YES!

Also, liebe Freunde, ein vorletzter Blogeintrag! Der vorletzte, weil ein zusammengefasster Eintrag über unsere Litauenreise, Jāņi, das YES und das Gesangs- und Tanzfestival schlicht und ergreifend selbst für den ausdauersten Leser zu viel wären. Außerdem würde ich so ein Monster nie fertigkriegen.

Ja, da ich die Themen schon preisgegeben habe, lege ich mal gleich mit unserer letzten YFU-organiesierten Reise los. Diesmal ging es in die Litauische Hauptstadt Vilnius. Obwohl Litauen sowohl von der Einwohnerzahl sowie von der Fläche her größer ist, ist Vilnius kleiner als Riga. Viel werde ich nicht erzählen, nur das Vilnius ein paar beeindruckende Aussichten von Hügeln aus hat, und auch tatsächlich Hügel besitzt, die Altstadt sehr kunstvoll ist und die lieben YFU-Teamer und nicht haben verhungern lassen. Ein witzige Rallye war natürlich auch dabei- ob eine leere Coladose wohl denselben Wert hat wie ein Orange? Litauisch war eine merkwürdige Erfahrung, da es irgendwie halb russisch und halb lettisch ist und wir deswegen fast alles verstanden. Wie man die Speziallaute ausspricht, weiß ich leider immmernoch nicht…

Der letzte Schultag wurde hier am 31. Mai begangen. Wie am ersten Schultag kommt man schick angezogen, es werden Reden gehalten, Zeugnisse verteilt und Torten gegessen. Meine Klasse hatte sich die Mühe gemacht, mir ein Fotoalbum mit Betrag von jedem zu gestalten, sodass ich für immer eine Erinnerung an meine Klassenkameraden und Schule haben. Als ob ich die so schnell vergessen würde!

Ein besonderes Ereignis war „Pēdējais zvans“, die „letzte Klingel“ für die neunte und zwölfte Klasse, die danach nur noch Nachhilfe und Prüfungen haben. In Lettland gibt es zentrale Prüfungen nach der dritten, sechsten, neunten und zwölften Klasse. Nach der neunten ist die Grundschule beendet und man kann entweder weiter in die Oberstufe gehen oder in ein berufsorientierte Schule. „Pēdējais zvans“ ist eine feierliche Veranstaltung zwei Wochen vor Schulschluss, die von den Absolventen der neunten und zwölften Klasse organisiert wird, wobei man versucht so kreativ wie möglich zu sein. Unsere Neuntklässler zum beispiel fuhren in Schubkarren an, und die Zwölftklässler trugen die neuste Kartoffelsackmode.

Neben der letzten Klingel gibt es noch den offiziellen Abschluss, wenn die jeweiligen Neuner und Zwölfer ihre Prüfungen abgelegt haben und Zeugnisse verteilt werden. Bedeutete ein voller Saal bei schönster Sommersonne, Berge von Blumen für die Absolventen und Fotos ohne Ende. In Lettland ist es üblich, zu jeder Gelegenheit Blumen zu verteilen und von meinen Klassenkameraden musste ich mir anhören, dass diese Blumen vorallendingen eins sind-schwer!

Das muss natürlich noch erwähnt werden: Jāņu nakts, Mittsommernacht. Die lettisch Bezeichnung(eigentlich Līgo/Jāņi) beruht auf den Namenstagen:der 23. Juni feiern alles Līgas und am 24. Juni alle Jānisse. Und das sind nicht wenige! Traditionell bleibt man die ganze, kürzeste des Jahres, Nacht auf, singt Lieder und isst Käse. Mit meiner Familie fuhren wir nach Latgale, das östlichste der vier lettisch Regionen und das „russischste“. Das fiel auch sofort auf: Bei aller Anstrengung, ich verstand erstmal gar nichts! Latgalisisch ist ein abgespaltener Dialekt des Lettischen und für alle, die nicht aus Latgale kommen(Chewits, wie sie dort genannt werden) ziemlich unverständlich. Doch nach ein paar Stunden hatte man sich daran gewöhnt. Die Mittsommernacht ist erfüllt von Traditionen, einem vier Meter hohen Lagerfeuer(riesig!) und Volkstrachten. Wer eine besitzt trägt sie mit Stolz- so wie ich in der Nacht. Was mir nicht aufgefallen war: Mit meiner Mittellettischen Tracht falle ich 200 Kilometer im Osten ganz schön auf! Aber was solls. Dazu tragen alle Mädchen Blumenkränze und alle Janise Eichenbaumkränze, in denen der Kopf plötzlich ganz klein wirkt! Noch eine interessante Tradition ist zum Hochzeitterminfeststellen gedacht: Jedes unverheiratetes Mädchen wirft ihren Blumenkranz in eine Eiche. Wie oft geworfen werden muss, bis der Kranz hängen bleibt, so viele Jahre bis zur Hochzeit. So werden alle Bäume mit Blumen verziert…

 

So viel ich jetzt noch schreiben könnte, es bleibt mir noch nicht aml mehr Zeit für ein paar Bilder. Ich sitze wortwörtlich auf gepackten Koffern, morgen geht es auf zum YES nach Berlin! Doch ich bin noch nicht zu traurig – ich werde nicht nach Hause fahren, sondern direkt zurück nach Riga fliegen, um am Gesangs- und Tanzfest teilzunehmen. Aufgrund der abnormal vielen Proben(jeden Tag mindestens sechs Stunden, zwischen acht Uhr morgens und ein Uhr nachts) werde ich erst danach dazu kommen, euch zu berichten. Doch ich werde es tun, versprochen! Doch erstmal freue ich mich, alle alten Bekannten, gute Freunde und völlig Unbekannte auf dem YES zu treffen.

 

Uz tikšanos!

 

Jara