Wo ist die Zeit hin?

Jetzt bist du schon bald zwei Monate in Finnland Lena, erzähl doch mal wie es bisher war!“, haben mir einige Freunde gesagt. Zwei Monate? Das kann nicht sein! Die Schule hat doch gerade erst angefangen… Naja nicht ganz. Es sind nämlich tatsächlich schon wieder ganze vier Wochen seit meinem letzten Blogeintrag vergangen! Es kommt mir vor, als hätte ich ihn gestern erst veröffentlicht. Die Zeit vergeht echt schnell und ruck zuck vergehen die Wochen und es ist wieder Wochenende… Ganze 7 Wochen habe ich schon im hohen Norden verbracht… Jetzt möchte ich aber erstmal ein bisschen berichten, was in dem letzten Monat alles passiert ist 🙂

Als erstes möchte ich über die erste Periode auf der Finnischen High school erzählen, denn mir sind schon viele Unterschiede aufgefallen, im positiven Sinne, und ich bin morgens immer motivert um aufzustehen und den Tag zu beginnen 😀

Mein erster Schultag war ein Donnerstag und die ersten beiden Tage waren mehr zur Einleitung in das High school-System gedacht, als direkt mit dem Unterricht zu starten. In der ersten richtigen Schulwoche musste ich mich dann erstmal mit dem System zurechtfinden 😀

Nach meiner Mathestunde am Dienstag ging es mit leichten Orientierungsschwierigkeiten weiter und ich bin durch die ganze Schule geirrt auf dem Weg zur nächsten Stunde… Das System war am Anfang wirklich sehr verwirrend. Jedoch wurde ich nicht alleine gelassen. Verwirrt guckend auf dem Gang stehen war genug, damit eine Lehrerin sofort eine Vollbremsung machte, um mich zu fragen, ob ich Hilfe brauche. Sie ist dann mit mir zusammen in ihr Büro gegangen und hat mir gezeigt, wo ich hinmuss. Mit so viel Hilfsbereitschaft hätte ich nicht gerechnet, zumal ich nicht einmal gefragt hatte, ob sie mir helfen kann!

Ein weiterer Punkt ist, dass die meisten Finnen überhaupt kein Problem damit haben, Englisch zu reden und es ist nicht schlimm, wenn man sich nicht auf Finnisch verständigen kann. Gerade in der Schule sind auch meine Mitschüler immer aufmerksam und haben immer für mich übersetzt, wenn es etwas wichtiges war, das ein Lehrer gesagt hat.

Trotzdem haben meine Mitschüler erst am Mittwoch angefangen von sich aus auf mich zuzukommen. Am Anfang sind die Finnen immer sehr auf Abstand und reden eben nur, wenn es auch nötig ist. Nach fünf Tagen auf der Schule waren sie dann aber doch neugierig und haben gefragt, ob ich denn wirklich ganz alleine hier bin und wie dass als Austauschschülerin eigentlich alles so ist. 😀

Wenn Pünktlichkeit noch so wichtig ist in Finnland, scheint darauf in der Schule nicht so viel Wert gelegt zu werden. Die Lehrer kommen so gut wie nie zu spät, aber wenn die Schüler zehn Minuten zu spät sind, ist das nicht schlimm. Es wird sich in der Regel auch nicht dafür entschuldigt. Dann kommen manche Schüler ganz entspannt mit einem Kaffee und einem belegtem Brötchen in den Unterricht getrödelt und machen ein zweites Frühstück, während durch Facebook gescrollt wird. Du erntest dafür keinen bösen Blick oder gar Kommentar, du machst dein Ding und entscheidest selbst, wie du zu deiner Note beitragen möchtest. Es ist also völlig normal wenn manche Schüler die ganze Stunde Musik hören oder sich Videos auf YouTube ansehen 😀 Generell ist hier jeder immer und überall mit seinem Handy beschäftigt.

Das war erstmal alles, was ich zur Schule erzählen wollte und kann ich sagen, dass es mir in der Schule super gut gefällt und ich mich hier wohlfühle. Nächste Woche fängt die erste Prüfungswoche an und dann geht es schon in die zweite Periode!

Seit ich hier bin haben auch schon Geburtstage in der Familie stattgefunden und man kann generell sagen, dass Geburtstage in Finnland nichts großes sind. Mehr als ein knappes „Happy Birthday“ gibt es am Morgen erstmal nicht. Eigentlich ist es ein ganz normaler Arbeitstag, nichts ist anders. Im Laufe des Morgens wird das Geschenk noch überreicht und dann geht der Tag weiter 😀 Am Nachmittag kommen dann Verwandte für ein paar Stunden zu Kaffee und Blaubeerkuchen. Große Geschenke gibt es meistens nicht 🙂

Wenn ein Geburtstag größer gefeiert wird, passiert das meistens vor dem richtigen Geburtstag. Für meine Gasteltern war es neu, als ich erzählt habe, dass man das macht in Deutschland nie und höchstens in den Geburtstag reinfeiert 🙂 Meine Gastmutter hat ihren Geburtstag größer gefeiert und deswegen habe ich über Nacht bei einer anderen Austauschschülerin übernachtet. Am Nachmittag habe ich noch geholfen mit Schmücken, Putzen und Essen zubereiten. Das war meine bisherige Geburtstagserfahrung in Finnland 😀

Unberührte Natur genießen und ganz viele Fotos machen“, war einer der Punkte auf meiner ToDo-Liste für Finnland, die eine meiner Freundinnen geschrieben hatte. Das habe ich am letzten Wochenende besonders gemacht. Schon am Morgen war super schönes Wetter und deshalb beschloss ich gleich als erstes nach dem Frühstück einen ausgedehnten Spaziergang mit dem Hund zu machen. Ich hatte auf der Karte einen etwas größeren Park entdeckt, in dem wir dann spazieren gingen. Glücklicherweise hatte ich diesmal nicht meine Kamera vergessen, denn der Park war wie gemalt. Teiche mit Enten, überall schöne Birke, niedliche Brücken, über die man an das andere Ende der Teiche gelangen konnte und jede Menge bunte Blumen an jeder Ecke. Finnland, wie man es sich wünscht! <3 Aus meinen geplant 45 Minuten wurden letztendlich 2 Stunden und ich konnte wunderschöne Fotos machen und einfach so richtig Finnlands Natur genießen. Als ich mir im Nachhinein Fotos angesehen habe, ist mir klar geworden, dass man gar nicht immer nur auf die großen Dinge achten muss. Es reichen kleine Dinge, die dich glücklich machen können, auch wenn man sie auf den ersten Blick gar nicht sehen kann und die sollte man genauso genießen!

Am Abend habe ich das gleiche dann nochmal gemacht und war schon wieder an die 2 Stunden mit dem Hund in dem Park spazieren. Ich weiß jetzt definitiv, dass das nicht das letzte Mal war, dass ich dort war! Viele können mich nicht verstehen, wenn ich erzähle, dass ich nur an einem Tag 11 Kilometer gelaufen bin und mir dabei nicht langweilig wird. „Wie? Du bist alles nur gelaufen? Wird das nicht langweilig, wenn man alleine ist? Spielst du nicht Pokemon Go oder so?“… Das war die Reaktion von manchen, die mich über mein Wochenende befragt haben 😀 Nein ich spiele kein Pokemon Go, ich weiß nur warum ich nach Finnland mit seiner unberührten und wunderschönen Natur gekommen bin und dass ich den Rest dieses Sommers hier noch in vollen Zügen genießen werde!

Und wie läufts so mit Finnisch?“ Eine oft gehörte Frage 😀 Anfangs hatte ich wirklich oft das Gefühl, dass ich die Sprache nie lernen werde, auch wenn ich in Deutschland schon einen Finnischkurs gemacht hatte. Zwar spreche ich momentan noch Englisch mit meiner Gastfamilie, aber mir ist aufgefallen, dass mein Finnisch definitiv besser ist als am Anfang! In der Schule verstehe ich schon viel und in den Unterhaltungen der Familie kann ich auch schon größtenteils die Zusammenhänge verstehen. Momentan bin ich gerade an einem Punkt angelangt, wo ich das Gefühl habe, dass es nicht mehr lange dauert, bis ich anfangen kann mit meiner Gastfamilie finnisch zu sprechen, beziehungsweise es zu versuchen… 🙂 Am besten klappt es mit dem Finnisch, dass mir meine kleine Gastschwester beibringt und ich habe dieses Wochenende schon zwei Unterhaltungen mit Fremden geführt, auf die ich stolz sein kann 😀 Heute fängt außerdem ein Finnischkurs an, der zwei Mal die Woche und bis Dezember geht und ich bin sehr gespannt, wie er mir weiterhelfen wird!

Das war erstmal alles von mir, bis zum nächsten Mal 🙂

Lena

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