Essen, Herbst und Dinge, die zu selten gesagt werden :)

Und während sich die Blätter der Ginkobäume auf meinem Schulweg jeden Tag ein bisschen zu die gelb-rötlichen Farben hin verändern und viele schon die Winter-Schuluniform herausholen vergeht ein Tag nach dem anderen hier im schönen Japan.

In der Schule gibt es zurzeit nur ein Thema: die Klassenfahrt auf die südlichsten der japanischen Inseln: Okinawa. Auch ich freue mich unglaublich, vier Tag einen komplett anderen Teil des Landes kennenlernen, zusammen mit meinen Freunden! Doch bis dahin müssen wir uns alle noch etwas gedulden…

Denn so sehr sich alle darauf freuen liegen doch die Klausuren noch davor. Die Schüler meiner Schule lernen sehr viel. Das Leben der meisten besteht aus Schule, ihrem Klub (der ja meist wirklich viel Zeit einnimmt) und lernen. Auch ich werde eine wichtige Japanischklausur bald haben, verbringe also auch viel Zeit vor Büchern.

Dennoch habe ich auch Zeit für schöne Momente mit meiner Familie oder meinen Freunden, zum Beispiel als meine Gastschwester letztens Geburtstag hatte. Gutes Essen, kleine Geschenke, Tanten und Onkels kamen, viel gelache; ein echt cooler Abend!

Apropos Essen, darüber habe ich noch nicht berichtet, oder? In fast jeden Reiseführer über Japan steht, dass die Kultur „Tradition und Moderne vereint“ und das stimmt in dem Fall wirklich:

Es hängt zwar stark von der Familie ab, aber viele Leute essen zum Frühstück zum Beispiel Müsli oder Brot (das meist Toast oder so ist). Die traditionelle Alternative dazu wäre dann Reis mit Suppe (Misoshiru heißt sie und ist ein großer Bestandteil der Japanischen Mahlzeiten. Oft mit Tofu, Pilzen oder Meeresalgen darin) und „Natto“, fermentierte Sojabohnen. (Diese sehen genauso unappetitlich aus wie sie sich anhören, doch das sollte einen nicht trügen: ich finde sie ganz lecker!)

Mittags steht für mich als Schülerin ganz klar immer das „Obento“ auf dem Plan, eine richtige Mahlzeit in Dosen verpackt, jeden morgen frisch von meiner Gastmutter zubereitet. Reis darf da natürlich nicht fehlen, dazu gibt es verschiedenstes Gemüse, oft Fleisch oder Ei.

„Washoku“ so heißt die traditionelle Japanische Küche. Ein „Washoku“Abendessen wäre zum Beispiel Reis(klar!), die oben genannte „Misoshiru“, ein kleiner Sprossensalat und Fisch. Doch das steht nur ab und zu auf dem Tisch, stattdessen oft auch unserer Küche ähnelnde Dinge wie Kartoffelauflauf, Nudeln oder grüner Salat. Fleisch oder Fisch gehört allerdings fast immer dazu!

Ich bin vollkommen verliebt in das japanische Essen, aus Deutschland fehlt mir fast nichts.

Bevor ich diesen Eintrag beende und mich gleich mit ein paar Freundinnen für eine kleine Halloweenparty treffe will ich noch etwas ganz generelles loswerden, das finde ich zu selten irgendwo erwähnt wird: obwohl ich unglaublich glücklich bin, tolle Menschen und Orte treffe und stolz bin auf eine neue Sprache, Familie, Freunde und alles was ich mir in dieser relativ kurzen Zeit aufgebaut habe, war nicht immer alles so rosig wie man das vielleicht beim Lesen meiner Einträge vermutet.

Ich denke dass mir viele Austauschschüler, ganz egal wo sie grade sind, zustimmen wenn ich sage dass es nicht immer einfach ist, dieses Auslandsjahr. Das man sich auch mal einsam fühlt. Demotiviert oder enttäuscht. Auch bis die Beziehung zu Gastfamilie sich so richtig eingespielt hat braucht es Zeit und kleine Missverständnisse. Besonders als ich am Anfang sehr wenig Japanisch konnte hatte ich oft das Gefühl, auch in einer Klasse mit 40Schülern, alleine zu sein, weil ich nicht verstand worüber alle lachten, redeten. Und manchmal hat man selbst, oder auch andere einfach so einen blöden Tag und es läuft irgendwie alles schief. Aber so ist es halt. So ist es überall, auch in Deutschland!

Es gibt vieles worauf man, soweit ich das erlebt habe, nicht vorbereitet ist, nicht vorbereitet sein kann. Egal wie man es dreht und wendet, wie viele Bücher oder Blogs man über das Land liest: es ist und bleibt ein Sprung ins kalte Wasser. Aber erstens springt man nie alleine und zweitens wird das Wasser mit der Zeit immer wärmer…

So, jetzt sollte ich mich etwas beeilen, die japanischen Bahnen sind unglaublich pünktlich! 😉

Alles liebe aus dem langsam kälter werdenden Japan,

ヘレネ