So viel zu erzählen, so schwierig es zu beschreiben

Ehrlich, es ist ziemlich schwer alles zusammenzukriegen. Zu den Klängen der Gruppe PeR, die für Lettland zum Eurovision Contest dieses Jahr fährt, werde ich es wahrscheinlich doch irgendwie schaffen. Lest und genießt!

 

Proben über Proben

Tja, was ist in der lettischen Volkstanzwelt passiert? Es kamen noch ein paar Konzerte dazu, in Aizkraukle, Jaunpiebalga und in meiner Schule. Auch wenn sich letzteres eher unspektakulär anhört, war es etwas ganz Besonderes, denn zum ersten Mal tanzten wir zusammen mit einem anderen Kollektiv zur selben Zeit! Vor fast einem Monat fand das Lielkoncerts (übersetzt sich ganz einfach Großkonzert) mit 17 Kollektiven aus ganz Vidzeme (Lettlands größter Bundesstaat, in der sich auch Rīga befindet) statt. Die Schule habe ich noch nie so voll gesehen, sämtliche sechs Stockwerke waren überladen mit herumwimmelten Tänzern und Trachten. Überspringet man die üblichen Konzerte, die gut, aber nichts Herausragendes waren, landet man in der letzten Woche, inder wir eine Probe zusammen mit dem uns schon bekannten Kollektiv aus Balga hatten. Am Wochenende und sowieso zu unmöglichen Zeiten zur Schule zu gehen, bin ich ja gewöhnt, also war Sonntagmorgen in der Schule zu verbringen mehr oder weniger normal. Schaut man auf diese Woche, kann ich ein stolzes Pensum von sechs Stunden Tanzprobe in drei Tagen aufweisen. All diese Stunden sind die Vorbereitung auf skate, das Samstag in Cēsis (zu deutsch Wenden) stattfinden wird.

Um dieses spezielle Konzert und skate zu erklären, muss ich ein bisschen weiter ausholen(Achtung, Geschichte): Lange Zeit waren die Letten in Unterdrückung von Russen, Deutschen, Schweden und so weiter. Als einzige Möglichkeit, ein Volksgefühl und -kultur zu erhalten, wurden Tanz und Gesang erkannt. So entstanden die Volkslieder und -tänze, die zuerst von Krišjānis Barons im Jahre 1894 gesammelt und zu mehreren Büchern zusammengetragen wurden. Dafür ist er von den Letten hoch geachtet und ziert die 100-Lats-Note. Im Jahr 1873 fand das erste Lettische Gesangsfest statt, lettisch Vispārējie latviešu Dziesmu svētki. Dieses Fest findet alle fünf Jahre in Riga statt. Es nehmen etwa 30000 lettische Volksmusik- und tanzgruppen aus aller Welt, aber hauptsächlich aus Lettland, teil. Das nächste Fest (eigentlich ist das Wort Fest viel zu klein, deswegen nenne ich es einfach svētki) findet, zu meiner unendlichen Freude, diese Jahr Ende Juni/Anfang Juli statt. Insgesamt werden 90000 Teilnehmer und Zuschauer erwartet, was zu den Einwohnern Rigas gezählt etwa 40% der lettischen Bevölkerung ausmacht. Wer teilnimmt, entscheiden erwählte Choreografen, Musiker, Tänzer, die sich mit den Regeln des Volkstanzes aufs Penibelste auskennen. Neben der Einteilung nach Alter wird jedes Kollektiv nach Können aufgeteilt. Die Alterseinteilung ist von 16 aufwärts: Jugend, ab etwa 30 Jahren Mittlere, älter als 55 Jahre Senioren. Diese Senioren verlangen mir einen ziemlichen Respekt ab- 70-jährige, die schon ihr ganzes Leben tanzen und es mit aller Kraft tun, die in ihren Knochen steckt.  Die jüngeren Gruppen zähle ich hier nicht auf, für sie gibt es ein Kindersvētki. Es zählt aber nur das ungefähre Alter, an Unter-16-jährigen in einem Jugendkollekitv stört sich keiner.

Jugendgruppen nehmen 900 teil, davon 167 C-gruppen, zu denen mein Kollektiv auch gehört. Die Vorbereitungen laufen zwei Jahre, letztes Jahr wurden alle in genannte Kategorien aufgeteilt, was bestimmt, welche Tänze gelernt werden. Im Klartext: Sämtliche C-Gruppen in Lettland tanzen dieselben Tänze, schon das zweite Jahr. Man kann ja auch nicht einfach Duzende Kollektive auf einen Rasen stellen und jeder tanzt etwas anderes, oder?

Wer das weiß, kann die Zahl der Proben in Vorbereitung verstehen. Neben Stunden reinen Tanzens verbrachten wir aber auch Stunden damit, uns in jedem erdenklichen anderen Weg zurechtzumachen. Da wir auch nach Ordenlichkeit bewertet werden, stehen neben mir frisch geputzte glänzende Schuhe, meinem Rock wurde ein neuer Saum verpasst(drei Meter Saum nähen ist kein Spaß), unser Tanzlehrer, den wir einfach beim Vornamen rufen, hat allen Mädchen neue Haar- und Sockenbänder ausgeteilt. Die bequemen Lederpastelen gehören zumindest bei Konzerten der Vergangenheit an, wie die Mittlere Altersgruppe tragen wir jetzt schwarze Schuhe mit leichten Absatz.

 

So ein dymanisches Bild

Valentintag

 

So furchtbar steht es mit deutsch schon, das ich nicht mehr weiß, ob es Valentins- oder Valentintag heißt. S hin oder her, der 14. Februar wurde groß gefeiert. Wie auch schon zu Weihnachten wurde in der Schule ein ‚Post’kasten aufgestellt, in den jeder kleine Briefchen seiner zweiten Hälfte, heimlich Bewunderten oder  auch einfach Freunden schicken konnte. Am Morgen des 14. wurden diese dann verteilt.  Zur Erheiterung der älteren Schüler führten hauptsächlich die Drittklässlerinnen, die in rauen Mengen Liebesbriefe an Elfklässler verschickten. Ganz gemäß dem lettischen Gentlemenprinzip verteilten zwei der besagten Elftklässler in der Pause Pralinen und wünschten allen einen fröhlichen Valentinstag. Die Stimmung in der Schule, besser als sowieso schon, wurde durch die Vorfreude auf den Nachmittag noch gesteigert: Popiela mit anschließender Disko, organisiert vom Schulparlament, das hauptsächlich aus zwei meiner Klassenkameraden besteht. Popiela (iela=Straße) ist wie Karaoke mit Playback, also jemand steht auf der Bühne und fuchtelt mit den Armen, während die Musik von der Rolle spielt. Das war genauso witzig wie es sich anhört, am besten drei Jungen aus der Siebten, die sich als Mädchen verkleidet hatten und Spice Girls ‚I tell you what I want‘ sangen. Danach- wie denn auch sonst?- eine Disko,  bei der ich spontan als DJ engagiert wurde.

 

Ein ungewöhliches Treffen

 

Eine Einladung nach Riga, zu einem Treffen mit dem Außenminister? Etwas verblüfft war ich schon, aber die Chance lasse ich mir nicht entgehen. Nach ein paar Orientierungsproblemen (blöde Großstadt, wer kennt sich hier noch aus?!) saßen 10 Leute im Raum: vier ATS, fünf junge Letten und der lettische Außenminister Edgars Rinkevīčs. Unterhalten wurde sich über die Situation der Letten im Ausland, über junge Arbeitslose und über Markt im Ausland. Das Problem der Jugendarbeitslosigkeit ist groß, viele junge Letten gehen ins Ausland, weil sie hier einfach keine Perspektive sehen. Oder auch um weiter zu lernen, was beide meine älteren Gastgeschwister betrifft. Meine Gastschwester studiert im Ausland, und mein Gastbruder, der schon eine Ausbildung hat, kämpft sich gerade durch Berge von Hochschulflyern aus ganz Europa. Die Wirtschaftskrise hat Lettland schwer getroffen, und viele verloren ihre Arbeitstellen und wanderten aus. Mir wurde oft traurig erzählt, wie hier oder fort einmal ein blühender Laden war, wo jetzt ein leeres Haus steht. Auch auf die Menschen hat sich der Druck ausgewirkt: Mir wird erzählt, wie hilfsbereit und immer fröhlich alle einmal waren- meistens auf meine Aussage hin, dass die Menschen in Letten hilfsbereiter und fröhlicher als in Deutschland sind. Aber es geht aufwärts- in meinem Ort haben in den letzten Monaten schon drei Läden renoviert oder neu eröffnet. Da ist die Sorge, dass alles sich durch die Einführung des Euro verteuert, nicht unbegründet…

 

Diverse Feierlichkeiten

 

Von der zeitlichen Abfolge sollte ich wohl zuerst meinen Geburtstag erwähnen. Den lasse ich aber hinten anstehen- zuerst werde ich vom Geburtstag meines Gastvaters erzählen. Den eigentlichen Tag haben wir mit Skifahren verbracht. Hier, in Lettland, das den durchschnittlichen Pfannkuchen erstaunlich hügelig aussehen lässt, habe ich -das Mädel aus den Kurpfälzer Bergen- Skifahren gelernt. Die höchste Erhebung beträgt 312 Meter, und ich hatte schon mehrere Gespräche, bei denen ich mir das Lachen verkneifen musste, wenn jemand über riesige Hügel auf dem Nachhauseweg spricht und dass er deswegen nicht mit dem Fahrrad fährt. Nichtsdestotrotz legte ich mich einige Male ordentlich auf die Nase, weniger auf Skiern als mit dem Snowboard, was eine ziemlich schmerzhafte Sache ist.

Geburtstag gefeiert wurde am Wochenende. Als ganz besonderer Ehrengast ist meine Gastschwester angereist, was das erste Treffen mit ihr war. Bisher kannte ich sie nur durch Skype und durch Bilder, wovon in ihrem alten Zimmer, meinem jetzigen, jede Menge stehen. Sie ist die einzige Lettin, die ich kenne, mit Naturlocken! Da sie am Valentintag ankam, war unsere erst gemeinsame Aktion zusammen Titanik anzusehen- der Romantikfilm schlichthin. Und wie mit den meisten verstand ich mich auf Anhieb mit ihr 🙂 Gut so- in den vier Tagen die sie blieb verbrachten wir ordentlich viel Zeit miteinander, hauptsächlich bei der Essensvorbereitung. In Lettland ist es üblich, Gästen alles Essbare im Haus/Wohnung anzubieten, auch wenn jemand überraschend reinschneit. Bei geplanten Feiern kann man sich getrost auf volle Essenstüten verlassen, welche gekocht und zubereitet werden müssen.  Am Abend tauchte der erste Gast erst 45 Minuten zu spät auf, witzigerweise hatte ich mich vorher mit meiner Gastschwester über Höfliches Zuspätkommen unterhalten, und wir waren bei den üblichen 15 Minuten verblieben. Aber macht nichts- der letzte Gast war sensationelle viereinhalb Stunden im Verzug!

 

Als ich fragte, wie man in Lettland üblicherweise Geburtstage feiert, antwortete mir mein Gastbruder: ‚Du lädst alle deine Freunde ein, lässt dich von ihnen beschenken, schickst sie dann nach Hause und isst die Torte alleine auf.‘ Nach einiger Überlegung verwarf ich diese Idee aber, die Torte hätte ich gar nicht aufessen können. Bei einer Feier in Lettland ist das Essen das Wichtigste, und wir hatten mehr als genug für die letztendlich 14 Gäste. Am Morgen hatte ich so viel Zeit mit Kuchendekorieren verbracht, das ich den Anfang der zweiten Stunde versäumte. Angerannt, schon mit Ausreden auf der Zunge, unsere Gardarobistin meinte aber einfach nur „Alles Gute zum Geburtstag!“. Kleine Schulen sind was Feines, das haben meine Freundinnen und ich mit einer Teetasse in der Hand durch die Schule spazierend schon öfters festgestellt.

 

Piroggen, klassisches lettisches Essen. Üblicherweise mit Fleischfüllung, wir backten sie vegetarisch.

Eine spaßige, aber angsteinflößende Tradition bei Geburtstagen ist „Werfen“ des Geburtstagkindes. Dazu setzt sich der Glückliche auf einen Stuhl und Freunde heben einen sooft an, wie Jahre sind. Wenn fünf Mädchen werfen, ist es in Ordnung, aber von den fünf stärksten Jungen des Tanzkollektivs geworfen zu werden ist wesentlich wackliger. Gut festhalten empfolen!

Auch etwas Neues für mich war, drei Kerzen anzuzünden und für jede mir etwas wünschen zu dürfen. Nach dem Essen, was wegen der Masse ziemlich anstrengend war (Verflucht! Es ist so lecker! Aber ich platze!), verwandelte ein spontan angefahrener Freund unser Wohnzimmer in ein Fotostudio und  meine Freundinnen und ich warfen uns in meine schönsten Kleider und ließen uns professionell ablichten. Am Ende kamen mehr als 500 Bilder zusammen…

Eine Woche später war es Zeit, sich hübsch anzuziehen und nach Riga zu fahren: Meine Gasteltern hatten der ganzen Familie Eintrittskarten fürs Ballett „Gulbju ezers„, Schwanensee, geschenkt. Das Ballett fand in der Nacionālā Opera Rīga statt, die nach der Sowjetzeit vollständig renoviert wurde und ein wunderschöner Anblick ist, ausgestattet mit hunderten goldenen Dekorationen, ein Cafe in jedem Stock, in denen man für horrende Preise Kaffee und Kuchen essen kann, und Duzenden Logen auf drei Galerien. Unsere Loge war die am nächsten der Bühne- laut meiner Gastmutter einmal Loge des Staatpräsidenten!  Die Aufführung war wunderschön, die Nationaloper ist über Lettlands Grenzen hinaus als sehr gut bekannt. Ich muss zustimmen, auch wenn ich von Ballett eher wenig verstehe.

Ich neben einer Laterne.

Ach, diese Letten. Gerade wenn ich einen neuen Blogeintrag fertiggestellt habe, zeigt sich in höchstens drei Tagen das Nächste, wovon ich erzählen möchte. Der achte März- bei wem klingelt’s? Richtig, internationaler Frauentag. Ehrlich gesagt wusste ich bis vor einem Monat auch nicht, wann der ist. Meine Gastmutter war ehrlich erstaunt, als ich sagte, den feiert man in Deutschland eigentlich weniger. Laut ihren Beschreibungen ist die Hauptstadt der Blumen an jenem Tag Sankt Petersburg. Viele Leute züchten speziell für den achten März in Gewächshäusern und fahren auf drei Tagen nach Sankt Petersburg, um die Blumen zu verkaufen. In diesen drei Tagen kann man an Blumen angeblich mehr verdienen als im ganzen übrigen Jahr. Klar dass in der Schule viel mehr Röcke zu sehen waren als sonst, und als Mädchen konnte man kaum den Flur runtergehen ohne „Apsveic sieviešu dienā!“ „Alles Gute zum Frauentag!“ zu hören. Und Blumen wurden natürlich auch verschenkt, unsere Schulgentlemen aus der Elften verteilten allen Mädchen ihrer Klasse und der Tanzgruppe Ansteckblümchen und Pralinen. Zu guter Letzt bekam ich von meinem Gastvater Tulpen, die klassischen Frauentagsblumen. Schade, dass solchen kleinen Aufmerksamkeiten in Deutschland kaum Beachtung geschenkt wird.

 

Mathe könnte ich noch erwähnen. Eine Woche haben diverse Klassenstufen der Grundschule Mathe beigebracht. Das dürft ihr euch so vorstellen, dass wir zu dritt zweimal täglich bei den Viertklässlern reingeschneit sind und ihnen kleine Übungen überreicht haben. Zum Beispiel, dass sie eine Geschichte mit möglichst vielen Zahlen schreiben sollten. Meine persönliche Lieblingsgeschichte:

Es war einmal eine Zwei. Ihr schien, dass sie nicht so hübsch ist wie die Zehn. Die Zwei ging zur Zehn. Die Zwei erzählte der Zehn von ihrer Trauer und die Zehn bot an, Ziffern zu wechseln. Die Zwei war zufrieden. Und noch bis heute besteht die Zahl Zwölf!

Auch an einer Olimpiade nahm ich teil. Nagut, nicht die Olympischen Spiele, sondern landesweite Wettbewerbe in allen Fächern. Im Mathebereich gewann ich den zweiten Platz, und in einigen Wochen steht eine Fahrt nach Riga zum Finale an! Das war einer der Anlässe, warum ich in der Zeitung gelandet bin.. insgesamt viermal in zwei Wochen. Einmal neben dem Außenminister, einmal wegen der Olimpiade, einmal wegen meiner Teilnahme beim „Enu-diena“ und dann noch ein Artikel über Eifersucht. Die letzten beiden muss ich kurz erklären- „Enu-diena“ ist ein Tag im Jahr, bei dem jeder Schüler sich jemanden suchen kann, den er einen Tag begleitet und bei der Arbeit zusieht. Ich hatte mir Karumlade ausgesucht, eine Konditorei. Am Tag danach wurden alle Teilnehmer für eine Fotographie in der Zeitung gebeten. Am mir als ATS wurde besonderes Interresse genommen, leider nicht genug um meinen Namen richtig zu schreiben 🙂 Dass ich in einem Artikel über Eifersucht erschien, ist eher ein Zufall: der Fotograph fragte die drei Größten, noch schnell für ein weiters Bild zu posen- ohne uns zu sagen, wofür. Fingen meine Klassenkameraden aber an zu lachen, als sie den Klassenältesten und mich in der Zeitung sagen, mit der Überschrift „Eifersucht bei Jugendlichen“. Das Beste bei der Bildern ist aber immernoch, dass wir spontan gerufen wurden- aus dem Sportunterricht, mit entsprechenden Klamotten…

 

Tja, un heute, am Internationalen Pi-Tag, der uns zwei interressante Mathestunden über Pi beschert hat, stelle ich endlich diesen Blog fertig. Die meiste Zeit verbringe ich, auf meine Computerbildschirm zu starren, nicht wissend, was ich schreiben soll. Wie soll ich alles nur beschreiben, erzählen, erklären? Ich hoffe, es ist mir gelungen.

 

Noch ein Nachtrag: Ihr möchtet bestimmt das Ergebnis unserer Tanzerei erfahren, hab ich Recht?

Die Punkteskala versuche ich mal so kurz wie möglich zusammenzufassen: Für unsere Altersstufe gab es eine Wertung bis zu 50 Punkten. Besser als 45 Punkte ist die höchste Stufe, mehr als 40 Punkte die ersts Stufe, zwischen 20 und 40 Punkten zweite Stufe und alles weniger ist dritte Stufe und allerletzte Sau. Punkte werden vergeben für Trachtenordenlichkeit, Sorgfältigkeit der Schritte und was weiß ich sonst noch alles. Allein 10 Punkte werden für Lächeln vergeben- zum Glück komm ich ja viel zum Üben!

Schon zweieinhalb Stunden vor Auftritt stand ich mit meiner Freundin vollständig ausgerüstet im Kulturhaus in Wenden- wir suchten uns erst mal den Weg quer durch sämtliche 25 auftretenden Gruppen zur allerletzten Nische, wo sich unsere „Gardarobe“ befand- etwa drei mal vier Meter groß und mit gutem Ausblick auf die in der Vorhalle schon Übenden. Sämtliche kleinere Katastrophen, wie etwa ein gerissenes Band oder ungeputzte Schuhe, meisterten wir anhand des Mitdenkens aller spielend („Ich dachte mir schon, das so etwas passiert. Deswegen habe ich gleich mal Nadel, Faden, Schere und zwei Tuben Schuhcreme mitgebracht“). Das Unahmgenehmste am ganzen Tag- abgesehen von der Warterei auf das Ergebnis- war die Frisur: Französische Zöpfe und Lettischer Volkstanz passen nicht zusammen, deswegen wurde mir zur Bändigung meiner Locken mit vollen Händen Schaumfestiger in die Haare geschmiert. Effektiv und sehr eklig.

Nach zwei Stunden Umziehen, zehn Minuten Probe auf der Bühne und einem lettischen Geheimmittel, das beim Lächeln helfen soll -Essen von Zitronenscheiben mit Schale und allem – war es endlich soweit. Völlig nervös und freudig standen wir hinter der Bühne. Wir waren das allererste Kollektiv, was die Nerven nicht gerade beruhigt, aber besser auf der Punkteskala anschlägt. Etliche mussten sich zusammenreißen, nicht sofort laut loszulachen oder noch schlimmer anfangen zu heulen. Drei Tänze mit je fünf Tänzen Zwischenzeit gehen furchtbar schnell rum, und schon war es Zeit, sich aus den Trachten zu schälen und den anderen zuzusehen. Da wir uns dieselben Tänze schon seit Dezember ansehen, geht das Gefühl sich sofort auf die Bühne stellen und mittanzen zu können. Etwas langwierig ist es aber schon, sich 12-mal „Gailis und vista“ (Hahn und Huhn) anzusehen… Endlich, nach ewigen Wartens, bei dem jeder Fehler zehnmal durchgekaut wurde und das allerschlimmste schon sicher schien, die Verkündung der Jury: „An die hier versammelten Kollektive… Ihr seid alle Teilnehmer des XV Dejusvētki!“ Wir fahren! Auch wenn wir nur die zweite Stufe erreicht haben und offiziel noch bis Ende April warten müssen, um das endgültige Ergebnis zu erfahren, ist es doch sehr sicher, dass ihr in ein paar Monaten direkt aus Riga von mir hören werdet!

Bis dahin Alles Gute

Jara

Zum allerletztes Ende noch ein paar Videos der diejährigen Tänze:

Wir Miķelēni, so der Name meines Kolektivs,  in skate.
Der erste Tanz: Ko man dosi liela diena?    Ostertanz

Der zweite: Lai sakuru uguntiņu    Mittsommernacht

Der dritte: Vilks un kaza   Wolf und Lamm

Zum Glück ist ein ordentliches Malheur, das mir beim ersten Tanz passiert ist, nur für Eingeweihte sichtbar. Besonders stolz bin ich auf den letzten Tanz, der ist wunderbar gelungen, dass hätte man bei unseren Proben nicht denken können(„Ach, wir tanzen den Schritt mit rechts? Nicht mit links? Wusste ich gar nicht“).

 

 

Tec, peleite

 

http://www.youtube.com/watch?v=5mX3F-r7Rns

 

Ein ruhiger romantischer Tanz: Ai zaļā birztaliņa. Gefällt mir besonders wegen der E-Gitarre!

 

Unser neuer Tanz, ein echter Publikumsliebling. Der beweist, das Volkstänze nicht unbedingt alt sein müssen: Die Musik ist aus einem bekannten lettischen Film „Elpojiet dziļi“ (Atmet tief) aus dem Jahre 1967.