Weihnachten steht vor der Tür (und wartet bis man öffnet)!

Im Austauschjahr ist alles anders. Alles ist aufregend. Die Hochs sind höher und die Tiefs sind tiefer. Dennoch gibt es bei mir auch hin und wieder mal diese Tage, an denen nicht viel passiert: Ich gehe zur Schule, komme nach Hause, esse, mache Hausaufgaben, gammele ein bisschen rum. Oder diese Tage, an denen ich meinen Wecker ignorieren und einfach durchschlafen wollen würde. Am Ende lohnt es sich dann aber doch aufzustehen. Auch wenn nicht jeder Tag eine Achterbahnfahrt ist, gehören Überraschungen, schöne Momente und das Gefühl, darüber nachzudenken, wie verrückt es ist, dass man sich gerade in einem fremden Land in seinem Austauschjahr befindet, zum Alltag dazu.

Selbstverständlich gibt es auch in Deutschland keinen Tag an dem „nichts“ passiert. Aber die kleinen und großen Dinge, die ich hier in Rumänien in meinem Alltag erlebe, in Deutschland so wahrscheinlich nie erleben.

Zum Beispiel hatte mich mein Gastpapa am 30. November gefragt, ob ich die Pflanzen in meinem Zimmer schon gegossen hätte. Da ich das am Wochenende vorher noch nicht gemacht hatte, sagte ich, dass ich das gerade vorhatte und wollte mich schon auf den Weg machen und Wasser für die Pflanzen holen, als mich mein Gastpapa aufhält und mir erklärt, dass heute der Tag eines wichtigen orthodoxen Heiligen ist. An solchen Tagen (und in der Regel an Sonntagen) werden, nach orthodoxem Brauch, Dinge wie Wäsche waschen, Putzen oder Blumen gießen nicht gemacht (ironischer Weise haben aber so gut wie alle Läden in Rumänien sonntags offen).

Am 30. November war übrigens schulfrei, da am nächsten Tag, dem 1. Dezember, Ziua României (also rumänischer Nationalfeiertag) war. Und da dieser auf einen Dienstag fiel, war der Montag davor ein Brückentag. Den Nationalfeiertag haben meine Gastfamilie und ich größtenteils gemütlich zu Hause verbracht und sind gegen Abend kurz zu meinen Gastgroßeltern und meinem Gastonkel gefahren. Die großen Paraden zur Feier des Tages Rumäniens in Bukarest habe ich zumindest über den Fernseher gesehen.

In der Nacht zum 6. Dezember kam, wie in Deutschland, der Nikolaus vorbei. Nur dass dieser hier „Moș Nicolae“ heißt. Unter den Geschenken, die er mir gebracht hat, war auch ein Adventskalender dabei. Der ist in Rumänien zwar eigentlich keine Tradition, aber man kann sie hier kaufen. Und da meine Gastschwester Adventskalender aus ihrem eigenen Austauschjahr kennt, bestand sie darauf, dass wir welche bekommen.

Was mir außerdem aufgefallen ist, ist, dass Weihnachten hier am schwarzen Meer nicht schon Mitte November mit der Tür ins Haus platzt. Am 2. Dezember habe ich das erste Mal bewusst Weihnachtsdekoration in der Stadt gesehen. Mittlerweile steht auch bei uns im Wohnzimmer ein Weihnachtsbaum und man merkt, dass das Fest vor der Tür steht. Dieses Wochenende war ich mit meiner Gastschwester bei einer Weihnachtsaktion, die ihre Klasse veranstaltet hat, bei der Kinder aus dem Kinderheim Weihnachtsgeschenke bekommen haben, die durch eine Plätzchenkaufaktion finanziert wurde. Und auch die sonst eher spärlich eingerichteten Klassenzimmer in der Schule wurden von den 9.-Klässlern, die Nachmittags in unseren Räumen Unterricht haben, mit Weihnachtsbaum, Girlanden und allen möglichen anderen Dekorationen ausgestattet.  Mit dem Chor meiner Schule singen wir schon lange Weihnachtslieder und in der kommenden Woche haben wir gleich 3 Auftritte, bei denen wir auch Lieder singen, deren Melodie mir schon aus Deutschland bekannt war. Allerdings gibt es neben „O brad frumos“ (O Tannenbaum) und „Noapte de vis“ (Stille Nacht) sehr viele andere traditionell rumänische, wunderschöne Weihnachtslieder, wie dieses:

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=L_NonJfL9C0[/youtube]

In diesem Sinne,

fröhliche Weihnahten und guten Rutsch an alle, die das  lesen;)