Majorat- 18. Geburtstag in Rumänien

 

Ceau,

also, vor kurzem hat meine Gastschwester ihren 18. Geburtstag gefeiert und deswegen möchte ich euch dieses Mal davon berichten, wie dieser hier in Rumänien gefeiert wird.

Zunächst einmal darf man in Rumänien wirklich erst mit 18 Führerschein machen oder Alkohol trinken, nicht mit 16 wie in Deutschland, deswegen bedeutet der 18. Geburtstag tatsächlich eine Veränderung im Leben, was vielleicht ein Grund dafür ist, dass er hier so groß gefeiert wird. Und er wird wirklich groß gefeiert, sehr groß sogar. Ich war bisher auf drei Majorats, und weil ich aus Deutschland eher an „Gartenpartys“ gewöhnt war, war es eine ziemliche Überraschung für mich, als mir meine Gastfamilie eröffnet hat, das ich mit meinen Outfits aus Deutschland auf keinen Fall auf einen Geburtstag gehen kann.
Für den Geburtstag von meiner Gastschwester, der der Meinung meiner Gastfamilie nach vom Aufwand her eher im rumänischen Mittelmaß lag, hatten meine Gasteltern eine Art sehr luxuriösen Partykeller gemietet, zwei DJs und zwei Kellner bestellt, eine professionelle Torte anfertigen lassen, Geschirr und Tische für 25 Personen gemietet und eigentlich sollte auch noch ein professioneller Fotograf kommen, aber der hat dann doch abgesagt, sodass am Ende ich diese Rolle übernommen habe. Meine Gastmutter hat sich drei Tage von der Arbeit freigenommen, in denen sie fast von morgens bis abends nur in der Küche gestanden und das Essen vorbereitet hat und dann musste natürlich auch ein neues Outfit für meine Gastschwester besorgt werden… Ehrlich gesagt will ich gar nicht wissen, was das Ganze gekostet hat, meine Gasteltern haben merklich darauf gespart. Schon alleine die Luftballons am Eingang haben 125 Lei gekostet, umgerechnet ca. 30 Euro, sehr viel für rumänische Verhältnisse.
Aber wir hatten auf jeden Fall sehr viel Spaß, ich habe viele neue Leute getroffen und es ist mir zum ersten Mal passiert, dass jemand nicht schon nach zwei Minuten gemerkt hat, das ich keine Rumänin bin. Wir haben die ganze Nacht getanzt und gegessen und sind erst um sieben Uhr morgens nach Hause gekommen, das erste Mal in meinem Leben, das ich nur zwei Stunden geschlafen habe, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Ich war im November auch auf einem 18. Geburtstag, der selbst für rumänische Verhältnisse ziemlich fancy war, er fand in einem „Castello“ statt, ein Ort, in dem in Deutschland vielleicht Hochzeiten gefeiert werden würden, dafür mussten wir vorher Ballkleider mieten…
Es wird auf jeden Fall merkwürdig für mich werden, in Deutschland wieder auf „normale“ Geburtstage zu gehen, wahrscheinlich bin ich erst mal ein paar Male overdressed, aber das ist ja auch eine interessante Erfahrung die ich noch nie gemacht habe XD
Ich hoffe ich konnte euch wieder einen kleinen Einblick verschaffen, auf den Bildern seht ihr mich mit meiner Gastschwester bevor wir zu dem fancy Geburtstag gegangen sind, das andere zeigt mich mit meiner Gastschwester und einer Freundin bei dem Geburtstag meiner Gastschwester.

Ceau, pe curand,
Alina

 

 

 

 

Halbzeit

Die erste Hälfte meines Austauschjahres ist jetzt vorüber und gibt Anlass dazu, alles Erlebte zu reflektieren und Ziele für den Rest der Zeit zu setzen. Denn auch wenn ich in den letzten 5 Monaten schon einen Einblick in die ungarische Kultur erhalten habe, der weit unter die Oberfläche geht, gibt es vor allem noch viel über Musik und über mich selbst zu lernen und viele Dinge, an denen ich im Rahmen meines Aufenthalts arbeiten möchte.

 

HALBJAHRESCAMP

Das von YFU Ungarn organisierte Halbjahrescamp fand vom 10.-12. Januar in der Stadt Esztergom statt. Es diente dazu, gemeinsam über Fortschritte und Probleme der letzten Zeit zu sprechen und uns Ratschläge für die noch kommenden Monate zu geben – uns also beim eigenen Reflektieren zu unterstützen. Am ersten Tag haben wir einen Ungarisch-Test absolviert (bei dem ich zu den drei besten gehörte 🙂 ), dann ging es um unser Wohlbefinden im Austausch von der Ankunft bis jetzt. Ein typisches Auslandsjahr beginnt nämlich mit Begeisterung für die neue Kultur, die jedoch immer weiter nachlässt und eventuell zu einer Krise bzw. Kulturschock in der Mitte des Jahres (also genau jetzt) führt, bevor man sich wieder besser fühlt wirklich an das andere Land angepasst hat. Ich persönlich habe eigentlich meinen Aufenthalt in Ungarn zu jedem Zeitpunkt genossen, aber es stimmt schon, dass die anfängliche Euphorie über alles Neue nicht mehr da ist, sondern man sich an das Meiste schon gewöhnt hat und momentan manchmal auch Dinge aus Deutschland vermisst. Dazu gehört auch die Zeit für einen selbst: Hier übe ich stattdessen Klavier, treffe Freunde in Budapest oder verbringe Zeit mit meiner Gastfamilie – aber das sind wiederum Dinge, die ich in Deutschland nicht machen kann und die in nach meiner Rückkehr sicherlich vermissen werde.

Am zweiten Tag haben wir zuerst einen Ausflug in die Stadt gemacht und dann über unser Verhältnis zur Gastfamilie gesprochen: Mit wem verstehen wir uns am besten und wie können wir uns manchen Familienmitgliedern besser annähern? Und gibt es Verhaltensweisen von uns, an denen wir arbeiten sollten? Bei mir ist meine Beziehung zu meiner älteren Gastschwester Fanni am besten, aber eigentlich verstehe ich mich mit allen sehr gut. Jedoch könnte ich definitiv mehr mit ihnen unternehmen, weil ich immer lange Schule habe, an den meisten Wochenenden mit Freunden unterwegs bin und deswegen ziemlich oft spät nach Hause komme. Wir haben außerdem auch über die Schule und unsere Situation in der Klasse geredet. Ich muss sagen, dass ich in der Hinsicht ein bisschen enttäuscht bin, denn ich hatte erwartet, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon enger mit meinen Klassenkameraden befreundet wäre. Es sind zwar alle nett zu mir, aber außerhalb der Schule treffen wir uns nicht wirklich – wobei das nach meinem Eindruck nicht zwingend etwas mit mir zu tun hat, sondern damit, dass es eine Musikschule ist: Es gibt Unterricht am Nachmittag und Abend, und wenn man keinen Unterricht hat, dann übt man am Instrument, weshalb die Schule immer gefüllt und sozusagen der zentrale Treffpunkt für Freundesgruppen ist. Trotzdem möchte ich gerne versuchen, mehr über meine Klassenkameraden zu erfahren und auch mit Leuten aus anderen Klassen Kontakt zu knüpfen.

Dann haben wir noch über die Ungarn im Allgemeinen gesprochen. Dabei ist mir klar geworden, wie umfassend wir die Unterschiede dieser Nation zu unserer eigenen begreifen und beschreiben können: Es gab ein Spiel, bei dem jemand eine Behauptung über Ungarn aufstellen sollte und jeder, der zustimmte, aufstand. Dinge wurden genannt wie „Ungarn haben sehr leckeres Essen“ oder „Ungarn sind immer höflich“, aber auch Negatives wie „Ungarn sind verschlossen gegenüber Fremden“ und „Ungarn reagieren sehr unfreundlich, wenn man Englisch spricht“. Mir persönlich ist in der Hinsicht ein großer Unterschied zwischen Jung und Alt aufgefallen: Die Jugendlichen reagieren meist sehr fasziniert, wenn sie erfahren, dass ich aus Deutschland komme, und oft sagen sie, dass sie später auch einmal ins Ausland möchten, weil sie Ungarn langweilig finden. Die ältere Generation ist hingegen genau das Gegenteil: Spreche ich an der Kasse oder mit Kontrolleuren Englisch, werde ich nicht selten abschätzig behandelt. Das könnte mitunter vielleicht an der Geschichte liegen: Ungarn musste immer viele Niederlagen einkassieren, und dadurch gibt es ein allgemeines Ungerechtigkeitsgefühl und eventuell Angst gegenüber Neuem, Fremden in den Köpfen der Menschen. Dabei können die Ungarn stolz auf ihr Land sein, dass so eine einzigartige Sprache, gutes Essen und eine schöne Hauptstadt hat.

Am letzten Tag haben wir alle von unseren glücklichsten Moment erzählt (bei mir das Eislaufen mit meiner Gastfamilie), eine Liste mit Dingen erstellt, die wir im Austausch noch machen möchten und dann schließlich unseren Brief an uns selbst bekommen, den wir auf dem Arrival Camp verfassen sollten. Es war ein komisches Gefühl, ihn zu lesen und hat einen realisieren lassen, wie sehr man sich doch schon verändert hat. Angeregt von all diesen Ideen und Erkenntnissen sind wir dann schließlich wieder nach Hause zu unseren Gastfamilien gefahren, bereit für die zweite Hälfte unseres Austauschjahres – mit Ausnahme von Hanna und Sabrina aus Deutschland und Luna aus Belgien, die nur ein halbes Jahr in Ungarn verbracht haben und von denen wir uns das darauffolgende Wochenende leider schon verabschieden mussten. Aber wir konnten auch Ingrid aus Argentinien neu begrüßen, die jetzt im Januar ihr Austauschjahr begonnen hat und bis Ende November bleibt.

 

SEMESTERENDE

Auch in der Schule beginnt nun ein neues Halbjahr. Im Januar gab es deshalb Examen und lauter Konzerte, um sich auf dieses vorzubereiten bzw. um das alte abzuschließen und außerdem ein Kammermusikkonzert. In dieser Woche war dann die halbjährige „Konzertwoche“, bei der jeder Schüler von der ganzen Schule im großen Saal etwas vorspielt und die besten nach Abstimmung im „Superkonzert“ landen. Die Klavierspieler waren alle am Dienstag dran und obwohl ich sonst keine Probleme mit Auftritten habe, war ich schon ziemlich aufgeregt: So viele Leute, mit denen ich etwas zu tun hatte, haben mich schließlich zum ersten Mal gehört. Aber es ist gut gelaufen und danach war es ein großartiges Gefühl, die Herausforderung gemeistert zu haben.

Ich fand es richtig interessant, zu sehen, was die anderen Schüler für Instrumente spielen und wie gut sie sind, außerdem war es für mich das erste Mal, dass ich zum Beispiel ein Saxophon- oder Harfensolo gehört habe. Viele Leute an meiner Schule sind auch im Tontechnik-Programm, d.h. sie lernen, selbst Musik zu produzieren, wovon ich mir durch ihre Vorstellungen endlich besser ein Bild machen konnte. Jetzt ist all der Stress jedenfalls erstmal vorbei, ich fange wieder mit neuen Klavierstücken an und ich bin schon gespannt, welche mein Lehrer für mich ausgesucht hat.

Lucia

Weihnachten und Silvester in Rumänien

In diesem Beitrag soll es darum gehen, wie Weihnachten und Silvester hier in Rumänien gefeiert werden.
Grundsätzlich hatte ich an Weihnachten das Gefühl, dass es ein nicht ganz so wichtiges Fest ist wie in Deutschland, eine Adventszeit gibt es hier zum Beispiel fast gar nicht, es wird zwar gebacken, aber vor Weihnachten werden die Plätzchen (zumindest in der Theorie:)) nicht angerührt und das einzige, das einen ein wenig in Weihnachtsstimmung versetzt, ist die geschmückte Stadt, die wirklich sehr hübsch aussah, mit vielen Lichtern und einem kleinen Weihnachtsmarkt im Zentrum.
Wir haben auch einen Weihnachtsbaum, den wir alle zusammen am 24. Dezember geschmückt haben. Ansonsten hatte ich den Eindruck, dass das wichtigste an Weihnachten das Essen war, es gibt an jedem Weihnachtstag ein Festessen, zuerst eine „Vorspeise“, meistens verschiedene Salate und kalte Platten, dann eine Suppe, dann das eigentliche Hauptgericht, meistens Sarmale (das rumänische Nationalgericht, Kohlröllchen mit Fleischfüllung) und dann noch einen Nachtisch, meistens Kuchen. Ich habe noch nie in meinem Leben so viel gegessen und dann hatte meine Gastmutter auch noch deutschen Stollen gebacken… Geschenke gab es am 24. Dezember, aber das Ganze hat nicht Stunden gedauert wie normalerweise in Deutschland, sondern alle haben gleichzeitig alle ihre Geschenke auf einmal ausgepackt und nach einer halben Stunde waren wir fertig. Trotzdem habe ich dieses Weihnachten aber als sehr schön empfunden, über die Weihnachtstage waren wir als Familie fast immer zusammen, was ansonsten nicht so häufig vorkommt und was ich genossen habe.

An Silvester waren wir in einem 4 Sterne Restaurant mit 6-Gänge-Menü, Livemusik und Tanzen und um Mitternacht haben wir uns das Feuerwerk angesehen. In Rumänien ist es verboten, ohne Extragenehmigung Feuerwerk zu machen, deswegen dachte ich erst, das es eher langweilig werden würde, aber die Stadt hat ein sehr schönes Feuerwerk organisiert, sodass dieses Neujahr auf jeden Fall ebenfalls sehr einzigartig und wunderschön war.

Auf den Bildern unten sieht man das weihnachtlich beleuchtete Stadtzentrum, meine Gastfamilie und mich an Silvester und einen traditionellen Tanz aus der Region in Rumänien in der ich lebe.

Ceau, Alina

Weihnachten

Der vergangene Monat war geprägt von lauter Lichtern auf den Straßen, Schnee, der tatsächlich liegen blieb (und die damit verbundene Kälte), Plätzchen und Schokolade, „Last Christmas“ Ohrwürmern, Geschenken, „Kevin allein zu Haus“, und natürlich vielen (mal lustigen, mal langweiligen) Besuchen von Verwandten. Weihnachten, oder auch „Karácsony“, wie es dieses Jahr für mich hieß, wird in Ungarn eigentlich ziemlich ähnlich gefeiert wie in Deutschland und als Fest der Familie angesehen. Trotzdem war es für mich eine ganz neue und auch etwas komische Erfahrung, denn es war eben nicht meine Familie, mit der ich Weihnachten verbracht habe…

 

ADVENTSZEIT 

Was wäre die Adventszeit ohne Adventskalender? Pünktlich am 1. Dezember haben meine Gastschwestern und ich einen von meinen Gasteltern bekommen. Ich hätte gar nicht unbedingt erwartet, dass es das in Ungarn auch gibt und habe mich daher umso mehr über diese kleine Geste gefreut. Und auch meine Mutter hat mir einen für jeden, auch die Eltern, aus Deutschland zugeschickt, zusammen mit Klamottennachschub und selbst gebackenen Plätzchen, die sehr gut angekommen sind 🙂 Einige Tage später war dann schon Nikolaus – auch hier legt man sich kleine Geschenke in die Stiefel. Meine Familie hat mir einen Schokostern und Ohrringe geschenkt, und sogar die Schulmensa hat sich beteiligt und an jeden einen kleinen Schokonikolaus vergeben – oder eher einen Schokoweihnachtsmann. In Ungarn kommt der Weihnachtsmann (oder der „Mikulás“) nämlich schon am 6. und an Weihnachten bringt stattdessen das Christkind die Geschenke.

Am folgenden Wochenende war ich mit Hanna, einer anderen deutschen Austauschschülerin, auf dem Weihnachtsmarkt in Budapest. Die Innenstadt wurde wirklich schön geschmückt, mit beeindruckenden Lichtern überall, vom Markt selber wurden wir aber leider etwas enttäuscht. Es ähnelte alles ziemlich einer kleineren Version der deutschen Märkte – nur wird Glühwein hier erst ab 18 verkauft, und Schmalzkuchen oder gebrannte Mandeln waren nirgendwo zu finden. Aber es gab dafür an allen Ecken Lángos, mein persönliches ungarisches Lieblingsessen – ein großes Fladenbrot mit Käse, Sauerrahm und Knoblauch.

Am 14. Dezember hat YFU die alljährliche Weihnachtsparty in einem Café veranstaltet. Es gab Kuchen und Kekse, und wir haben alle fleißig das ungarische Weihnachtsgebäck probiert. Besonders typische Zutaten sind Zimt und Mohn, die aber für Ausländer etwas ungewohnt sein können, da das Aroma ziemlich stark ist. Einige von uns Austauschschülern, auch ich, spielten im Laufe des Abends noch etwas auf dem Instrument vor, wodurch eine schöne und familiäre Atmosphäre geschaffen wurde. Als sich dann die Feier dem Ende zuneigte, bin ich mit Kenya (aus Mexiko) zusammen zu Opal (aus Thailand) gegangen, um bei ihr zu übernachten. Und am nächsten Morgen gab es dann tatsächlich den ersten Schnee in diesem Winter – für mich nichts besonderes, aber für die anderen beiden das allererste Mal, weshalb sie sich unglaublich gefreut haben. Sogar ich wurde ein bisschen von ihrer guten Stimmung mitgerissen (und das, obwohl der Winter und ich eigentlich bitterlich verfeindet sind), und kam auf die Idee, Plätzchen – oder Vanillekipferl, die Hanna dann vorgeschlagen hat – zu backen. Die Arbeit hat sich jedenfalls gelohnt und auch Kenya, Opal und ihren Gasteltern haben die deutschen Kekse am Ende geschmeckt!

Ab da begann der alljährliche Geschenke-Stress: Der 24. rückte langsam gefährlich nah, weshalb es dringend Zeit wurde, alles fertig zu kriegen. Es ist natürlich nicht so einfach, etwas passendes für Menschen zu finden, die man noch nicht so lange kennt, aber glücklicherweise gibt es in Budapest unzählige Läden, die gute Ideen liefern: Für meinen Gastvater habe ich einen Weihnachtshut gefüllt mit Schokolade besorgt, für meine Gastmutter Kosmetikartikel und Duftkerzen, für meine kleine Gastschwester Hanna viele glitzernde Einhornartikel, und für meine große Gastschwester Fanni einen Weihnachtspulli und Oreo-Kekse. Auch für einen Klassenkameraden von mir, den ich beim Wichteln gezogen habe, habe ich einige Kleinigkeiten gekauft.

Am letzten Schultag wurden dann die Geschenke ausgetauscht, nach einem gemeinsamen Frühstück mit Kuchen, Keksen und dem leckeren ungarischen Tee. Mein Geschenk kam übrigens von der Klassenlehrerin und ich muss sagen, dass sie mir echt schöne Sachen ausgesucht hat: Socken mit Hundemotiv, Ohrringe, Duschgel, ein Musikheft und Schokolade. Auch Katinka aus meiner Klasse hatte eine kleine Tüte mit Geschenken für uns Mädchen, was ich wirklich nett und aufmerksam fand. Nach der Weihnachtsfeier in der Klasse hat sich dann die ganze Schule in der Turnhalle versammelt, um die seit Längerem erprobten Volkstanz-Choreographien aufzuführen, und als das geschafft war, haben wir noch zusammen Weihnachtslieder gesungen – das macht in einem Musikgymnasium, in dem alle Leute mitsingen, echt Spaß. Damit waren wir dann, zwei Tage früher als die anderen Schulen in Ungarn, in die Weihnachtsferien entlassen.

Die Vorweihnachtszeit scheint übrigens gleichzeitig die Zeit der Konzerte an meiner Schule zu sein: Am 5. Dezember hatte ich mein erstes Vorspiel in Ungarn, und auch wenn es nur klein war, war ich ziemlich aufgeregt, weil ich auswendig spielen musste. Letztendlich lief es ganz in Ordnung – das erste Stück war okay, das zweite hatte ziemlich viele Fehler, aber keinen befürchteten Komplett-Blackout, und für das dritte hat mein Lehrer mir sogar anschließend ein Kompliment gemacht. Am nächsten Tag gab es eine Meisterklasse im Klavier – das bedeutet, dass ein angesehener Pianist bzw. Klavierlehrer in die Schule kam, und dann eine einmalige Unterrichtsstunde gab. Das ganze war öffentlich, alle Klavierlehrer und -schüler haben also zugeschaut und nur einige von ihnen vorgespielt. Ich fand es ziemlich interessant (auch wenn ich nicht alle Anweisungen des Lehrers verstanden habe), denn er war wirklich sehr talentiert und auch witzig. Eine Woche später hatten wir dann wieder einen Chorauftritt, dieses Mal aber für die Gedenkfeier eines ungarischen Politikers, die sogar ins Fernsehen übertragen wurde – das hat mich irgendwie ein bisschen stolz auf meine Schule gemacht. Und das letzte Konzert, bei dem auch meine Familie zugesehen hat, war am Abend des letzten Schultags: Dort haben der Jungen- und Mädchenchor mit Begleitung des Streichorchesters gesungen.

Das Wochenende vor Weihnachten hatte noch meine Gastschwester Hanna Geburtstag. Was ich aber etwas merkwürdig fand war, dass wir ihren Geburtstag aus Zeitgründen schon eine Woche vorher gefeiert haben – meine Gastoma kam vorbei und es gab Torte und Geschenke. Für mich als Deutsche, wo ja schon ein „Alles Gute“ einen Tag zu früh Unglück bringen soll, war es schon sehr ungewohnt, vor allem, weil dann der Tag ihres richtigen Geburtstags nichts Besonderes mehr war. Aber für Hanna war es trotzdem schön, auch weil sie am nächsten Tag mit ihren Freundinnen zusammen zuhause gefeiert hat – und darauf kommt es ja am meisten an.

 

WEIHNACHTEN

Dann war Weihnachten. Hanna hat alle sogar schon morgens geweckt, damit wir die Geschenke unter dem (wie bei der Hälfte der Ungarn künstlichen) Tannenbaum auspacken konnten. Von meinen Gasteltern gab es zwei Gutscheine und eine Badekugel, von Fanni einen schwarzen Spitzenpullover und eine Handy-Armbinde fürs Joggen gehen, und von Hanna süße Weihnachtsdeko in Form einer Note, eines Violinschlüssels und einer Ballerina. Ich habe mich über alles sehr gefreut und hoffe, dass meine Geschenke auch gut bei allen angekommen sind.

Daraufhin gab es dann zusammen mit meiner Gastoma ein großes Mittagessen – etwas unerwartet für mich, weil man in Deutschland ja groß zu Abend ist, aber es war wirklich sehr lecker: Es gab eine Platte mit Schinken, Gemüse und Frikadelle mit Ei in der Mitte (speziell ungarisch) als Vorspeise und anschließend Hähnchen, gebraten und paniert mit Schafskäsefüllung, dazu Rotkohl, Eier- und Kartoffelsalat oder gekochte Kartoffeln. Das hat meine Gastmutter natürlich nicht alles alleine gekocht, sonst hätte sie wohl für Tage in der Küche gesessen, sondern den Großteil am Vortag in einem Restaurant bestellt. Zum Nachtisch hatten wir dann Tiramisu, das wir am Abend vorher zubereitet haben. Jedenfalls hatten wir so viel leckeres Essen, dass wir davon noch zu Abend und am nächsten Tag zu Mittag gegessen haben. Am Abend des 24. habe ich noch mit meinen Gastschwestern Twister (Hanna’s Weihnachtsgeschenk) gespielt und dann haben wir alle zusammen „Kevin – Allein zu Haus“ geguckt.

Am 25. Dezember haben wir viele Verwandte gesehen: Zuerst waren mein Gastgroßvater mit seiner Frau und meine große Gastschwester mit Mann und Kind bei uns, danach haben wir meine Gasturgroßmutter in einem Altenheim besucht und am Nachmittag waren wir bei meiner Gastgroßtante, wo sich auch Gastonkel und -tante mit ihren Familien einfanden. Es war schon ein bisschen langweilig, aber wir haben dann irgendwann „Mensch ärgere Dich nicht“ gespielt, was lustig war. Ich fand es sehr schön, dass alle so nett zu mir waren und ich wie selbstverständlich in die Familie aufgenommen wurde.

Der letzte Weihnachtstag war für mich der schönste: Nachdem uns am Vormittag meine andere Großtante mit ihrer Familie besucht hatte, sind wir am Nachmittag Eislaufen gegangen. Mein Gastvater kann sehr gut fahren – er hat mir gezeigt, wie man rückwärts fährt und zumindest versucht, mir Drehungen beizubringen. Dieses Ereignis werde ich so schnell nicht wieder vergessen – ich glaube sogar, dass ich Schlittschuhlaufen in Zukunft immer mit meinem Austauschjahr in Verbindung bringen werde.

Wie war Weihnachten also zusammenfassend für mich? Es gilt als Fakt, dass Austauschschüler um Weihnachten herum vermehrt Heimweh haben und einen Kulturschock erleben, auch „Weihnachtsblues“ genannt . Bei mir war eigentlich alles in Ordnung, aber irgendwie hat Weihnachten sich schon ein bisschen komisch und weniger besonders angefühlt. Was ich zum Beispiel von zuhause vermisst hab, war das Essen meiner Mutter, die Weihnachtsmusik und die Dekoration. Aber jeder feiert natürlich anders, und es war dennoch sehr interessant, dieses Jahr einen Einblick in ein anderes Weihnachten zu erhalten.

 

SILVESTER

Nach Weihnachten war das Jahr dann auch schon fast vorbei, und wir Austauschschüler waren fleißig am planen, was wir an Silvester zusammen machen würden. Doch letztendlich haben wir dann alle Pläne über Bord geworfen und uns entschieden, spontan zu sein: Zuerst waren alle bei mir zuhause, danach sind wir doch nach Budapest gefahren, um das Feuerwerk anzusehen. Und weil wir die eine HÉV (Vorstadtbahn) in meinem Dorf verpasst haben, haben wir tatsächlich Mitternacht in der Metro verbracht. Aber es war total lustig, weil wir alle beisammen waren und jeder der Mitfahrer gute Laune hatte, und außerdem ist sowas doch auch eine ziemlich einzigartige Erfahrung!

Das Feuerwerk selbst ist dann eher klein ausgefallen, aber das fand ich nicht weiter schlimm, weil es die ja schließlich jedes Jahr gibt. Jedenfalls hatten wir alle noch eine wirklich lustige Nacht zusammen. Ich habe mir für 2019 keine Vorsätze gemacht, sondern nehme mir einfach vor, aufmerksamer durch die Welt zu gehen und besonders die verbliebene Zeit meines Austausches bewusst zu erleben.

Frohes Neues Jahr! Boldog új évet!

Lucia

 

Schulball

Estland ist der amerikanische Traum. Na gut, nicht ganz, aber es ähnelt ein wenig einen High-School Film und genau so war auch der Schulball.

Der Schulball, war der Geburtstag von meiner Schule. Er ging von sechs Uhr bis um halb eins. Ich war mit einer Freundin, da und es war sehr lustig. Wir haben getanzt und ich glaube ich bin den Jungs auf die Füße getreten…

Naja, es war auf jeden fall lustig. Zum Anfang haben welche aus meiner Schule eine Art kurz Musical aufgeführt und es hätte genauso gut aus High-School Musical sein können. Sonst gab es live Musik, es waren estnische Sänger. Jetzt nicht die Berühmtesten, aber sie waren sehr gut.

Es gab ein Fotostand wo wir schöne sowie lustige Fotos gemacht haben.
Um Mitternacht gab es Kuchen und darauf folgte eine Show von Feuerbändigern, das war echt cool anzusehen.

Und was darf natürlich nicht fehlen, der Ballkönig und die Ballkönigen. Es gab aufblasbare Kronen und eine kurze Rede, wenn ich mich nicht Irre ;D. Ich war nicht wählen, hab leider verpasst, wo man wählen konnte…

Kurzgefasst, es war schon cool 😀

Meine Handykamera ging an dem Tag leider nicht… Sollte ich noch an Bilder kommen, werden sie folgen.

Schulball 8. Nov. 2018