Tokio, Kamakura, Abenteuer!

Und ganz ohne es zu bemerken schleicht sich hier in meinem Leben der Alltag ein:

in der Schule kennen mich mittlerweile die meisten, ich habe meine Gruppe Freunde mit denen ich zusammen „Obento“ (das wirklich typische Mittagessen in der Brotdose, dass fast alle Mütter ihren Kindern mit superviel kreativität morgens zubereiten) esse und nach der Schule quatsche ich mit den Leuten vom Klub. Abends komme ich meist erst gegen sieben oder acht Uhr nach Hause, esse gemeinsam mit meiner Familie und kann nach dem Ofuro meist kaum noch die Augen offen halten.

Meine Japanischkenntnisse haben in dem letzten Monat echte große Sprünge gemacht, doch immernoch ist die Sprachbarriere groß und kann echt sehr anstrengend sein! Doch die Dinge die wir unternehmen werden dadurch nicht weniger schön:

Kamakura, ein kleiner Ort am Meer, voll gepackt mit Sehenswürdigkeiten und dementsprechend vielen Touristen, besuchten wir an einem sonnigen Samstag. Die Luft war erfüllt von dem Duft nach Essen, überall werden die verschiedensten Leckereien angeboten, und an den Probierständen blieben wir oft stehen. Wenn es nicht nach Essen roch, roch es nach Räucherstäbchen. Denn die vielen Touristen werden vor allem von den wunderschönen Tempeln und Schreinen der Stadt angezogen. Ich hatte mich schon früh in die alten, traditionellen und atmosphärischen Gebäude verliebt. Die Riten und Gebräuche bei einem Tempelbesuch zeigte meine Gastschwester mir: es ist wirklich kompliziert, aber sehr interessant!

Ein weiteres Highlight, nicht nur für mich, im letzten Monat war die „Golden Week“: anfang März fallen einige Feiertage aufeinander und bewirken für ganz Japan vier freie Tage! Das muss natürlich genutzt werden! Züge sind noch voller als sonst schon, Sehenswürdigkeiten dementsprechend voll und Hotelpreise schrauben sich in schwindelerregende Höhen. Und auch wir unternahmen viel: Am „Kodomo no hi“ (Tag des Kindes) Picknickten wir am nahegelegenen Fluss, wo unglaublich viele Familien es uns gleich taten, Kindes spielten, über Lautsprecher wurde Musik gespielt und über dem Fluss hingen traditionelle Koi-Fahnen. Sie werden immer für diesen Tag an Häusern und Flüssen aufgehangen und bestehen aus wunderschönen, bunten Koi-Fischen. Ich genoss die Sonne im Gesicht und die gute Stimmung!

Obwohl auch ich nicht zur Schule musste (ganz im Gegenteil zu meiner Gastschwester überigens: ihr Klub trainiert wirklich jeden Tag, egal ob Ferien, Feiertag oder Wochenende) blieb nicht viel Zeit für Langeweile: wir machten uns auf nach Tokio! Ich weiß nicht was ich sagen soll, an diesem einen Tag habe ich nur einen so kleinen Bruchteil dieser einzigartigen Stadt gesehen und kennengelernt, doch schon das bisschen hat mich beeindruckt: Inmitten der gigantischen Metropole ist der Kaiserpalast mit den angrenzenden Gärten zu finden. Hinter den wunderschön angelegten Parks und dem fantastischen Gebäude in dem der „Tennno“ (Kaiser) lebt ragen beeindruckenden Hochhäuser neuester Architektur auf! Mal liefen wir durch kleine Sträßchen und Gässchen mit Bars und kleinen Stehrestaurants, mal eine breite Straße wo man sich von der neusten Mode hier inspirieren lassen kann. Am Abend war ich unglaublich müde, aber sauglücklich: ich hoffe sehr bald einen anderen, neuen, interessanten Teil der Stadt kennenlernen zu dürfen!

Am nächsten Tag wachte ich schon mit etwas Husten auf, im laufe des Tages entwickelte sich dann daraus ein ziehmliche Erkältung, und am Abend meinte Okaasan (so spricht man seine Gastmutter an) dass ich am nächsten morgen lieber zuhause bleiben und ausschlafen solle, anstatt zur Schule zu gehen. Der viele Schlaf tat gut, und ich kam am erst gegn zehn Uhr hinunter in die Küche, allein, denn alle waren arbeitent oder in der Schule. Auf dem Tisch hatte Okaasan mir jedoch ein Frühstück zubereitet, Bonbons, Tee und Hustensaft gekauft und schrieb auf dem Zettel ich solle mich gut ausruhen, sie komme so schnell sie könne. Ich war wirklich gerührt, sie war unglaublich besorgt, kam an mein Bett, brachte mir neuen Tee und fragte ob ich irgendwas bräuchte. Wer wird bei so viel mitgefühl und umsorgung denn nicht schnell wieder gesund? 😉 Und schon zwei Tage später war ich wieder topfit, und fühlte mich noch geborgener als vorher schon!

Ja, was ein Abenteuer hier! 😉 Ich bin total gespannt was vor mir liegt und auf mich zukommt, auf den Sommer, die Ferien (in vier Wochen!) und alle guten, nicht so schönen aber auf jeden Fall unvergesslichen Momente dieser Zeit hier.

Ihr hört von mir,

Helene