April – Wechselhaft Wie Immer

Im April gab es bei mir in Rumänien nicht nur richtiges klischee-wechselhaftes Aprilwetter (und damit auch die ersten schönen, warmen Tage), sondern auch einiges an Erlebnissen.

Die erste Hälfte war dabei noch ziemlich unspektakulär. Der rumänische (Schul-)Alltag nahm seinen Lauf und rückblickend fällt mir mal wieder auf, wie sehr ich mich doch an Schule, Menschen, Busse, Tagesabläufe, Stundenpläne und alles andere gewöhnt habe. Am Anfang kam es mir noch ziemlich seltsam vor, dass z.B. Mathe an meiner Schule um einiges umfangreicher und schwerer ist als in Deutschland, wir aber in manchen anderen Fächern kaum etwas machen. Aber selbst das ist mittlerweile irgendwie normal für mich.
In der zweiten Hälfte des Monats ging es dann los. Ich sollte hier schon mal anmerken, dass Ostern in orthodoxen Ländern nicht immer (bzw. selten) am selben Tag wie Ostern in Deutschland ist, weil das Datum anders berechnet wird. Dieses Jahr war orthodoxes Ostern am 01.05. Ich komme später darauf zurück. Osterferien starteten am 23. In der Woche vor den Osterferien, die auch Săptămână altfel („andere Woche”) genannt wird, ist keine normale Schule, sondern man hat jeden Tag eine Aktion, ein Projekt oder eine Exkursion. Zumindest diejenigen, die nicht schon in dieser Woche in den Urlaub gefahren, oder anderweilig beschäftigt sind. Ungefähr ein Drittel meiner Klasse war nie anwesend (außer am Donnerstag, über den ich gleich noch genauer berichten werde). Der Rest (inklusive mir) war unter anderem an der maritimen Uni oder im Amtsgericht. Am Donnerstag waren wir auf Exkursion in der Hauptstadt Bukarest, wo wir in einem Naturkundemuseum waren, danach zu einer der großen Malls gefahren sind und anschließend noch Freizeit hatten. Auf dem Rückweg haben wir dann im Bus mit unserer Diriginta, also Klassenlehrerin, ausgemacht, dass wir Freitags einfach nichts machen

Die Zeit in dieser Woche und in den Osterferien habe ich natürlich auch genutzt um mich mit meinen Freunden hier zu treffen. Es ist hier recht unüblich, sich bei jemanden zu Hause zu treffen. Man macht eher Unternehmungen in der Stadt und geht in ein Kaffee, ins Kino, oder, wenn man will, auf eine Fototour in die Altstadt, so wie wir:

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Ein besonderes Erlebnis war auch Ostern. Der Gottesdienst zur Auferstehen (rum. Înviere) fand in der Nacht vom 30.04 zum 01.05. um Mitternacht statt. Ich fand es beeindrucken, wie unglaublich viele Leute gekommen sind. Am Anfang der Zeremonie singt der Priester wiederholt „Veniți să luați lumină”, was so viel heißt wie „Kommt und holt Licht” und nicht nur symbolisch gemeint ist. Zur Înviere kommen nämlich alle mit Kerzen. Wenn es soweit ist, zünden die ersten ihre Kerzen an denen des Priesters an und geben das Licht dann sozusagen and die nächsten weiter und nach relativer kurzer Zeit haben über tausend Leute angezündete Kerzen in ihren Händen. Da mit dem Gottesdienst auch die Fastenzeit endet, wird vor der Înviere zu Hause der Tisch reichlich gedeckt und wenn man wiederkommt, wird in der Nacht gegessen. Besonders wichtig sind dabei die gefärbten Eier, die mit den Worten „Hristos a înviat./Adevarat a înviat.” („Christus ist auferstanden./Er ist wahrhaftig auferstanden.) aneinander geschlagen werden. Gegessen wird das Ei dann übrigens nur, wenn die Schale gesprungen ist. Wenn nicht, naja, dann gibt es erstmal kein Ei.