Das sagt man nicht einfach nur so

„Moment… Da war doch was. Irgendwas, das ich vor hatte. Mhh. Oh, ja. Der Blog. Ich sollte demnächst mal wieder ’nen Eintrag schreiben… Ich sammle im Kopf am besten schon mal ein paar Ideen.“

Anderthalb Wochen später: Dasselbe nochmal. Ich werde davon überrascht, dass ich irgendwie immer noch nichts für meinen Blog geschrieben hab. Das lag wohl manchmal daran, dass ich ein volles Programm hatte – nach der Schule mit Freunden im Café treffen, dann für einen Wettbewerb Umfragen auswerten, dann auch noch ein spontaner Wochenend-Wanderurlaub mit der Gastfamilie und Freunden meiner Gasteltern. Manchmal war ich aber auch einfach so mit Nichtstun (bzw. Reflektieren 😉 ) beschäftigt, dass für kaum etwas anderes Platz war.

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Qualitativ hocherwertiges Bild der Colindatori beim Pausemachen

Jetzt beim Schreiben bemerke ich wieder einmal wie voll das Austauschjahr bis jetzt doch war. Voll von besonderen Ereignissen, die mittlerweile schon wieder Erinnerungen sind. Und selbst nach 6 Monaten sind die kleinen, alltäglichen Dinge, jeder Schultag mit den Freunden aus meiner Klasse, immer noch etwas besonderes. Man hört immer mal wieder, dass die Zeit im Austauschjahr unheimlich schnell vergeht. Und dass vor allem die zweite Hälfte an einem vorbeizieht als wäre sie nur eine einzige Woche. Das sagt man nicht einfach nur so. Wenn ich in meinem Rumänien-Schulalltag stecke, merke ich das vielleicht nicht so unbedingt. Wenn ich aber den Blick zurück schweifen lasse, erschrecke ich fast bei der Feststellung: Die Zeit IST schnell vergangen. Und wie.

Allein seit dem letzten Blogeintrag habe ich so viele Erinnerungen gesammelt. Kurz vor Weihnachten bin ich, nach rumänischer Tradition, mit Freunden aus dem Chor von Tür zu Tür gegangen und habe colinde (also Weihnachtslieder) gesungen und dafür, sofern aufgemacht wurde, eine Kleinigkeit an Geld (und Orangen, eine Pizza und ein Stück Geburtstagstorte) bekommen. Über Weihnachten fuhr ich dann mit meiner Gastfamilie und zwei befreundeten Familien für ein paar Tage nach Bucovina, eine Region im Norden Rumäniens, die vor allem für ihre vielen Klöster (die sog. Moldauklöster gehören zum Weltkulturerbe) bekannt ist. Wir waren vor allem wandern und haben den 25.12., also Weihnachten, zwar nicht wie typisch mit der ganzen Familie, dafür aber im Hotel, mit viel typischem und traditionellem Essen (wie an so ziemlich jedem rumänischen Feiertag), verbracht.

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In Bukovina

Kurz darauf war auch schon wieder Silvester und ich war mit meiner Gastfamilie in einem Restaurant bei einer Feier mit, wie soll es auch anders sein, viel rumänischem Essen und natürlich auch mit rumänischer Live-Musik und einer Bauchtänzerin (die mir mal wieder vor Augen geführt hat, durch wie viele verschiedene Einflüsse die rumänische Kultur geprägt ist).  Den Rest der Ferien war ich dann relativ faul, und schon ging die Schule wieder los. Nicht mal in einer Woche war ich dann auch schon wieder im Alltag angekommen und nach nur einem Monat waren dann das erste Halbjahr auch schon wieder vorbei und es waren Halbjahresferien. Der letzte Schultag des Halbjahres sah so aus, dass aus meiner Klasse ungefähr die Hälfte da war. Die Halbjahresnoten wurden dann in die Schülerhefte (die so etwas wie die Schülerausweise sind) geschrieben – „Zeugnisse“ gibt es nicht.

Die erste Hälfte der Ferien habe ich mit meinem Gastcousin verbracht. Der hat mich mit zu seinem „Verein“ genommen – so etwas wie ein Club, der sich mit der Kultur der Daker (das Völkchen das auf rumänischem Boden gelebt hat, bevor die Römer kamen) beschäftigt und Waffenattrappen, Kleidung, Vasen und was weiß ich nicht alles herstellt und auch immer mal wieder Veranstaltungen hat. Man findet immer wieder etwas neues.

Nach der Zeit mit meinem Gastcousin hieß es dann erst mal „La revedere, Rumänien“, denn das Mittelseminar stand an. Dafür sind wir (Matthias, der andere Rumänien-Austauschschüler, Roberta, rumänischer YFU-volunteer, und ich) nach Sofia, Bulgarien geflogen, denn das Seminar war gemeinsam mit den Austauschschülern in Bulgarien und Serbien.

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Beim Mittelseminar in Sofia

Wir waren insgesamt 13 Schüler (7 in Bulgarien, 4 in Serbien, 2 in Rumänien) aus Deutschland, Argentinien, Mexiko, Australien, Ungarn und Dänemark. Das Seminar war großartig. Thematisch ging es um unsere bisherigen Erfahrungen, unseren Blick auf den Rest des Jahres und auch um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Rumänien, Serbien und Bulgarien. Aber noch viel besser: Ich habe nicht nur 3 Austauschschüler, die ich schon von meiner Vorbereitungstagung kannte (u.a. Susi) wiedergetroffen, sondern auch wunderbare neue Menschen, sowohl die Teamer als auch die anderen Austauschschüler, kennengelernt. Das Seminar ging gerade einmal ein paar Tage, aber da YFU ist wie eine große Familie ist, dauert es nicht lange bis man neue Leute ins Herz schließt. Vor allem, wenn man in den etwas untypischeren Ländern ist, in denen die Organisationen zwar kleiner, aber dafür etwas familiärer sind.

Da wir Rumänen erst am Montag, an dem die Schule wieder losging, zurückgeflogen sind, haber wir noch eine zusätzliche Nacht bei der Chefin von YFU Bulgarien verbracht und den ersten Tag des zweiten Halbjahres verpasst.

Mittlerweile ist dieses zweite Halbjahr auch schon wieder ein paar Wochen alt. Aber bis hierhin war der Blogeintrag schon eine ziemlich rasante Fahrt. Da ich aber noch einiges zu erzählen habe, werde ich mich hier schon recht bald wieder blicken lassen. 🙂

Bis dahin,

Jonas.