Schneelose Adventszeit, Weihnachten und Neujahr

Die Adventszeit. Einen Adventskalender von den „Moomins“ hatte ich schon relativ früh von meiner Gastmutter geschenkt bekommen, aber es hatte sich nie so angefühlt, als könnte ich bald das erste Türchen öffnen. Die Advente verliefen ganz anders, wie ich es aus Deutschland gewohnt war. Kein gemeinsames Frühstück oder Adventskaffee am Nachmittag… Noch nichtmal einen Adventskranz hatten wir und somit blieb auch der Streit darum, wer die erste Kerze anzünden darf, erspart. Dafür hatte jeder in der Familie mindestens zwei Kalender – sogar der Hund hatte einen 😀
In den Städten wurde wie auch in Deutschland weihnachtliche Lichter aufgegangen und an einigen Tannen hingen Lichterketten. Der Schnee blieb leider erspart und es war eine für Finnland ziemlich warme Adventszeit.
Am 3. Advent machte ich meiner Gastfamilie eine kleine Überraschung. Aus Deutschland hatte ich ein großes Paket mit deutschen Weihnachtskeksen, Stollen und alles was eben dazu gehört bekommen und hatte ihnen einen Tisch gedeckt. Jeder hat fleißig probiert, auch wenn nicht alles so gut geschmeckt hat. Dann blieb eben mehr für mich übrig 😀 Trotzdem haben sie sich sehr darüber gefreut und wir haben mit Weihnachtsmusik im Hintergrund einen schönen Abend gehabt, wo wir uns auch gegenseitig über die Weihnachtstraditionen unterhalten konnten 🙂

Der sechste Dezember – in Deutschland der Nikolaustag, in Finnland der Unabhängigkeitstag. Den Nikolaus kennen die Finnen nicht. Trotzdem hat mich am Morgen eine kleine Überraschung von meiner Gastmutter erwartet. Ich hatte ihr mal Monate vorher von unserem Nikolaus erzählt und da hatte sie sich tatsächlich dran erinnert und mir eine Schüssel Süßigkeiten vor die Tür gestellt!
Der Unabhängigkeitstag in Finnland ist etwas ganz wichtiges und ein großer Tag für die Finnen. Dieses Jahr hatte Finnland seinen 99 Geburtstag. Am Morgen sind wir zu einer Cheerleadingvorführung meiner Gastschwestern gefahren. Anschließend haben wir uns hier zu Hause Pizza bestellt. Der Fernseher ist sowieso den ganzen Tag an, da ständig Übertragungen laufen, wie sich Prominente die Hände schütteln.
Am Abend sind wir zu meiner Support Person gefahren, wo wir dann gefeiert haben. Aus dem Radio, generell überall konnte man tagsüber die Nationalhymne hören und auch jetzt haben wir zusammen gesungen. Alle anderen Austauschschüler, die dort eingeladen waren, durften dann noch ihre Nationalhymne vorsingen, schön spontan und ohne jegliche Begleitung … 😀 Anschließend wurde sich an der Festtafel bedient und die Gala im Fernsehen angesehen. Jeder gratuliert sich gegenseitig mit „Hyvää itsenaisyyspäivää!“. Es war wirklich ein schöner Tag. Die Finnen haben einfach Ihren Nationalstolz. Auch wenn die meisten nicht verstehen, warum ich freiwillig in ihr kaltes Land als Austauschschülerin komme, lieben sie ihr Land und sind alle stolz, es ihr Land nennen zu dürfen.

Heiligabend. Unglaublich, dass das Jahr schon bald vorbei ist. Ich hatte schon einige Gedanken, wie dieser Tag wohl werden würde, wenn man nicht wie gewohnt mit der Familie zusammen ist. Mein Weihnachten das ich gewohnt war, hatte sich immer ruhig und gemütlich abgespielt. Wie es wohl mit kleineren Kindern und aufgedrehtem Hund sein würde..?
Am Morgen sind wir nicht ganz so spät aufgestanden. Merkwürdigerweise durfte ich zusammen mit meiner Gastschwester und meinem Gastbruder schon ein Geschenk auspacken. Es war ein Gesellschaftsspiel für uns drei, was wir dann gleich ausprobiert haben, bevor ich mit meiner Gastschwester in die Sauna gegangen bin. Das ist eine der Weihnachtstraditionen – ohne die Weihnachtssauna ist Heiligabend nicht vollständig. Nach der Sauna kamen dann die Großeltern und wir haben zusammen Milchreis gegessen, eine weitere Tradition, denn das ist das typische Weihnachtsfrühstück. Anschließend wurde ein Film gesehen, der jedes Jahr zu Weihnachten kommt und außerdem eine Übertragung der Weihnachtszeremonie aus Turku.
Schnell war der Vormittag vorbei und wir sind zu den anderen Großeltern gefahren, wo auch noch andere Verwandtschaft war. Alle zusammen haben wir dann gegessen. Finnisches Weihnachtsessen ist sehr aufwendig und vor allem viel. Sehr viel. Zur Vorspeise gibt es meist Salat, die „zweite Vorspeise“ ist dann verschiedenster Fisch und „Joululimppu“ eine Art Weihnachtsbrot. Das nächste Gericht gehört auch noch nicht zur richtigen Hauptspeise, jetzt gab es erstmal verschiedene, selbstgemachte Aufläufe, Kartoffelauflauf, Karottenauflauf… Als bei mir schon das gewisse Sättigungsgefühl erreicht war, konnte es mit der Hauptspeise losgehen: Der „Joulukinkku“. Ein Weihnachtsschinken der bis zu neun Stunden, teilweise über Nacht, im Ofen verbringt, aber dann einfach nur herrlich lecker schmeckt. Anschließend gab es selbstgerechten Schokomouse, „Joulutorttu“, Kekse, Schokolade, Kaffee und Kuchen. Ich glaube ich habe noch nie so viel gegessen.
Zwei Stunden später hat es dann endlich an der Tür geklingelt. Der „Joulupukki“, also der Weihnachtsmann war endlich da! Mit großen weißen Bart und eine mächtigen Geschenksack kam er ins Wohnzimmer und hat die nicht endenden Geschenke verteilte. Sogar ich habe schon drei Geschenke bekommen, eins für meine Gastschwester und mich zusammen. Von meinen Gasteltern habe ich ein riesiges Moomi-Handtuch bekommen *-*
Als wir nach der Bescherung wieder nach Hause gefahren sind, ging es gleich weiter mit den Geschenken. Ich habe wirklich noch nie so viele Geschenke gesehen und wurde selbst auch reichlich beschenkt! Meine Gastfamilie hat sich auch sehr über meine Geschenke gefreut und wir hatten gemeinsam einen superschönen Abend. <3

Silvester. In weniger als 12 Stunden würde ich ein neues Jahr in meinem Auslandsjahr anbrechen. In mir löst das so ein Gemisch als, Freude und Traurigkeit, Lachen und Weinen aus. Wie kann die Zeit nur so unglaublich schnell vergehen? Einerseits frage ich mich, was ich die ganzen sechs Monate gemacht habe, anderseits weiß ich, dass ich schon so unfassbar viel erlebt habe und ich die Zeit einfach schätzen sollte, die ich schon hier verbringen durfte. Ich bin momentan einfach wieder unfassbar glücklich mit meinem Leben hier in Finnland und möchte am liebsten nie wieder nach Hause. Anderseits freue ich mich dann natürlich auch darauf meine Familie in einem halben Jahr wieder in die Arme schließen zu können. Die Gedanken eines Austauschschülers können sehr wirr sein….
Silvester an sich war erst nicht sonderlich spektakulär. Wir haben zusammen Essen gemacht und am Nachmittag wurde spontan entschieden, dass mich eine andere Austauschschülerin besuchen kommt und dann hier übernachten würde. Wir sind dann jedoch zusammen spontan zu einer Freundin gefahren und haben dort mit vielen anderen den Abend verbracht. Kurz vor Mitternacht sind wir dann raus gegangen auf einen kleineren Hügel und hatten von da aus einen tollen Blick auf das Feuerwerk mehrerer Familien und haben auch selbst ein paar angezündet. Am Abend bzw. Morgen bin ich dann müde ins Bett gefallen. Es war ein toller Abend und ich kann immer noch nicht glauben, dass wir jetzt 2017 haben! Frohes Neues Jahr – Happy New Year – Hyvää uutta vuotta!

Ich hoffe, ich habe über alles wichtiges berichtet in dem Eintrag. Wie war euer Weihnachten in eurem Gastland? So ähnlich oder völlig anders? Oder wartet ihr noch auf euer Weihnachtserlebnis im kommenden Auslandsjahr? Ich werde jetzt die restliche Ferienwoche mit meiner Gastfamilie noch genießen und hoffe ihr hattet einen guten Start in 2017!

Lena