Ski und gemütliche Abende

Aaaaaah, wo geht eigentlich die Zeit hin? Es scheint, als hätte ich den letzten Beitrag gestern und nicht vor einem Monat geschrieben. Nach ein paar wunderschönen, aber stressigen Wochen sitze ich jetzt mal wieder mit einer seeehr verschmusten Katze auf dem Sofa und ärgere mich darüber, dass es draußen schneit. Ja, schneit. Aber dummerweise bleibt der Schnee nicht liegen, sondern kühlt alles wieder so stark ab, dass man sich wie Anfang Januar fühlt. Dabei hatten wir letzte Woche sogar mal zwölf grad…

Ja, der Frühling hier lässt sich Zeit. Nichts desto Totz haben wir in der Schule wieder voll durchgestartet. Letzte Woche hatten wir ein Zeitungsprojekt, wo wir in zwei Gruppen jeweils eine Zeitung gemacht haben. Das war viel Arbeit, hat aber wirklich Spaß gemacht, weil das gesamte Team zusammengearbeitet hat. Ansonsten hat sich meine Klasse auch anderweitig in Teamwork geübt: Wenn die dritte Klasse ihren Abschluss macht, spielen die Musik-Zweitklässler an meinem Gymnasium auf deren „Gubbskiva“, das ist wie ein Abiball. Um uns darauf vorzubereiten, haben wir mit dem Jugendcenter in meiner Stadt ein Übekonzert auf die Beine gestellt. Seit den Fashingsferien haben wir deshalb fast jeden Tag nach der Schule zusammen geprobt. Und es hat sich definitiv gelohnt! Das Konzert war der Hammer und die paar Fehler sind bis zum großen Auftritt im Juni auf der „Gubbskiva“ sicher ausgebügelt.

In den Faschingsferien war ich mit meiner Gastfamilie in Sälen zum Skifahren. Sälen liegt mitten im schwedischen „Fjällen“ an der Grenze zu Norwegen, nördlich von Stockholm. Die Skanden, wie das Gebirge heißt, gehören zu den älteren Gebirgen auf der Erde, wohingegen die Alpen und der Himalaya sehr jung sind. Deswegen ähnelt das Gebirge mehr einem Plateau mit sanften Wellen anstelle von zackigen Bergen und schmalen Tälern. Die Gletscher der letzten Eiszeit haben die Felsen so sehr geschliffen, dass ich aus Süddeutschland erst einmal nicht glauben konnte, dass man das hier als Berge bezeichnet. Die Pisten im Skigebiet Sälen sind deswegen sehr kurz und nicht sehr steil, ideal für Anfänger. Hier gibt es zusätzlich den Pistentyp „grün“ vor blau, rot und schwarz, wo man oft nicht einmal bemerkt, dass es bergab geht. Die schwarzen Pisten dagegen sind eher rot… Tja, gegen die Alpen ist Sälen allenfalls ein netter Versuch. Aber gut besucht ist der Skiort trotzdem, nicht zuletzt wegen der ausgezeichneten Langlaufrouten, die kreuz und quer durch die Winterlandschaft führen.

Langlauf bringt mich auf mein nächstes Thema: In Schweden findet jedes Jahr der sogenannte „Vasalauf“ statt, ein Langlaufrennen von Sälen nach Mora. Seinen Ursprung hat der weltberühmte Lauf in der Flucht des Königs Gustaf Vasa von Mora nach Sälen, als die Dänen Schweden eroberten. Dänemark hat Schweden verlassen und die Familie Vasa wurde von der Familie Bernadotte abgelöst, aber der Vasalauf ist geblieben und ein großes Event in Schweden. 90 kilometer bezwingen die über 15 000 Teilnehmer, die schnellsten in ungefähr 3,5 Stunden. Auf dem Weg gibt es Kontrollen, wo den Teilnehmern eine Stärkung angeboten wird: Blaubeersuppe. Warm, süß, energiereich und flüssig. Die perfekte Kombination, und das schon seit über hundert Jahren. Hier heißt es, dass jeder mindestens einmal im Leben den Vasalauf laufen muss. Ja, die Schweden sind sportlich. Und sie lieben Blaubeersuppe. Dieses Jahr hat mein Gastbruder am Vasalauf teilgenommen und die Strecke in ungefähr acht Stunden geschafft. Der Sieger kam nach etwas mehr als vier Stunden ins Ziel.

Ein weiteres großes Event in Schweden ist das „Melodifestivalen“, die Vorrunde für den Eurovision Song Contest. Hier wird der Song für Schweden gewählt. Der Wettbewerb ist extrem populär in Schweden, wird aber auch in andere Länder ausgestrahlt. Das Auswahlverfahren streckt sich über mehrere Wochen, die Schweden mögen nämlich Castingshows, wo immer nur einer auf einmal rausfliegt. Dieses Jahr bekam der Wettbewerb mehr Stimmen als je zuvor, mit einer größeren Wahlbeteiligung als in der letzten Regierungswahl. Erschreckend, aber wahr.

Eine andere Sache, die sich an Fernsehen koppeln lässt, ist eine seeeehr wichtige schwedische Tradition, die allerdings noch nicht allzu alt ist: Fredagsmys, auf Deutsch Freitagsgemütlichkeit. Gemeint ist, dass die ganze Familie einen schönen Wochenabschluss hat. Normal bedeutet das, dass man sich mit Chips und Co. auf dem Sofa einrichtet und gemeinsam Filme oder Fernsehen schaut. Außerdem haben die meisten Familien ein traditionelles Freitagsgericht, Pizza oder mexikanische Tacos.

So, ich mach jetzt mal die Fredagsmys zur Lördags (Samstags-) mys, setze mich mit einer Tasse Tee aufs Sofa und lese ein schönes Buch (zur Zeit der Hundertjährige von Jonas Jonasson, allerdings auf der Originalsprache Schwedisch).

Hej så länge!