Menschen auf einer Welt

สวัสดีค่ะเพื่อนๆ

Zuerst: bitte entschuldigt meine Verspaetung, diesmal habe ich mir tatsaechlich sehr viel Zeit gelassen mit meinem neuen Eintrag. Und gleich zunaechst: diesmal wird mein neuer Eintrag anders als die vorherigen sein. Diesmal moechte ich nicht wie sonst von zu wenigen der vielen unglaublichen Geschehnisse hier erzaehlen und an tausend Stellen darauf hinweisen, wie sehr sich mein deutsches und mein thailaendisches Zuhause doch voneinander unterscheiden. Selbstverstaendlich ist es immer einfacher, Differenzen und Verschiedenheiten zu entdecken, so etwas hebt sich nun mal viel leichter vom restlichen Umfeld ab. Und doch werde ich das Gefuehl nicht los, die Welt wuerde immer kleiner, je laenger ich hier in Thailand lebe, die Unterschiede sind zwar noch immer da, aber mir fallen viel haeufiger Gemeinsamkeiten ins Auge zwischen diesen beiden Laendern, beiden Heimaten.

Ehe ich an dieser Stelle fortfahre, wuerde ich euch bitten, euch noch ein paar Minuten Zeit zu nehmen und diesen Erfahrungsbericht von Fabio durchzulesen, der sein Austauschjahr in der Tuerkei verbracht hat. Fabio erzaehlt vom Cay, der in seinem Gastland die Verbindung zwischen verschiedensten Leuten aus verschiedensten Gegenden mit den verschiedensten Hintergruenden darstellt. Und er wirft Fragen auf, ueber die man einige Zeit nachdenken kann (und es meiner Meinung nach definitiv einmal tun sollte). Wir sind alle “Menschen auf einer Welt” und doch fehlt es haeufig an Verstaendnis fuereinander; wir sind zu unterschiedlich, um uns mit jedem zu verstehen, aber viele sinnlose Auseinandersetzungen liessen sich mit einer kleinen Prise Offenheit und dem Bewusstsein, dass wir eben alle zusammen Menschen und Erdenbuerger sind, sicher vermeiden.

Ich habe Fabios Bericht zum Anlass genommen, mich einfach mit Leuten aus Deutschland und Thailand ueber diese Dinge zu unterhalten. Ueber kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten, den Cay in der Tuerkei und den Reis in Thailand, was einen Menschen zum Menschen macht. Und mit der Einverstaendnis dieser Personen werde ich im Laufe der Zeit ihre Gedanken zu diesen Themen in diesem Beitrag veroeffentlichen.

(An alle Austauschschueler: falls ihr Zeit und Lust habt, meldet euch einfach und macht mit, ich wuerde mich sehr freuen, wenn das hier zu einem Gemeinschaftsprojekt werden koennte.)

 

 

 

„Was uns verbindet ist das, was uns unterscheidet. Kein Mensch auf der Welt gleicht einem anderen, wir sind alle wir selbst, niemand ist ‚duer‘ als du. Es ist schon ein Wunder, dass jeder einzigartig ist, und eigentlich werde ich jeden Tag daran erinnert, allein, wenn ich einem Fremden auf der Strasse begegne. Ich meine, haettest du dir vorstellen koennen, dass es genau diese Person, mit genau diesen Eigenschaften, die ganz genau so aussieht, gibt?“

(Fah aus Thailand)

 

 

„Ich glaube, was uns alle als Spezies ‚Mensch‘ miteinander verbindet, ist der Trieb zu ueberleben, um unsere Gene an andere Generationen weiterzugeben. Das ist eine sehr biologische Haltung, aber ich habe in meinem Beruf als Arzt viel mit Biologie zu tun. Wann immer ich eine schwangere Frau in der Notaufnahme meines Krankenhauses sehe, mache ich den zugegeben etwas zynischen Witz, Schwangerschaft sei der biologische Imperativ unserer DNA. Wenn man bedenkt, dass sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten versuchen, zu ueberleben, liefert mir das eine Erklaerung fuer all die Gewalt und den Krieg, den wir in dieser Welt mitansehen. Es faellt mir schwerer, etwas Kulturelles zu finden, dass allen Menschen gemeinsam ist, und vielleicht liegt das daran, dass ich Amerikaner bin. In Amerika existieren viele verschiedene Kulturen nebeneinander in einem Land, die sich zwar gerne vermischen und gegenseitig beeinflussen, aber auch nicht immer der gleichen Meinung sind. Wenn ich in einem Land mit mehr kultureller Eintracht und Homogenitaet leben wuerde, haette ich vielleicht eher eine Neigung zu einer Art ‚kulturellem Kleber‘.

Ansonsten halte ich die Suche nach Ideen, die aus unserer Welt einen besseren Ort machen koennten, fuer das erbaulichste gemeinsame Ziel in der weltweiten Gesellschaft. Wir als Menschen formen und teilen unsere Ideen miteinander, das duerfte wohl das typischste Kennzeichen unseres Wesens sein. Dieser Suche nach Ideen habe ich auch meine relativ optimistische Einstellung gegenueber uns Menschen und der Welt, die wir bewohnen, zu verdanken.“

(Paul aus den USA)

 

 

„Es gibt bestimmte Dinge, Gesten, Gewohnheiten, etc., die fast allen Menschen zu eigen sind oder zumindest von fast allen verstanden werden. Das beste Beispiel dafür ist wohl das Laecheln: Egal wo auf der Welt man ist, jeder versteht es. (Wir haben mit der Zeit auch einige andere Moeglichkeiten entwickelt, miteinander zu kommunizieren, allen voran Sprache und Schrift. Doch das Problem bei allen diesen Kommunikationsmitteln ist, dass sie missverstanden werden koennen… aber dieser Gedanke fuehrt jetzt nicht weiter. Wieder zu dem Verhalten, das Menschen miteinander verbindet – und zugleich auch voneinander trennt.) Aber all diese Dinge sind fuer mich lediglich Zeichen, Indizien, die auf eine Verbindung hinweisen, eine gemeinsame Vergangenheit, vielleicht auch eine gemeinsame Zukunft.

Das Problem ist nun, dass:
a.) sich nicht alle Menschen darüber im Klaren sind, wie viel sie mit anderen Menschen gemeinsam haben.
b.) es manche Menschen vielleicht auch gar nicht wahr haben wollen bzw. nicht ueber solche Dinge nachdenken und es ihnen egal ist. Punkt a.) steht dabei in direkter Verbingung zu Punkt b.)
c.) ich der Überzeugung bin, dass es immer zwei Ebenen gibt: einmal die private, persoenliche Ebene und dann die oeffentliche, weltweite Ebene, in der Kriege gefuehrt, Wirtschaftssanktionen verhaengt und weitreichende, diplomatische Gespraeche gefuehrt werden. Warum das so ist, kann ich auch nicht genau sagen, aber die Gemeinsamkeiten scheinen sich in vielen Punkten auf die persoenliche Ebene zu beschraenken. Auf der oeffentlichen Ebene spielen viel eher die Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppierungen eine Rolle sowie ihre eigenen Vorteile und Ziele, denn nur so kann sich die Gruppierung erhalten.
d.) Menschen eine Prioritaetenliste haben (auch das gehört für mich zum Mensch-Sein dazu: eine eigene Meinung haben, gleichgueltig davon, wie gut oder schlecht sie begruendet ist), die (zugegebenermassen verstaendlicherweise) meist vom eigenen Leben, den eigenen Freunden und Verwandten, dem eigenen Umfeld, … dominiert wird. Eine billige Schokolade ist meist wichtiger als die armen Kinder in Afrika. Es gibt sicher auch noblere Beispiele, aber die kann man sich dazudenken.

Und vor allem diese letzte Eigenschaft ist es, die Menschen miteinander verbindet, aber genauso schnell auch wieder Welten zwischen sie bringen kann: Wenn diese Verbindung dir wichtig ist, kannst du sie weiter staerken. Sie ist immer da, aber es liegt an dir, sie zu pflegen. Und ebenso liegt es in deiner Hand, deine eigenen Wuensche und Begierden an erste Stelle zu setzen oder dein Leben auch einfach bequem vor dich hin zu leben, als die Verbindung zu anderen Menschen zu pflegen.

Diese Freiheit, Entscheidungen zu treffen, eine eigene Meinung zu haben, dass ist es, was (fuer mich zumindest), einen Menschen zum Menschen macht. Und das gibt ein großes Potential, zum Guten wie zum Schlechten.“

(Katharina aus Deutschland)

 

 

An dieser Stelle noch einmal ein riesengrosses Dankeschoen an alle, die sich Zeit hierfuer genommen haben. Und auch danke an euch Leser. Vielleicht stoesst das hier ja den einen oder anderen zum Nachdenken an. 🙂

Lieben Gruss,

Lea