Schule auf Französisch

Nach 2 Monaten lasse ich auch mal wieder etwas von mir hören und ich dachte mir es wird mal Zeit über die französische Schule zu berichten.

Ich bin hier in der 1ES (Première economique et social). Première ist ambivalent zur deutschen 11. Klasse. In Frankreich funktioniert das mit den Klassennamen aber ein bisschen anders. Unsere 6. Klasse heißt in Frankreich Sixième. Allerdings wird dann runtergezählt und nicht wie in Deutschland hochgezählt. Nach der Sixième folgt also nicht die Septième, sondern die Cinquième. Nach der Cinquième dann die Quatrième, bis man dann irgendwann in der Première angekommen ist und nur noch die Terminale auf einen wartet.

Nach der Seconde sucht man sich einen Zweig aus, mit dem man sich spezialisieren kann. An meiner Schule gibt es die Wahl zwischen L, ES, S und STMG. L steht für Littérature und bedeutet besonders viel Französischunterricht und damit ist wiederum das intensive Studium besonders vieler französischer Bücher verbunden. S steht für Sciènces und bedeutet ganz viel Naturwissenschaften und analytisches Denken. ES steht wie gesagt für economique et social und bedeutet besonders viel Wirtschaft und Soziologie. Das spiegelt sich dann auch im Matheunterricht wieder, wo ich ständig Verluste und Gewinne von Unternehmen errechnen darf.

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass Franzosen die absoluten Meister der Abkürzungen sind? Es fängt bei den Zweigen in der Oberstufe an, hört da aber noch lange nicht auf. In der Schule gibt es keine Bibliothek, sondern das CDI(Centre de documentation et d’information) und der Geschichtsunterricht kann einen manchmal wirklich an die Verständnisgrenzen bringen, wenn dort Abkürzungen wie NPIA, Dragons und BRIC an der Tafel stehen; und auch die französische SMS-Sprache setzt stark auf Abkürzungen… Beaucoup wird zu bcp, c’est zu c, tu es zu t, tout zu tt, usw. Wenn man dann eine SMS mit all diesen Abkürzungen verfasst fühlt man sich gleich viel französischer 😉

Jetzt aber mal wieder zurück zur französischen Schule. Mein Unterricht fängt hier um 8h00 an und dauert an meinem „schlimmsten“ Tag bis 17h00. Am Freitag zum Beispiel erwartet mich jede Woche eine Härteprüfung. Statt wie in Deutschland ist meine Schule nicht um 13h00, sondern um 17h00 beendet und ich muss mich jede Woche durch eine zweistündige Klassenarbeit schreiben 😛  Das Ganze wird dann D.S. (Devoir surveillée) genannt und geht von „Hmm; so schwer war es jetzt doch nicht“ bis zu „Viel zu wenig Zeit, viel zu schwer, absolut unmachbar für einen armen Austauschschüler wie mich“^^

Nach der D.S. wartet dann A.P. (Accompagnement personnalisé). Da redet man dann entweder mit seinem Klassenlehrer über die eigene Zukunft oder man löst Extraaufgaben für das wichtigste Fach im jeweiligen Zweig (bei mir SES (Sciènces économiques et social). Danach über-/erlebe ich noch 2 Stunden Unterricht, der übrigens 50 Minuten dauert, bis dann um 12h30 die Mittagspause ansteht.

Die letzten beiden Stunden sind TPE (travaux personnels encadrés), das ist eine wichtige Arbeit für das französische ABI, das BAC. In 2er oder 3er Gruppen bearbeitet man ein halbes Jahr lang eine Problemstellung, erstellt eine Präsentation und hält dann einen Vortrag darüber und die Note fließt zu einem nicht ganz unbedeutenden Teil ins BAC ein.

Jetzt gerade habe ich zwei Wochen Herbstferien und die habe ich auch bitternötig, denn ich muss unheimlich viel Schlaf nachholen 😉

Ach ja; bevor ich es vergesse. Ein paar Klischees gibt es wirklich zu bestätigen^^

1)      Viele französische Jugendliche rauchen

Es ist schon echt bizarre, wenn sie immer, immer, immer rausgehen um zu rauchen. Ernsthaft: Strömender Regen, aber der Platz vor der Schule ist dicht besiedelt … Hier hängen auch überall “Interdit de Fumer”-Schilder rum und der Preis für Tabak steigt hier pünktlich jeden Montag^^ Und auch die Lehrer haben damit gar kein Problem…Die gehen einfach weiter. Aber auch in Frankreich ist Rauchen (eigentlich) erst ab 18 Jahren erlaubt, aber es ist in der Gesellschaft wirklich mehr als akzeptiert. Laut meinen “Freunden” fragt in den Tabakshops auch niemand nach deinem Alter, geschweige denn einem Ausweis…

2)      Franzosen essen viel Käse.

Ja, ja, ja! Zumindest in meiner Gastfamilie gibt es immer Käse nach dem Essen und auch die meisten Gerichte enthalten irgendwie doch immer Käse. Es ist vraiment bizarre!

3)      Essen können laaaaange dauern.

In meiner Gastfamilie dauert ein Essen immer so zwischen einer halben Stunde und anderthalb Stunden und wenn man bei Freunden eingeladen ist, sind 5h absolut normal…

Noch ein Unterschied. Französisches Papier hat nicht allzu viel mit dem deutschen zu tun und am Anfang war das eine echte Herausforderung, aber jetzt sind die vielen Linien doch ganz praktisch: