Ein Lebenszeichen

Und dann stand ich da also, supernervös, und würde in ein paar Sekunden die Familie kennenlernen bei der ich das gesamte nächste Jahr wohnen würde. Hinter mir lagen fünf Tage „Arrival Orientation“, bei der alle ATS (Austauschschüler) aus der ganzen Welt sich zusammen auf ihre Zeit in Japan vorbereiteten. Es war eine echt tolle Zeit, und das Zusammensein mit vielen anderen Gleichgesinnten aus den verschiedensten Orten der Welt hat mich echt motiviert.

Doch auf die Zeit mit meiner Gastfamilie freute ich mich auch! Als ich sie dann endlich kennenlernte waren alle Sorgen wie weggeblasen: sie sind unglaublich nett und helfen mir bei allem!

Die dann folgenden zwei Wochen hatte ich noch keine Schule, sie dienten meiner Akklimatisierung und Eingewöhnung in dieses komplett neue, fremde und aufregende Leben. Ich verbrachte extrem viel Zeit lernend in der Wohnküche. Denn Sprache stellt den größten Teil des Alltags dar, vor der Zeit hier war mir das nicht wirklich bewusst! Sich nicht verständigen zu können, erklären was man denkt und will und auch nicht zu verstehen was andere von einem wollen macht einen wieder zu einem Kleinkind. Also gab ich mein bestes so viel wie möglich in so kurzer Zeit wie möglich zu lernen. Wenn ich dann beim Abendessen ein neu gelerntes Wort verwendete freute ich mich, und auch meine Familie grinste.

Jeden Tag beende ich überigens, mit dem „Ofuro“- das japanisch Baden. Es ist ein fest verankerter Teil der Kultur, dass jeder japaner jeden Abend badet. Bevor man in die Wann e steigt seift man sich gut ein und spült sich ab, denn die ganze Familie „teilt“ sich das Wasser. Und am nächsten Tag wird es für die Waschmaschiene verwendet! Am Anfang fand ich das ein bisschen seltsam, aber es ist wirklich super sauber und hygienisch und ich genieße jeden Abend das heiße Wasser… 🙂

Viele Freunde in Deutschland fragen, was denn Unterschiede zwischen Japan und Deutschland wären. Ich muss dann immer ein bisschen überlegen, denn die Frage ist nicht was die Unterschiede sind, sondern wo ich anfangen soll. Neben Offensichtlichem wie der Sprache oder dem Aussehen der Leute sind es irgendwie häufig die kleinen Dinge, die mir vor Augen führen wo ich bin und mich schmunzeln lassen: zum Beispiel dass wir Zuhause keine Spülmaschiene haben (die für uns Deutsche eine Art Notwendigkeit ist), sich die Klobrille allerdings stets selber auf Körpertemperatur vorwärmt, dass Japaner anscheinend kein Problem damit haben, jedes beliebige Lebensmittel mit „Matcha“ (grünem Tee) zu versehen und Matcha-Eis, Matcha-Chips und Matcha-Brot in jeden guten Supermarkt gehört (und überigens echt ganz lecker ist) oder die Tatsache, dass manche japanischen Supermärkte die Größe einer deutschen Kleinstadt haben.

Dann kam der große erste Schultag: nervös lächelnd und mich-verbeugend stand ich auf ein mal vor ca 1200 Schülern, mit dem vorbereiteten Zettel in der einen und einem Mikrofon in der anderen Hand: ich sollte mich vor allen auf japanisch vorstellen! Das ging zum Glück gut, und auf dem Weg ins Klassenzimmer kamen viele Schüler auf mich zu, kichernd, begrüßten mich, freuten sich wenn ich etwas auf meinem wahrlich holprigem japanisch sagte und zeigten mir den Klassenraum.

Nun gehe ich schon seit einigen Tagen zur Schule. Die Schüler sind wirklich unglaublich nett und helfen mir viel. Die Stunden verbringe ich, da ich ja meistens nichts verstehe, japanisch lernend. Der Alltag der meisten japanischen Jugendlich besteht aus Schule, Schlafen und Klubaktivitäten. Die sogenannten „bukatsu“ sind Klubs (oder AGs) die von der Schule angeboten werden. Es gibt extrem viel, von Sportlichem wie Fußball, Baseball oder Kendou (traditionell japanischer Schwertkampf) über Englisch oder Koreanisch Klubs bis zu Biologie und Chemie, Fotografieren oder Teezeremonie. Die Klubs treffen sich unterschiedlich oft, Sportklubs allerdings oft 6mal die Woche, am Wochenende und trainieren auch vor der Schule! Manche Klubs treffen sich allerdings auch nur ein mal die Woche.

Ich entschied mich für Teezeremonie, Fotoklub und Kensou, wenn ich schon hier binmöchte ich so vile tradition und Kulteur mitbekommen wie möglich! Bin mal gespannt was da so auf mich zukommt…

Die Wochenenden verbringe ich mit meiner Familie: oft unternehmen wir etwas, fahren in einen Park oder Tempel. Ich bin glücklich in so einer tollen Familie gelandet zu sein, das ist echt ein cooles Gefühl!

Fürs erste war es das von mir, ich hoffe bald schon von meinen weiteren spannenden Erlebnissen berichten zu können!

Helene