Schon drei Monate in Deutschland

Ich möchte mich erstmals ganz herzlich bedanken für die Ermöglichung meines einjährigen Aufenthaltes in der Bundesrepublik Deutschland, denn ich war gewiss nicht der Einzige, der den Wunsch hatte eine solch interessante, aber vor allem einmalige Chance zu bekommen. Mein ganzes Leben habe ich für diesen schwer ereichbaren Traum gekämpft und mich von ihm leiten lassen um am Ende zuschauen zu können wie er langsam in Erfüllung geht. Jetzt ist die Zeit gekommen sich einen neuen Traum besser gesagt ein neues Ziel zu suchen. Diese Reise werde ich aber nicht im Alleingang beweltigen müssen. Im gegenteil, mit der Unterstüzung meiner Mitmenschen, den ganzen neuerworbenen Kenntnissen in diesem Jahr, welches bereits als unvergessliches Erlebniss gilt, und vielen anderen einflussreichen Faktoren werde ich anfangen das Fundament für meine noch bevorstehende Zukunft zu legen.

Als ich nach Deutschland kam fühlte ich mich wie zu Hause, das könnte vielleicht daran gelegen haben da ich gedacht habe, dass ich mich schon durchs Fernsehen mit der deutschen Kultur vertraut gemacht habe oder auch da ich mir der Länge meiner Reise nicht bewusst war. Es kam mir so vor als hätte ich ein kurzes Stipendium gewonnen und die vielen neuen anderssprachigen Gesichter auf dem Seminar verstärkten dieses Gefühl. Das Seminar an sich war einfach großartig und sehr gut geplant, besonders gefiel mir die Idee Menschen aus völlig verschiedenen Regionen der Welt an einem Ort zusammenzuführen. Während des Seminars habe ich viele Freundschaften geknöpft von denen ich mir sicher bin, dass sie eine breite Zukunft vor sich haben werden. Nachdem es zu Ende war überkam mich ein Gefühl, welches mir vermittelte dass mir diese Kultur doch fremd war, aber mit meiner äusserst freundlichen und hilfsbereiten Familie die mir besonders am Anfang, als ich die Hilfe am meisten gebraucht habe, geholfen hat war es ein Klacks die neuen Sitten kennen zu lernen. Museums Besuche, sehr spaßige und lehrreiche Ausflüge wie der mit meinem Gastbruder nach Köln oder der Familienausflug nach Rügen haben uns zusammengeschweißt.

Meine neue Umgebung sowie auch das Wetter waren mehr ein Kälte als ein Kulturschock. In den ersten Wochen bin ich nie ohne einen Pullover aus dem Haus gegangen, aber mittlerweile ist der Wind wie ein ständiger Begleiter geworden, der jede Frisur zu nichte macht und vielleicht mag ich ihn ja auch deswegen.

Ich denke, dass ich den Ruf Russe bei manchen Leuten nie wieder loswerde, denn sobald ich meinen Namen ausspreche fangen alle an mit einem östlichen Akzent zu reden was nicht nur ich sondern auch sie selbst sehr amüsant finden. Was mein Heimatland angeht, von einer großen Wüsste bis zu Chernobyl und einem Karottenstaat habe ich die verrücktesten Vorstellungen von meinem Land gehört. Mit einem Lächeln habe ich die Scherze immer entgegengenommen und dann allen erklärt, dass wir eher ein Apfel oder Pflaumenstaat als ein Karottenstaat wären.

Mit dem Schulbeginn kamen auch die Verpflichtungen und die Verantwortung. Für mich war das Bildungssystem völliges Neuland, welches ich erforschen musste. Dabei bin ich auf sehr interessante Themen wie das Zeizeugen Projekt gestossen. Es dauerte eine Woche lang, mit dem Ziel die Überlebenden des Konzentrationslagers Banter Weg zu befragen damit am Ende das gesamelte Material bearbeitet und im Radio und in der Zeitung veröffentlicht werden konnte. Die Möglichkeit die noch letzten lebenden Augenzeugen des Terrors zu interviewen und die Geschichte von ihren Lippen zu hören wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Erfolgreich, aber auch mit sehr vielen vergossenen Tränen haben wir es geschafft unser Handeln in die Tat umzusetzen. Der Bericht wurde in der Zeitung veröffentlicht und die einezelnen Interviews bei Radio Jade ausgestrahlt.

Ich bin schon seit drei Monaten in diesem faszinierenden Land und habe so viel gesehen, gehört und erlebt. Was den Rest des Jahres betrifft habe ich noch sehr viel vor, denn so eine Gelegenheit wie ich sie bekommen habe, bekommt man selten oder fast gar nicht im Leben. Ich empfinde dieses Austauschjahr auch als ein Jahr der Selbsterkentniss, denn wie man so schön sagt, ein Austausch ist kein Jahr im Leben, sondern ein Leben im Jahr.

mit freundlichen Grüßen

Dimitrije Nikolić