Vier Wochen Neues, Unglaubliches und Unbekanntes…

Mehr als vier Wochen ist es jetzt schon her, dass acht deutsche Jugendliche und ich in Frankfurt in das Flugzeug nach Peking gestiegen sind und den großen Schritt ins Reich der Mitte wagten. Wir wussten alle nicht, was uns nach der Ankunft erwartet und jeder hatte andere Hoffnungen, Erwartungen und Ängste. Wie wird das erste Aufeinandertreffen mit den neuen Familien sein? Werde ich mich in der chinesischen Schule zurechtfinden und wie ist es mit dem chinesischen Essen? Das sind einige Fragen die mich vor dem Flug beschäftigten. Es fiel mir nicht leicht, das gewohnte Umfeld in Deutschland zurückzulassen, aber ich kann gar nicht beschreiben wie groß meine Freude war als ich endlich den großen Schritt gehen konnte. Mit Sicherheit wird das kommende Jahr nicht immer leicht sein und viele Herausforderungen bereithalten – aber es ist die größte Chance meines Lebens und ich werde nie wieder eine Kultur aus dieser Perspektive kennenlernen können.

Am Flughafen in Peking erwarteten uns auch schon YFU Mitarbeiter, die uns zu unserem Quartier für die nächsten drei Tage begleiteten. Alle YFU Austauschschüler in China haben erst eine PAO (ein dreitägiges Vorbereitungsseminar) in einer Art Jugendherberge nahe Peking. Wie schon in Deutschland waren die Tage eine tolle Erfahrung und man merkt einfach, dass alle Teamer hochmotiviert sind und es sich lohnt die Erfahrung Austauschjahr zu machen. Die Inhalte der PAO waren größtenteils sehr ähnlich mit denen der VBT aber trotzdem ist es sehr hilfreich nicht gleich ins kalte Wasser geschmissen zu werden. Und außerdem konnte man sich schon etwas an das chinesische Essen gewöhnen, was bei einigen doch etwas Bauchweh verursacht hat.

Am Samstag den 16.08 war es dann endlich soweit: Wir machten uns alle auf in die unterschiedlichen Städte Chinas um dort das große Abenteuer Austauschjahr anzufangen. Meine neue Heimatstadt ist die 15 Millionenmetropole Shenzhen nahe Hongkong. Gemeinsam mit drei anderen Deutschen und einer Thailänderin wurden wir dort schon am Flughafen von unseren Eltern und Geschwistern stürmisch in Empfang genommen. Wir waren natürlich alle sehr aufgeregt aber unsere Familien haben uns gut aufgenommen und mit chinesischer Herzlichkeit begrüßt. Ich bin überglücklich, dass ich jetzt endlich in China bin und das dortige Leben entdecken kann. Meine Familie ist natürlich ein großer Teil dieses Lebens und ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie mich als Teil der Familie sehen.

In China beginnt die Schule am ersten September, sodass wir noch zwei Wochen Zeit hatten uns in den Familien einzuleben und die ersten, offensichtlichen Unterschiede der chinesischen Kultur kennenzulernen. Ich habe so wahnsinnig viel Neues gesehen, dass ich mich gar nicht mehr an alles erinnern kann. Aber die chinesische Kultur fasziniert mich und Shenzhen ist eine Stadt, die mit nichts in Deutschland zu vergleichen ist. Es ist unglaublich, wie viele Menschen auf einem Raum leben können, ohne dass es zu vielen Konflikten kommt. Natürlich kann ich das Leben in Deutschland in einem 2000 Einwohner Ort nicht mit dem in einer pulsierenden Metropole wie Shenzhen vergleichen, aber es gefällt mir hier sehr gut – auch wenn es natürlich etwas lauter ist.

Alle Austauschschüler in China hatten in den ersten zwei Wochen nachmittags noch einen Sprachkurs, der uns die schwierige Sprache näherbringen sollte. Ich kann mir zwar immer noch nicht vorstellen, dass ich sie in einigen Monaten beherrschen soll, aber ich möchte sie lernen und weiß dass ich das nur mit viel Arbeit schaffen kann. Meine Gastfamilie spricht zum Glück auch recht passables Englisch, sodass ich mich im Moment noch auf Englisch mit ihnen verständigen kann. Aber nichts destotrotz möchte ich natürlich so schnell wie möglich Chinesisch mit ihnen sprechen, und die ganze Familie tut wirklich ihr bestes um mir beim Lernen zu helfen. Die Sprache scheint im Moment die größte Schwierigkeit zu sein, und ich vermute dass sie ein wichtiger Schritt zu einem erfolgreichen Austauschjahr ist. Deswegen werde ich mein Bestes geben, um sie schnell zu lernen.

Die ersten paar Tage in der Gastfamilie galt es sich erstmal ein wenig an die neue Umgebung zu gewöhnen, aber dank der Hilfe und dem Verständnis meiner Familie war der erste „Kulturschock“ schnell überwunden. Auch die organisatorischen Dinge, die man am Anfang des Auslandsjahres machen muss waren schnell geklärt. Hier nochmal ein ganz großes Dankeschön an meine Familie, die mit mir durch die halbe Stadt gefahren ist um eine passende Simkarte und den richtigen Bankautomaten zu finden. Außerdem habe ich schon viele Verwandte der Familie kennenlernen dürfen und alle haben mich herzlich aufgenommen und versucht mit mir zu reden, auch wenn das bei meinem im Moment noch sehr spärlichen Wortschatz ziemlich schwer ist. Das Familienleben in China ist, nach meinem ersten Eindruck, viel stärker ausgeprägt als in Deutschland. Die Erfahrung mit elf Verwandten an einem Tisch zu sitzen und nur chinesisch zu hören und nichts zu verstehen werde ich so schnell nicht vergessen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass ich in den ersten Wochen dieses spannenden Jahres viele schöne und unvergessliche Dinge gesehen und erlebt und ich bin wirklich sehr dankbar hier sein zu dürfen. Natürlich ist und wird es nicht immer einfach sein aber trotzdem stehe ich vollkommen hinter der Entscheidung und bin gespannt auf die nächsten Wochen und Monate.

Bis bald 再见

Joel