Penkkarit und vanhojen tanssit

PENKKARIT.
„Penkkarit“ ist eine jährliche finnische Tradition, die von den Abiturienten der Highschool gefeiert wird. Es ist der letzte Tag für die Schüler an der Schule. Am Morgen sind alle in verschiedensten Kostümen zur Schule gekommen. Es sind Einhörner, Minions und Tiere durch die Flure gelaufen und hatten prall gefüllte Tüten mit Süßigkeiten bei sich. Dann wurden die Klassenzimmertüren aufgerissen und alle mit Bonbons und Schokolade beworfen. Nach der ersten Stunde ist die ganze Schule in die Aula gegangen, wo die Abigaala stattgefunden hat. Bei uns haben sie ein Quiz gemacht, in dem jeweils zwei Erst-, Zweit- und Drittklässler gegeneinander angetreten sind. Zum Schluss wurde das Abivideo gezeigt, welches professionell und mit viel Mühe gemacht wurde.
Nach der Gala sind alle Abiturienten nach draußen gestürmt und in die LKWs gestiegen. Da wir eine sehr große Schule sind, brauchten wir mehr als nur ein oder zwei Laster, doch dass acht dieser Wagen voller Abiturienten vor unserer Schule stehen werden, damit hatte ich nicht gerechnet. Wieder wurden wir mit Massen von Süßigkeiten beworfen, bevor die LKWs sich laut hupend und mit schreiender Besetzung auf den Weg machten. So fuhren unzählige Laster von verschiedensten Schulen an diesem Vormittag durch die Stadt.

WANHAT.
Der große Tag war gekommen. Wochenlang geübt, alles mögliche vorbereitet und organisiert. Doch wahrscheinlich wollt ihr erstmal wissen was das überhaupt ist, die Wanhat.
Die Wanhat, oder auch „vanhojen tanssit“, ist ein traditioneller finnischer Schulball. Die Abiturienten hatten am Vortag beim „Penkkarit“ die Schule verlassen und nun feiern die Zweitklässler, dass sie die Ältesten der Schule sind. Auch wenn ich Erstklässlerin bin durfte ich wie alle anderen Austauschschüler mittanzen, da wir eben nur für ein Jahr hier sind. Seit Ende November fanden dreimal wöchentlich Tanzstunden statt. Meinen Tanzpartner hatte ich dank meiner Tutorin in der Schule gefunden. Trotz anfänglichen Schwierigkeiten wurde das straffe Programm durchgezogen. Es bestand aus etwa zehn traditionellen Tänzen, unter anderem Tango und Wiener Walzer. Zum Schluss kamen noch die „Oma tanssit“ dazu, also unsere eigenen Tänze, für die extra Musik zusammengeschnitten und eine Choreografie geschrieben wurde.
Seit dem Sommer waren die Mädchen schon auf Kleidersuche, aufwendig geschneiderte Ballkleider in verschiedensten Farben, wenn nötig auch maßgeschneidert, was dann schon mal locker 800€ kosten kann. Ich hatte riesiges Glück, dass meine Support Person selbst welche unfertig und mir eines ihrer geliehen hat. Alles wurde ewig organisiert, schließlich sollte alles perfekt sein für diesen Tag.
Am Morgen der Wanhat fuhren die meisten meiner Freundinnen und Mittänzer schon um sieben zum Frisör, verbrachten stundenlang mit dem Make-up, um pünktlich um halb eins bei der Generalprobe zu sein. Meine Schule hatte eine Arena gemietet, da wir sehr viele sind und beinahe 300 Tänzer hatten. Eine meiner Klassenkameraden hatte mir morgens schnell die Haare gemacht und ich hatte mit einer Freundin zusammen das Make-up gemacht. Die Aufregung stieg immer mehr, denn die Generalprobe verlief wie im Flug und schon stand die erste Aufführung an. Um 13.30 kam die Schule, das heißt die „Übriggebliebenen“ Erstklässler und Lehrer zum Zuschauen. Es lief ganz gut, ich hatte ab und zu etwas Probleme, weil das Kleid etwas lang war und ich draufgetreten bin 😀
In der Pause habe ich mit Freundinnen Fotos gemacht und wir haben etwas gegessen, unerwartet gingen die zweieinhalb Stunden schneller um als erwartet. Die Aufregung stieg nochmal, denn jetzt war die Arena komplett gefüllt mit Menschen, Eltern und Verwandten. Da wir die erste Aufführung schon quasi als Probe nutzen konnten, lief das zweite Mal gleich besser. Der Applaus am Schluss war groß und wir waren erleichtert, als es geschafft war.
Im Anschluss wurden noch ein paar Fotos mit meiner Familie gemacht und dann sind wir nach Hause gefahren, wo ich mich schnell umgezogen habe. Denn es stand noch die Aftershowparty an, die mehrere Schulen aus Helsinki und Umgebung zusammen hatten. Es fand in einer Art Club statt und war ab spätestens halb elf prall gefüllt, es wurde getanzt, viel getrunken und auch sonst bekam mein beim typisch finnischen feiern einiges zu sehen… Wir hatten aber auch nüchtern unseren Spaß, es war ein guter DJ da und ich habe auch andere Austauschschüler wieder gesehen dort. Gegen zwei Uhr morgens war ich nach einem langen und anstrengenden Tag endlich in meinem Bett.
Ein unglaublicher Tag und eine unvergessliche Erfahrung, die ich nur hier in Finnland hätte machen können! Ich werde auch den Link zu You Tube hier reinstellen, sobald der Tanz hochgeladen wurde.

Bis bald 😉
Lena