Schule

Aber erst einmal noch eine Woche Ferien. Da ich hier noch niemanden kannte und auch noch nicht alleine Metro oder Bus fahren durfte, bedeutete das hauptsaechlich Langeweile. Den Großteil meiner Zeit habe ich also alleine zuhause verbracht und versucht, mir die türkische Grammatik ein wenig naeher zu bringen. Ein bisschen Abwechslung gab es aber schon, wie zum Beispiel ein Treffen mit den YFU-Freiwilligen, die in Ankara leben (und fast alle ihr Auslandsjahr in Deutschland verbracht haben) oder der „Besuch“ verschiedenster Ministerien. Der Tag, an dem wir die ganzen Formalien erfüllen mussten war wahrscheinlich bisher einer der eindrucksvollsten hier. Nur so viel: nachdem wir (mein Gastvater und ich) an fünf verschiedenen Orten weggeschickt und auf eine andere zustaendige Stelle verwiesen worden, um dann schlussendlich in einem überfüllten kelleraehnlichen Raum, durch den fröhlich zwitschern zwei Wellensittiche flogen, rauszukommen, kann ich nur noch über Menschen laecheln, die über die Arbeit in deutschen Ministerien schimpfen 😉 Naja, das Formular das ich brauchte habe ich jedenfalls bekommen.
An den Wochenenden besuchen wir meistens irgendwelche Verwandte oder Bekannte. Davon gibt es unglaublich viele, und bei allen bekommt man Çay, etwas zu essen und ein Fotoalbum in die Hand gedrückt, um sich noch mehr Familienmitglieder anzuschauen.

Nachdem die Ferienwoche überstanden war, begann am Montag die Schule. İch besuche ein Anadolu Lisesi, das heißt eine Schule für die neunte bis zwölfte Klasse. İch gehe in die zehnte, obwohl ich die letztes Jahr in Deutschland schon gemacht habe, aber in der elften und zwölften Klasse sind alle Schüler so sehr mit der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung (oder Aufnahmeprüfung für die Uni, ich weiß es nicht genau) beschaeftigt, dass es dort sehr schwer geworden waere, Freunde zu finden. Die Leute in meiner Klasse sind alles sehr nett und interessiert, auch wenn ich nicht ganz sicher bin, ob sie verstanden haben, warum ich hier bin. Auf jeden Fall versuchen alle, sich, soweit es ihre Englischkenntnisse zulassen, mit mir zu unterhalten, und naja, ein bisschen Türkisch verstehe ich ja auch. Außer den in Deutschland üblichen Faechern habe ich hier jetzt Türkische Literatur, Deutsch als Fremdsprache, Psychologie, Geometrie (zusaetzlich zu Mathe), İslamische Religion und Kultur und noch ein zwei Faecher, bei denen ich noch nicht genau weiß, was sie sein sollen. Momentan ist der Unterricht noch recht entspannt, was heißen soll, dass wir eigentlich nichts machen. Der Lehrer ist zwar da, geht aber nur durch die Reihen und schaut zu, wie sich die Schüler so die Zeit vertreiben. İch hoffe und glaube, dass sich das in den naechsten Wochen aber aendern wird.

Bis bald und viele Grüße
Lena