Meine Ankunft <3

Hey,

ich bin gerade mal ganze 2 Wochen in ASERBAIDSCHAN, doch schon jetzt merke ich die vielen Unterschiede…

Unter anderem die Preise… hier kostet Brot zb nur 15ctOder auch solche Getränke wie Cola & Fanta (0,5l) gibt es hier auch schon ab 30ct! Das war sehr überraschend für mich…. Außerdem gibt es hier auch solche Sorten wie Apfelfanta oder mit Himbeergeschmack (beides sehr lecker übrigens). Ein Busticket kostet hier ebenfalls nur 10ct & wenn du einmal eingestiegen bist, kannst du ruhig den ganzen Tag lang im selben Bus durch die Gegend fahren & der Preis bleibt gleich.

Aber fangen wir mal von vorne an 😀

Mein Auslandsjahrabenteuer fing in Frankfurt an, als ich die beiden anderen Austauschschülerinnen Leonie (aus Deutschland) & Zuzka (aus der Slowakei) am Flughafen kennenlernte. Ich war froh darüber, dass wir 3 uns von Anfang an gut verstanden haben.

Von Frankfurt aus ging es dann direkt nach Baku. Die Landung war sehr holprig, da zu der Zeit ein sehr starker Wind durch Baku fegte, aber den restlichen Flug haben wir alle 3 gut überstanden. Als wir dann angekommen sind, hieß es zunächst Koffer abholen & Gastfamilie kennenlernen. (Ich war sehr überrascht darüber, dass die Leute gleich von einem erwarteten, dass du russisch oder aserbaidschanisch schon sprechen konntest). Eine YFU-Mitarbeiterin machte von uns allen Bilder bei der Ankunft & nach diesem kleinen ‘Fotoshooting’ durften wir dann auch schon in unser neues zu Hause fahren.

Mein ‘1. Fehler’ als Deutsche war, dass ich mich auf dem Rücksitz anschnallen wollte (in Aserbaidschan nimmt man das auf der Rückbank allerdings nicht so ernst). Schon wurde ich etwas seltsam angeguckt.

Da es schon dunkel war, konnte ich mir während der Fahrt die Stadt bei Nacht angucken & sie war wunderschön. Alles leuchtete. So gut wie jedes Gebäude hatte eine einzelne Beleuchtung, sodass die ganze Stadt von Licht erfüllt war. Sogar die Autobahnen werden hier beleuchtet. Beinahe hatte ich schon vergessen, dass diese Stadt den Namen ‘Stadt des Windes’ trug, doch als ich ausgestiegen bin, fiel es mir schnell wieder ein. Baku hatte mich wohl mit dem stärksten Wind, den die Stadt zu bieten hatte, empfangen. Ich musste mich irgendwo festhalten, um nicht gleich ein paar Meter weiter hinten zu stehen…

Dann betrat ich die Wohnung.

Fortsetzung folgt….

Kristina

Ein Monat.

Heute ist der 16.09.2017 und ich sitze auf meinem Sofabett, höre Jazz und denke nach. Darüber, was alles passiert ist. Darüber, wen ich bereits getroffen habe. Darüber, wo ich schon überall war.

Die Zeit fliegt. Genau vor einem Monat, genau zu dieser Uhrzeit, saß ich im Flugzeug und die Landschaft zog unter mir vorbei. Ich fühlte mich müde, aufgeregt und gleichzeitig voller Freude und Trauer.

Heute ist das anders. Ich habe mich super bei meiner Gastfamilie eingelebt, kenne die Regeln und befolge sie (hoffentlich) immer. Ich kenne meine Schule, weiß, wo die Räume sind und bei welchem Lehrer ich so zun muss, als würde ich aufpassen und bei welchem Lehrer ich auch nur estnisch lernen kann, ohne ihm zuzuhören. Ich weiß, wo alle Geschäfte in Kuressaare sind und brauche kein Google Maps mehr. Ich habe meine estnische ID-Card und meinen Schülerausweis. Ich habe in der Mensa einen festen Platz, wo ich immer mit meinen Freunden sitze und esse. Beim Einkaufen weiß ich nun auch endlich, wie das mit dem Self-Checking und den Piepteilen läuft.

Der Alltag kommt und ich freue mich darauf. Anfangs war alles neu. Alles. Nun sind es die kleinen Sachen, die mich erfreuen. Heute habe ich zum Beispiel am Frühstückstisch gefragt, ob in dem Salat Fleisch ist. Auf estnisch! Ohne Google-Übersetzer! (Kas see on lihaga?) Das mag für Nicht-Austauschschüler ziemlich weird klingen. Es ist nur eine Frage mit gerade mal vier Wörtern?

Dennoch war es eine Überwindung für mich. Estnisch zu sprechen ist immer ein wenig seltsam. Und bei mir meistens grammatikalisch falsch. Doch heute habe ich das richtige Fragewort UND den richtigen Fall benutzt, ohne groß darüber nachzudenken. Progress!

Solche Kleinigkeiten machen mich immer glücklich und stolz. Und lassen mich widerum mein Leben in Deutschland umso mehr wertschätzen. Dort verstehe ich die Sprache, kenne die Gepflogenheiten, wie ich mich wann und wo zu verhalten habe und verstehe den Klassenchat, wenn jemand etwas hineinschreibt.

Hier ist das nicht so. Und dennoch könnte ich nicht glücklicher sein.

Angekommen in Zamosc! (1. September 2017)

So viel ist passiert in den letzten vier Tagen!
Wirklich unglaublich wie viel in vier Tage passt und wie schnell die Zeit trotzdem manchmal rennt. Ich bin jetzt bei meiner Gastfamilie angekommen, bei der ich für das restliche Jahr bleiben werde, hier in Zamosc.
Ich sitze grad in meinem Zimmer, an meinem Schreibtisch, in dem Haus, das ich für ein Jahr mein Zuhause nennen werde. Eine verrückte und trotzdem wunderschöne Vorstellung. Ich weis nicht wen oder was ich hier (kennen) lernen werde. Ich weis nicht was hier alles passieren wird und wie sich klitzekleinste Details auf die Zukunft aus wirken werde. Ich weis nicht wie ich mich verändern werde und auch nicht was ich vielleicht verändern kann/werde.
Wen werde ich treffen? Was werde ich tun? Alles ist ungewiss.
Ich kann mir nicht vorstellen wie es wird, weil die Realität so detailgetreu ist, dass die Zukunft von meinem kleinen Gehirn nicht erfasst werden kann. Ich lasse mich überraschen, von den Menschen, denen ich begegne, den Situationen, in die ich komme und dem neuen Leben (und dem neuen Ich), das für ein Jahr mein Leben sein wird.

Also nun zu den letzten Tagen in Posen:
Ich habe nicht mehr viel gemacht. Ich war einmal schwimmen, mit meiner Gastschwester in der Stadt, bei einem yfu-Abschlussmeeting und zuhause. Dann war ich noch mit meiner Gastfamilie Proviant einkaufen und natürlich habe ich auch gepackt. -wie sollte es anders sein-
An alle die es nicht wissen, ich hatte einen riesen Koffer, eine Sporttasche und einen Reiserucksack als Gepäck. Achja und die drei Sachen wogen zusammen mehr als ich. Glück gehabt, es hat nochmal alles reingepasst und als der Koffer zu war und mein Zimmer dafür leer, realisierte ich dass es weiter ging. Die Reise ging los und ich war total aufgeregt, ein Mix aus Vorfreude, Angst, Neugier und Melancholie, aber auch ein bisschen Traurigkeit, dass ich meine Familie verlassen muss.
Gesagt getan. Ich bin am 30.August 2017 um 9:44 in den Zug gestiegen. Alex (der andere Deutsche, der in Polen sein Auslandsjahr macht) hab auf mich im Zug gewartet und unser 6er- Abteil war randvoll.
Alex ist nach Hajnòwka gefahren und musste deswegen in Waschau aussteigen. Das heißt ich bin 4 Stunden mit Alex gefahren und 3 Stunden alleine. Wie gesagt ist Alex in Warschau ausgestiegen und dafür sind zwei Typen zu uns ins Abteil gekommen. Als der Schaffner dann kam und gemerkt hat, dass ich kein Englisch spreche, hat er mich gefragt woher ich denn kommen würde und ich meinte “Germany-Berlin”. Tja und nach ungefähr einer Stunde hat mich der eine Typ, der in Warschau mit seinem Kumpel eingestiegen ist, ganz neugierig gefragt was ich denn im Zug von Posen nach Lublin mache, wenn ich doch kein Polnisch spreche. Dann hat Madame Rosa ihre allseits bekannte, ich-bin-eine-Austauschschülerin-aus-Berlin-und-fahre-nach-Polen-(Warum, Wieso, Weshalb das ganze…. )- Story ausgepackt und die dachten natürlich ich wäre eine eine Studentin, weil man auf Englisch da keinen Unterschied macht.
Also musste ich erstmal klarstellen, dass ich hier zur Schule gehen werde und erst fünfzehn bin. War echt ganz lustig denen zu erklären, dass man auch ein Auslandsjahr machen kann ohne schon auf der Uni zu sein.
Die beiden Dudes kamen aus England und der eine war Halbinder und der andere ein Pole, der aber in England lebt. Da war natürlich das Thema Brexit nicht weit. Weiter ging es dann mit den, in der (deutschen) Gesellschaft sichtbaren, Folgen des zweiten Weltkriegs, dem non plus ultra Thema Flüchtlingspolitik und den Vorurteilen gegenüber Deutschen, Polen, Engländern und Indern. Achja die beiden waren übrigens irgendwas um die 20 rum und grad auf einer Tour quer durch Polen. Das pracktischste an der ganzen Sache war aber, dass sie mir natürlich mit meinem Gepäck geholfen haben. jaja das war echt nötig.
Und dann war ich da (um 16.54 mit 10 min Verspätung). Mein Gastvater hatte mich schon gefunden bevor ich überhaupt den Zug verlassen hatte und nahm gleich meinen 50-Kg Koffer entgegen. (Ich sag euch man nimmt viel mehr mit, wenn man nicht fliegen muss) 🙂
Mein Gastvater war mit meiner Gastschwester gekommen um mich aus Lublin abzuholen. Wir sind dann ca noch eine Stunde nach Hause gefahren und ich und meine Gastschwester haben ein bissl gesmalltalkt.
Meine Gastschwester ist ein sehr mädchenhafte sMädchen würde ich sagen. Sie interessiert sich für Mode, Shoppen und spanische Musik. Achja und für Mathe. Ihr Name ist Madzia (kommt von Magdalena) und sie ist echt sehr süß und ehrgeizig, was die Sache anbelangt, dass ich Polnisch lernen muss. Sie hat echt viel Köpfchen. Ich war natürlich erstmal von Vorurteilen geprägt,als ich sie mit hochhackigen Schuhen, den langen Fingernägeln und der Prada-Sonnenbrille sah. -Und bitte lest das nicht abwertend!- Sie ist echt sehr nett und man sollte niemals vom Äußeren einer Person auf ihr Inneres schließen.
Was ich fast vergessen hätte: Sie ist 16 und zwei Köpfe kleiner als ich bzw bin ich zwei Köpfe größer als sie.
Zurück zu meiner Anreise. ich kam dann zum ersten Mal in mein neues Zuhause.
Meine Gastfamilie wohnt in einem relativ normalen Haus, wenn es um die gehobene Gesellschaft von Polen geht. (elektrisches Gartentor, Hund im Zwinger vorm Haus (sie heißt Mamba und darf nachts im Garten rumlaufen), Pool, ein kleines Beet, Terasse, großes Wohnzimmer und großer Fernseher)
Mein Zimmer befindet sich auf dem oberen Stockwerk mit meinem eigenen Badezimmer. Ich glaube mein Zimmer ist nach dem Wohnzimmer und dem Billiardzimmer das größte im Haus. Allerdings ist es unterm Dach und deswegen muss man die Schrägen eigentlich davon abziehen. Mein Zimmer ist echt schön und auch das Badezimmer ist der Hammer, ich sag nur Whirlpoolbadewanne mit Aussicht auf den Himmel. Aber denkt jetzt nicht so eine Badewanne hätte nur gute Seiten. nene. Duschen muss ich nämlich im Badezimmer meiner Gastschwester, weil man das in einer Whirlpoolbadewanne nur im Sitzen kann. jaja so ist das, liebe Freunde. Was lernen wir daraus? Es gibt nicht nur schwarz und weiß!

Wie ihr euch vorstellen könnt, ist das Leben hier echt ein Unterschied zu dem Leben, das ich gewohnt bin. Ob es eine Verbesserung oder eine Verschlechterung ist, kann man echt nicht sagen. Es ist halt einfach anders.
Appropo anders. ich gehe auf eine Privatschule, ja Privatschule. Meine Klasse wird aus 16 Schülern bestehen (11 Jungs, 5 Mädchen) und ich bin der Mathe/Physikklasse. Wenn ihr euch jetzt fragt wer mir die Schule denn bezahlt: Niemand. Ich bin eine Stipendiatin und ich glaube, dass die vielleicht auch ein bisschen mit mir angeben wollen, aber sollen sie nur.
Mein Schulleiter ist auf jeden Fall total nett und er spricht sogar Deutsch. (Er sieht ein bisschen aus wie der Typ aus Ich einfach unverbesserlich) Die Schule beginnt zwar erst Montag, aber ich hatte gestern eine Privataudienz bei meinem Direktor. jaja total der VIP-Guest bin ich.

Eines der Sachen, die nicht so toll ist, ist dass meine Gastfamilie glaube ich ein bisschen das Gefühl hat mit meiner ersten Gastfamilie in Konkurrenz treten zu müssen. Ich versuche das zu minimieren, in dem ich ihnen ständig sage wie froh ich bin jetzt bei ihnen zu sein. Allerdings muss ich mich selbst auch immer wieder daran erinnern die beiden Gastfamilien zu vergleichen, weil das einfach nur unfair wäre. Aber immer positiv denken, schließlich bin ich ja hier ein Jahr, da hab ich schon noch ganz schön viel Zeit um ihnen zu zeigen, wie lieb ich sie hab.

Das wars erstmal!
Liebste Grüße aus Zamosc,
Rosa

Die letzten zwei Tage in Posen- danach gehts nach Zamosc (31.August 2017)

Liebe Freunde und Freundes Freunde,
Viel Spaß beim Lesen wünscht ihre Rosa Lea Felicia aus Polen:

AAAAAAAAAAARRRRRGGGGG nur noch zwei Tage hab ich hier. Ich stehe jeden Morgen auf, mache mein Bett, putze mir die Zähne, gehe zum Frühstück usw. und auf einmal ist er da der Moment, indem man realisiert, dass ich in 48 h ganz woanders sein werde. So ähnlich wie als ich Berlin verlassen habe, nur dass ich hier nie mehr zurückkommen werde. Ich werde nie wieder wie jetzt hier im Wohnzimmer auf dem Sessel sitzen und hier im Moment zu Hause sein. Was ein trauriges Gefühl.
Vorher hieß es immer “Hier wirst du für ein Jahr nicht mehr sein.”, aber jetzt heißt es für immer. Meine Gastfamilie möchte mich zwar besuchen kommen, sowohl in Zamosc als auch in Berlin. Trotzdem ist unsere gemeinsame Zeit, in der ich ein Teil ihrer Familie wurde, vorbei. Ich hätte gerne noch mehr Zeit hier, würde gerne noch den ganzen Wald hinter unserem Haus erforschen, mit meiner Familie hier Weihnachten, Ostern, Geburtstag feiern, aber ich muss weiter. Weiter zur nächsten Gastfamilie, in die nächsten Stadt, in das nächste Haus und in die nächste Schule.
Denkt nicht, dass ich mich nicht freuen. Ich freue mich MEGA auf die nächste Gastfamilie, ein Jahr werde ich bei ihnen wohnen, mit ihnen wohnen. Ich werde mit meiner Schwester zur Schule gehen, mit meinem kleinen Bruder im Garten spielen und mit meinen Eltern am Essenstisch lachen, aber trotz diesen wunderschönen Vorstellungen, habe ich eine kleine Träne im Auge. Ich habe meine Familie hier in Posen so lieb gewonnen und es fühlt sich echt an, wie eine richtige Familie, nicht aufgesetzt, einfach nur offen und ehrlich. Meine Gastschwester hier in Posen ist für mich in einer Art und Weise, die ich nicht erklären kann zu einer Schwester geworden und meine Gastmutter, zu einer zweiten Mutter. Ich merke, dass ich hier hingehöre, ich bin angekommen, ich fühle mich ZUHAUSE.
Trotz alle dem, muss ich übermorgen abreisen und ich bin die Definition von gemischten Gefühlen. Ich freue mich so auf die Familie in Zamosc. Die Familie, die ganz aufgeregt alles für meine Ankunft bei ihnen vorbereitet. Die Familie die schon jetzt mehr Pläne für das Jahr hat, als da überhaupt Tage wäre um sie zu realisieren. Meine Gastschwester, die immer total aufgeregt ist, wenn wir skypen und sich wie wild deswegen durch die Haare streicht. Mein Gastbruder, der sich nicht ins Bild traut (beim Skypen) und trotzdem so neugierig ist, dass er die ganze Zeit neben meiner Gastschwester steht und zuhört, was seine baldigen Schwestern so reden. Und meine Gasteltern, die einen sehr netten und lieben Eindruck machen und die die Entscheidung gefällt haben mich für ein Jahr bei ihnen aufzunehmen. Achja das wisst ihr ja noch gar nicht: ICH WURDE AUSGEWÄHLT (von meiner Gastfamilie). Ich dachte immer, irgendjemand in einem Büro von yfu hätte sich gedacht, dass das schon irgendwie passen würde und mich zugeteilt.
ABER NEIN, falsch gedacht. Meine Familie hat sich mich ausgesucht. Die wollten mich, genau mich.
-Klar, sie hatten nicht viel Auswahl. (Wir sind ja nur drei Austauschschüler in Polen), aber sie haben mich trotzdem ausgesucht!-
Zurück zu den gemischten Gefühlen: Ich bin voller Vorfreude, Euphorie und Neugierde zugleich und doch würde ich auch gerne hier bleiben. Ich hätte hier noch soviel zu entdecken, soviel zu erleben und soviel Zeit zu leben, aber nein übermorgen geht es los UND ICH FREU MICH. Wie sagt man so schön: “Man soll immer dann gehen, wenns am schönsten ist.”
Wenn ich mir jetzt überlege wie es mir jetzt geht, nach zwei Wochen in dieser wundervollen Gastfamilie, Wie wird es mir dann in einem Jahr gehen?
Die Zeit vergeht so schnell, ich habe nur 10 Monate mit meiner Familie in Zamosc, was wenn das zu wenig ist? Was wenn der Abschied so extrem schwer wird, weil es ein Abschied für immer ist? (Und ja ich weis, ich kann sie dann wiedersehen, aber ich werde nie wieder bei ihnen leben und so zu ihrer Familie gehören.)
Ich habe für mich entschlossen, dass ich jede Sekunde auskoste, weil die Zeit rast und ehe ich mich versehe ist das Jahr um und ich bereue, dass ich ich mich nicht mehr in das Familienleben oder die Schule eingebracht habe.
Apropo Schule. Ich werde natürlich zur Schule gehen, wie ein normales polnisches 15-Jähriges Mädchen und ich werde das schaffen. Ich werde vielleicht sogar gute Noten kriegen. Vielleicht nicht morgen und auch nicht übermorgen, aber in ein paar Monaten wäre das durch aus möglich. An alle, die es nicht wissen Polen hat in Europe die viertbeste Schulbildung und weltweit die zehntbeste, also wird es für mich nicht einfach.
Aber ich bin im Mathematik/Physik Zug, dass heißt ich werde in der Zeit hier bestimmt auch noch was lernen für die Oberschule in Deutschland. Immer positiv denken und so.

Ansonsten geht es mir super. Vor zwei Tagen hatten wir einen extremen Nebel am Morgen und ich dachte nur: “Das ist es, das ist die perfekte Metapher”. Ich komme in ein Land, eine Welt, ein Leben, das für mich komplett mit Nebel bedeckt ist und ich sehe nur die Teile, die mir total nah sind. Aber mit der Zeit lichtet sich der Nebel und ich sehe mehr. Ich sehe das wunderschöne Feld, den Fluss oder den Wald. Ich sehe die Schönheit des Landes um mich herum. Ich lerne es kenne.
Ihr müsst es euch wie eine Erdkugel vorstellen, die komplett von Nebel bedeckt ist und je nach dem wie gut man einen Ort kennt, lichtet sich der Nebel mal mehr und mal weniger an diesen Stellen der Erde.
Vorher konnte man sich nur etwas ausmalen, was hinter dem Nebel sein könnte, aber jetzt kann man es sehen, fühlen, riechen. Ich fange an kleine Teile zusehen. Ich kriege mit wie alles um mich herum funktioniert und was für andere bedeutungsloser Alltag ist, ist für mich ein Abenteuer und total interessant. Ich gucke auf dem Weg zur Sprachschule aus dem Fenster und bin fasziniert von der Umgebung, den Häusern, Menschen und der Natur um mich herum. Ich fasziniert von dem Hund meiner Familie, der zu mir kommt und gekrault werden will. Ich finde das alles so schön, so unfassbar schön.
Dieses Lebensgefühl, die Freiheit, die unbedeutenen Kleinigkeiten, die mich jeden Tag umgeben und diese Jahr zu etwas ganz Großem machen.
Ich habe realisiert, dass es nicht anders und auch nicht ähnlich ist zu dem was ich erwartet habe. Die Wahrheit ist ich wollte gar nichts erwarten. Ein Auslandsjahr in Polen, was soll das schon groß sein. Ich meine mein Traum von einem Auslandsjahr begann in Costa Rica. Und jetzt? Ich kann mir gar nicht vorstellen, jetzt in Costa Rica zu sein und ich möchte es auch gar nicht. Ich möchte hier sein. Hier in Polen. Nicht irgendwo in Costa Rica.
Glaubt mir, dass ich das mal sage hätte ich nie erwartet und das ist was ich damit meine. Ich überrasche mich jeden Tag selbst. Ich gehe joggen, atme die polnische Luft ein, sehe den wunderschönen Wald, quatsche mit meiner Gastfamilie bis spät in die Nacht rein und ich bin dabei einfach nur wunschlos glücklich.
Ich vergleiche mich nicht mit meinen Freunden, die vielleicht eine mega geile Zeit in den USA, Italien, Australien oder Deutschland haben (Lg an euch alle). Ich will hier sein ohne, dass ich mein Auslandsjahr, wegen dem was andere erleben, schlecht mache. Und ich möchte auch niemanden haben, der mein Auslandsjahr bewertet, weil das kann nur ich.
Ich möchte mir nicht Gedanken darüber machen, ob andere aus Deutschland das gut, cool oder voll blöd finden, was ich mache. Ich mache das, was ich hier m Moment machen möchte und was ich cool finde! Ich bin alleine, ein Jahr lang und ich finde es super!
-Hab euch alle trotzdem lieb <3-

Aber da ihr bestimmt wissen wollt, was ich eigentlich so gemacht habe in der letzten Woche. Hier eine ganz kurze Kurzfassung:

Ich war in der Sprachschule (Hausaufgaben, Lernen und Üben inbegriffen). Ich war joggen. Ich war bei yfu-Meetings (Wir reden da über Kultur, Kulturschock, Schule, Regeln….). Ich war einkaufen. Ich war in Warschau. Ich hab gelesen. Ich war in einem Museum über die Geschichte Posens. Ich war essen (viermal). Ich habe Unmengen an Tee getrunken. Ich habe gelacht. Ich war bei einer Ballettaufführung. Ich war nochmal joggen. Ich habe im Zug geschlafen. Ich habe M&M’s gekauft. Ich war alleine einkaufen. Ich bin alleine nachhause gefahren. Ich habe unglaublich viel gelernt. Ich habe in Warschau die Kirche besucht, in der Chopins Herz liegt. Ich habe in Warschau sieben Hochzeiten gesehen und eine ein bisschen gecrasht (Wir mussten während der Zeremonie quer durch die Kirche laufen). Ich habe ein Eichhörnchen gefüttert und ich habe etwas geschenkt bekommen.

So das wars erst mal fürs erste.
Also schreibt mir fleißig! Ich freu mich immer, wenn mir angezeigt wird, dass ich Antworten habe bzw dass irgedendjemand das hier liest!
Eure Rosa aus Polen

Schon eine ganze Woche (21. August 2017)

Posen, 21. August 2017

Hallo, ihr Lieben!
Genau jetzt vor einer Woche saß ich im Zug, gespannt auf das Abenteuer was mich erwartet,
gespannt auf die neuen Leute, vielleicht aber auch die Probleme und das komplett neue Leben.
Wie anders kann es sein, habe ich mich gefragt. Es muss doch anders sein, schließlich ist es nicht “mein Leben”. Es muss sich unterscheiden.
Schließlich kenne ich nichts und niemanden und niemand kennt mich. Die Leute müssen doch anders mit mir umgehen, als die Leute, die mich kennen.
Aber so ist es nicht. Ich muss sagen es fühlt sich zwar anders an, aber eher so wie “mein Leben in Polen”. Mein Leben in Berlin hält vielleicht Winterschlaf während ich nicht da bin, aber auf jeden Fall ist ist es gerade nicht anwesend.
Es ist als wäre ich zwei unterschiedliche Personen, beide sind mir zwar bekannt, aber hier bin ich anders. Ich fühle mich anders, bewege mich anders, rede anders und lebe anders.
Ich bin nicht die blonde Rosa aus Berlin. Ich bin irgendwie ein Teil dieser Welt. Ich gehöre hierher. Ich gehöre irgendwie auf eine verrückte Art und Weise zu dieser Familie und zu Polen. Ich gehöre dazu. Ich bin nicht anders. Ich falle nicht (als fremd) auf. Ich sitze alleine, musikhörend in der Straßenbahn und keiner weis, dass ich eigentlich eine Fremde bin.
Eine Fremde in dieser Welt. Fremd im Denken, Bewegen, LEBEN.
Ich gehöre hierher, obwohl ich nicht von hier bin.

Ein verrücktes und trotzdem wundervolles Gefühl zugleich. Ich bin hier zuhause und doch ist alles neu für mich.
Jetzt, nach einer Woche würde ich sagen, es ist nicht wie ein zweites Zuhause, weil sich zweites Zuhause nur wie ein zweitrangiges anhört. Es ist wie ein komplettes Zuhause- halt nur für die “polnische Rosa”.
Damit meine ich gar nicht nur meine Gastfamilie, die ich total ins Herz geschlossen hab. Ich meine die Art zu leben, aus dem Haus zu gehen, in den Bus zu steigen, Spaziergänge zu machen, zu lachen, Rezepte auszuprobieren, im Garten die Seele baumeln zu lassen und sich so zu verquatschen, dass man erschrickt, wenn man auf die Uhr schaut.
Ich bin mit der Welt wie verschmolzen, ja es war wie ein fliessender Übergang von einem Leben ins andere.

Gestern (am Sonntag) war ich mit meiner Gastschwester und ihrer Freundin Julia im Zoo. Julia ist uns für eine Woche aus Warschau besuchen gekommen und fährt mit uns am Samstag, wenn wir auch nach Warschau fahren (für den Tagestrip) nach Hause. Was ich aber eigentlich erzählen will ist, dass ich dort zum ersten mal in Polen aus vollstem Herzen gelacht habe. Und ich meine so gelacht.
Natürlich habe ich vorher auch schon gelacht, aber das war das erste RICHTIGE Schlapplachen.
Warum wir fast von den Picknikbänken fielen, ist dass ich meine lieben Freunde (an der Stelle Liebste Grüße an euch guys) mit einem Foto von einem Bären ziemlich auf den Arm genommen hab. Das Foto zeigt einem Bären (eigentlich im Zoo), der gerade hinter einem Baum verschwindet.

Ich schrieb dazu -wie sollte es anders sein- : ” Oh mein Gott, ich war grad im Wald auf einer Brücke und hab einfach einen Bär gesehen. Das ist soooooo krass!!!!”
Und beeinflusst von Vorurteilen und sehr süßer Unwissenheit, glaubten mir meine Freunde aus Deutschland, dass es in Posen wilde Bären gibt.
Man muss sich mal uns drei Mädchen vorstellen, wie wir uns darüber totlachen, dass Polen den Bären Wodka zu trinken geben und keine Fußball- sondern Bärenkampffans sind und dann sind da noch meine Freunde aus Berlin, die sich für mich freuen, dass ich so unglaubliche Erlebnisse habe. Sogar als ich schrieb, dass meine Gastmutter mir angeblich erzählt hätte, sie habe schon mal einen Bären gestreichelt, antworteten sie nur, ich solle die Bären aber trotzdem nicht anfassen, weil die -ich zitiere-“scheiß gefährlich” wären.
Ja das war mein erstes echtes Lachen in Polen. Danke an meine Freunde in Berlin, dass ihr darauf reingefallen seid. 🙂

Auch mein Polnischkurs hat begonnen und ich bin nicht -wie gehofft- mit Leuten aus der ganzen Welt zusammen, die ein Auslandland in Polnisch machen. Naja ich bin mit einem Typen aus Colorado (Jacob, “Cuba”) und Alex, der vielleicht irgendeinem von euch bekannt sein könnte (Er ist der andere Deutsche, der mit meiner Organisation nach Polen geht), zusammen in einem Kurs.
Ich hatte mir allerdings erhofft mit Leuten aus Asien, Südamerika oder Skandinavien zusammen über Polen reden zu können und mich mit Austauschschülern aus verschiedenen Ländern austauschen zu können.
Leider gehen aber dieses Jahr nur 3 Leute mit meiner Organisation nach Polen. Normalerweise sind es 8-15 pro Jahr. Und der Hammer ist ja, dass wir alle polnische Wurzeln haben.
Ist Polen wirklich so unbeliebt, dass nur Leute mit polnischen Wurzeln hierher wollen um ihr Polnisch zu verbessern oder weil sie bestimmte finanzielle Unterstützung dafür bekommen?
Gibt es niemanden, der Polen einfach faszinierend findet und so hierher will?
Hat Polen es verdient so unbeliebt zu sein und so unter seinem Wert behandelt zu werden?- Warscheinlich nicht.

Auf jeden Fall ist meine Lehrerin relativ streng und redet mit mir auch meist nur auf Polnisch. Ich sagen davon, dass ich sie verstehe bin ich noch weit entfernt. ABER ich mache Fortschritte und das ist das wichtigste.
Ich kann jetzt die Wochentage und ich lerne auch gerade die Pluralform von Adjektiven und Nomen. Ich muss sagen beim deklinieren weis ich noch nicht mal was die Wörter heißen, aber trotzdem kriege ich es hin irgendwie die Aufgabe zu lösen. Ich versuche jeden Tag ein bisschen zu lernen und merke immer mehr wie schwierig Polnisch ist, vorallem wenn es in Englisch erklärt wird.
Die polnische Sprache hat sieben Fälle, die englische keinen. Also wie erklärt man einen polnischen Fall auf Englisch?

Das Ding ist, ich könnte hier noch alles bis ins kleinste Detail beschreiben, aber ihr könntet es trotzdem nicht so sehen wie ich. Es sind meine Erinnerungen und Erlebnisse, die ihr vielleicht anders auffast oder vielleicht auch komplett richtig, aber ihr werdet nie das fühlen, was ich fühle oder das sehen, was ich durch meine Augen sehen. Es ist verrückt sich vorzustellen, was ihr alle für unterschiedliche Vorstellungen von meinem Auslandsjahr habt. Jeder von euch wird bei meinen Worten andere Impression haben, einen anderen Gedanken, eine andere Geschichte. Beschreiben kann keiner von euch diese Bilder und Gefühle, die ich euch vermittel, weil man manche Sachen einfach nicht in Worte fassen kann, so dass sie genau das in anderen bewirken, was man erlebt hat.

Beste Grüße aus dem regnerischen Posen!
Eure Rosa