Den här fika är verkligen lagom!

Hej!

Ich hatte heute meine Post-Arrival-Orientation in Stockholm und mir ist aufgefallen, dass ich jetzt schon eine ganze Weile hier bin… Man blinzelt und eine weitere Woche liegt hinter einem. Ich spreche mittlerweile Schwedisch ohne darüber nachzudenken, was den Alltag hier wahnsinnig erleichtert. Neulich bin ich bei der Suche nach der Übersetzung eines Zitates über einen netten Spruch gestolpert:

„Man sieht hieraus, wie viel es sagen will, eine Sprache ganz verstehen; es heißt, das Volk kennen, das sie spricht.“ (Georg Christoph Lichtenberg )

Dieses Zitat trifft voll und ganz auf meine Situation zu. Ich lerne die Sprache und die zugehörige Kultur gleichzeitig kennen. Und deswegen kommt jetzt zu Abwechslung nichts über die schwedische Sprache, sondern über die Schweden, ihr Land und ihre Kultur.

1)Lagom

Dieses Wort existiert in keiner mir bekannten Sprache, sondern muss immer umschreiben werden. Es ist nicht nur ein Merkmal der Sprache, es drückt einen Teil der schwedischen Kultur und Mentalität aus. Lagom bedeutet, dass etwas genau richtig ist. Genau richtig warm, kalt, groß, klein, was auch immer. Die Schweden haben es gerne „lagom“: Es wird viel von Meinungsbildung und Individualität gehalten, aber nur, solange sich das nicht zu extrem ausdrückt. Eigener Kleidungsstil ja, aber bitte in vernünftigen Grenzen. Politisch engagiert, gerne, aber nicht extremistisch. Dadurch mag man meinen, die Schweden haben keine eigene Meinung und sind wahnsinnig langweilig. Dabei tun sie ihre Meinung kund und setzten viel auf individuelle Stärken. Aber nur „lagom“.

2) Fika

Seit meinem ersten Tag hier habe ich schon so viel davon gehört, dass man meinen könnte, ganz Schweden macht den ganzen tag nichts anderes als „Fika“, übersetzt Kaffee und Kuchen. Aber nicht irgenwie Kaffe und Kuchen, es ist Fika und Teil des schwedischen Nationalstolzes, genauso wie das Königshaus, das Jedermannsrecht und ein paar andere Dinge. Die Schweden bezeichnen aber nicht nur das nachmittägliche Kaffetrinken als Fika, sondern so gut wie jede Zwischenmahlzeit: Da hier sehr früh zu Abend gegessen wird (16-18 Uhr), essen viele Schweden später am Abend noch eine Kleinigkeit, ein belegtes Brot oder Müsli. Das ganze heißt dann ebenfalls Fika.

3)Bullar

In Schweden gibt es gefühlte tausend verschiedene Dinge, die als „Bullar“ bezeichnet werden. Angefangen bei den weltberühmten IKEA-Köttbullar (Fleischbällchen), erstreckt sich dieser Begriff auf alle essbaren Dinge, die annähernd rund sind: Chokladbullar (Schokobällchen), Kanelbullar (Zimtwecken), Fiskbullar (Fischbällchen), Potatisbullar (Kartoffelbällchen), Kardamumbullar (Kardamomschnecken), …

Ich bin noch nicht in die Tiefen des Bullarreiches vorgedrungen, aber ich bin schon gespannt was ich dort noch entdecken werde.

4)Du-Reform

Die Schweden sind bekannt dafür, dass sie verschlossen und kühl gegenüber Fremden sind. Man mag das zu Anfang nicht glauben, weil alle sehr freundlich mit einem umgehen, aber oft muss man aktiv auf die Leute zugehen, um ein Gespräch zu starten und es ist schwer, aus dem Smalltalk herauszukommen. Es dauert, bis sich richtige Freundschaften entwickeln. Trotz allem ist Schweden eines der wenigen Länder, in dem man sich fast ausschließlich Duzt und beim Vornamen nennt. Das ist noch nicht allzu lange so: in den 1960ern und 70ern fingen Mitarbeiter eine Behörde an, sich zu duzen. Daraufhin verbreitete sich diese Idee über die Medien und nach und nach duzte man wirklich alle, abgesehen vielleicht vom König. Ich frage mich, ob so was auch in Deutschland möglich wäre…

5) Jedermannsrecht

Dieses Recht ist wirklich eine Errungenschaft, von der sich andere Länder eine Scheibe abschneiden könnten. Es besagt, dass jeder sich frei in der Natur und auf allen Privatgrundstücken mit Ausnahme von Gärten bewegen darf und tun und lassen kann, was er oder sie will, solange dabei nichts zerstört wird, man vorsichtig ist und keine Spuren im Sinne von Müll und Co. hinterlässt. Dadurch eröffnet sich ein breites Feld an Möglichkeiten, im Wald zu wandern, zu campen und eine meiner Lieblingssportarten zu treiben: Orienteering.

Für alle, die nicht wissen was das ist: Man hat ein großes Waldgebiet mit Kontrollen. Mithilfe einer Karte und einem Kompass versucht man, in einer bestimmten Zeit so viele wie möglich zu finden. Eine tolle Kombi aus Gehirnjogging, Ausdauersport und der Fähigkeit, Karten zu lesen und auf die Wirklichkeit zu übertragen.

6) Essen

Die Schweden essen in der Regel sehr früh. In der Schule esse ich meistens um elf Uhr zu Mittag, anders als in Deutschland um 13 Uhr. Wenn meine Klasse erst um 12:30 „Lunch“ hat, finden das alle voll spät. Abendessen gibt es auch wesentlich früher, zwischen 17 und 19 Uhr. Dementsprechend arbeiten die meisten hier nur bis fünf… Zum Frühstück gibt es bei mir in der Familie Brot oder Müsli, nichts großes. Mittagessen und Abendessen sind warm. Außerdem gibt es fast immer Fleisch. Hier wird mir erst richtig bewusst, wie oft wir Brot in Deutschland essen. Zweimal am Tag. Und immer frisch vom Bäcker. Hier machen sehr viele ihr Brot selber und frieren es dann ein. Bäckereien habe ich bisher nur ein oder zwei gesehen. Das Brot hier ist auch sehr eigen: Häufig wird es mit Sirup und Kümmel gemacht. Klingt nach einer seltsamen Mischung? War es am Anfang auch für mich. Aber man gewöhnt sich an alles…

7) Lördagsgodis

Während ich das hier schreibe, esse ich welche: Godis, auf deutsch Süßigkeiten. Aber nicht irgendwelche: In Schweden wurde vor einiger Zeit eine Kampagne zur Verbesserung der schwedischen Zähne durchgeführt: Man solle nur noch einmal in der Woche Süßigkeiten essen, am Samstag, auf schwedisch Lördag. Das Ganze war ziemlich erfolgreich, schließlich kaufen bis heute die meisten Schweden ihr Süßzeug am Samstag. Auch wenn sie es dann unter der Woche essen. So wie ich gerade.

 

Ich entdecke jeden Tag mehr und wenn ich wieder ein paar Dinge beisammen habe, folgt garantiert eine Fortsetzung!