Endlich mein neuer Beitrag

Es tut mir sehr leid, dass ich solange nichts mehr geschrieben habe, aber es war ein bisschen chaotisch. Ich habe zweimal Gastfamilie gewechselt.

Mein erster Wechsel:

Ich habe meine Gastfamilie gewechselt. Ich habe, bevor ich nach Italien gegangen bin, immer gesagt, dass ein Gastfamilienwechsel nicht heißt, dass die Gastfamilie oder man selbst etwas falsch gemacht hat. Genau dieser Fall ist bei mir eingetreten. Ich habe leider einfach überhaupt gar nicht in den Lebensrhythmus meiner Gastfamilie gepasst. Ich hatte schon vorher einmal zum Beispiel über die Probleme mit dem Schlaf geschrieben. Natürlich ist es auch etwas Kulturelles, dass die Italiener weniger schlafen, aber ich habe dann doch das krasseste Beispiel gezogen. Meine Gastfamilie hat teilweise gegen Mitternacht zu Abend gegessen. Und das bleibt auch leider nicht das einzige Problem. Meine Gastfamilie war immer sehr viel unterwegs. Wir haben meistens morgens das Haus gegen 8 Uhr verlassen und sind gegen 9 Uhr abends nach Hause gekommen. Das hat mich ganz einfach überfordert. Ich war immer total erschöpft und sehr oft krank. Außerdem war auch die Sicht, die wir auf das Leben haben, zu verschieden.

Es war total schön mit meiner Gastfamilie Dinge zu unternehmen oder Städte anzuschauen, aber der Alltag hat einfach mit mir nicht funktioniert.  Letztendlich habe ich mich dann an meine Organisation gewandt. Meine Organisation hat mich nach einigem Hin und Her gut unterstützt und dann innerhalb von einem Monat eine neue Gastfamilie gesucht und gefunden.

Ich wohne seit heute in Rom bei meiner neuen Familie. Ich habe meine Gasteltern und eine kleine achtjährige Gastschwester. Ich wohne am nordwestlichen Stadtrand von Rom in einem sehr ruhigen Stadtviertel, wo es aber direkt vor der Tür einen Bus gibt. Ich wohne in einem Reihenhaus und habe mein eigenes Zimmer und Badezimmer.  Meine Gasteltern arbeiten im Hotelbusiness und bis jetzt ist alles echt schön. Ich habe mit meiner Gastfamilie und den Großeltern (die gerade aus Caserta zu Besuch sind, wo ich meine ersten 5 Monate verbracht habe) zusammen zu Mittag gegessen. Danach habe ich schon ganz viel mit meiner kleinen Schwester gespielt und sie hat mir einen Zettel geschrieben, wo stand: „Ti voglio bene Eva – Giulia Teresa, tua sorella“, was „Ich habe dich lieb Eva – Giulia Teresa, deine Schwester“ bedeutet. So süß! Danach sind wir noch zusammen in ein naheliegendes Einkaufszentrum gelaufen. Dort sind wir ein bisschen herumgelaufen und haben heiße Schokolade getrunken.

Ich werde wahrscheinlich in ein Liceo Scientifico gehen, was ein naturwissenschaftliches Gymnasium ist und muss dorthin einen Bus und eine Station auch einen Zug nehmen. Ich freue mich schon sehr dort auf eigene Faust Freunde zu finden. Morgen werde ich meine kleine Gastschwester gegen 4 Uhr von der Schule abholen und sie möchte mich allen vorstellen – ‚Die große Schwester aus Deutschland‘. Ich werde erstmal alles auf mich zukommen lassen.

Am 1. Februar war Halbzeit meines Auslandsjahres und in der darauf folgenden Woche am 6. Februar war auch mein Mittelseminar. Wir haben uns einen Tag in Rom getroffen und haben über Regeln, Veränderungen und Probleme geredet. Es wurden uns Fragen gestellt, wie zum Beispiel „Hast du dich verändert? Wenn ja, inwiefern?“ oder „Kannst du sagen, dass du einen Alltag und eine Routine hast?“.

Wir haben im letzten Monat auch endlich wieder einen Ausflug gemacht. Am Anfang wurde uns versprochen, dass jeden Monat ein Tagestrip in eine Stadt oder eine andere Aktion gemacht wird. Leider hatte das nur im ersten Monat stattgefunden, wo ich dann aber nicht mitgefahren bin (der Trip war nach Orvieto), weil ich dort schon einmal war und dachte, dass es sowieso im nächsten Monat einen anderen geben würde. Im März gab es dann gleich zwei Aktionen, einmal eine Schatzsuche in Rom und sind wir am 5. März nach Napoli gefahren. Die Schatzsuche war sehr schön und ich habe viel über Rom gelernt. In Napoli war leider sehr schlechtes Wetter und es hat die ganze Zeit geregnet, aber es war trotzdem super schön dort herumlaufen, italienisches Eis und Pizza (die im Süden besonders gut schmeckt) zu essen und einfach die Zeit mit anderen Austauschschülern zu genießen.

Seit dem 15. Februar gehe ich auch in die Schule. Meine Schule ist ein naturwissenschaftliches Gymnasium, was bedeutet, dass wir sehr viel Mathe, Physik und Biologie, aber auch Filosofie und Latein haben (die restlichen Fächer sind wie in Deutschland). Wir haben von 8 Uhr bis 14 Uhr von Montag bis Freitag Unterricht und ich gehe in die 3. Klasse, was bei uns der 10. Klasse entspricht. In meiner Klasse sind wir insgesamt 16 Schüler, davon sind die Hälfte Mädchen und die Hälfte Jungs. Ich muss genauso wie die anderen Schüler Hausaufgaben machen und für Tests lernen. Doch meistens sind dir Lehrer hilfsbereit und versuchen mir ein wenig einfachere Themen zu geben. Ich bin von meinen Mitschülern sehr herzlich aufgenommen worden und fahre Ende März auch direkt mit auf Klassenfahrt. Ich habe mit meinen Freunden schon eine Liste geschrieben, was wir alles in Rom anschauen müssen. Wir waren dann auch direkt am ersten Freitag mit einigen Leuten aus meiner Klasse beim Vatikan und haben Pizza gegessen. Außerdem waren wir schon beim Colosseum und im Kino.

Mein zweiter Gastfamilienwechsel:

Ich muss jetzt noch ein zweites Mal Gastfamilie wechseln. Meine jetzige Gastfamilie ist toll, nur leider muss meine Gastmutter bei der Arbeit für jemanden einspringen und für mehrere Monate nach Sizilien. Da mein Gastvater auch sehr viel arbeitet und meistens früh das Haus verlässt, sodass ich ihn gar nicht sehe, abends auch spät nach Hause kommt und er auch für längere Zeit nach Mailand muss, wäre ich somit dann ganz alleine zu Hause.

Damit ich nicht nochmal Schule und Ort wechseln muss, habe ich versucht mir eine Familie an meiner Schule zu suchen. Letztendlich habe ich dann aber mit der Hilfe von meiner Mathelehrerin eine neue Gastfamilie gefunden. Leider weiß ich noch nicht viel, aber ich werde 4 Gastgeschwister haben und meine Gastfamilie ist sehr sozial engagiert.

Ich hätte gerne auf einen zweiten Wechsel verzichtet, weil ich es schon schwer fand, noch einmal mit der Familie von vorne anzufangen, aber so lerne ich noch einen anderen Lebensstil kennen und ich bin sehr gut aufgenommen worden und fühle mich sehr wohl.

Am 5. April hatte ich Geburtstag. Morgens hatte meine Gastmutter mir einen Kuchen gebacken. Als ich in die Küche kam, hat die ganze Familie für mich gesungen und dann gab es Kuchen zum Frühstück. Übrigens sehr lecker ?  In der Schule hatten meine beiden engsten Freunde eine Art Berliner gekauft und oben eine Kerze reingesteckt. Sie sind dann so Happy Birthday to you (in Italienisch: Tanti Auguri a te) singend in die Klasse gekommen. Es war sehr schön zu sehen, dass sie sich Gedanken um mich gemacht haben. Das hat mich sehr glücklich gemacht. Am Nachmittag war ich dann mit meiner Gastschwester Rachele im Kino. Wir haben ‚Die Schöne und das Biest‘  (mein neuer Lieblingsfilm ? ) geguckt. Der Kinosaal war total leer und ich habe dann zum Abspann auf der Bühne getanzt ? Das war unglaublich. Am Abend hatte ich mir Pasta gewünscht und nach dem Essen habe ich Geschenke ausgepackt. Es war ein wunderschöner Tag. Ich hatte eigentlich ziemlich wenig Heimweh, auch wenn ich natürlich einige ‚Geburtstagstraditionen‘ von Zuhause vermisst habe.

 An Ostern hier in Italien gibt es für jedes Kind ein riesiges Osterei aus Schokolade, was dann am Ostersonntag klein gehauen wird. Es werden also nicht, wie in Deutschland, Ostereier versteckt und gesucht. Wir sind am Ostersonntag morgens nach einem Osterfrühstück in das Ferienhaus von meiner Gastfamilie aufs Land gefahren. Dort sind nur Wiesen und Schafe. Es war sehr schön entspannend und super warm. Ich habe sehr viel in der Hängematte gelegen und den warmen Wind genossen. Meine Gastoma und Gasttante sind gekommen und wir haben zusammen zu Mittag gegessen. Am Ostermontag sind ganz viele Freunde zu uns in das Ferienhaus gekommen und wir haben zusammen gegrillt. Insgesamt ist hier genau wie an Weihnachten das Motto: Man darf so viel essen wie man möchte. Das bedeutet, die meisten machen jetzt nach Ostern erstmal eine Diät ?

 Nun sind es noch 67 Tage, dann bin ich wieder Zuhause. Das ist ein sehr komisches Gefühl. Einerseits wird meine Vorfreude immer größer und ich kann die Zeit kaum abwarten. Andererseits möchte ich Rom, meine Gastfamilie und meine Freunde nicht verlassen. Denn ich weiß, dass es ein Abschied für immer wird. Natürlich kann ich zu Besuch nach Italien kommen – aber es wird nie wieder so Zuhause sein wie jetzt. Außerdem habe ich schon ein bisschen Angst, wie es wieder Zuhause sein wird. Ich frage mich, ob sich viel verändert hat, wie dann meine neue Jahrgangsstufe ist und wie es dann mit meinen Freunden sein wird.

Schaut auch bei meinem privaten Blog
www.evasyearinitaly.wordpress.de vorbei!
 
Liebe Grüße aus Italien,

Eva

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