakso habe ich mich endlich richtig in das Schulsystem „eingelebt“ und es läuft ganz gut in der Schule. Gewählt habe ich dieses Mal Englisch, Deutsch, Spanisch, Kunst und Sport. Erst hatte ich vor Schwedisch zu nehmen, aber der Kurs war schon voll. Ich wusste nicht, wie das mit Spanisch klappen soll, aber jetzt macht es mir richtig viel Spaß. Etwas frustrierend ist es jedoch, dass ich die finnische Grammatik nicht verstehe, aber es verstehe, wenn mir spanische Grammatik auf finnisch erklärt wird. Finnisch ist noch immer eine Herausforderung…

Ende Oktober hat YFU eine Reise nach Tallinn organisiert. Samstag morgen ging es früh mit der Fähre los nach Tallinn, wo wir dann in einem Hotel unterkamen. Am Nachmittag haben wir Zeit gehabt durch die wunderschöne Altstadt zu laufen, bevor wir mit estnischen YFU-Mitarbeitern eine Rallye gemacht haben. Wir hatten viel Spaß zusammen und ignorierten die Kälte tapfer.

Der nächste Tag begann mit dem Frühstück im Hotel und anschließend hatten wir die restliche Zeit zur freien Verfügung. Ich habe die Zeit mit ein paar Freunden genutzt, um andere Austauschschüler zu treffe, die wir von unserer VBT kannten. Da sie sich in Tallinn besser auskannten als wir, konnte sie uns gute Gelegenheit zum Shoppen zeigen, da in Finnland alles deutlich teurer ist. Auf der Fähre zurück nach Helsinki gab es für uns alle Buffet. Ein wunderschönes Wochenende, das ich nicht vergessen werde und ich werde definitiv nochmal nach Tallinn kommen!

Der Herbst in Finnland war der schönste, den ich bisher erlebt hatte, aber etwas zu kurz für meinen Geschmack. Die Bäume waren unglaublich bunt, es hat sehr selten geregnet und die Sonne hat sich häufig gezeigt. Die Temperaturen gingen meist bis auf maximal vier Grad herunter. Es ging jedoch schnell und schon fast vom einen Tag auf den anderen neigte sich der Herbst dem Ende zu. Die Farben an den Bäumen verloren zwar nicht so schnell ihre Farben, jedoch verloren die Bäume die bunten Blätter schnell und es wurde kälter. Eine Woche später dachte ich ich traue meinen Augen nicht, als ich morgens aufwachte und Schnee lag. Wirklich viel war es nicht und ich hatte auch erwartet, dass am nächsten Tag wieder alles weg ist. Die Temperaturen lagen nun meistens bei minus drei Grad und die nächsten Nächte schneite es immer mehr. Letztes Wochenende habe ich mit zwei Freundinnen einen Tagesausflug ins verschneite Porvoo gemacht und wir hatten viel Spaß, auch wenn es sehr kalt war. In der Nacht danach kam so viel Schnee, dass ohne Schneeschippen schon nichts mehr ging, es wurde gestreut auf den Straßen und meine Füße waren im 20 Zentimeter hohen Schnee schon komplett verschwunden. Es ist einfach nur wunderschön draußen und ich kann von dem Winterwunderland gar nicht genug bekommen. Diese Woche wird es noch kälter werden, gestern morgen habe ich gedacht ich träume, als ich aus dem Fenster geschaut habe und es minus 15 Grad waren 😀 Heute habe ich das schöne Wetter genutzt und war im Wald Schlittenfahren. Es gibt dort auch gute Möglichkeiten zum Ski-Langlauf und wir hatten eine richtige Piste, die wir zum Rodeln nutzen konnten. Von mir aus könnte der Winter so weitergehen, aber ab nächster Woche soll es wieder wärmer und der Schnee weniger werden… 🙁

Mit dem Finnisch läuft es in letzter Zeit immer besser. Mit meiner Familie spreche ich so gut wie es geht auf Finnisch, aber so „richtige“ Unterhaltungen laufen noch auf Englisch. Auch mit meinen Freunden halte ich das noch nicht durch. Es wird noch eine ganze Zeit dauern. Die Grammatik bringt mich schlicht und einfach um den Verstand. Es ist immer anders, nichts kann man sagen, ohne einem Wort eine Endung anzufügen. Eine der 16 Endungen. Nicht einmal „nein“ sagen ist einfach, denn das Wort „nein“ wird konjugiert. So sind mir schon witzige Sprachfails passiert. Ich habe zum Beispiel erzählt, dass ich im See schwimmen gehe (es waren null Grad), dabei wollte ich nur zum See gehen. Oder ich habe gesagt, dass wir Schnee gegessen haben, obwohl ich von unserem Picknick im Schnee erzählen wollte… Wird nicht das letzte Mal gewesen sein 😀

Manchmal habe ich das Gefühl, keine einzige Sprache mehr gut zu beherrschen. Dadurch, dass ich angefangen habe viel mehr Finnisch zu reden, unterhalte ich mich nicht mehr so viel auf Englisch und ich brauche immer ein paar Minuten, um im Redefluss zu sein. Finnisch ist sowieso noch nicht perfekt und mit dem Deutsch wird es immer witziger. Ich kann nun wirklich bestätigen: Ja, man kann seine eigene Muttersprache wirklich verlernen. Teilweise rede ich einfach auf Englisch weiter mitten im Satz, ohne es zu merken, ich erfinde interessante Worte und verdrehe alles mögliche. „Wie viel Wand ist noch zur Platz?“, „Korrektion“… Oft genug kann ich gewisse Worte nicht mehr ins Deutsche übersetzen. Und als wir im Finnischkurs Körperteile gelernt haben, hat es eine halbe Ewigkeit gedauert, bis mir das deutsche Wort für „Ferse“ eingefallen ist. 😀 Peinlich ist es, wenn meine Deutschlehrerin mich etwas fragt und ich es nicht beantworten kann, weil ich mir nicht mehr sicher bin. Auch mit der Rechtschreibung läuft es nicht mehr ganz so gut. Damit entschuldige ich mich gleich einmal für alle Fehler, die hier wahrscheinlich nicht gerade sparsam aufgetreten sind.Ich bin gespannt, wie meine Deutschkenntnisse dann in acht Monaten sind :´D

Das waren erstmal die wichtigsten Dinge, über die ich etwas erzählen wollte. Ich hoffe euch haben auch die Bilder gefallen 🙂 Mal sehen was es das nächste mal zu berichten gibt!

Bis dahin,

Lena