Auch ich melde mich mal wieder – Weihnachten, die Sprache und das Wetter

Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, wie lange ich hier schon nichtsmehr geschrieben habe! Es tut mir sehr leid, ich hoffe, man vergibt mir, in nächster Zeit kommt mehr, versprochen!
Hier also nun mal wieder ein Bericht über die Themen und Ereignisse der letzten Monate:

Weihnachten und Silvester
Es ist wirklich schon eine ganze Weile her, aber da es vielleicht einige interessiert, möchte ich trotzdem davon berichten:
Wie man sich vielleicht denken kann, spielt Weihnachten in der Türkei keine große bzw. gar keine Rolle, obwohl das erstmal ganz anders scheint:
Schon ab Ende November wurden Malls, Cafés und auch unsere Wohnung mit (Plastik)Tannenbäumen, Lichterketten, Weihnachtssternen, und sogar Weihnachtsmännern und Rentieren dekoriert, und überall lief Weihnachtsmusik. Dies alles geschah aber keineswegs in Vorbereitung auf den 24., sondern auf den 31. Dezember. Silvester wird hier nämlich ungefähr so gefeiert, wie Weihnachten bei uns. Den ganzen Dezember über gibt es Neujahrsfeiern (was wahrscheinlich etwas komisch klingt, aber wir in Deutschland feiern doch auch nicht nur an den eigentlichen Weihnachtstagen!), und am Abend des 31. feiern die meisten Türken dann mit der Familie zusammen und tauschen kleine Geschenke aus.
Der 24.12. war bzw. ist hier also ein Tag wie jeder andere, und ich musste, wie alle anderen auch, zur Schule gehen. Das war ein recht komisches Gefühl, denn allen meinen Klassenkameraden war es (natürlich) total egal, dass es sich um einen der wichtigsten christlichen Feiertage handelt, und ich war mit meiner sich immer wieder anbahnenden Festtagsstimmung alleine. Nach der Schule sollte sich das aber ändern, denn ich bin zu einer anderen Austauschschülerin gefahren, um mit ihr und ihrer Gastfamilie ein wenig zu feiern. Wir hatten einen sehr sehr schönen Abend mit Plätzchen aus Deutschland und Loriot, und es gab sogar Geschenke. Am nächsten Tag haben wir die Schule dann ausnahmsweise mal Schule sein lassen und sind zur deutschen Botschaft zu einem Weihnachtsgottesdienst gefahren. Das war wunderbar und hat sich angefühlt wie ein Kurztrip nachhause. Alles in allem hatte ich also ein wirklich gelungenes Weihnachtsfest, und der gefürchtete Heimwehhöhepunkt ist nicht eingetreten.

Die Sprache
Als erstes mal: Türkisch ist anders als Deutsch. Das war ja von Anfang an klar.
Es handelt sich um eine agglutinierende Sprache, was bedeutet, dass sehr viel durch Suffixe ausgedrückt wird. Wenn ich also zum Beispiel sagen möchte „Ich bin in der Schule.“, sage ich auf Türkisch „Schule-in-ichbin“, „Okuldayım“. Man kann also ganze Sätze in einem Wort ausdrücken, was den türkischen Satzbau aber natürlich ungefähr zum Gegenteil des deutschen macht. Am Anfang war das ein wenig ungewohnt und verwirrend, vor allem weil Türken allgemein recht schnell sprechen und es da schon mal zur Herausforderung wird, das eigentliche Wort unter den ganzen Anhängseln zu erkennen, aber inzwischen komme ich ganz gut klar. Ich spreche zwar noch lange nicht fließend, und verstehen ist immer noch ziemlich schwer, aber ich bekomme eigentlich immer mit, worum es geht, und kann mich in jeder Situation verständigen.

Was ist sonst noch so passiert?
Leider gar nicht so viel. Den Großteil meiner Zeit verbringe ich, wie gesagt, in der Schule. Dort versuche ich in manchen Fächern, wie Psychologie, Geschichte oder Türkisch zuzuhören und ein bisschen zu verstehen, in anderen lese ich, schreibe Tagebuch, oder versuche mich aufzuraffen, Türkisch zu lernen. Nachmittags und an den Wochenenden treffe ich mich meistens mit den anderen Austauschschülern, da meine türkische Klasse eigentlich immer lernen oder Hausaufgaben machen muss. Zusammen haben wir aber zıemlıch viel Spaß, beim Kaffeetrinken und Ankara erkunden, und die Leute, wie auch die Stadt, sind mir inzwischen richtig ans Herz gewachsen.
Vor einem Monat, während der Halbjahresferien, war außerdem das Midterm, also das YFU Mittelseminar. Es war sehr schön, die anderen mal wieder zu sehen und von ihren Erfahrungen zu hören, nur leider viel zu kurz! Trotzdem, und wider aller Zweifel, bin ich seitdem irgendwie wieder motivierter und positiver als vorher.
Oh, außerdem war ich endlich mal im Theater! Es unterscheidet sich nicht großartig vom deutschen, nur dass es wesentlich billiger ist (ein Schülerticket kostet 6TL (2€)). Ich habe ‚Die drei Schwestern‘ und ‚Die Möwe‘ gesehen (hier war gerade eine Tschechow-Woche), aber da meine neue Gastfamilie genauso theaterverrückt ist wie ich, wird es garantiert nicht das letzte Mal gewesen sein.

Der allgemeine Gemütszustand
Mir geht es gut! Nach einigem Hinundhergewechsle wohne ich nun in meiner vierten Gastfamilie, und ich fühle mich sehr sehr wohl dort und bin glücklich, hier zu sein. Ich habe jetzt zwei Gastbrüder, mit denen ich mich gut verstehe und wohne ziemlich zentrumsnah, was sehr schön ist. Der Weg zu Schule jeden Tag kommt mir zwar ein bisschen wie eine halbe Thüringenrundfahrt vor, aber so schlimm ist es eigentlich gar nicht und wenn ich mich an eins gewöhnt habe, dann ist das an die langen Wege, die hier zum Alltag gehören.
Die letzte Zeit war sehr schwierig, aber jetzt, da ich ,aus dem Gröbsten raus‘ bin, fühle ich mich wie ein anderer Mensch als noch vor einem halben Jahr. Ich fühle mich nicht nur viel älter, sondern kommt es mir auch so vor, als hätten sich viele meiner früheren Prioritäten und Ansichten durch diesen Perspektivenwechsel verändert.
Jetzt bin ich sehr gespannt, was noch so auf mich zukommt. Es ist bemerkenswert, wie viel schneller die Zeit vergeht, seit die Hälfte rum ist. Die vier Wochen seit unserem Bergfest Ende Januar sind wie im Flug vergangen, was heißt, dass ich mich ein bisschen ranhalten muss, um alles zu schaffen, was ich mir vorgenommen habe. Ich hoffe, bald noch ein paar andere Ecken der Türkei sehen zu können und der türkischen Sprache noch ein bisschen mächtiger zu werden. Außerdem muss ich unbedingt noch ein paar türkische Gerichte kochen lernen, nicht zuletzt um damit dann in Deutschland angeben zu können 🙂

Und nun zum wichtigsten aller Themen – Das Wetter
Der lange und schneereiche ankaraner Winter, den mir alle versprochen hatten, ist leider nicht eingetreten. Es war zwar eine Weile recht kalt, aber jetzt steigen die Temperaturen auch schon wieder seit ein paar Wochen, und es ist teilweise so warm, dass man nur in Stickjacke draußen die Sonne genießen kann. Das einzige, was momentan vorsichtig andeutet, dass wir noch nicht Frühsommer haben, sondern dass es sich lediglich um Ende Februar handelt, sind der für die Region eigentlich unübliche Regen, der die Sonnenstrahlen unterbricht und überall ein herrliches -Land-Unter-Feeling auslöst.
Wahrscheinlich ist es aber auch besser, dass der große Schnee ausgeblieben ist, das eine Mal das es hier nämlich geschneit hat, hat sich der Verkehr, der sowieso schon gewöhnungsbedürftig ist, in ein heilloses Chaos verwandelt, ab Einbruch der Dunkelheit (also so gegen 16:30 Uhr) ging gar nichts mehr und die Bevölkerung Ankaras schien restlos überfordert. Meine Laune hat das bisschen Weiß aber unsagbar gehoben.
Ich hoffe, die Wissbegierde aller derer, die sich immer wieder hoch interessiert nach dem Wetter hier erkunden, ist nun erstmal gestillt 😉

Alles Gute und viele Grüße
Lena