Eine Stadt, die wohl nie schlafen geht

สวัสดีค่ะ

Ihr kennt doch die Redensart von der „dicken Luft“ – mittlerweile hab ich das auf Tatsachen uebertragen koennen. Letzten Dienstag ist unsere Gruppe deutscher Austauschschueler in Bangkok, nein, Krung Thep (im Folgenden nur noch „Krung Thep Mahanakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Yuthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udomratchaniwet Mahasathan Amon Piman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit“ genannt 😉 ) aus dem Flieger gestiegen. Generell war die Luft erst mal nur durchzuckt von Blitzen nervoeser Aufregung und freudiger Erwartung, endlich hier zu sein – doch als wir durch die Tueren hinaus auf den Parkplatz traten, lastete die heissfeuchte Luft Thailands doch schwer auf unseren Schultern.

Zusammen mit vier weiteren YFU-Austauschschuelern aus Finnland, Schweden und Lettland schlaengelten wir uns in zwei hoffnungslos ueberfuellten, mit Blumenketten und kleinen Buddhafiguren geschmueckten Autobussen durch den Rechtsverkehr Bangkoks zu unserer Unterkunft fuer die bevorstehende „Orientation Week“. Nach etwa eineinhalb Stunden hatten wir besagtes Hotel erreicht, wo wir in der Mittagshitze mit Softdrinks und Lunchboxes von KFC ausgestattet wurden. Das Hotel war… super, eine bessere Beschreibung faellt mir jetzt nicht ein: es gefiel uns hier allen sehr, sehr gut (und die Pools trugen zur allgemeinen guten Laune natuerlich nur bei, der Jetlag war schnell vergessen). Einzig und allein KFC tanzte ein wenig aus der Reihe 🙂

Den Nachmittag durften wir ganz nach unseren Wuenschen gestalten, und es gab ungewohnt frueh wieder Abendessen: das erste Mal Thaifood. Dabei wurden wir auch gleichzeitig in den „Thai Way of Eating“ eingewiesen – Gabel in die linke und Loeffel in die rechte Hand, Essen in die Mitte des Tischs, jeder nimmt sich vom Reis und den Beilagen, was er gern mag. อร่อยค่ะ

Das Fruehstueck am darauffolgenden Morgen war dann doch einigermassen neu fuer die meisten. Neben Toast und Muesli gab es auch Reis und gebratenes Gemuese oder Fleisch sowie Thai-Omelett. Ich habe auch ein interessant wirkendes Getraenk (das mit „Guave“ bezeichnet war) probiert – und hab mich nach dem ersten Schluck sehr… zuckergeflasht gefuehlt. Dieser Saft war sehr, sehr, sehr suess, und mit Wasser verduennt etwas sehr Feines. Und Thai Tea ist eine Spezialitaet fuer sich: man mixt Tee und etwas, das ein bisschen an Vanillepudding erinnert – tadaa. Auch suess, und ich liebe es.

Die Tage fuellten sich mit Meetings, in denen ueber verschiedene das Austauschjahr betreffende Dinge gesprochen wurde. Eins davon war Sprache – und wir bekamen glatt ein Buch „Thai Language is Easy“ ausgehaendigt (easy? … aehm… na ja, noch nicht ^^). Ich mag hier jetzt keinen kuenftigen Austauschschueler spoilern und werd daher nicht naeher auf den konkreten Inhalt der Meetings eingehen, aber eines sei gesagt: die Meetings sind echt informativ, nuetzlich und lustig. Lasst euch ueberraschen. ^^

Stattdessen koennte ich schon wieder vom Essen erzaehlen, und zwar vom Mittagessen am Mittwoch – der langsam immer vertrautere Reis und neue Beilagen, wie beispielsweise Curry. Die Nachspeise war sehr interessant, eine warme Kokosnussmilchsuppe (selbstverstaendlich suess ^^) mit so bisschen schleimigen, bunten Kugeln drin, etwa wie die in Bubbletea, aber doch nicht ganz. Was genau das dann war, konnte uns zwar kein einziger Kellner erklaeren xD aber es hat trotzdem sehr gut geschmeckt.

Donnerstag hiess es „frueh aufstehen“, denn um sieben ging der Bus ins Learning Center. Wir waren mitten im Traffic von Bangkok unterwegs, und waehrend wir so dahinschlichen, erklaerte uns Phee-Pop (einer unserer YFU-Betreuer), es gaebe eine einfache Faustregel fuer arbeitende Leute: wer um acht in der Arbeit sein will, faehrt um fuenf los – und fruehstueckt im Auto. In Bangkok scheint staendig jemandauf den Beinen zu sein (zu diesem Schluss sind meine Zimmergenossin und ich jedenfalls gekommen, als wir mitten in der Nacht von einem lauten Geraeusch geweckt wurden, das Gaertner gerade im Hof des Hotels mit ihren Maschinen fabrizierten).

Auch vom Learning-Center wuerde ich gern mehr berichten, weil es mir dort sehr gefallen hat, aber auch hier will ich niemand im Voraus etwas erzaehlen. ^^ Eins war aber doch erwaehnenswert. Jedes vertretene Land sollte einen oder zwei Aspekte seiner Kultur vorstellen, und der lettische Austauschschueler hatte seinen Vortrag mit „Architecture“ betitelt. Letzten Endes ging es aber dann doch um Drogen und ein Satz wurde dabei mehrfach wiederholt: „They take the drugs and then they die.“ Das eiskalte „and then they die“ in Kombination mit einem unglaublich ernsten Gesichtsausdruck sorgte jedes Mal fuer Lachen und wurde zu einer Art Dauerbrenner fuer die kommenden Tage.

Am spaeten Nachmittag stand uns noch der Besuch eines laut Phee-Pop „kleinen“ Departmentstores bevor; man kaufte allerlei wichtige Dinge in diesem riesigen Gebaeude und ging schliesslich in der Foodcourt gemeinsam Abend essen. Dies bot eine Gelegenheit, sein mehr oder minder weit entwickeltes Thai auszuprobieren. Scharfe Suppe fuer mich (lecker ^.^ mein Geschmackssinn ist doch toleranter als gedacht), andere bestellten sich Pad Thai, also ein typisch thailaendisches Nudelgericht, oder auch Reis mit Ananas, rosa Suppe oder auch die eine oder andere verrueckte Nachspeise. Die – erneut – sehr suess war, pink (!) und mit Kokosgelee. Ich hab so das Gefuehl, die Thais stehen auf bunt, suess und mit Kokos, zumindest im Bereich Desserts.

Am Samstag sollten wir dann alle unsere Gastfamilien kennenlernen, aber vor Samstag wartet ja bekanntlich der Freitag – mit einem Riesenprogramm. Oh, what a day was friday. „Allmorgentlicher“ Ablauf, um 7:15 hiess es jedoch ab in den Bus und quer durch die Stadt der Engel. Da war ich um einiges wacher als am Donnerstag und wurde mir der Motorraeder und -roller erschreckend bewusst, die sich da in halsbrecherischem Tempo und mehr als engen Kurven durch die (beinahe) stehenden Gefaehrte schlaengelten. An dem Punkt hab ich begriffen, warum YFU nicht will, dass in Bangkok jemand auf einem Motorroller mitfaehrt…

Wir stoppten an einem Anlegesteg direkt am Chao Praya, wo uns der Plan fuer den Vormittag vorgestellt wurde: ein Trip zum Grand Palace von Bangkok! Waehrend die Gruppe auf das Longtailboot wartete, gab es Gelegenheit, sich den Chao Praya mal genauer anzuschauen. Von riesigen Fischen mit abgeflachtem Maul, die dort im schwarzen Wasser auftauchten, bis hin zu den munter vorbeitreibenden Matratzen und Plastiktueten flirrte der Fluss nur so vor… Dingen. Gut, Fische und Schwimmpflanzen, aber auch haufenweise Muell. Nicht so schoen. Die Fahrt mit dem Longtailboot dafuer aber umso mehr – das Schiff haelt, wie ein Bus, immer wieder an verschiedenen Kais und man kann aussteigen, wo man will, oder aber verschiedene Bangkoker Sehenswuerdigkeiten vom Wasser aus beobachten.

Am Palast angelangt gab es ploetzlich Sinn, warum wir lange, „proper“ Hosen und das YFU-Shirt anziehen sollten: um ueberhaupt in den Grand Palace gelassen zu werden, musste man einem bestimmten Dresscode entsprechen. Neben dem Palast selbst durften wir auch unseren ersten Tempel besichtigen, in dessen Zentrum sich ein smaragdener Buddha befand. Das war – abgesehen von den vielen Geisterhaeuschen – mein erster und zugegeben sehr beeindruckender Kontakt mit Glauben in Thailand. Der Palast selbst war aehnlich luxurioes wie der Tempel, man durfte seine Schuhe jedoch anbehalten und konnte Kuenstler beim (nach-?) Malen eines Musters zusehen.

tempelwaechter

vor-dem-tempel-im-palast

Bislang war der Freitag jedoch der heisseste Tag, und in unserer Kleidung schwitzten wir schnell aus allen Poren. Wir kundschafteten noch den Wat Pho-Tempel mit dem Reclining Buddha aus und fotografierten einiges (inklusive Katzen im Schoss einer Buddhastatue oder auf einem Stein vor dem Tempel ^^), wurden wir noch Zeuge einer sehr umstaendlichen, aber gerechten Spendenaktion: Man liess 20 Baht in hundert 20 Satang-Muenzen wechseln und hat dann in hundert Schuesseln jeweils eine dieser Muenzen geworfen – und dann hatte jeder Moench ein Fuenftel Baht bekommen. Anschliessend begutachtete man den ruhenden Buddha und seine gemusterten Fussohlen, ehe man Phee-Pop in ein Restaurant folgte und sich das Mittagessen schmecken liess.

miezmiez-im-wat-pho

Am Nachmittag besuchten wir die kuenftige Schule einer Austauschschuelerin in unserem Kreis. Dort wurden wir herumgefuehrt, man zeigte uns ein Thaitanz-Theaterstueck (sehr beeindruckend – und etwas Aehnliches hab ich noch nie vorher gesehen) und wir bekamen Rambutan zu essen. Rambutan sieht bisschen aus wie ein Alienei, man isst es aber wie Litchi. Sehr lecker. ^^ Die Schule hatte auch einen riesigen Garten, wo die Schueler Kraetuer und Blumen anpflanzten, Fische hielten und Wasserbueffel grasen liessen. Riesengelaende fuer eine riesige Schule – sehr viel groesser als die, die ich in Deutschland besuche.

rambutan

Da der Rueckweg zum Hotel allerdings recht lang dauerte, verabschiedeten wir uns recht schnell wieder. An unserem letzten Abend gab es zum Abschied gruenes Thaicurrz und geeisten Thaitea und zum Abschluss gingen alle gemeinsam schwimmen. Am Samstag hiess es fuer alle, die mit dem Flugzeug in ihre Provinzen gelangen sollten, Abreise um sechs Uhr (also auch fuer mich). Die Orientation-Week hat mir sehr viel Spass gemacht, ich freu mich schon sehr auf das Midyearcamp. 🙂

Bis bald,
Lea