Mein zweiter Sommer

Als Rumäniens erster König Karl I. (bzw. Carol I.) 1866 in dieses Land kam, hatte er noch keine Sprachkenntnisse. Allerdings hat er es innerhalb eines Jahres geschafft, Rumänisch zu lernen.
Dieser Fakt ist mir von der Führung durch das Schloss Peleș, die Sommerresidenz des Königs, besonders hängengeblieben. Ich bin zwar nicht hier, um das Land zu regieren, aber, zumindest sprachlich gesehen, stecke ich doch in einer ganz ähnlichen Situation wie der König.

Schloss Peles

Schloss Peles

Ich habe das Schloss am letzten Tag meiner Sommerferien hier in Rumänien besucht, am letzten Tag des Wochenendurlaubs mit meiner Gastfamilie (+Gastcousin) in Sinaia, einer wunderschönen Stadt in den Karpaten. Es war ein sehr schöner Abschluss meines zweiten Sommers hier in Rumänien. Aber auch die Zeit vor dem Urlaub war natürlich nicht langweilig. Am besten fange ich noch einmal dort an, wo mein letzter Blogeintrag aufhörte:

Nach ein paar Stunden Schlaf ging es am 21.8. erst nach Dresden, von wo aus ich nach München geflogen bin. Es war mein erster Flug und deswegen natürlich ziemlich aufregend. Das Highlight war allerdings nicht der Flug selber sondern, dass mich eine der Stewardessen beim Aussteigen auf Rumänisch mit „La Revedere“ verabschiedet hat (sie wird wohl mein Rumänischbuch gesehen habe, in das ich während des Flugs mal reingeschaut habe). In München habe ich dann Matthias, den anderen Rumänien-Austauschschüler getroffen (es gibt dieses Jahr leider keine Austauschschüler aus anderen Ländern in Rumänien). Die nächste Haltestelle war Bukarest. Dort wurden wir sehr herzlich von YFU Rumänien in Empfang genommen. Matthias‘ Gastfamilie war zu dem Zeitpunkt schon da, meine hatte noch Verkehrsprobleme. Als sie dann auch kamen, wurde noch ein bisschen gequatscht, anschließend bin ich mit meiner Gastschwester in Bukarest in ein Einkaufszentrum und ein paar Stunden später war ich auch schon im ungefähr 2 Stunden von Bukarest entfernten Constanta.
Die nächsten drei Wochen waren gleichzeitig sehr entspannt und trotzdem aufregend und voller neuer Eindrücke. Ich war fast jedem Tag am Strand, der voll mit Liegen, Sonnenschirmen, Bars und im Sommer auch mit Menschen ist, habe viele Verwandte meiner Gastfamilie kennengelernt, aber auch Freunde meiner Gastschwester, die auch zu meinen Freunden geworden sind. Und mittlerweile habe ich mich sogar an das nächtliche Bellen der vielen Hunde gewöhnt, die in den Nachbargrundstücken bzw. auf der Straße leben. (Straßenhunde gibt es in Rumänien fast überall, in den Städten, auf dem Land, in den Bergen,…) Auch wir haben einen Hund, der sich allerdings noch nicht an mich gewöhnt hat und mich deswegen genau so laut anbellt wie jeden anderen Fremden, der am Haus vorbei läuft oder das Grundstück betritt.

Die Zeit hier ist unheimlich schnell vergangen und schon ging die Schule wieder los. Am Montag, also am ersten Schultag, ist allerdings noch nicht wirklich viel passiert. Auf dem Hof der Schule wurde irgendwas über Lautsprecher vorgelesen (ich glaube es waren die Namen der 9.-Klässler, die die Jüngsten auf dem Liceum sind), aber für die Allermeisten war das ziemlich uninteressant. Meine Gastschwester hatte mir zuvor gesagt, der erste Tag ginge um 10 Uhr los. Allerdings standen fast alle noch bis nach halb 11 vor der Schule um miteinander zu reden und sich über die 3 Monate Sommerferien, die man in Rumänien hat, und alles mögliche andere auszutauschen. Als ich dann irgendwann in das Schulgebäude reingegangen bin, hat mir eine rumänische Freundin, die letztes Jahr mit YFU in Frankreich war, dabei geholfen das Zimmer meiner Klasse zu finden. Das haben wir auch ziemlich schnell geschafft. In der Klasse hat meine Klassenlehrerin die Namen aller vorgelesen und alle persönlich begrüßt und von vielen Schülern Blumen geschenkt bekommen. Das war’s dann auch schon. Nach nicht mal zwei Stunden bin ich dann mit meiner Gastschwester und ein paar Mitschülern in ein Restaurant gegangen und haben dort noch einige Zeit verbracht.

Der zweite Tag war da schon etwas anders: In immerhin drei von den 7 Stunden heute, haben wir effektiv etwas gemacht. In den restlichen wurde einfach weiter miteinander geredet als wäre noch Pause. Das war unter anderem auch im Deutschunterricht so, in dem ich auch ein echt nettes Gespräch mit meiner Deutschlehrerin über mich, meine Sommerferien und mein Austauschjahr hatte.
Ich bin in einer Klasse mit Englisch-Profil, ich habe also 6 Stunden Englisch pro Woche. Das macht die Kommunikation mit meiner Klasse sehr viel leichter. Auch wenn es in der Klasse natürlich schon feste Grüppchen gibt, sind viele meiner Klassenkameraden wirklich nett und hilfsbereit, wenn sie mich zum Beispiel das abschreiben lassen, was der Lehrer diktiert, mir Sachen übersetzen oder mir zeigen, wo wir als nächstes Unterricht haben, oder begrüßen und verabschieden mich einfach freundlich.

Morgen ist dann auch schon der dritte Schultag. Und es wird wieder sehr viel Neues für mich geben. Vor allem am Anfang ist ein eigentlich normaler Schultag ein wahres Abenteuer, über das man seitenweise schreiben könnte.
Aber das hier soll für’s Erste reichen.

Bis zum nächsten Blog-Eintrag,
Jonas